Und wieder Sonntag

So einer mit viel Sonne. Da denke ich, ein wenig mehr Regen wäre gut für die Erde, verbunden mit ein wenig mehr Sonne in den Herzen. Bei mir angefangen, wo sonst. Ja, die Zeiten sind unüberschaubar, verunsichernd und auch beängstigend. Merkwürdiger Weise macht es mit mir weniger als erwartet, weil innerlich vertraut. Mal `ne Krise von außen statt von innen – der einzige Unterschied ist teilweise verschiedene Herangehensweise. Akzeptanz und Annahme ist innen wie außen der erste Schritt. Äußere Krisen sind im Vergleich zu inneren Krisen mit einem höheren Grad an Anpassung verbunden und auch mit vergleichsweise größeren Risiken, gesellschaftlich.

Was hilft – neben Hoffnung, Glaube und Vertrauen: Ein bei aller Emotionalität etwas realistischer Blick auf die Dinge. Es ist nur ein VIRUS, keine Weltverschwörung, wie einige selbst aus meinem Umfeld zunehmend glauben. Natürlich gibt es Kräfte, die diese Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Und wieder – Vertrauen, hier auf die Gegenkräfte, ganz konkret unsere Verfassung und deren Vertreter. So lahm und quer, wie unsere Demokratie oft auch rüber kommt, mit ihrer Langsamkeit und föderalen Struktur, zu jeder Kraft gibt es eine Gegenkraft. Nicht nur in der Physik.

Hier ein guter, wenn auch langer Artikel zum Thema, für euch freigeschaltet auf

Krautreporter

Sonst so? Alte Rezepte wirken immer noch. Selbst ein maskiertes Lächeln bekommt Antwort, selbst eine freundliche Bemerkung hinter einer ehemaligen Unterhose im Gesicht findet Resonanz. Geht doch! Und ja, ich schreibe das hier hauptsächlich auch für mich, damit ich das nicht vergesse.

Denen hier ist die Gesamtlage übrigens wurscht. Wenn ich bei ihnen liege, spüre ich das. Positive Vibrations. Zumindest für eine kleine Weile …

Auch ja, falls es jemand vermisst …

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Schraube locker

Eine typische Eigenschaft der phobischen Persönlichkeit, schreibt Scott Stossel, sei das Bedürfnis und die Fähigkeit, anderen eine relativ gelassene, ruhige Erscheinung zu bieten, während sie innerlich unter extremem Stress stehen. „Manchen Leuten mag ich ruhig vorkommen. Aber wenn man einen Blick unter die Oberfläche werfen könnte, würde man sehen, dass ich wie eine Ente bin – ich strampele, strampele, strampele.“

Ein guter und lesenswerter Artikel rund um die Angst, um Depressionen, den Umgang damit und typische Medikationen. Für euch vollständig lesbar :

HIER


Meine Angst ist definitiv älter als die Sucht, bei Depressionen ähnelt das Ganze dagegen eher der Frage nach der Henne und dem Ei. Während der eine überzeugend darlegt, nur so gesoffen zu haben, weil er depressiv war, behauptet der andere, vom saufen depressiv geworden zu sein. Beides mag stimmen, für die jeweils Betroffenen. Selbst habe ich mir diese Fragerei abgewöhnt. Es IST, wie es ist und ich darf mir Werkzeuge dagegen bereit legen und nutzen, so ich mich rechtzeitig an sie erinnere. Wenn ich auf mich selbst schaue, auf den Umgang mit dem, was hinter meiner Suchterkrankung steckt, merke ich, dass ich vergleichsweise gut aufgestellt bin.

Nach wie vor steht die Selbsthilfe vorne weg, gefolgt von gewissen therapeutischen Maßnahmen, die zwar hilfreich sind, aber zeitlich eng begrenzt. Eine eher untergeordnete Rolle spielt das Thema Medikation, aber es gibt sie. Untergeordnet deshalb, weil ich die Folgen des nicht-Einnehmens Dank meiner Vergesslichkeit schon beobachten durfte, . So werden die Nächte wieder lebhafter und kürzer, als sie eh schon sind. Mich selbst verliere ich dadurch nicht.

Über alledem steht allerdings meine höhere Macht, wie wir in der Selbsthilfe sagen. Die kann für jeden anders ausschauen, wichtig ist für mich heute, anzuerkennen, dass es Gott gibt – und ich es nicht bin. Was das Ego auf ein erträgliches Mass reduziert und mit ihm die Ängste, bei zeitgleicher Zunahme von dem, was man wohl Urvertrauen nennt. Etwas für mich immer noch Neues …

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Wieder Sonntag

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„Nachts liege ich wach und Fragen bestürmen meine Seele.
Meine Gedanken grübeln im Kreis.
Angst und Wut vertreiben den Schlaf.
Nicht einmal in meinem Bett fühle ich mich sicher.
Also stehe ich auf und mache mich auf die Suche…“

Diese Worte stammen von einem Berliner Pfarrer, der damit zum Gottesdienst heute einlädt. Sie hätten allerdings auch die meinen sein können, derzeit. Von daher – Danke, lieber Richard, und wenn es nicht so weit wäre, würde ich gerne vorbei kommen.

Vor ziemlich genau 12 Jahren habe ich mich taufen lassen, spät, aber bewusst. Soviel, wie mir „zugefallen“ war, konnte kein Zufall gewesen sein. Es gibt ihn, den Glauben an meine höhere Macht, an meinem Gott, der es gut mit mir meint. Auch der Sohn ist mir sympathisch, war er doch Mensch … Allerdings ist dieser Boden, auf dem ich mich heute bewegen darf, immer aufs Neue derben Schwankungen ausgesetzt. Mein Vertrauen ist nicht unerschütterlich und oft genug fühle ich mich sehr allein und schutzlos. Das ist Gott sei Dank nur ein Gefühl, dem ich mich nicht dauerhaft hingeben muss, weil es lediglich das Residuum meiner ersten Lebenshälfte darstellt, den Restzustand von mangelnden oder besser damals nicht vorhandenen Urvertrauen.

„Gut“ fühlt es sich dennoch nicht an, obwohl ich um seinen Beistand weiß und dazu passend einige mir sehr liebgewonnene Menschen kenne, die mir derzeit eine große Stütze sind. Angefangen von der Liebsten sowie Freunden vor Ort als auch hier in der virtuellen Welt (Schnittstellen inbegriffen). Nähe und Beziehungen haben viele Gesichter.

Danke dafür.

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Manche Nächte

Es gibt sie immer noch, diese Nächte. In Zeiten der Veränderung werden sie vorübergehend etwas zahlreicher. Nächte, in denen ich mehrfach aufwache, mir die ungebetenen Besucher anschaue. Eine Weile mit offenen Augen wach liege und in die Stille horche, weil sofortiges wieder-einschlafen nur eine Fortsetzung der Aufführung bedeuten würde.

Bildhafte Relikte eines Egos, das sich gerade von seinen bisherigen Aufgaben zu verabschieden scheint.  Sich an seine neue Rolle erst einmal gewöhnen darf. Und da Trennung immer mit einem energetischen Ungleichgewicht verbunden ist, schickt das solcher Art beschnittene Ego zum Abschied noch eben solche Bilder.

Schwarzer Rauch, aus der Erde aufsteigend
aus dem sich Gestalten formieren
auf der Suche nach einem Wirt
Prozessionen von Besessenen
langsam ohne Ziel wandernd
stets das Äußere verändernd
schwarze Magie

Bilder des Egos, das zum Abschied von der gewohnten Rolle, so scheint`s, noch einmal Macht demonstrieren will. Kannst uns kaufen, kichern sie leise. Da gibt es etwas, womit wir Dir Frieden schenken …komm`, besänftige uns, mach`s einfach so wie die Millionen anderer um dich herum und nehme etwas ein…

Sie gewähren lassend, weiß ich heute um eine Kraft, die größer ist als diese vielen schwarzen Schatten, die über die Angst so gerne ihre Macht demonstrieren. Eure Zeit ist vorüber. Früher oder später werdet ihr keinen Wirt mehr finden und weiter ziehen müssen.

Ihr seid nicht der Herr.

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Eines Tages …

…werde ich dich in Stücke schneiden.

So heißt es in dem einzigen, verzerrt gesprochenen Satz in dem Song. Wikipedia zufolge meinte Roger Waters damit einen ihm vermutlich nicht ganz so sympathischen Rundfunkmoderator …

Ein jeder kann sich das seine in diesen Satz hinein interpretieren. Ja, mir ist durchaus bewusst, dass der eine oder andere Leser nun ein wenig zurück schreckt, ist ja schließlich Adventszeit. Keine Sorge, ich beabsichtige niemanden zu filetieren, kein Familienmitglied, nicht meinen Lieblingskollegen, nicht meinen Nachbarn und auch keine hoch gestellte Persönlichkeit. Die einen sind mir teuer, die anderen sind es mir nicht wert – nicht, weil ich ein solcher Pazifist bin, sondern weil ich mich nicht vor meinem Schöpfer diesbezüglich verantworten mag.  Außerdem kann ich sie ja auch nicht alle … ok, ich führe das jetzt nicht weiter aus …

Nein, es ist niemand um mich herum, es ist in mir…
Und – es geht um mehr als um`s satt werden.

In dem Sinne – eine friedliche Adventszeit uns allen.

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