Wieder Sonntag

Und nein, heute gibt es keine klugen Gedanken. Zumindest nicht vorsätzlich 🙂 Eher triviales, Katzenbilder gehen immer gut, unsere Krawallbürste, Madam Lilit, ist immer gut für ein paar seichte, aber eindrucksvolle Bildchen.

Ansonsten ist die Stimmung friedlich, mit Blick auf das Frühstück gleich. Madam hat ihr Wasser in Sachen Unruhe schon gemacht (Mülltonne im Bad umgeschmissen und gestürmt, Gardine angefetzt, mir bei den morgendlichen Planks die Hose zerbissen), alles im normalen Bereich also. Gerade sitzt sie entspannt am Fenster und schaut die ersten fallenden Blätter, den ersten Herbst ihres Lebens, das gerade 7 Monate währt. Wir lieben sie sehr …

Und – darf nicht fehlen, bloß kein Ritual auslassen …

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Stille Stunde

Diese Zeit am frühen Morgen, ich liebe sie, besonders an arbeitsfreien Tagen, zumindest, was die Werktätigkeit angeht. Lilit übrigens auch, sie freut sich, wenn ich die Zeit habe, mit ihr ausgiebig zu kuscheln. Für mich gibt es nichts Entspannenderes, als einfach nur da zu sitzen, dieses Fellknäuel zu streicheln und die Gedanken schweifen zu lassen, zur Ruhe kommen zu lassen. Träume noch einmal anschauen, das eine oder andere hier gelesene noch einmal Revue passieren lassen.

„Kokon“ habe ich gerade gelesen.  Früher hatte ich auch einen, so einen Drogen-induzierten Kokon. Da war ich für mich, im meinem selbst gebautem Ei aus psycho-aktiven Substanzen. Wer oder was schützt und behütet mich heute? Der Mensch-Gewordene ist bei mir, und das war ein verdammt guter Tausch.

„Politische Korrektheit“ habe ich gerade gelesen und war versucht, einen langen Kommentar zu schreiben. Wieder einmal war die Return-Taste mein bester Freund, dafür ist mir meine Energie schlicht zu wertvoll. Politischen Diskussionen ergebe ich mich nicht mehr, schon gar nicht um diese heilige Tageszeit.

Sonst so? Die Schränke sind leer, gleich geht es heraus. Samstag eben.

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Passt irgendwie

Und irgendwie auch nicht. Ende meines Traums diese Nacht: Das Glas meiner Armbanduhr hatte ein Loch. Das war so nicht vorgesehen, so habe ich mir das nicht vorgestellt (Danke für diese Worte, liebe Anna) … nun läuft die Zeit heraus und Wasser hinein.

Dann heute Morgen die Meldung:
Hole Punch Cloud

Ein seltenes Wetterereignis, Löcher in den Wolken. So geschehen wohl am Samstag im Norden von NRW. Was das nun wieder soll. Fahren gerade Seelen auf direktem Wege auf oder spielt unser Schöpfer „Kuckuck“ mit uns … wahrscheinlich einfach nur ein Loch in den Wolken.

Verstörende Lektüre am Abend hat wohl das Loch in meine Uhr gehauen:

NICHTS

 

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Trittschalldämmung — HERZENSWERT

Blutsverwandtschaft & geistige Verwandtschaft.
Sehr gut geschrieben.

. Freundschaften zu speziellen Menschen in meinem Leben, ich bemerke, wie sie immer mehr an Bedeutung gewinnen. Und das, wo wegrutschende Füße, die dann wieder mit Hilfe dieser Menschen zu montieren sind, nicht mehr zu den dringlichsten Routinen meines Lebens gehören. Vielleicht fällt es mir gerade deswegen so auf. Diese immer wieder neu montierten Füße, […]

über Trittschalldämmung — HERZENSWERT

Drei Tage

Drei Meetings, hintereinander, was für mich ein ungewöhnliche Dichte darstellt. Angefangen am Feiertag mit dem diesjährigen Herbsttreffen der anonymen Alkoholiker, über unser reguläres Meeting am Freitag Abend hin zu unserem so genannten spirituellem Meeting, was eigentlich eine unpassende Bezeichnung ist, wie ich finde, derweil die meisten Meetings ausgesprochen spirituell verlaufen. Der Unterschied besteht im ersten Teil des Meetings, in dem ein etwas längerer Text gemeinsam gelesen wird, die darauf folgenden Wortmeldungen lehnen sich am Gelesenen an.

Was macht das mit mir? Ich fühle mich zum einen gekräftigt, geerdet, mir selbst und meinem Schöpfer etwas näher. Und – als Mitglied so einer immer noch großen, hilfreichen und weltweiten Gemeinschaft bin ich nicht allein mit meinen Lebensschwierigkeiten, mit meiner unheilbaren Suchterkrankung die sich daraus entwickelt hat. Zuzüglich der Lebensschwierigkeiten, die sich aus der Suchterkrankung entwickelt haben. Und – es wird bei aller Ernsthaftigkeit auch gelacht.

Wärme, Nähe, Geborgenheit, Gemeinschaft.

Es geht mir gut, heute. Jetzt. Ich halte den Zeitraum kurz, was mein Befinden angeht, dafür ändert sich das zu schnell. Überhaupt, die Zeit. Heute gibt es schmerzhafte Stunden und manchmal auch Tage. Früher waren es Jahre.

Sonst so? Heute ist Erntedankfest. Zeit, das zu tun, was gerne zu kurz kommt, bei mir. Dankbar sein, für das, was ich habe. Nicht nur auf dem Teller, sondern überhaupt in meinem Leben. Was Feldpflege bedingt, pflügen, sähen, ernten eben. Manchmal auch harte Arbeit.

Und – Sonntag ist auch noch, und früh genug für das alte Lied…

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Typisch Mann …

Nach der Arbeit mache ich das, was die meisten so machen. Steige in mein Auto und fahre heimwärts, den inneren Blick auf mögliche Besorgungen gerichtet. Der Supermarkt liegt gleich am Weg, mal eben schnell, denke ich, während ich einen Parkplatz suche.

Der Einkauf ist zügig zusammengestellt, mir sind Einkäufe eigentlich ein Angang, andererseits aber auch eine gute Gelegenheit, ein paar andere Gesichter zu sehen, abseits der teils Jahrzehnte-lang vertrauten Antlitze. Wobei sich der Unterhaltungswert in engen Grenzen bewegt. Den Mienen nach zu schließen, hat keiner die rechte Freude am Geschehen. Oder den Kaffee auf vom Tag an sich. Wahrscheinlich beides..

Das Finale kommt, wie immer, an der Kasse. Es sind schöne neue Kassen installiert, intuitiv stelle ich mich natürlich an die falsche Kasse, also dort, wo mindestens drei Rentner Tonnen von Kleingeld sorgfältigst abzählen und mindestens ein Kartenzahler irgend einen Punk mit seiner EC-Karte hat. Endlich bin ich an der Reihe, mein Zeug wird am Scanner vorbei gezogen. Hinter mir wartet eine Dame, vielleicht ein paar Jahre jünger als ich. Schon länger habe ich sie gerochen, sie hat ein etwas ausgefallenes Parfum. Ein wenig verkniffen wirkt sie, fast unablässig in ihr Smartphon starrend, während ihre Tochter (oder eher Enkelin?), vielleicht 6,7 Jahre jung, das Kassenband mit Einkäufen bestückt. Weil sie kaum darüber schauen kann, liegt einiges etwas quer und fällt in Richtung der Kassiererin, als das Band wieder mal anläuft. Die Gute hinter dem Band an der Kasse hat es eh nicht leicht, mit ihrer Leibesfülle wirkt sie in dem eher engen Kassenverschlag ein wenig deplatziert, wenigstens verhindert ihre Statur die Weiterreise der sich auf Irrwegen befindlichen Ware nach ganz unten.

Mein Zeug ist durch, bis auf den kleinen Beutel Zwiebeln. der nicht zu scannen geht. Oweiah, denke ich mit Blick auf die Schlange hinter mir, gleich hat mich hier keiner mehr lieb, während die Kassendame vergeblich die Kollegen nach dem Preis von den Zwiebeln befragt. Weil keiner Bescheid weiß, mich selbst eingeschlossen, zwängt sie sich mühsam aus ihrem Verschlag, um die Kollegen aus der Gemüseabteilung zu befragen, während ich in eine andere Richtung schaue, um mögliches Grinsen zu unterbinden. So wendet sich mein Blick nach hinten, trifft den Blick der Dame hinter mir. Die wirft mir einen sehr langen, ebenso wissenden wie missbilligenden Blick zu und meint dann tatsächlich etwas wie „typisch Mann“ von sich geben zu müssen. Gespielt entrüstet lege ich meinerseits los: „Das Zeug ist einfach Scheiße ausgezeichnet, muss nix gewogen werden, Sack Zwiebeln, Stückpreis – von wegen typisch Mann ...“, während die Kleine im Anhang umher hüpft und lustig nachplappert: „Typisch Mann, typisch Mann, hihi ..“ Hat das Gör wieder etwas für`s Leben gelernt, denke ich, während mein Gegenüber mich neckt, kumpelhaft mit der Schulter anrempelt, ein mildes Grinsen im Gesicht. Während wir unseren Spaß haben, kommt die Kassiererin zurück, locht sich wieder in ihren Verschlag ein und endlich kann es an`s Bezahlen gehen, bar und ohne Kleingeld.

Ein feiner Wortwechsel, denke ich.
Immerhin überhaupt irgend eine menschliche Begegnung heute.

Was den Feierabend ein wenig abrundet.

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