Donnerstag, 201224

Heiligabend 2020 – und alles ist anders als in den vergangenen Jahren. So sehr mir Berührung und Begegnung auch fehlen, sehe ich doch die positive Seite dieser Tage. Es ist deutlich ruhiger da draußen, irgendwie überträgt sich das auch auf mein Befinden. Besinnung auf das Wesentliche – für mich bedeutet das in erster Linie Dankbarkeit. Für die Menschen, die es nicht nur mit mir aushalten, sondern mir auch spürbar zugetan sind. Für die Chancen, auf meine fortgeschrittenen Tage noch etwas lernen zu dürfen, mit Blick auf die angespannte Vorweihnachtszeit. Danke dafür!

Sonst so? Der Tag begann früh, mit einem dunklen, grollenden Schnurren. Madam kommt nicht gleich zu mir in`s Bett, nein. Sie legt sich erst mal auf die Lehne des Schlafsofas und wartet, vor sich hin schnurrend. Sie möchte geladen werden, mit leiser Ansprache, einer frei geräumten Ecke und freundlichen Gesten. Dann gibt sie sich die Ehre, vielleicht, und kommt kuscheln. So wie heute früh…

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Sonst so, Teil 2 ?

Nicht allen geht es gut, dieser Tage. Wenn jemand einen kennt, der einen kennt, oder falls jemand sogar selbst erkennt … es gibt Gesellschaft. Anbei frisch aktualisierte Listen der derzeitigen Online-Meetings für Menschen, die den Wunsch haben, mit dem Trinken, mit dem Konsumieren aufzuhören:

Online-Meetings der Narcotics Anonymus – Alkohol wird hier übrigens als eine Droge von vielen anderen angesehen. Ideal für Mehrfach-Abhängige.

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Sonntag, 201115

Der Titel erinnert mich daran, es ist bereits Mitte November. Volkstrauertag, heute, so hörte ich gerade im Radio, beim Fassadenputz. Sterbe- Trauer- und Beerdigungskultur hierzulande waren Themen, passend zum Tag. Was mich an das Bevorstehende erinnerte, auch wenn es noch dauern sollte. Eine Wiese soll es sein, halb-anonym, mit Namenstafel, aber maschinell mähbar drumherum, auf dass niemand kleingärtnern müsse. Danke dafür.

Die Zeit bis dahin gilt es allerdings mit Leben zu füllen. Da sein helfen, wo nötig, immer in Deckung bleiben, meinen Job machen. Zusammen mit so Tagen wie gestern, die besser gerieten als befürchtet. Der Krebs-Mond in mir zieht sich so weit als geht zurück, geht mit Panzer spazieren, neben dem Rollator Herbstblätter aufwirbelnd. Heim gefahren, und auf der Rückfahrt läuft Tash Sultana, Jungle, vom Stick. Ihr haben Pilze einst mehrere Monate Psychiatrie eingebracht, gefolgt von einer Musiker-Karriere aus Kompensation des erlebten Irrsinns. So ein Glück hat nicht jeder, denke ich, während ich mich durch die Stadt bewege.

Abschiede. Es werden immer mehr, auf allen Ebenen. Es fühlt sich seltsam an, dem ganzen so völlig planlos zuzuschauen. Ich schwimme mit, lasse mich führen, widerstehe meinen eigenen Fluchtinstinkten, die noch nie ein guter Berater waren. Freue mich über die, die bleiben, in meinem Leben, schließe ab mit alten, unerfüllbaren Sehnsüchten und verweile im hier und jetzt. Natürlich könnte es schlimmer kommen, so sagte ich früher. Was impliziert, es ist schon schlimm. Ist es heute nicht, es ist, wie es ist. Ohne Wertung. Für das Gefühl in meinem Bauch gibt es ja immer noch die Tastatur und euch, die ihr das vielleicht mit lest, mit fühlt, oder es kommt euch sogar bekannt vor, das eine oder andere. Besser als Pilze & Co allemal. Gefangen in mir selbst war ich lange genug. Da ist es zwar sicher, aber einsam.

Hier und jetzt heißt, gleich ist Gymnastik, Yoga, Meditation, gefolgt von Frühstück, bevor ich wieder mit dem Tag allein bin, derweil die Liebste am Schreibtisch sitzt. Sonntag eben. Leben ist manchmal so berechenbar, das es mich juckt, kleine Granaten zu werfen und mal schauen, was sie anrichten. Nur so, damit sich mal wieder etwas bewegt. Den Ball in`s offene Zelt auf dem Campingplatz schießen, mich über die entstehenden Geräusche freuen und abwarten, wer mit geschwollenem Kamm heraus poltert. Bilder in meinem Kopf – und gut, dass ich keine 16 mehr bin.

Fundstück zum Bauchgefühl…

Samstag, 201114

Die Eschbachtalsperre, früher auch Remscheider Talsperre genannt, liegt direkt an der A1, Raststätte Remscheid. Wer beim Motel des Rastplatzes parkt, ist schon da, der Rundweg (3 Km) um die kleine Sperre beginnt genau dort. Sie ist die älteste Trinkwassersperre Deutschland und feiert nächstes Jahr ihren 130sten Geburtstag. Mich fasziniert die Bautechnik der damaligen Zeit, nach ihrem Erbauer wurde in Remscheid auch eine Straße genannt. Die gute Erreichbarkeit in Kombination mit dem frühlingshaften Wetter war heute Anlass, mit meinem Vater dort hin zu fahren. Tatsächlich schaffte er den ganzen Rundweg.

Sonst so? Wasser – gestautes Wasser. Zurückgehaltenes Wasser. Nicht immer ist es von Nutzen, wer nah am selbigen gebaut ist, weiß, wie ich das meine. Im metaphorischem Sinn wird es nicht kontrolliert genutzt wie in einer Talsperre, sondern bahnt sich allmählich seinen Weg, umgeht sämtliche Sperren, um dann, meist zur Unzeit, an irgend einer Stelle zu Tage zu treten. Wasser eben. Eines ist ihm jedenfalls im tatsächlichen wie im metaphorischen Sinn gemein: Es reinigt.

PS: Es lässt sich lernen, unter Wasser zu atmen.

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Sonntag, 201025

Wieder Winterzeit, inklusive Rückgabe der im Frühjahr gestohlenen Stunde. Wie wäre es eigentlich mit Zinsen, verehrte graue Herren? Sei`s drum, ehrliche Kaufleute seid ihr eh nicht. Mal davon abgesehen, dass diese eh schon nicht ganz so zahlreich sind, maßt ihr euch den Handel nur an. Mal sehen, ob sich eure Erschaffer doch noch einigen, diesen Unsinn zu beseitigen.

Sonst so? Wir haben Freunde besucht, gestern Abend. Das soll man sein lassen, lassen wir aber nicht. Die guten gemeinsamen Stunden sind Labsal für die Seele, was wiederum das Immunsystem kräftigt. Das gilt im weitesten Sinne auch für den Umgang mit meinen greisen Eltern, bzw. deren Seelen. Ok, auch für die Meinige, gibt es mir doch das gute Gefühl, alles mir mögliche zu tun. Selbstlosigkeit geht, wenn überhaupt, dann nur im Affekt. Plane ich einen Besuch, bin ich schon darüber hinaus, irgendwie. Sei`s drum. Meine Seele ist schon etwas älter und alles andere als unbefleckt. Aber auf einem guten Weg, glaube ich. Sollte reichen, weil vom strengen Richten wird sie auch nicht Reiner. Nomen est Omen wäre nett, erscheint mir allerdings illusorisch. Besser, wir sind gute Freunde, meine Seele und ich.

Und – weil`s irgendwie passt:

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Sonntag, 201018

Ein paar werkfreie Tage gehen zu Ende, ich bin dankbar für unsere Kinder, die Corona zum Trotz hier her finden. So wie ich es im übrigen mit meinen Eltern halte. Es ist nicht an uns, uns vollständig zu isolieren, das macht auf Umwegen ebenso krank. Zweifel gehören dazu. Was ist, wenn. Nicht für mich, für uns. Für die Alten. Es ist, wie es ist und ich lasse mich führen.

Sonst so? Es scheint heute doch noch heller zu werden. Es braucht Licht, Luft und vielleicht auch Sonne.

Samstag, 201017

Es will nicht wirklich hell werden, da draußen. Sei `s drum, es ist halt spät im Jahr. Die Zeit am Schirm nutze ich, einen älteren Artikel beim Wassertiger , die Selbsthilfe betreffend, mit einem Update zu versehen. Stelle ich der Einfachheit halber hier mit hinein:

Mit der Zeit komme ich zu einigen, für mich sehr interessanten Erkenntnissen:

  • Es geht mir auch ohne Gruppe gut, meinem Glauben sei Dank. Die üblichen Schwankungen, denen alle Menschen ausgesetzt sind, inbegriffen. Teilen und weitergeben ist mir immer noch wichtig, aber weniger aus einem persönlichen Bedürfnis, aus eigener Not heraus, mehr mit der Hoffnung verbunden, anderen Mut zu machen, ihren Weg weiter zu gehen.
  • Ich bin und bleibe ein süchtiger Mensch, der nur durch Gottes Gnade im Leben so etwas wie Halt gefunden hat.
  • Es fühlt sich so an, als ob nun das Gelernte der letzten 20 Jahre auf seine Ernsthaftigkeit, seine Tragfähigkeit hin geprüft wird.
  • Konspirative Freundschaftstreffen (inoffizielle Meetings) in ominösen Hinterhöfen, ohne Bekanntgabe meiner persönlichen Daten, haben auch ihren gelegentlichen Reiz. Natürlich immer unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen wie Abstand und Maske. Und – was in den oft sehr vertrauensvollen Runden echt schwer fällt – niemanden drücken oder herzen. Auch interessant – früher konnte ich das nicht, heute fehlt es mir.
  • AA ist in erster Linie eine Zweckgemeinschaft, wer sich abwendet, existiert für die meisten anderen nicht mehr wirklich. Oder aber mein persönlicher Zuschnitt, meine gelegentliche Impulsivität, Arroganz, Distanz, verhinderte tiefere Bindungen über die Jahre. Wahrscheinlich ein Mix aus beiden.
  • Die gewonnene “freie” Zeit kommt mir sehr gelegen, mit Blick auf familiäre Verpflichtungen.

Sonst so? Auch ich spüre dieses Grummeln im Bauch, angesichts der Pandemie-Entwicklung. Das Tal der Wupper ist mit knapp 100 Neuinfektionen/100 000 Einwohner in den letzten 7 Tagen der Favorit in NRW, kurz vor dunkelrot in den einschlägigen Karten. Ein Promille also, ab 0.5 wird`s rot. Fast wie im Straßenverkehr…stärkt mich in den Entschlüssen, weiter auf meinen Schöpfer zu vertrauen, mich von Zahlenwerken nicht über Gebühr beeindrucken zu lassen und meinesgleichen so gut als möglich/unausweichlich zu meiden. Inner Circle von Familie und Freunden ausgenommen.

Sonntag, 201004

Blase

Mein Leben findet in einer Blase statt, so kommt es mir oft vor. Hell-Dunkel, Arbeit-keine Arbeit, viel allein, viel lesen, manchmal, so wie jetzt, schreiben. Die Nähe zu anderen Menschen beschränkt sich auf die wenige gemeinsame Zeit mit der Liebsten, seltene Besuche bei oder von Freunden, den Begegnungen in diversen Kaufmannsläden und natürlich hier, dem Kern der Blase. Die schreibende Community, die sich so nahe ist wie die Igel: Nahe genug, dass es gerade noch ein wenig wärmt und weit genug von einander entfernt, dass man die Stacheln des Nachbarn nicht spürt. Gerade recht für einen angehenden Misanthropen wie mich. Früher hatten die klassischen Brieffreundschaften diese Nische gefüllt.

An so Tagen wie gestern dann wird mir bewusst, das stimmt so nicht ganz. Den Vormittag verbrachte ich mit meinem Vater am Stausee, wo er allein nicht mehr hin kommt. Am Abend dann Besuch des großen Kindes samt Freundin, gemeinsame Stunden mit gutem Essen und viel Vertraulichkeit.

Von wegen gutem Essen: Es gab unter anderen Shakshuka, ein Gericht, das in Israel, aber auch in Nordafrika weit verbreitet ist. Falls jemand Interesse hat, es geht flott, alles zusammen vielleicht 45 Minuten:

Zutaten für 4 Personen:

1 Kg Tomaten
2 dicke Zwiebeln
ca. 500 g Paprika nach Wahl
8 Eier
1 kleine Dose Tomatenmark
Kräuter oder Lauchzwiebeln
Knoblauch nach Geschmack
Öl, Salz, Gewürze nach Wahl

Gemüse putzen und würfeln, Kräuter hacken. Zuerst die Zwiebeln mit dem Paprika heiß anbraten, ca. 10 Minuten. Die gewürfelten Tomaten, das Tomatenmark sowie den Knoblauch zugeben, verrühren und bei mittlerer Hitze weitere 10 Minuten ohne Deckel einkochen lassen. Dann mit einem Löffel Kullen in die bereits etwas feste Masse drücken und die Eier vorsichtig hinein schlagen, das Gelb sollte erhalten bleiben, das Weiß miteinander verlaufen. Eier würzen und salzen, Deckel drauf, die Eier weitere 10 Minuten bei niedriger Hitze pouchieren lassen. Zum Ende die Kräuter drauf streuen, fertig.

Kein Licht ohne Schatten …

»Hineni!« Ich bin hier, jetzt, mit Leib und Seele, um die Aufgabe zu erfüllen.

Donnerstag, 200723

Wieder daheim, nach einer Woche Berlin, in Sachen Familie. Besondere Erkenntnisse:

  • Alternde Kater nehmen längere Abwesenheit persönlich und können trotz Grundversorgung tief beleidigt sein.
  • Jung-Katzen dagegen verwildern im Laufe eine Woche innerlich und äußerlich, ohne Kontakt mit einer Bürste und den Lieblingsmenschen.
  • Wohnungen verwildern in 7 Tagen ebenso erheblich, was erwartbar und alles in allem schnell behoben ist.
  • Aus gegebenen Anlass in der Familie – Wohnungssuche in Berlin ist ein Irrsinn. Ein teurer Irrsinn. Genau genommen ist der Preis mindestens der doppelte als im Tal der Wupper. Und die Nachfrage gefühlt die zehnfache … was desillusionierend wirkt, auf manche Pläne für das Alter.

Beobachtung am Rande: Banken achten die Kunst, fast ein jedes größere Haus hat irgend eine Plastik von meist zweifelhaftem Wert vor der Tür stehen. Den Vogel abgeschossen hat in meiner Sammlung allerdings die altehrwürdige (?) Investitionsbank zu Berlin. Ich meine, nix gegen Fülle, gerade weibliche, aber im Kontext mit Geld zu Geld machen, also eine Fruchtbarkeit und Vermehrung der besonderen Art, widert mich die gezeigte Kunst doch etwas an. Spricht sie doch für die eigentliche Absicht einer jeden Bank, lässt man alles schmückende Beiwerk mal weg: Fett werden, sonst nichts.

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Update: Die gezeigte Plastik nennt sich Yolanda, die Künstlerin war ihrer Zeit Miriam Lenk. Mehr von ihr gibt es hier zu sehen.

„Das Zentrum ihres Werkes bildet ein weiblicher Archetyp: groß und prächtig, raumgreifend und dominant. Dies soll eine Galionsfigur für alle Frauen sein, die sich in der Gesellschaft zu dick, zu laut oder zu anders fühlen.“

Quelle: Wikipedia

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Sonntag 200614

Es ist ein wenig so, als ob die Zeit still stünde. Wenn ich nachdenke, was den Unterschied macht, zu längst vergangenen Zeiten – ich bin allein, ja. Derzeit ohne eine feste Bindung zu einer Gemeinschaft der Wahl, wenn ich von meiner Zugehörigkeit zur hiesigen Gemeinde mal absehe. Anders als in jungen Jahren fühle ich mich nicht einsam. Da ist Familie – sowohl als Blutsverwandtschaft mit auf dem Weg bekommen als auch selbst gewählt. Seelisch-geistige Verwandtschaft? Gibt es immer noch und immer wieder, leider derzeit gerne maskiert, was die Sache der Erkennung nicht immer leicht macht. Dinge, die ich nicht ändern kann.

Etwas hält mich von Aktion aller Art derzeit ab. Ich kenne solche Zeiten aus der Vergangenheit. Da geht irgendwie nichts, zu allem fehlen die rechte Überzeugung und die rechte Gelegenheit. Stillstand, den ich gut hinnehmen kann, heute. In solchen Zeiten bitte ich um Führung und lasse es gut sein, an guten Tagen. Weniger gute Tage sind auch schon mal mit Zweifel und Ungeduld gefüllt, das gehört dazu.

Es findet sich.

Sonst so? Der neue Editor hier geht mir auf die Nerven. Noch etwas, was ich nicht ändern kann. Verfluchte Daseinsberechtigungsaktionen der Softwareschmieden – kenne ich auch beruflich. Alles neu, alles anders und nichts wirklich besser. Wir arbeiten daran, lautet die Botschaft. Sind unser Geld wert. Glauben sie… derzeit schreibe ich meinen Kram teils offline vor, macht es leichter.

Und – für alle, die es noch hören mögen/können…

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