Samstag, 210306

Einige wenige unspektakuläre Einsichten dieser Tage:

Routine ist Fluch und Segen. Hilfreich bei den täglich immer wiederkehrenden Aufgaben, störend bei der Chaosbewältigung, die nach anderen Kräften verlangt. Alte Leier? Mag sein. Leider immer wieder ein Thema, wenn Mensch versucht, Chaos mit Routine zu erschlagen (mag in Einzelfällen funktionieren, ist aber in der Regel nicht sehr effektiv) oder Routine-Aufgaben im Chaos-Modus zu bewältigen. Das funktioniert natürlich auch, ist aber enorm Kräfte-zehrend.

Punks kriegen nichts mit Rücken. Die kriegen Schlaganfälle und Herzkasper. Oder Leberzirrhose. Oder eines nach dem anderen. Ich kann Punk machen, in meiner grenzenlosen Empfindsamkeit, bin aber kein Punk. Nur manchmal sehr laut, aber das zunehmend seltener, weil, siehe oben, Kräfte-zehrend.

Manche Menschen haben eine merkwürdige Sehnsucht, Gras drüber wachsen zu lassen, über gewisse Zerwürfnisse. Nun braucht selbst Gras einen gewissen Nährboden, um zu gedeihen. Mal ist die Erde allerdings so verbrannt, da wächst eben kein Gras mehr. Da wächst nichts mehr, im wahrsten Wortsinn. Das zu erläutern, kann Lautstärke kreieren, die schnell unglaubwürdig erscheint und anstrengend ist, siehe oben. Effektiver und eindrucksvoller sind ruhig, glaubwürdig und mit dem gebotenen Nachdruck gesprochene scharfe Worte, Worte wie beidseitig geschliffene Dolche, die zur Unvergessenheit aufrufen. Oder zu einer Menge Ärger, wahlweise. Das Gegenüber entscheidet, die Kraft reicht für beide Varianten. Versprochen.

Sonst so? Routine bestimmt auch diesen Tag. Mehr oder weniger. Also dann, frisch auf.

Wenn alte Leute sich erinnern …

Samstag, 201121

Nachgespürt und festgestellt, die Lauten sind vor allem eines – laut eben. Nicht zwangsläufig zahlreich. Für mich stelle ich fest: Lange halte ich an Menschen fest, gebe so schnell niemanden auf, weil auch ich immer wieder auf Menschen gestoßen bin, die mich nicht aufgaben. Allerdings ändert sich da gerade etwas, in mir. So bin ich nicht mehr bereit, mit Menschen zu diskutieren, die unseren Staat als Diktatur verunglimpfen, die nach Freiheit und Menschenrechten schreien und denen zujubeln, die, sind sie erst einmal an den Trögen, genau das am allerwenigsten möchten.

Alles nichts Neues. Geschichte wiederholt sich gerade, mit den Mitteln dieser Zeit. Unsinn, krudes Zeug, aus dem Kontext gerissene Halbwahrheiten, freche Lügen und Sündenbockmentalitäten verbreiten sich rasend schnell und fallen vor allem dort auf fruchtbaren Boden, wo mangelnde menschliche Reife mit persönlichen Einschränkungen und existenziellen Nöten zusammenfallen. Natürlich ist Kritik oft berechtigt und muss auch Gehör finden, so vieles wirkt überzogen und riecht nach flügelschlagenden Aktivismus, aber wer daraus das Recht ableitet, diesen unseren Staat als ganzes in Frage stellen zu dürfen, braucht sich nicht wundern, wenn er auf massive Ablehnung stößt. Selbst finde ich diesen Staat verbesserungswürdig, aber ich kenne keine freiere, humanere Gesellschaftsform. Das widerspricht sich übrigens nicht mit meiner Affirmation zur Anarchie und meiner Ablehnung sämtlicher Autoritäten, auch wenn das schwer verständlich scheint. Anarchie setzt Empathie voraus, sonst mündet sie im rechtlosen Chaos. In jungen Jahren habe ich mich empört, warum es hierzulande nicht möglich ist, über weitreichende Entscheidungen via Volksentscheid abzustimmen, wie eben in der Schweiz üblich. Je mehr ich das „Volk“ und seine leichte Manipulierbarkeit kennen lerne, um so mehr beunruhigt mich der Gedanke, wirklich jeden über alles mitbestimmen zu lassen. Eigentlich sehr schade, das.

Es singt der Chor der Blöden, der schon immer war zu laut. Auch, wenn Marius das damals in einem anderen Zusammenhang meinte.