Vielleicht mal wieder etwas leben? — kritikverloren

Lesenswert.

„Es muss eine Zeit danach geben.“ ~ Carl Grimes, The Walking Dead Obiges Zitat aus besagter TV Serie spukt seit Tagen in meinem Kopf rum. In der dystopischen Geschichte ist damit die Zeit gemeint, in der die Kämpfe der Menschen untereinander aufhören. Ich wiederum denke dabei an die Zeit nach Covid-19. Besser gesagt an die…

über Vielleicht mal wieder etwas leben? — kritikverloren

Und ich dachte schon…

…ich hätte sie nicht alle. Zumindest in einem Teilbereich gibt es jetzt Entwarnung, nämlich dem der Selbstgespräche. Die gehen in Ordnung, habe ich gerade gelesen, sprechen sie doch sogar eher für ein Genie als für einen Keramik-Syndrom-Träger. An anderer Stelle habe ich mal gelesen, es sei dito völlig normal, in Zeiten von Isolation, wie wir sie derzeit erleben, erlebt haben, mit Einrichtungsgegenständen oder Topfpflanzen daheim zu reden. Grund zur Sorge bestünde nur, wenn Antwort käme, aha. Wie auch immer, den besagten Artikel gibt es für euch ohne Bezahlschranke HIER bei den Krautreportern zu lesen.

Laute Monologe, im Kaufmannsladen, z.B …

„Wenn ich jetzt Gemüsebrühe wäre …, wo würde ich hier rumstehen?“

~

 

 

Astrologie & Co.

Von Astrologie war gestern die Rede. Vor langer Zeit wollte ich das mal genauer wissen, bin zum Standesamt gelaufen und habe mir die Kopie meiner Geburtsurkunde geben lassen. Den Inhalt darf ich mit euch teilen, weil ich nicht der Kaiser von China bin (wer im alten China die Geburtsdaten des Herrschers erfuhr, musste zeitnah dran glauben, weil, was der alles wissen konnte…). Wer sich also jetzt die Mühe macht, Zeit und Ort meiner Ankunft auf Erden (4.6.62, 8.25 Uhr, Wuppertal-Elberfeld) in eines der einschlägigen Portale zu hacken, der bekommt einen bunten Strauß Informationen. Das geübte Auge glaubt, einen roten Faden zu erkennen. Oder mehrere, vielleicht auch eher bunte Fäden, schwarz-graue eingeschlossen. Vieles klingt schlüssig, manches (scheinbar) widersprüchlich. Es sind Anlagen, Optionen, bestenfalls.

Wenn ich all dies heute so lese, (ja, es hat hier im Haus auch ein dickes Buch zu dem Thema), dann wende ich mich recht flott wieder ab. Kopf genickt oder geschüttelt habe ich schon mehr als genug und irgendwann ist der eigene Saft wenig unterhaltsam. Was ist heute anders als damals?

An einer Wand hier hängt eine Postkarte, in einem (beinahe Katzen-sicheren) Bilderrahmen. Da ich keine Lust habe, diese da heraus zu fummeln und zu scannen, beschreibe ich sie lieber, das geht schneller. Es ist ein Kreuz, vor dunklem Hintergrund. Das besondere an diesem Kreuz ist die Spiegelfläche, unterbrochen von zahlreichen Rissen, Brüchen, Zersplitterungen. Unsere Pfarrerin hat es mir mal geschenkt, ich fand es so bezeichnend, dass es den Weg in eben den Rahmen gefunden hat. Zerbrochen in der Tiefe, geeint im Glauben. So oder ähnlich steht es auf der Rückseite und besser kann man es, glaube ich, nicht beschreiben. Astrologie bleibt unterhaltsam, aber sie trägt mich nicht. Die Kraft zum aufstehen und wach bleiben gibt mir nur der Mensch-Gewordene.

Sonst so? Was Seichtes zum Schluss. Katzen sind hier aus gegebenen Anlass immer wieder mal Thema. Gestern war das große Kind mit seiner Liebsten hier, zum essen, trinken, sitzen, reden. Da darf auch schon mal geblödelt werden, bei aller Ernsthaftigkeit. So besah ich mir gedankenverloren meine zerkratzten Hände und erging mich in Wortwurzel-Forschung. Die Katze hieß nämlich früher Kratze, bis die Chinesen das irgendwann hörten. Klatze, sagten sie und fanden das mächtig Scheiße. Im Zuge der Völkerverständigung fand man zu einem bilateralen Abkommen und ließ das „R“ schlicht weg. So war das …

Einen angenehmen Pfingstmontag uns allen!

 

Pfingstsonntag

Aktion gegen den schwarzen Vogel: Raus, und wenn auch nur für eine gute Stunde. Über die überfüllte Nordbahntrasse fahre ich Slalom um Skater, Hunde, Kinder, Rentner. Da ich langsam bin, gehen mir die Menschen nicht über Normalmaß auf die Nerven, was gut ist. Nach langer Zeit bin ich wieder mal nach dem üblichen steilen Anstieg auf der Hardt und im dortigen botanischen Garten. Die Sonne genießend ziehe ich mir einen Kaffee am Automaten, wie früher, auf Arbeit. Photographiere danach Blumen und bunte Steine, um sie nun in`s Netz zu stellen, wo sie sich einreihen in die inflationäre Zurschaustellung Ihresgleichen, der Mai lässt grüßen.

Sonst so? Überraschend freundliche Gesichter. Eine Dame vermutlich gleichen Alters spricht mich an. Schöne Anlage, was ich bestätige, sie ist angetan. Schaut mir mitten in`s Gesicht und meint: Sie sind nett. Ich kann das beurteilen, ich bin Waage…die haben so ein Gespür, sagt man ja… Danke, sage ich freundlich, Sie vermutlich auch. Und Sie erzählt, Bochum, mal raus, die Sonne, und so toll hier. Worauf ich ein paar Details zu der Anlage loswerde, als Eingeborener kommt das immer gut. Während ihr Mann geduldig ein paar Meter weiter wartet, verabschieden wir uns freundlich und wünschen uns noch gegenseitig frohe Rest-Pfingsten.

Keine Ahnung, wie die Dame dazu kommt, mich nett zu finden – als Momentaufnahme lasse ich das aber gerne durchgehen, bevor ich anrege, sich doch mal mit meinem sozialen Umfeld zu unterhalten, zwecks realistischer Betrachtungsweise meiner Person. Wie auch immer, gefühlt waren das die ersten freundlichen Worte mit einem fremden Menschen seit langer Zeit. Ohne Maske …

Übergang, wie Fertigung ergibt

Das ist in der Technik des Werkzeugmachers liebste Qualitätsanforderung. Sie beschreibt den Übergang von einem Teilbereich des fertigen Produktes, meist in der Blechumformung (beim biegen, ziehen, stauchen, prägen ect.), der funktional in Ordnung und maßhaltig sein soll, zu dem nächsten Teilbereich. Auf gut deutsch also: Mach`, was du willst, Hauptsache, es funktioniert und sieht auch noch gut aus.

Das hat schon fast etwas Philosophisches. Übertragen in das tägliche Leben könnte man frei übersetzt sagen, dass der Zweck eben die Mittel heiligt. Eine Horror-Vorstellung für all jene, die stets einen Plan brauchen, oder besser eine genaue Wegbeschreibung. Pläne an sich sind schon in Ordnung, sofern sie nicht in Gängelei ausarten. Wie war das noch, frei nach Birne? Entscheidend ist, was hinten heraus kommt. Auch, wenn sich meine Sympathie für den mittlerweile verstorbenen Ex-Kanzler stets in engen Grenzen gehalten hat, hemdsärmeligen Pragmatismus konnte der. Eine Fähigkeit, die ihm bei der deutschen Bankenöffnung Richtung Osten Wiedervereinigung 1990 gut zupass kam. Ok, hätte auch anders kommen können, oder wenigstens humaner, aber dazu hätte es etwas mehr Mut und einiges mehr Phantasie gebraucht. Und nein, ich bin kein verträumter noch-nicht-ganz so-Alt-Linker, sondern wünsche mir schlicht etwas mehr Menschlichkeit in der Welt der freien Märkte.

Um  nicht noch weiter herumzupolitisieren und wieder zum Anfang zu kommen, sei noch ein weiterer schöner Anwendungsbereich dieses Lebensprinzipes erwähnt, unsere Wohnung nämlich. Wer so wie ich als Kind und Jugendlicher in den Sommerferien stets Camping betrieben hat und obendrein noch mit einer künstlerisch begabten Frau gesegnet ist, kann selbst die Improvisation zur Perfektion (!) treiben. Wer dann noch, so wie wir, Katzen liebt, der lässt irgendwann von den schief gespielten Bildern an der Wand ab, hinter denen sich wenig ansehnliches wie zum Beispiel alte Bohrlöcher verbergen. Gibt wichtigeres – Katze gesund zum Beispiel.

~