Montag, 210913

Dieser Moment, wenn am frühen Morgen festgestellt wird – die Energien fließen langsam, aber sicher, die Nase ist frei, Atem und Bewegungen harmonieren miteinander.

Dieser Moment, vielleicht eine Stunde später, im Auto, auf dem Weg zur Arbeit. Es läuft vom Stick (unmodern, habe ich mir vom großen Kind erklären lassen dürfen, angesichts der totalen Vernetzung der neuen Autos) es läuft also I’m so afraid von Fleetwood Mac, und mit einem Mal ist es wieder da, für ein paar Sekunden, diese uralte Gefühl. Verlassen von Gott und der Welt, ich bin für Sekunden wieder 18 19, oder 20, berauscht und versunken in diesem Gefühl.

Es geht absolut nichts verloren, alles wird gespeichert, um bei passender oder unpassender Gelegenheit wieder aufzusteigen, aus dem Sumpf der Vergangenheit. Sei es auch nur kurzzeitig, um festellen zu dürfen, heute ist es anders. Eine Beobachtung, die ich auch bei meinen greisen Eltern machen darf.

Wenn der Tod einen Sinn machen soll, mal abgesehen davon, dass es hier sehr schnell sehr eng würde, gäbe es ihn nicht – dann ist es das gründliche und vorläufig letzte Leeren dieses Speichers, um heimzugehen, Ruhe zu schöpfen, bis zur mutmaßlich nächsten Runde.

All das will sich so gar nicht in die grobstoffliche Welt einfügen, in der ich mich jetzt wieder bewegen darf. Jagen und sammeln eben.

Passend zum Tag…

Gedanke: Stärke — Ankordanz

Es ist nicht die äußere, physische Kraft, die die Stärke eines Menschen ausmacht.  Es ist das Wesen einer unsichtbare Kraft im Inneren, auf der sich die wahre Stärke eines Menschen gründet.  Das Problem ist, das Wesen dieser unsichtbaren Kraft kann Vertrauen sein, aber auch Angst.

Gedanke: Stärke — Ankordanz – Danke für die Anregung!

Vertrauen ist der Schlüssel zu dieser Kraft. Der Ursprung mag in der Angst liegen, jedes Wachstum braucht einen Antrieb. Das Wesen innerer Stärke kann sie dagegen nicht sein, die Angst. Auch bedeutet Vertrauen nicht die Abwesenheit von Angst. Vertrauen lässt mit Angst das rechte tun. Vertrauen verweist die Angst in ihre Grenzen, Chef ist sie nicht. Den Platz hat das Vertrauen darauf, dass sich alles wie auch immer findet, und – zumindest meiner Erfahrung nach – meist besser als angenommen.

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Samstag, 210220

Amerika ist zurück.

So sagen sie und es klingt gut, wenn man den Umgangston des neuen Präsidenten hört. Er mag ein vergleichsweise netter Mensch sein. Solange es nicht um Exportüberschüsse, Militärausgaben Energieversorgung und Handelsvorteile geht. Da hat die neue amerikanische Freundlichkeit Grenzen, was nicht überrascht. Aber das ist es nicht, was mich derzeit beschäftigt, wenn ich mir Gedanken über Politik mache. Joe Biden ist ein alter Mann und seine Berechenbarkeit (wichtig, nach den Erfahrungen der letzten vier Jahre) dürfte die Welt schon aus biologischen Gründen nicht mehr all zulange erfreuen. Dazu kommt, und das wiegt in meinen Augen viel schwerer, Demokratien werden eher selten durch Putsche oder dergleichen gestürzt, sondern schaffen sich selbst ab. Auf der einen Seite verunsicherte, verängstige Menschen, Menschen, die um jeden Preis Überkommenes bewahren wollen (ich schließe mich da nicht von aus), Menschen, bei denen gesäte Zwietracht und Zweifel auf fruchtbaren Boden fallen. Auf der anderen Seite die Demagogen, die groben Vereinfacher, Polarisierer, die Bodenbereiter des kommenden Heilsbringers. Diejenigen, welche besagtes Geschäft mit der Angst und der Unsicherheit meisterlich bedienen, unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit aus dem Kontext gerissenen Teilwahrheiten und auch freche Lügen verbreiten. Die viele Fragen und Zweifel liefern, aber so gut wie keine Antworten. Und – auch das gehört zur Wahrheit, zur Misere zählen auch manche weichgespülte Politiker der so genannten etablierten Parteien, die vor lauter schielen auf die Wählerstimmen vergessen haben, Klartext zu sprechen. Die Dinge mit einfachen Worten beim Namen zu nennen, ohne ihren Inhalt zu vereinfachen, zu verdrehen.

Selbst übe ich mich neben Gottvertrauen in Vertrauen auf die staatstragenden Institutionen. Diese Republik hatte einen derart beschissenen Start, mit den zahllosen Verwaltungskräften, Richtern, Staatsanwälten, die schon im Nationalsozialismus Dienst taten. Selbst davon hat sie sich erholt und gilt vielleicht nicht zuletzt darum international als ein Hort der Beständigkeit, trotz aller Zweifel, von innen heraus betrachtet. Was mich mehr erschreckt, ist die Berechenbarkeit und Kontinuität von Autokratien, waschechten Diktaturen, Ein-Parteien-Herrschaften, die genau damit bei ihrem Volk punkten können. Auf ihre Weise haben sie schon recht – wer weiß, wer in knapp vier Jahren in Amerika regiert. Oder hierzulande. Auch werden Entscheidungen sehr viel schneller umgesetzt – was sehr gut ist, wenn es die richtigen waren. Wer nun aber zu laut jubelt, sollte den Preis bedenken, den solche Staatsformen fordern. Da kommt man sehr schnell bei den Märchen von den guten und bösen Königen an. Mir zu gefährlich, mit Blick auf letztere und unseren Erfahrungen damit. Ein Knüppel schmeckt nicht gut, und auch die Art, wie Menschen in solchen Staaten einfach so verschwinden können, hinter dicken Mauern oder in anonymen Grabstellen, gefällt mir nicht. Dann lieber so, wie es ist, mit Potential auf Verbesserungen und einer guten Portion Unsicherheit.

So, das reicht für`s Erste, mit Politik … Obwohl, da wäre noch etwas. Impfen geht los, die Liebste als Angehörige einer Risikogruppe heute sehr kurzfristig mit dem Saft von Astra-Zeneca, die Eltern ab nächster Woche mit mRNA-Impfstoff. Eines der wichtigsten Dokumente der kommenden Zeit dürfte der Impfpass werden. Wetten?

Ok, wieder auf Start, ich komme heute nicht von dem Thema los. Amerika. Mal abgesehen davon, dass ich einer ursprünglich amerikanischen Gemeinschaft mein Leben verdanke und mit einem guten amerikanischen Programm einen großen Teil meines Jobs erledige – da war doch noch etwas. So`n Lebensgefühl. Südstaaten … vielleicht komme ich doch noch irgendwann dort hin. Mit Impfpass …

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Freitag, 201225

Der erste Weihnachtstag und zugleich der Beginn der so genannten Rauhnächte. Zwei Gründe zur Freude – heute wird der Geburt des Mensch-gewordenen gedacht, egal, ob sie sich nun exakt heute und sonst wann zugetragen hat. Er war sicher nicht nur Gottes Sohn, sondern auch ein ganz besonderer Mensch, ganz gleich, was die Kirchen ihm später an Fabeln angedichtet haben, um ihre Herrschaft zu sichern. Er ist für mich der Aufrechte, der mich nicht allein lässt. Der, bei dem ich mich geborgen fühle, allen reichlich vorhandenen Schwankungen im Glauben zum Trotz.

Den nun beginnenden 12 Rauhnächten sagt man im Verbund mit der Wintersonnenwende eine verstärkte Durchlässigkeit zur anderen Seite nach. Mag schon sein oder auch nicht, es sind diese Tage in jedem Fall ruhige Tage, die mich bei mir selbst ankommen lassen. Eine Zeit ohne viel äußeren Druck, Pflichten und Erwartungen, Zeit der Sammlung, der Dankbarkeit, des Friedens. Guten Geistern gestatte ich übrigens ganzjährig Zugang, mit den weniger Guten ist es komplizierter, wirken sie doch subtil, tarnen sich oft geschickt, kommen unter so manchen vermeintlich guten Vorwand daher. Manchmal ist es gar nicht so einfach, sie von den guten Geistern zu trennen. Die sind eher leise, nicht so lautstark und wuchtig, zielen nicht auf das Ego, sondern mehr auf das Miteinander. Sie sind mehr auf längere Zeiträume gerichtet, nicht auf sofortige Wirkung bedacht. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt für mich, als unheilbar suchtkranker Mensch. Sie erinnern leise an Ursache und Wirkung, daran, wie sich Schicksal formt, im Sinne von dem, was am Lebensende als Resümee sichtbar wird.

Sonst so? (Sorry, darf nicht fehlen) Das in letzter Zeit in aller Munde geratenes innere Kind regt mich zunehmend zum nachdenken an. Na klar habe ich auch eines, das sich ab und zu meldet, umher schreit und greint, getröstet werden will. Dann richte ich es ihm nett ein, es hat dann warm und trocken, darf zur Ruhe kommen.

So weit, so gut. Wo es bei mir anfängt, zu hapern, ist, wenn die inneren Kinder bei erwachsenen Menschen auf einem Thron gesetzt werden, der ihnen nicht (mehr) zusteht. Wenn im Chor um die Wette geplärrt wird, mit Sand und allen möglichen Zeug geworfen wird, weil manch inneres Kind den ganzen Rest am erwachsen-werden hindern möchte. Man erkennt Menschen, die solcher Art an ihren inneren Kindern leiden, übrigens an ihrer Sprache. Wenn z.B. gestandene End-Vierziger oder Anfang-Fünfziger von Ihresgleichen als meine Jungs bzw. meine Mädels sprechen, geht bei mir innen eine Sirene los. Achtung, da sind sie wieder. Kenne ich ja alles, als Mensch, der spätpubertierend mit Ende 30 voll vor die Wand geknallt ist. Suche ich aber nicht mehr.

Und ja, noch etwas fällt mir zum inneren Kind ein. Im letzten Jahr ging es mir zeitweise alles andere als gut, Auslöser waren massive berufliche Herausforderungen, die mich Hilfe suchen ließen. Im Zuge dessen startete ich mehrere Anläufe, einen geeigneten Therapeuten zu finden, ein Unterfangen, was ich letztendlich abgebrochen habe. Die meisten wollten erst einmal möglich recht präzise und ausführlich formulierte Ziele wissen, natürlich in Schriftform. Da fingen meine Schwierigkeiten schon an, mein Anspruch war schnell geklärt, entsprach aber so gar nicht der Erwartungshaltung meiner jeweiligen Gegenüber. Zurecht kommen wollte ich, bei mir bleiben und nicht so oft außer mir geraten, wollte ich lernen. Lernen, wie ich mit Panik-Attacken umgehe, das wollte ich. Hat ihnen nicht gereicht, zu ungenau, meinten sie. Statt dessen bekam ich „Hausaufgaben“ in Form von Fragebögen zum ankreuzen. Super Sache, wie in der Fahrschule. Den Vogel abgeschossen hat am Ende ein Herr, der es wohl zunächst erkenntnisreich fand, sich mit einem leicht depressiven, Angst-gestörten trockenen Alkoholiker zu beschäftigen. Zu Beginn schon wurde mir klar gemacht, dass mein über gut zwei Jahrzehnte andauernder Konsum so einiges irreparabel zerstört hätte, neurologisch, in meiner Birne. Das will ich gar nicht ausgeführt haben, dachte ich, ist sowieso klar. Sag mir lieber, wie ich mit dem schäbigen Rest zurecht komme, du arrogantes Arschloch – während ich stumm zuhörte. Und dass ich meinem inneren Kind doch nicht so oft den Rücken zudrehen sollte, mit Internet , bloggen und so. War nach ein paar Probestunden zu Ende, die Show.

Eine Ausnahme gab es übrigens, eine verständige junge Dame, die unglaublich gut zuhören konnte, leise Zwischenfragen stellte, die es stets in sich hatten. Die wurde prompt schwanger und fiel aus. Schön für sie, für mich weniger. Ab da habe ich mich wieder verstärkt dem Mensch-gewordenen zugewandt, war die beste Entscheidung seit langer Zeit.

In dem Sinne – ein frohes Fest uns allen!

PS: Ich möchte mit diesen Zeilen in keinem Fall professionelle Hilfe verunglimpfen oder in Abrede stellen. Auch ich habe auf dieser Ebene durchaus Hilfe erfahren. Es sollte allerdings passen, das miteinander.

Samstag, 200829

Wenn mir jemand zur seinen oder zur allgemeinen Belustigung ein Ei auf die Wange malt, dann kann er an guten Tagen damit durchkommen und Gnade finden. Versucht er es jedoch ein zweites Mal, bitte ich ihn, die andere Seite zu bemalen, schön in Symmetrie, dann wird daraus eine Kriegsbemalung.

Ähnlich reagiert auch die Staatsmacht, muss sie reagieren, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Regel-konforme Auflagen und Zusagen von Seiten der Veranstalter gibt es. Ebenso wie die Absicht derer, die in jedem Fall dazu aufgerufen haben, nach Berlin zu kommen, auch bei abschlägigen Rechts-Entscheid, Bewaffnung inklusive. Aber das sind natürlich nur die so genannten linientreuen Medien, die so etwas verbreiten, und die lügen bekanntlich so gut wie immer. Wer es also genau wissen möchte, der muss sich schon zum Ort des Geschehens begeben und selbst schauen, was die Wahrheit sein könnte. Sofern er seinen Augen trauen kann, man weiß ja nie. Wir werden es heute erleben, was geschieht, in Berlin. Dazu wünsche ich mir, dass es friedlich bleibt – oder- das die Knüppel wenigstens die richtigen treffen. Was allerdings in der Hitze des Geschehens nicht häufig der Fall ist. Bleibt das Beste zu hoffen.

Sonst so? Mir geht es derzeit im Halbdunkel unserer Wohnung am besten. Katzen, die friedlich dösen oder kuscheln und die Welt da draußen ist, wenn überhaupt, nur zu hören. Leider geht Leben nicht immer so, gleich darf ich wieder meine Bahnen ziehen. Die übliche Samstags-Runde zwischen Kaufmannsläden und Eltern. Menschen gehen mir derzeit auf die Nerven, das ist nicht sehr gesund. Und da der Verstand so klug ist und das alles „weiß“, wird er sich mit dem „Rest“ verbünden und den da oben um Führung bitten.

I’ve worn out always being afraid

(Ich habe es satt, immer Angst zu haben)

Metallica/Frantic

Oder vielleicht doch demonstrieren?

I play Russian roulette everyday, a man’s sport
With a bullet called life, yeah, mama, called life(sugar)

System of a Down / Sugar

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Und wieder Sonntag

So einer mit viel Sonne. Da denke ich, ein wenig mehr Regen wäre gut für die Erde, verbunden mit ein wenig mehr Sonne in den Herzen. Bei mir angefangen, wo sonst. Ja, die Zeiten sind unüberschaubar, verunsichernd und auch beängstigend. Merkwürdiger Weise macht es mit mir weniger als erwartet, weil innerlich vertraut. Mal `ne Krise von außen statt von innen – der einzige Unterschied ist teilweise verschiedene Herangehensweise. Akzeptanz und Annahme ist innen wie außen der erste Schritt. Äußere Krisen sind im Vergleich zu inneren Krisen mit einem höheren Grad an Anpassung verbunden und auch mit vergleichsweise größeren Risiken, gesellschaftlich.

Was hilft – neben Hoffnung, Glaube und Vertrauen: Ein bei aller Emotionalität etwas realistischer Blick auf die Dinge. Es ist nur ein VIRUS, keine Weltverschwörung, wie einige selbst aus meinem Umfeld zunehmend glauben. Natürlich gibt es Kräfte, die diese Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Und wieder – Vertrauen, hier auf die Gegenkräfte, ganz konkret unsere Verfassung und deren Vertreter. So lahm und quer, wie unsere Demokratie oft auch rüber kommt, mit ihrer Langsamkeit und föderalen Struktur, zu jeder Kraft gibt es eine Gegenkraft. Nicht nur in der Physik.

Hier ein guter, wenn auch langer Artikel zum Thema, für euch freigeschaltet auf

Krautreporter

Sonst so? Alte Rezepte wirken immer noch. Selbst ein maskiertes Lächeln bekommt Antwort, selbst eine freundliche Bemerkung hinter einer ehemaligen Unterhose im Gesicht findet Resonanz. Geht doch! Und ja, ich schreibe das hier hauptsächlich auch für mich, damit ich das nicht vergesse.

Denen hier ist die Gesamtlage übrigens wurscht. Wenn ich bei ihnen liege, spüre ich das. Positive Vibrations. Zumindest für eine kleine Weile …

Auch ja, falls es jemand vermisst …

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Schraube locker

Eine typische Eigenschaft der phobischen Persönlichkeit, schreibt Scott Stossel, sei das Bedürfnis und die Fähigkeit, anderen eine relativ gelassene, ruhige Erscheinung zu bieten, während sie innerlich unter extremem Stress stehen. „Manchen Leuten mag ich ruhig vorkommen. Aber wenn man einen Blick unter die Oberfläche werfen könnte, würde man sehen, dass ich wie eine Ente bin – ich strampele, strampele, strampele.“

Ein guter und lesenswerter Artikel rund um die Angst, um Depressionen, den Umgang damit und typische Medikationen. Für euch vollständig lesbar :

HIER


Meine Angst ist definitiv älter als die Sucht, bei Depressionen ähnelt das Ganze dagegen eher der Frage nach der Henne und dem Ei. Während der eine überzeugend darlegt, nur so gesoffen zu haben, weil er depressiv war, behauptet der andere, vom saufen depressiv geworden zu sein. Beides mag stimmen, für die jeweils Betroffenen. Selbst habe ich mir diese Fragerei abgewöhnt. Es IST, wie es ist und ich darf mir Werkzeuge dagegen bereit legen und nutzen, so ich mich rechtzeitig an sie erinnere. Wenn ich auf mich selbst schaue, auf den Umgang mit dem, was hinter meiner Suchterkrankung steckt, merke ich, dass ich vergleichsweise gut aufgestellt bin.

Nach wie vor steht die Selbsthilfe vorne weg, gefolgt von gewissen therapeutischen Maßnahmen, die zwar hilfreich sind, aber zeitlich eng begrenzt. Eine eher untergeordnete Rolle spielt das Thema Medikation, aber es gibt sie. Untergeordnet deshalb, weil ich die Folgen des nicht-Einnehmens Dank meiner Vergesslichkeit schon beobachten durfte, . So werden die Nächte wieder lebhafter und kürzer, als sie eh schon sind. Mich selbst verliere ich dadurch nicht.

Über alledem steht allerdings meine höhere Macht, wie wir in der Selbsthilfe sagen. Die kann für jeden anders ausschauen, wichtig ist für mich heute, anzuerkennen, dass es Gott gibt – und ich es nicht bin. Was das Ego auf ein erträgliches Mass reduziert und mit ihm die Ängste, bei zeitgleicher Zunahme von dem, was man wohl Urvertrauen nennt. Etwas für mich immer noch Neues …

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Wieder Sonntag

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„Nachts liege ich wach und Fragen bestürmen meine Seele.
Meine Gedanken grübeln im Kreis.
Angst und Wut vertreiben den Schlaf.
Nicht einmal in meinem Bett fühle ich mich sicher.
Also stehe ich auf und mache mich auf die Suche…“

Diese Worte stammen von einem Berliner Pfarrer, der damit zum Gottesdienst heute einlädt. Sie hätten allerdings auch die meinen sein können, derzeit. Von daher – Danke, lieber Richard, und wenn es nicht so weit wäre, würde ich gerne vorbei kommen.

Vor ziemlich genau 12 Jahren habe ich mich taufen lassen, spät, aber bewusst. Soviel, wie mir „zugefallen“ war, konnte kein Zufall gewesen sein. Es gibt ihn, den Glauben an meine höhere Macht, an meinem Gott, der es gut mit mir meint. Auch der Sohn ist mir sympathisch, war er doch Mensch … Allerdings ist dieser Boden, auf dem ich mich heute bewegen darf, immer aufs Neue derben Schwankungen ausgesetzt. Mein Vertrauen ist nicht unerschütterlich und oft genug fühle ich mich sehr allein und schutzlos. Das ist Gott sei Dank nur ein Gefühl, dem ich mich nicht dauerhaft hingeben muss, weil es lediglich das Residuum meiner ersten Lebenshälfte darstellt, den Restzustand von mangelnden oder besser damals nicht vorhandenen Urvertrauen.

„Gut“ fühlt es sich dennoch nicht an, obwohl ich um seinen Beistand weiß und dazu passend einige mir sehr liebgewonnene Menschen kenne, die mir derzeit eine große Stütze sind. Angefangen von der Liebsten sowie Freunden vor Ort als auch hier in der virtuellen Welt (Schnittstellen inbegriffen). Nähe und Beziehungen haben viele Gesichter.

Danke dafür.

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Manche Nächte

Es gibt sie immer noch, diese Nächte. In Zeiten der Veränderung werden sie vorübergehend etwas zahlreicher. Nächte, in denen ich mehrfach aufwache, mir die ungebetenen Besucher anschaue. Eine Weile mit offenen Augen wach liege und in die Stille horche, weil sofortiges wieder-einschlafen nur eine Fortsetzung der Aufführung bedeuten würde.

Bildhafte Relikte eines Egos, das sich gerade von seinen bisherigen Aufgaben zu verabschieden scheint.  Sich an seine neue Rolle erst einmal gewöhnen darf. Und da Trennung immer mit einem energetischen Ungleichgewicht verbunden ist, schickt das solcher Art beschnittene Ego zum Abschied noch eben solche Bilder.

Schwarzer Rauch, aus der Erde aufsteigend
aus dem sich Gestalten formieren
auf der Suche nach einem Wirt
Prozessionen von Besessenen
langsam ohne Ziel wandernd
stets das Äußere verändernd
schwarze Magie

Bilder des Egos, das zum Abschied von der gewohnten Rolle, so scheint`s, noch einmal Macht demonstrieren will. Kannst uns kaufen, kichern sie leise. Da gibt es etwas, womit wir Dir Frieden schenken …komm`, besänftige uns, mach`s einfach so wie die Millionen anderer um dich herum und nehme etwas ein…

Sie gewähren lassend, weiß ich heute um eine Kraft, die größer ist als diese vielen schwarzen Schatten, die über die Angst so gerne ihre Macht demonstrieren. Eure Zeit ist vorüber. Früher oder später werdet ihr keinen Wirt mehr finden und weiter ziehen müssen.

Ihr seid nicht der Herr.

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