Willkommen!

Wupperpostille klingt nach Lokalnachrichten, manchmal geht es hier auch um regionales Klein-Klein. Sonst aber eher um geneigten Austausch mit euch, die ihr selbst bewegt seit von dem Leben, wie es nun einmal ist. Um Glaube, Vertrauen, Menschlichkeit, Mitgefühl, Philosophie, Alltagskram.

Darum, mir bei aller Breite,Tiefe und zeitweisen Schwere des Lebens das lachen zu bewahren.

Mehr von mir gibt es beim Wassertiger nebenan.

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Sonntag, 220814

Schlaflos bei molligen 28 Grad.

Gedankenkreisel, der gestrige Tag. Eigentlich ist alles in Ordnung, der Tag lief alles in allem wie geplant. Wäre da nicht die extrem kurze Zündschnur, was andere Verkehrsteilnehmer angeht. So stelle ich meinen Kleinstwagen in die allerletzten Mini-Lücken, im Kiez Alltag, in der bürgerlichen Nachkriegssiedlung meines Geburtsortes sorgt das für Empörung. Kommt mir gerade recht, da darf ich üben, die Fassung zu bewahren, mit meiner 87-jährigen Mutter neben mir. Allein wäre das möglicherweise anders abgelaufen.

Gottverdammter Stadtteil, ich komme nicht davon weg. Hier bin ich aufgewachsen, hier hat alles seinen lokalen Ursprung. In eine paar Stunden fahren wir wieder dorthin, diesmal liebe Freunde besuchen, die etwas außerhalb, aber immer noch in diesem Kaff wohnen. Ich mag sie sehr, darum nehme ich eine weitere Fahrt entlang der engen, miefigen, mit klebriger Erinnerung behafteten Straßen in Kauf.

Neulich hob wieder jemand Geld ab, am Automaten. Unkonventionell und nicht gerade leise, mitten im „Zentrum“ von dem Dorf. Das ist nicht fein, nein, und ein übles persönliches Saldo rechtfertigt auch nicht den gestörten Nachtschlaf sowie manch schiefhängendes Bild der Eingeborenen oder Zugezogenen dort. Und für mein Ego ist es auch herausfordernd, meine erste Reaktion war der Gedanke, dass wieder unsägliche Idioten am Werk waren. Tiefbegabte Möchtegern-Verbrecher, nehmt mehr Sprengstoff, dann hat sich jedes Parkplatzproblem schnell erledigt. Jagt das ganze Dorf hoch, dann gibt es auch fein Platz für die 2031 geplante Bundesgartenschau.

Und nein, ihr könnt alle nichts dafür. Die historisch leicht inzestuös veranlagten Dörfler ebenso wenig wie die die dusseligen Pseudo-Banditen, vom Vollmond fange ich jetzt mal gar nicht an. Ist nur meine eigene Gereiztheit, meine Schlaflosigkeit, die unter anderen solch grenzwertige Blogeinträge produziert.

Ich gehe jetzt meditieren und dann Brötchen holen. Danach meditiere ich weiter, solange, bis die potentiell üblen Schwingungen der anderen Brötchenholer sich von meinen eigenen getrennt haben. Zwar werde ich sie nicht alle lieben können, aber irgendwo muss ja angefangen werden.

I’m a loner in a claustrophobic mind

Freitag, 220812

Angebrütet. So fühle ich mich gerade, unmittelbar nach meiner freitäglichen Lieblingsbeschäftigung – Wohnung saugen. Ist eh schon warm hier, jetzt noch ein wenig wärmer. Sachen stehen noch umher, auch der Tisch wartet darauf, wieder an seinen Platz gestellt zu werden und ich warte darauf, dass das Gekatze die ungewohnt freie Fläche räumt, damit das Tischchen wieder Normalgewicht bekommt. Sonst nehme ich es, wie es ist, mit der Schönen obendrauf, die währenddessen stur sitzen bleibt. Jetzt nicht, ist warm.

Vollmond ist auch. Supermond, heißt es. Mir reicht der normale Vollmond schon, fängt der auch noch an, mit Superlativen. Aufgeblasener Trabant, mir reicht deine Normalgröße völlig, Wasser- und Träumeschieber.

Ich könnte jetzt Lokalzeit gucken, bergisches Klein-Klein. Das lasse ich, weil ich gerade eine sinnarmen Eintrag schreibe und weil mir diese Stadt wegen dem ausgefallenen Urlaub gerade ein wenig zum Halse heraus hängt. Die gegenwärtige Wurschtigkeit und das latente mich-angepisst-fühlen muss wohl auch mit dem dicken Ding da oben zusammenhängen. Die Liebste trifft eine Freundin. Meine Freunde haben alle keine Zeit, haben Arbeit und Familie, so wie ich auch. Oder wohnen sonst wo, jedenfalls zu weit weg. Außerdem ist morgen Samstag, da kann ich ausschlafen, stehe erst um 5 statt um 3.20 Uhr auf (grinst da wer?). Morgenroutine, dann einkaufen. Anschließend Mutter besuchen, dann Mutter mitnehmen zum Vater ins Heim. Wochenende fängt bei mir so gegen Zwei an, dann bin ich meist wieder hier.

Vater hat Humor, so zwischendurch jedenfalls. Ich solle doch nicht auf irgendwas verzichten, nur um ihn zu besuchen, meinte er neulich. Is klar, Vatter, als du so alt warst wie ich jetzt, ging die große Reise los. Neidisch? Nein. Möchte nur mal aus der Stadt raus, fürn paar Stunden, bin ansonsten gern zuhause. Und ich erzähle auch niemanden, wie ich mich fühle, wenn ich um 3.20 aufstehe, um 6 anfange, zu werkeln um 2 schnell dusche, um danach zum testen zu fahren und anschließend schön mit 30 Km/h (höchstens) über die A46 zu dir, weil du mir verdammt noch mal leid tust. Weil ich mich dito über Besuch freuen würde, wenn ich so am Arsch wäre wie du. An Tagen wie diesen bin ich um halb Acht im Bett. Mach ich auch nur einmal die Woche, zu mehr reicht es bei mir nicht.

Selbstmitleid? Auch was, ist nur der Scheißmond. Und außerdem bin ich es jetzt los, Blogland ist geduldig und Freitag Abend ruht hier eh still der See. Wer dennoch mitliest, darf sich seinen Teil denken und es besser machen. Wobei ich das alles schon gut mache, für mich. Ich bin ja auch nicht meine Leser 🙂

Bevor ich mich jetzt noch weiter emotional und verbal versteige, höre ich mal lieber auf. Die Schöne ist auch wieder vom Tisch, der Rest vom Budenzauber kann Ballast-frei beseitigt werden.

Schlusslied: Einer singt, ein anderer schreibt.

Ok, einer geht noch. Wenn schon dem inneren Kind via Ablenkung der nackte Arsch gezeigt wird – mein letzter „Therapeut“ sprach in dem Zusammenhang von der „kalten Schulter“, aber die hat gerade schön warm – also wenn schon, dann denn schon …

Drabble-Dienstag, 220809

Erst wollte mir rein gar nichts einfallen. Bild gespeichert, Klappe zu. Dann ein Spaziergang in der Nordstadt, und siehe da, es geht eben nichts über eine glückliche, erfüllte Kindheit in den 70ern 🙂 Hier im Quellbeitrag kann man in den Kommentaren via Links die Ergüsse meiner Mitstreiter lesen 🙂

Schiff – Masken – Flammen
100 Wörter
Und los.

Patschehändchen – so nannte ich ihn im Stillen, nur für mich. Unseren Mathe-Lehrer in der Fünften und Sechsten, der zugleich für Religion zuständig war. Jeden Samstag zog er mit uns zur Kreuzkirche, unweit der Schule, und saß mit gefalteten Händen sehr fromm vorneweg im Kirchenschiff, andächtig dem Pfarrer lauschend. Ein sehr erstaunlicher Wandel für dieses faschistoide Arschloch, das er im Mathematikunterricht abgab, wenn er alle Masken fallen ließ, pöbelte und mit Gegenständen warf. So wurde aus dem Klassenzimmer ein in Flammen stehender Dom, dank seiner Agitation. „Nichts wird aus dem, stinkend faul ist er“. Elternabend, und Mutter heulte zuhause. Ruhe unsanft!

Da ist sie, im Hintergrund, heute Diakoniekirche.

Sonntag, 220807

Sepia

Draußen blendet gleißendes, helles und sehr klares Sonnenlicht, während ich den Tag beginne. Undiszipliniert, für meine Verhältnisse. Die eigene Fassade teilsaniert, die morgendlichen Übungen fürs schreiben unterbrochen, bevor sich die Worte wieder dadurch tun. Die Liebste ist in Sachen Familie und Kunst unterwegs, das ist schade, weil ich nicht mit kann und gut, weil ich so auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Auch mal nett, allein einfach das zu tun, wonach gerade der Sinn steht. Nicht im Sinne von sich selbst finden (Hallo, hier bin ich), sondern schlicht der sein, den es im Augenblick gibt. Kommt in letzter Zeit nicht so oft vor, scheint es – aber auch das ist nicht stimmig, bin ich doch auch in meinen familiären und beruflichen Eigenschaften der, der ich bin, auch wenn jeweils andere Facetten sichtbar sind.

Gestern saßen wir zusammen und lasen vom Pfarrer Heinz Kappes, seine Ausführungen innerhalb der Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker, die weit über das Thema Suchterkrankungen hinausgehen, hin zu universaler Liebe, die keine Religion braucht. Eine gemischte Alt-Herren-Damen-Runde in sehr überschaubarer Zahl. Ich mag dieses gemeinsame lesen und anschließendes Gedanken-teilen sehr, wohl wissend, die Zeit wird unsere kleine Runde gnadenlos biologisch zerlegen. Dann ist das so, selbst gehe ich nach solch einem Treffen immer gefüllt mit guten Gefühlen meiner Wege. Gefüllt mit einem Gefühl von Orientierung.

Orientierung ist etwas, woran es mir „von Haus aus“ mangelt. Das spiegelt sich vielleicht auch in diesen Zeilen wieder. Wo stehe ich, mit meinen fünf mal 12 Lebensjahren? Oft genug ein emotionaler und geistiger Eremit, Teilzeit-Familienmensch, der sich schwer mit der Vorstellung tut, die anderen könnten ihn tatsächlich so lieben und wertschätzen, wie er ist, jetzt und hier. Und ja, Achtung, Gegenverkehr – kriege ich das bei den anderen immer so hin? Dualitäten allerorten, wie immer.

Und nein, ich suche nicht den Sinn des Lebens. Ich lebe, das ist Sinn genug, analog zum mich-finden-wollen, was genau so müßig ist. Ich stelle mich, wenn ich es versuche, auf den Punkt zu bringen, den Herausforderungen meiner Zeit, bin da, wo ich gebraucht werde, zeitweise aus einem irgendwie gearteten Pflichtgefühl heraus, selten nur noch aus Berechnung, das eigene, arg zerzauste Karma aufzuwerten und manchmal auch aus Liebe, das fühlt sich so an, weil es warm und dicht ist.

Kappes spricht von einer „Sucht, gebraucht zu werden“. Wieder so eine Stolperfalle des eigenen Egos. Wenn dagegen die eigene Intuition (die beiden sind Geschwister, Ego und Intuition) das gefühlte oder gelebte mit ausreichend vergangener Zeit und einem positivem Körpergefühl abnickt, dann geht das in Ordnung, kann so weiter gehen, dann dient es nicht nur dem eigenen Selbstzweck, sondern dem Bedürfnis nach Entwicklung, Heilung, weiterkommen. Kann sogar Freude machen, was für manche gesegnete Frohnaturen seltsam klingen mag, für ein Nachtschattengewächs mit zunehmender Liebe zum Licht, wie ich eines bin, dagegen noch ein recht junges Pflänzchen ist.

So, und nun habe ich genug vermeintlich oder tatsächlich Gehaltvolles von mir gegeben und darf auch mal ganz unverdächtig ein leicht frivoles Bild von mir zeigen, nicht Sepia, wie eingangs geschrieben, sondern Drei-Farben-farbreduziert. Mit Fünf mal Zwölf geht das in Ordnung, ohne die Absicht, noch irgendwelche Preise gewinnen zu wollen 😉

Drabble Dienstag, 220802

Schultern – Tabelle – zuerst
Wohlan…

Erwerbstätigkeit – etwas, das sich für ihn überholt hat, einfach nur noch lästig ist, aber leider unerlässlich. Ehrgeiz, was für ein antiquierter Antrieb, er kennt ihn aus seiner Lebensgeschichte nur zu gut. Vergangenheit – sie lassen ihn nicht gehen, in den so genannten Ruhestand. Auf seinen Schultern liegen schwer wie Blei familiäre Themen ebenso wie die Auseinandersetzung mit des Menschen Endlichkeit, während er irgendeine für wichtig deklarierte Tabelle sichtet. Auch daheim geht es mit organisatorischen Kram weiter, das kann er, das tut nicht weh, anders als die Besuche auf der Endstation des Lebens. Das wichtigste zuerst – noch ruft die Arbeit, leiser werdend.

Sonntag, 220731

Ein paar Stunden abseits von Pflegeeinrichtung, Elend, Wassereinlagerungen, Auseinandersetzungen mit Bank, Versicherungen, GEZ, Krankenkasse. Bilder von gestern Nachmittag.

Ölberg, frisches Wand-Tattoo

Und – irgendwo an der B7. An Blütenmeeren gehe ich vorüber, schaue und denke, wie schön. Aber eine Einzelne unter Zahlreichen ihrer Art, die blühen könnten, es aber warum auch immer nicht tun – da bleibe ich stehen und staune.

Italienische Momente.

Weil das Leben nicht nur ein Ende, sondern auch, wie in meinem Fall, ein recht fortgeschrittenes Mittelstück hat.

Milieu-Studie

Unsere Werkstatt kommt in die Jahre, wie auch das übrige Equipment samt Mitarbeiter. Es tropft von der Decke, auch wenn es nicht regnet und ein Lichtschalter macht mehr als verunsichernde Geräusche beim schalten. Natürlich bin ich ein guter, weil pflichtbewusster Mitarbeiter und melde das Ganze Vorschrifts-gemäß, weil ich nicht dafür angegangen werden möchte, wenn die Bude hier gewässert wird – oder abbrennt. je nachdem, was zuerst eskaliert. Und so mache ich Bilder, schildere den Sachverhalt samt detaillierter lokaler Beschreibung in einer Mail an den Facility-Manager, der es im übrigen überhaupt nicht leiden kann, wenn man ihn ganz altmodisch als Hausmeister tituliert. CC Chef, weil der muss es auch wissen. Betreff-Zeile vergessen, was reinschreiben?

Ich entscheide mich für molto rotto, weil es so schön morbid klingt. Ich liebe die italienische Kultur und Sprache – spätestens seit Gianna Nannini 1985 auf Rock am Ring blank zog – sogar mit Hingabe. Später hörte ich dann, dass mein Chef fragend durch die Nachbarabteilung, die auch seiner Hoheit untersteht, zog, und sich von seinen südeuropäischen Kollegen aufklären ließ. Hatte er mich doch in Verdacht, wieder mal etwas mindestens zweideutiges, wenn nicht sittenwidriges von mir gegeben zu haben. Viel kaputt klang dann auch für ihn unverdächtig und eher beschreibend denn unverschämt.

Selbst bin ich froh, in meinem fortgeschrittenen Lebensalter den Weg der Mäßigung beschreiten zu dürfen. Es gab eine Zeit, da hätte ich geschrieben: Tutto nel Culo – allumfassend eben 😉

Diesseits und Jenseits

Donnerstag, 220728

Vater kommt nicht an, in seinem neuen Zuhause. Tief traurig hängt er wie schon so oft längst vergangenen Zeiten nach. Ein Mensch, der immer schon nur seine Vitalität hatte und seinem Geist kaum Beachtung schenkte. Sterben möchte er, sagt er. Ich nicke stumm und begrenze meine Zeit mit ihm. Was soll ich ihm auch sagen? Damit er mich und andere auch nur ansatzweise versteht, muss man ganz dicht an sein Ohr und dann hinein brüllen, dann gehts. Was vom Gehörten dann wirklich bei ihm ankommt, ist wieder eine ander Sache. Außerem habe ich keine Lust, die Station mit meinen Vorstellungen vom Jenseits zu unterhalten.

Habe ich Vorstellungen vom Jenseits? Nein, habe ich nicht. Es ist so ein diffuses Gefühl, wieder heimgehen zu dürfen, bevor die nächst Runde beginnen muss. Dort, wo wir herkommen und wieder hin dürfen, das ist nur eine Art Ruheraum, zum resetten, zum Loslassen, so es denn nicht schon auf Erden stattfand und scheinbaren Vergessen der letzten Existenz. Scheinbar deshalb, weil ich an ein tieferes Wissen glaube, das losgelöst ist von Geschlecht, Rollen, die wir spielten, Verwandtschaftsgrade, sozialem Stand. Ein Vorgang, der unterschiedlich lang dauern kann, in meiner Vorstellung, je nachdem. wie sehr wir unserm letzten Dasein noch verhaftet sind. Wiederkommen müssen wir, weiter lernen, in so einem immer noch erbärmlichen Zustand kann die Menschheit nicht verbleiben. Aber zuvor dürfen wir ausruhen und irgendwie freue ich mich darauf.

Werbung, unbezahlt, aus Begeisterung und Überzeugung:
Buch zum Thema.

Gestern war ich bei ihm. Gut auschauen tat er, sie machen ihn so langsam zurecht, dort. Irgend jemand hat ihn ordentlich rasiert, das wollte ich übernehmen, hat sich erst mal erledigt. Vater wunderte sich, er wusste genau, dass ich Donnerstag gesagt habe. Hab ich vorgeschoben, sage ich, wegen deiner Medikamente. Was er dagegen nicht mehr wusste, war, dass ich verheiratet bin, sogar zum zweiten Mal. Ich muss grinsen und zeige ihm ein Bild seiner Schwiegertochter Nr 2. Nein, ich wohne nicht bei Mutter, sage ich lächelnd. Das fehlte noch. So langsam lerne ich das Wesen einer Demenz kennen …

Warum zog ich den Besuch bei Vater einen Tag vor? Verwaltungskram und deutsches Recht. Am Freitag wurde er aufgenommen, auf Wunsch der Einrichtung brachte ich alle alten noch vorhandenen Medikamente mit. Es gäbe einen potentiellen neuen Hausarzt, sagten sie. OK, dachte ich, läuft. Hoffentlich haben alle das Wochenende auf dem Schirm, weil jede Klinik nur für 3 Tage Medis mit gibt, so auch Vaters letzter Aufenthalt, die Psychiartrie.

Montag, halb vier am Nachmittag dann ein Anruf von Station, Vater hätte keine Medikamente mehr. Ich solle mich kümmern. ?!? Dazu hätte ich erst testen, dann nach Barmen fahren müssen, Versichertenkarte und aktuelle Verordnung abholen müssen, um dann schnellstmöglich den alten Hausarzt, oder besser dessen Urlaubsvertretung aufsuchen müssen, Rezept ausfertigen lassen, Apotheke fahren, Zeug abholen und wieder ins Heim zurück. Das alles hätte mich einen weiteren freien Tag gekostet, mindestens. Ich erinnere die Kollegin an die Verantwortung ihres Hauses und schreibe Dienstag früh ein Fax an die Geschäftsführung.

Gestern dann, bevor ich Vater sah, erst mal zur Pflegedienstleitung, nachfragen. Man entschuldigt sich wortreich, man hätte nun den vorgesehen neuen Arzt erreichen können, der nach einigem hin und her nun Vater aufgenommen hätte, Verordnung wäre da, samt aktueller Medikamente. Der Neue möchte schnellstmöglich herkommen. Gut, sage ich, hat Eile, das Wasser steigt. Etwas, was ich nicht verstehe, weil ausgerechnet von den Entwässerungspillen noch reichlich da ist. Auf Station dann zur diensthabenden Kollegin, dem Slang nach dieselbe, die mich Montag anrief. Warum Vater soviel Wasser hat, will ich wissen. Irgendwie wird drumherum geredet oder ich verstehe in meiner Aufgebrachtheit etwas nicht, jedenfalls biete ich der Dame an, sie persönlich haftbar zu machen, wenn der Alte absäuft. Originalton, so ist das, wenn man keine Zeit zum denken hat, bevor man spricht. Woraufhin mir die Kollegin die Verordnung der Psychiartrie zeigt, liest mir jedes einzelne Medikament vor und wofür es ist. Die Entwässerungspillen haben sie schlicht vergessen, das ist es, und ohne Verordnung dürfen sie nicht verabreichen, Wasserstand hin oder her. Mittlerweile wuselt Vater um uns herum, in seinem Rolli und meckert über den Stromausfall letzte Nacht. Mein Ton wird augenblicklich umgänglicher und nach einer Weile bringe ich sogar so etwas wie eine Entschuldigung zustande. Sobald der neue Arzt kommt, wird er schauen und verordnen, dann kann gegeben werden. Einfach reinwerfen ist nicht, auch wenn die alte Dosierung bekannt ist.

Irdische Probleme. Eine meiner Lernaufgaben ist offensichtlich, schneller denken als reden zu lernen. Das ist übrigens das Geile am schreiben. Hier hat es Zeit. Und eine Return-Taste für manchen wieder besseren Wissens geschriebenen Unfug.

Drabble-Dienstag

Na dann.

Umstritten ist zum Beispiel, wie viel Sauberkeit der Gesundheit zuträglich ist. (Boah, ein Satz, und alles erschlagen). Eine gute Portion Bakterien und anderer Mikroorganismen – solange sie eine gewisse Größe nicht überschreiten und sich nicht deutlich sichtbar von allein durch die Wohnung bewegen – ist dem Wohlbefinden durchaus förderlich. Nicht umsonst haben Menschen mit extremen Waschzwang nicht nur eine sprichwörtlich wie tatsächlich dünne Haut, sie leiden meist auch unter einem verkackten Immunsystem. Meine Bude jedenfalls ist sauber genug, um gesund zu bleiben und ausreichend dreckig, um dabei noch glücklich zu sein. Ein Kalenderspruch, ist nicht von mir, füllt aber die einhundert Wörter.

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