Willkommen!

Wupperpostille klingt nach Lokalnachrichten, manchmal geht es hier auch um regionales Klein-Klein. Sonst aber eher um geneigten Austausch mit euch, die ihr selbst bewegt seit von dem Leben, wie es nun einmal ist. Um Glaube, Vertrauen, Menschlichkeit, Mitgefühl, Philosophie, Alltagskram.

Darum, mir bei aller Breite,Tiefe und zeitweisen Schwere des Lebens das lachen zu bewahren.

Mehr von mir gibt es beim Wassertiger nebenan.

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Montag, 200921

Es gibt hier einen Mitarbeiter, hauptsächlich im Außendienst, der uns allmorgendlich beehrt. Sicherheitsschuhe sind ihm fremd, ebenso Arbeitskleidung, dafür bringt er ein dickes Fell mit, das ist immer hilfreich, ebenso sein stoischer Charakter. Leicht taub scheint er auch zu sein, was kein Nachteil sein muss, wie ich aus eigener Erfahrung weiß – Ich trage so dezenten, angepassten Gehörschutz – wenn mich wer anspricht, lasse ich mein Gegenüber erst mal freundlich lächelnd ein paar Sätze sagen, bevor ich mir die Dinger demonstrativ aus den Ohren porkele, verbunden mit einer Entschuldigung sowie der Bitte, doch noch einmal von vorne zu beginnen. Das schafft beim Gegenüber so eine gewisse Mischung aus Demut und Verzweiflung, was einer weiteren sachlichen Kommunikation durchaus förderlich sein kann.

Zurück zur Sache, der Außendienstler. Wie gesagt, er kommt jeden Morgen, immer dasselbe Ritual. Mit dem ersten Kollegen vor Ort betritt er die Werkstatt und fordert erst einmal lautstark Frühstück, er weiß auch schon genau, wo das so aufbewahrt wird und lässt einem kaum Gelegenheit, die Köstlichkeiten ordentlich zu servieren. Da wird gedrängelt und gepöbelt, wie gesagt, er kennt sich aus, im Geschäft. Ist er dann endlich gesättigt, wird Vertraulichkeit getauscht, oder besser, empfangen. Im Nehmen ist er richtig gut. Dann sucht er sich ein Plätzchen, welches nicht wirklich ruhig sein muss, stoisch & taub lassen grüßen. Da pennt er dann ein paar Stunden, bevor er sich träge erhebt und laut einen Nachschlag fordert, den er meist auch bekommt. Zum Abschied scheißt er noch in unseren Vorgarten, bevor er wieder seine Bahnen zieht, da draußen.

Wir lieben ihn sehr.

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Sonntag, 200913

Sonntag Morgen, gefüllt mit Energie aus meinem Morgenritual sitze ich hier und genieße die Zeit, weil mir bewusst ist, wie flüchtig so ein Gefühl ist. Immer nur ein Geschäft auf Zeit, wie der Sand einer Sanduhr im oberen Teil immer weniger wird, so verflüchtigt sich bei mir die positive Energie über Tag, mit andauernden Einflüssen vom Außen. Langsam und stetig geht das. Mir fällt dieser kontinuierliche Schwund im Alltag beim betrachten eines gerade wunderschön blühenden Strauchs am Rand vom Arbeitsweg auf. Am Morgen bleibe ich im Dämmerlicht stehen, schaue die satten Farben, nehme das Bild erfreut mit. Wenn ich am Nachmittag wieder dort lang komme, steht dort derselbe Strauch im gleißenden Sonnenlicht, aber ich sehe ihn anders, selbst wenn ich einen Moment verweile, gefüllt, wie mein Innerstes ist, mit den Eindrücken und Herausforderungen des Tages.

Am Abend setzt sich das fort, auch abseits von den alltäglichen Arbeiten daheim. Das Nachtschattengewächs in mir meldet sich, ebenso der schwarze Vogel, der leise kichert. Geh `du ruhig in die Sonne, sagt er, wir leben ja, Gott sei Dank ,nicht am Polarkreis. Und selbst dort bin ich bei dir … Ok, so soll es sein, denke ich, und lasse den Gefiederten dort, wo er ist. Seine Lieblingsspeisen gebe ich ihm nicht mehr, die Zeit ist vorbei.

Auch die Motive ändern sich, am Abend.

Manch Schönes bleibt auch ein wenig, so wie diese Warte-Zeremonie vor dem großen Fressen. Das ist im übrigen der einzige Sinn und Zweck der beiden Hocker …

Und – weil`s gut ist, gut tut …

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Samstag, 200912

Großes Staunen oder von meinen Surf-Gewohnheiten zu Lande.

An manchen Tagen schaffe ich es, binnen 20 Minuten 10 Tabs im Browser zu öffnen, um darin kreuz und quer zu lesen. So wie gerade eben. Jemand schreibt über Zirbeldrüsenmeditation (Auch eines von vielen möglichen Objekten der Aufmerksamkeit bei klassischer Meditation). Dann geht´s los. Zirbeldrüse, aha. Funktion, mögliche Störungen, Lage im Gehirn und so weiter. Melatonin – jetzt wird`s spannend. Körper-eigene Drogen und so. Vom Melatonin geht es weiter hin zur Weißfleckenkrankheit (da kannte ich mal jemanden, den ich sehr mochte). Hier wiederum finde ich Hinweise auf eine mögliche charismatische Heilung (die nichts mit der entsprechenden Glaubensrichtung zu tun hat), da Stress als Auslöser wirken kann. Den umgekehrte Weg beschreibt die so genannte charismatische Heilung, die von der Wissenschaft als mögliche Erklärung der in der Bibel beschriebenen Heilung eines Aussätzigen durch Jesus herangezogen wird. Nach einem kleinen Exkurs über charismatische Herrschaft als eine von dreien möglichen Formen von Herrschaft komme ich wieder zurück zur charismatischen Heilung.

Was für eine schöne Vorstellung. Heilung durch echte, warm flutende, jede Zellfaser durchdringende Liebe. Vielleicht gibt es das doch … Die Gedanken daran versuche ich nun mitzunehmen, auf dem Weg in die samstäglichen Verrichtungen.

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Freitag, 200911

Immer wieder.

Wenn am frühen Morgen die Nase trotz Spülung nicht wirklich frei ist, die Bronchien das atmen erschweren, wenn die Energien nicht fließen wollen. Wenn die Nachtschatten nicht weichen wollen. Wenn Gelenke und Sehnen schmerzen.

Die gute halbe Stunde Übung schafft Linderung, einen etwas besseren Energiefluss. Ein wenig mehr Zuversicht für den Tag, ein wenig mehr Vertrauen in das Leben.

Eigentlich ist es einfach. Einfach anfangen. Die Trägheit überwinden. Das Phon weg legen und sich für eine Weile nicht mit den Leben der anderen beschäftigen. Anfangen ist immer die größte Hürde, gleich neben dem Vertrauen auf die langsam einsetzende Wirkung, gefolgt von der Geduld, sich Veränderung regelrecht zu erarbeiten, langsam, in Ruhe. Die Befindlichkeit – ohne sofort wirkende Chemie – zu verändern, dauert eben, geht aber.

Ein kleines Wunder.

Sonntag, 200906

Wie nahe Licht und Schatten beieinander liegen können, war gestern Abend fein zu sehen. Wie so oft halt. Die Augen wollen auch noch nicht so, wie ich, heute Morgen.

 

Besondere Erkenntnisse abseits von Routine:

  • Mit zunehmenden Alter wird es schwieriger, sich zu verabreden, von Spontanität, die ja sowieso gut überlegt sein möchte, mal ganz zu schweigen. Zuviel kann dazwischen kommen, in Sachen Familie und Corona. Absagen meinerseits derentwegen kenne ich auch nur zu gut.
  • Gelenke und Sehnen unterliegen altersbedingten Verschleiß und Sanitätshäuser werden von Wucherern geführt. Früher hat man sie aufgehangen und nun wollen sie des bösen Karmas willen der Menschheit Gutes tun, mit altem Geschäftsgebaren. Gelernt ist gelernt.
  • Der schwarze Vogel schlägt sachte mit den Flügeln und erinnert mich an seine latente Anwesenheit. Zeit für Licht, Luft und Sonne, Meditation, Gebet und vielleicht das eine oder andere liebe Wort.
  • Musik kann ebenso helfen, die Befindlichkeit zu manipulieren.

Und zum Schluss: Überkommene Rituale kann man auch unterlassen. Oder vermisst die hier jemand?

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Sonntag, 200830, am Abend

Was ist schon, wie es scheint? Ein Spiegelbild macht das deutlich, wenn auch nur auf visueller Ebene. In jüngster Zeit frage ich mich, woher diese weit verbreitete Orientierungslosigkeit kommt, die so seltsame Blüten treibt. Ist die Welt wirklich so unüberschaubar geworden, und falls ja, war es mal wirklich anders?

Würde mir die Deutung meiner eigenen Gefühls-Gemengelage stets so leicht fallen wie die der derzeitigen gesellschaftlichen Zu-und Umstände, mir ginge es noch ein wenig besser als nun. So kompliziert isses nun wirklich nicht, vielleicht gilt das auch auf persönlicher Ebene. Die letzten Jahre jedenfalls lassen hoffen.

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