Freitag, 210716

Heute früh, irgend eine Wiederholung in der ARD-Infonacht. Es geht um Tauben. Erst höre ich nicht so richtig hin, Tauben, na gut. Die Stadt ist voll mit ihnen, auch bei uns, unsere Kleine sitzt gerne mit Mordlust am Küchenfenster, während mindestens ein Täubchen oben gurrend in die Dachrinne kackt. Die Vögel wirken immer ein wenig trampelig, die Liebste nennt sie darum gerne „Die Bauern unter den Vögeln„.

Zu Unrecht, meint der Hirnforscher und Psychologe Achim Schmitz-Forte in dem von mir gehörtem Podcast. So sinngemäß spricht er davon, dass Tauben zwar nicht als die hellsten Kerzen unter den Vögeln gelten würden, aber man täte ihnen Unrecht, mit dieser Bewertung. Sie würden nur anders lernen und hätten etwas dem sehr Förderliches, nämlich eine ausgeprägte Frustrations-Toleranz. Ich werde hellhörig. Der Wissenschaftler spricht vom Lebensumfeld der Tauben, dass ihre Getreidekörner oft mühsam aus großen sandigen Flächen gelesen werden müssen, eine stundenlange und wenig ertragreiche Arbeit. Er spricht einen Vergleich mit Katzen an, die gegenteilig unterwegs seien und ruckzuck das Interesse an was auch immer gerade eben noch hochspannend verlieren würden.

Interessant, denke ich, deckt sich das doch auch mit meinen Erfahrungen. Wird doch der Verstand, oder das, was landläufig dafür gehalten wird, meist überbewertet. Dran bleiben ist wichtiger, ab und an mal eine Zwischenbilanz ziehen und falls nötig die eine oder andere Korrekturschleife fahren. Erfolg ist nur zur Hälfte (wenn überhaupt) Intellekt, die andere Hälfte ist Beharrlichkeit, davon bin ich fest überzeugt. Mit Widerständen klar kommen, sich nicht entmutigen lassen, alles mir nur zu vertraute Prinzipien. Und so sehe ich die Bauernvögel ab nun mit etwas anderen Augen.

Sonst so? Es ist Freitag. Grund genug, die Dinge etwas entspannter anzugehen. Gerade fiel mir ein Stückchen Musik in die Hände, 50 Jahre alt. Aber immer noch beeindruckend, wie man damals ohne jedes Gesangstalent recht erfolgreich Musik machen konnte.

Come on baby, I’m gonna watch ev’rybody work

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Sonntag, 210627

Die zweite Impfung ist seit gestern dito drin, nach einer bescheidenen Nacht geht es mir nun recht gut. Der Arm schmerzt ein wenig, wie Muskelkater, nicht der Rede wert. Und in zwei Wochen geht dank digitalen Impfausweis auch wieder Öffentlichkeit etwas einfacher. Falls von mir gewünscht, woran ja begründete Zweifel bestehen. Aber zu können, wenn man möchte, hat auch seinen Wert. Hauptsache erst mal Impfschutz.

Die Nacht – es war ungewohnt laut, bis 4 Uhr in der Frühe. Besoffene Kiddies, teils die alten Lieder plärrend, super, denke ich dann, während ich mir meine Hohlraumversiegelung wieder in die Ohren schiebe. Wenn ich den Kiez nicht so lieben täte.

Sonst so? Wir haben gern gesehenen Besuch, das zweite Wochenende in Folge. Interessant, wie das Gekatze damit umgeht. Während Jungkatze ausnahmslos jeden freudig begrüßt und immer mit dabei ist, gibt Altkater den angepissten Vollasi ab, mault, jammert und randaliert in der Nacht. Alter Mann eben. Wobei leichte Gewöhnungstendenzen erkennbar waren, dieses Wochenende. Auch da ist also Hoffnung.

Kinder dagegen – aus gegebenen Anlass:

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