Dienstag, 210921

Wieder so ein Datum, ein Anna-Datum,
weil von vorne wie von hinten lesbar.
Und – Vollmond.

Leider bekomme ich ihn nicht besser eingefangen, mit dem Phon und der Licht-verseuchten Stadt. Aber immerhin etwas. Wenn ich ihn sehe, bleibe ich stehen und staune. Früher war er für mich das Symbol für Durst und gnadenlose Gier. Nachdem ich lernen durfte, dass bei mir demzufolge jeder Tag Vollmond war, konnte ich ihn anschauen und einfach nur staunen, über den Trabanten, der Meere hebt und senkt, über den Zauber der Gravitation und über die Mystik hinter dem hellen Ding. Auf unser Befinden soll er auch einigen Einfluß haben, sagt man. Astrologisch steht der Mond in meinem Geburtshoroskop in seinem Heimathaus, dem Krebs und so ziemlich das meiste von dem, was darüber geschrieben steht, kommt irgendwie hin. Isso. Und damit niemand merkt, was für eine Mimose ich bin, hat mein Schöpfer mir ein großes Maul und eine mitunter ruppige Art verpasst. Aszendent Löwe eben. Das alles im Zeichen der Luft, Sonne im Zwilling. Wenn viel Wasser auf noch mehr Luft trifft, entstehen Wellen. Viel Wellen manchmal. Mensch lernt damit zu leben, auch bei Vollmond, der mir, der ich solcher Art astrologisch gesegnet bin, regelmäßig wüste Träume beschert. Irgendwann habe ich das große Buch der Astrologie zugeklappt und beschlossen, mit alledem irgendwie zu leben, anstelle mit ständig Erklärungen für das eine oder andere herauszusuchen. Kommt Mensch nicht weit mit und führt in der Regel nur zu heftigen Kopfnicken. Oder Schütteln, je nach dem Grad der Erkenntnis.

Sonst so?
Da war doch noch was – genau, 1988 …

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Montag, 210920

Die Bahn hat ein Sonderangebot. Bis zum Wahlsonntag darf Mensch mit einem regionalen Ticket bundesweit umherfahren, Nahverkehr, versteht sich. Die Intention dahinter? Schlechtes Gewissen, Fahrgäste frohlocken angesichts der Pandemie-Einbrüche oder schlichtes gnädig-stimmen des Wahlvolkes. Keine Ahnung, jedenfalls sind wir gestern spontan nach Köln gefahren, ziehllos durch die Stadt gelaufen.

Bahnhofs-Impressionen

Zwischendurch finden sich immer wieder Reste des alten Köln, sei es Kopfsteinpflaster oder schmale alte Häuser, die wieder aufgebaut wurden. Die Stadt hat ein liebenswertes, tolerantes Flair, ich kann unsere Kinder verstehen, dass es sie dort hin zieht. Für uns leider eine Spur zu teuer, das Leben dort. Schade eigentlich.

Nach unserer Heimkehr gestern Abend schaut mich die Liebste an und bricht in Gelächter aus. Wie siehst DU denn aus ?!? Meine Nase – die Scheiß-Maskentragerei in den Zügen. Ich bin entstellt, der Riechkolben lässt auf eine Ahnengalerie schließen, in der auch Rudolf, Pinocchio und Pumuckl vorkamen. Danke, deutsche Bahn, Danke Merkel … ich geh mich jetzt pudern.

Es wird langsam…

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Samstag, 210918

Es ist Zwischenzeit. Also genau jene Zeit zwischen Frühstück und Morgentoilette, erst danach kann ich guter Dinge und leicht wie eine Feder das Haus verlassen und mich unter Menschen begeben. Ohne Frühstück und Toilette raus geht auch, aber nicht gut. Da ist die Luft dünn, weil mangels grobstofflicher Nahrung alle menschlichen Schwingungen viel zu nah an mich heran reichen. Sollte ich mal einen Mord begehen, dann definitiv vor dem Frühstück. Was also fange ich mit der, in der Zwischenzeit an, wenn die Hausarbeit gerade mal nicht ruft? Genau, schreiben geht. Und sei es auch nur über solch banale Startschwierigkeiten.

Rückblickend gab es ganz andere Zeiten, gerade Samstag Morgens. Schwer verkatert und komplett neben der Spur, das war eine ganz andere Sache. Da war der ganze Tag Zwischenzeit, sozusagen, konnte also nicht wirklich beginnen. Von daher – heute ist ein guter Tag. Mit Zwischenzeit.

Sonst so? Ich werde geliebt. Nicht nur von meinem Schöpfer, nein, vor allem jetzt gerade von der Jungkatze. Sie streicht um meine nackten Beine, das macht sie so lange, bis sie bekuschelt wird. Ignorieren geht nicht, jedenfalls nicht, sofern Mensch noch einen Rest von Empathie hat. Nach mehreren erfolglosen Runden um die Gebeine ertönt ein derart klägliches Miauen mit ihrem hohen Stimmchen (steht in einem gewissen Widerspruch zu ihrem Äußeren), dass es mir beinahe das Herz zerreißt. Spätestens jetzt ist alles Nebensache, außer eben Katze. Alles für die Katz, wortwörtlich. Jetzt liegt sie ausreichend beachtet und beschmust friedlich über mir, auf der Schreibtisch-Empore. Ihre Welt ist in Ordnung, meine auch gleich.

Madame Lilit

Kurz & bündig:


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Freitag, 210917

Ein Musterbeispiel meines Verhaltens als Internet-Nutzer.

Da lese ich Die Kartenlegerin, nebenan bei Gisela. Das Bild dominiert, na klar, ich bin weder selig noch heilig gesprochen. Es folgt das überfliegen des Textes, das kenne ich. Woher nehmen, wenn es fehlt, das Vertrauen in den großen Plan? Da bieten sich solche selbst ernannten Weissager an, die im günstigsten Fall über eine ausgeprägte Intuition und Menschenkenntnis verfügen. Oder sogar ausnehmend hübsch sind, wie hier in diesem Fall. Wobei ich beim Maler, Georg Hom, ankomme, der mir bis dato unbekannt ist, was aber nicht viel heißt, Kunstbabause, der ich bin. Wer so toll malt, also aus meiner beschränkten Sicht, dem lohnt es sich nachzuspüren. Viel ist von ihm nicht überliefert, außer eben seine Bilder, und- er hatte einen Sohn, der früh verstarb und das Joachimsthalsche Gymnasium zu Berlin besuchte. Mich interessiert diese alte Schule, zumal geschlossen und dem Verfall preisgegeben. Ich lese über die Historie des Ortes, bin fasziniert von dem schönen alten Gemäuer und freue mich über Pläne zur neuen (Schul-) Nutzung. Zur Schule gehört ein Garten sowie ein Leitspruch, als dessen Schöpfer ein gewisser Johann Michael Moscherosch überliefert ist (ich hatte kein Latein, aber diese alte Sprache fasziniert mich, offenbart sie doch zahllose Wortwurzeln unserer gegenwärtigen Sprache):

Dic cur hic
Sag, warum du hier bist.

So Aufforderungen am frühen Morgen, da denke ich schon ewig drüber nach, vielleicht fällt mir nach der Morgentoilette etwas mehr dazu ein. Vorerst gehe ich ein wenig jagen und sammeln, das allein kann zwar nicht der Grund meines Daseins sein, ist aber unerlässlich, um den Kühlschrank voll zu bekommen.

Zum Schluss nochmal zurück zu Giselas Eintrag von der Wahrsagerin und nein, nicht wegen dem Bild – jedenfalls nicht nur 😉 – meine ich doch die Weisheit in den Schlusszeilen:

Vergesst nicht euer tiefes Wissen,
das selber ihr in euch verspürt!
Wegweiser werdet ihr nicht missen,
wenn euer Weg zu MIR euch führt.

Darum geht es, nicht nur für die letzte Stunde. Der Weg zu ihm kann schon zuvor beschritten werden, jeden Tag neu. Danke für`s erinnern, Gisela!

Montag, 210913

Dieser Moment, wenn am frühen Morgen festgestellt wird – die Energien fließen langsam, aber sicher, die Nase ist frei, Atem und Bewegungen harmonieren miteinander.

Dieser Moment, vielleicht eine Stunde später, im Auto, auf dem Weg zur Arbeit. Es läuft vom Stick (unmodern, habe ich mir vom großen Kind erklären lassen dürfen, angesichts der totalen Vernetzung der neuen Autos) es läuft also I’m so afraid von Fleetwood Mac, und mit einem Mal ist es wieder da, für ein paar Sekunden, diese uralte Gefühl. Verlassen von Gott und der Welt, ich bin für Sekunden wieder 18 19, oder 20, berauscht und versunken in diesem Gefühl.

Es geht absolut nichts verloren, alles wird gespeichert, um bei passender oder unpassender Gelegenheit wieder aufzusteigen, aus dem Sumpf der Vergangenheit. Sei es auch nur kurzzeitig, um festellen zu dürfen, heute ist es anders. Eine Beobachtung, die ich auch bei meinen greisen Eltern machen darf.

Wenn der Tod einen Sinn machen soll, mal abgesehen davon, dass es hier sehr schnell sehr eng würde, gäbe es ihn nicht – dann ist es das gründliche und vorläufig letzte Leeren dieses Speichers, um heimzugehen, Ruhe zu schöpfen, bis zur mutmaßlich nächsten Runde.

All das will sich so gar nicht in die grobstoffliche Welt einfügen, in der ich mich jetzt wieder bewegen darf. Jagen und sammeln eben.

Passend zum Tag…

Sonntag, 210912

Der 11te 9te ist vorüber und Amerika erinnert sich, trauert mit Recht beim Gedenken an die Ereignisse vor 20 Jahren. Wessen nicht derart gedacht wird, sind die Folgen der globalen Raserei, zu der der verwundete Goliath global nach den Anschlägen fähig war, letztendlich mit nur minimalen Erfolg, aber zahllosen Toten und Traumatisierten auf allen Seiten in den von den USA initiierten Kriegen. Sie sagen nun sinngemäß, das passiert uns nicht noch einmal, wir haben verstanden, kein Land via Besatzung umerziehen zu können. Man hätte die Mittel und die Fähigkeit, auch anderweitig auf potentielle Bedrohungen reagieren zu können, ohne das näher auszuführen. Wenn ich dem in meinem Kopf nachgehe, bekomme ich Gänsehaut, da ich mit reichlich Phantasie gesegnet bin.

Es ist, wie es ist.

Sonst so? Neulich, vor 8 Tagen, wir stehen am Straßenrand vor unserer Haustür und warten. Kommt ein Nachbar und belädt seinen Kombi, keine Ahnung, irgend etwas stand wohl an, Kunst, Happening oder eine religiös-kulturelle Veranstaltung, ich wollte nicht noch neugieriger scheinen, als ich eh schon bin. Immerhin habe ich mich getraut, zu fragen, ob ich diese merkwürdige Figur bildlich einfangen dürfe, die da gerade reisefertig verladen werden sollte. Die Antwort wurde mir nur zögerlich positiv beschieden, vermutlich war man sich nicht sicher, ob es ihr recht sei, derart verewigt zu werden, der Wasserfee-Göttin, so wurde sie mir vorgestellt. Ok, dachte ich, die hat ja dann auch einiges zu tun, derzeit, und wenn sie ärgerlich wird, dann schüttet es oder es kommt gar nichts, kennt man ja. Darum bemühe ich mich um gebührenden Respekt, der im übrigen nie schaden kann, Glaube hin oder her, Ärger mit Wasser haben und hatten wir bereits genug.

Und noch ein paar Bilder von nebenan …

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Samstag, 210911

Und gestern war Freitag, obgleich im Titel Donnerstag stand. Hat wahrscheinlich keiner gemerkt, mich selbst eingeschlossen, oder es wollte netterweise keiner klugscheißen, wie auch immer. Danke dann dafür 😀

Wenn ich mich hier so umschaue, staune ich immer wieder, ob der vielen Talente, die hier präsent sind. Joachim zum Beispiel kann toll zeichnen und hat darüber hinaus ein paar grundlegend gute Ansichten, die ich teile. Ähnlich verhält es sich bei Ines, deren Präsens hier ich seit Anbeginn an begleite. Uns verbindet darüber hinaus der Wille zu überleben, trotz oder gerade wegen einer ähnlichen Grunderkrankung. Xeniana ist eine Weltgewandte und Reisefreudige, Alice kann Bilder und Geschichten – Vier Beispiele von so vielen, die Liste ließe sich endlos verlängern.

Und ich? Kann Worte, mittlerweile habe ich welche. Kann plaudern, Kleines groß machen, umherphilosophieren, Stichworte zu ganzen Sätzen aufplustern und manchmal heiße Luft zum stinken bringen, das geht unter anderen auch mit Worten. Darüber hinaus sagt man mir ein gewisses Maß an Mitgefühl nach, kann schon sein, dass es sich so verhält. Heute ist das ja ein Thema, Hochsensibilität nennt es sich. Darüber reden und schreiben in erster Linie Frauen, Männer haben es damit nicht so oder besser, sie verpacken es gut, damit es keiner so schnell mitbekommt. Bloß niemanden eine Angriffsfläche bieten, ganz wichtig. Oder sie machen eine Menge Getöse, unter anderen auch mit Worten (!) Da ist schreiben ein echter Vorteil, lässt sich dabei doch ein wenig mehr Zeit zum nachdenken finden, bevor sie final an die Öffentlichkeit geraten. Wobei ich dem alten Motto nicht mehr folge, von wegen woher soll ich wissen, was ich denke, wenn ich nicht höre, was ich sage. Kann in Gesellschaft ziemlich einsilbig sein oder werden, das hat mehrere mögliche Gründe. Manchmal bin ich derart damit beschäftigt, die Lage zu sondieren und zu verstehen erfassen, was um mich herum gerade geschieht – und manchmal ist dieser Prozess gerade abgeschlossen und ich langweile mich enorm. Mal bin ich auch stumm vor Glück, wie man so sagt, Ergriffenheit pur. So kann mein Schweigen durchaus mehrfach die Motivation wechseln und manchmal kann man das sogar meinem Gesicht ansehen. Sei`s drum.

Sonst so? Gibt naturgemäß auch einiges, was ich überhaupt mal gar nicht kann.
Tanzen zum Beispiel.

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Donnerstag 210910

Der Personalausweis ist abgelaufen. Also jenes amtliche Dokument, das anderswo schlicht Passport oder so genannt wird. Schon seit Jahresanfang, aus mir wird wohl kein gutes Personal mehr, von wem auch immer. Also erst mal Bilder machen lassen. Der Fotograf ist nett, nicht nur, weil er mich 15 Jahre jünger geschätzt hat. Wir plaudern gepflegt, leider kann die gelöste Atmosphäre nicht verhindern, dass die Bilder unterirdisch werden ( Brille ab, nicht lachen, gucken Sie doch mal freundlicher – ich grinse – nee, so auch nicht…) Ja wie jetzt, also wird ne Fresse gezogen, das Personal ist unlustig.

Heute dann der Termin beim Einwohnermeldeamt (wieso eigentlich nicht Personalamt, wenn schon, denn schon). Die sind außergewöhnlich gut strukturiert, mittlerweile, mit Online-Terminen und überhaupt. 7.00 Uhr, draußen stehen locker 30 Mitmenschen. Alle Sieben-Uhr-Termine reinkommen, ruft ein Herr, als endlich die Türen aufgehen. Ab da geht es flott, ich komme sofort dran. Datenabgleich, jaja, der Name, Körpergröße, Augenfarbe, Adresse, alles beim alten. Fingerabdrücke sind Pflicht, ist mir recht, beabsichtige ich doch, das neue Ding auch online größtumfänglich zu nutzen, um mir Wege, Zeit sowie überflüssige Begegnungen zu sparen. Nachdem ich der jungen Frau meine grotten-häßlichen visuell herausfordernde biometrische Bilder überreicht habe, sollen Fingerabdrücke genommen werden. Irgend etwas stimmt nicht, die Dame wird etwas nervös. Isser noch nicht wach, frage ich, dem Lesegerät freundlich zunickend, und grinse. Doch, doch, hmm. Liegt wohl an meinen Fingern, wir gehen sie beidseitig der Reihe nach durch, irgendwann muss es ja mal klappen. Was soll ich sagen, das Teil erkennt nur meine Mittelfinger, den linken wie den rechten. Ausgerechnet, sage ich und zaubere der Dame ein kleines Lächeln ins Gesicht. Wir sind fertig, bezahlt wird am Automat mit Karte, abholen in ein paar Wochen. Pippi geht auf dem Amt auch noch, so dass ich entspannt zur Werkstelle fahren darf.

Nachdenklich macht es mich schon, das mit den Mittelfingern. Muss ich doch an mein letztes Arbeitszeugnis denken, dem jeglicher Hinweis auf mögliches Sozialverhalten fehlte, bei ansonsten umfänglich und qualitativ guten Ausführungen. Damals wurde mir erstmalig dokumentiert, was ich schon länger ahnte: Ich habe kein Sozialverhalten, zumindest nicht im landläufigen Sinne. Und nun steht es demnächst auch in meinem Personalausweis. Sei es drum, dann ist das jetzt so.

Quelle: www

Freitag, 210903

Mensch hat mal kluge Gedanken, siehe heute Morgen, mal weniger kluge, wie heute am Nachmittag. Mal sehen, ob sich geballter Unfug in Textform bringen lässt.

Kollegiale Verabschiedung

Es ist eine Art Sitte, für die einen eine schöne, für andere, mich selbst eingeschlossen, eher eine Unsitte, Kollegen, die das Haus verlassen, irgend etwas mitzugeben. Das reicht von schnöden Geldgeschenken (echt super für Menschen, die damit eh schon reich gesegnet sind) hin zu personalisierten Erinnerungsstücken, also irgend etwas Metallisches, an dessen Entwicklung und/oder Fertigung der oder die Betroffene in einer unnachahmlichen Weise beteiligt war. Zu dem Zweck wird das Objekt des Schaffens auf eine Art Sockel aus Bunt- oder Leichtmetall befestigt und via Gravur mit mehr oder weniger geistreichen Text versehen. Zu den herausragenden Geschmacklosigkeiten in dem Kontext gehört eine goldfarbene Lackierung des Objektes, soll das doch die Wertschöpfung signalisieren. Oder so. Am Ende entsteht so vergoldeter Kernschrott, der nach einer kurzen Weile des allgemeinen Bestaunens auf dem heimischen Schreibtisch mutmaßlich schnell den Weg in die Abstellkammer oder in den Keller findet.

Warum also ist dies für mich also eher eine Unsitte? Nun ja, die mehr oder weniger geistreichen Gravuren landen dann bei mir, zur gefälligen Abarbeitung. Was oft genug meinen „Flow“ stört, aber doch angegangen wird, man möchte niemanden zumuten, sich mit schnöden Schlagzahlen und -Buchstaben austoben zu müssen, mit optisch zweifelhaften Arbeitsergebnis. Zum anderen lässt die Ausgestaltung der Gravuren Spielraum für mehr oder weniger geistreiche Editionen, das Leben ist schließlich ernst genug.

Rückblick: Vor ein paar Tagen gab es ein „Vorgespräch“ mit dem Kollegen des Kollegen, also dem Zurückgelassenen, wenn man so möchte. Der mokierte sich über den unpersönlichen Kernschrott, könnte doch irgendwie mehr eine zwischenmenschliche Note bekommen. Natürlich fängt es bei mir dann an zu arbeiten, im Kopf. Das wurde heute mit meinem arabischen Kollegen besprochen, der die Vorarbeit geleistet hatte, der Abschieds-Metallklumpen wartete also nur noch auf eben eine Gravur. Tja, was könnte man da schreiben? In Liebe und in Dankbarkeit klingt ein wenig arg nach letztem Geleit, wurde also verworfen. Auch ein anderer hübscher Vorschlag fand am Ende keine Gnade, der Kollege meinte, die fehlende persönliche Note könne man durchaus noch hinzufügen, in Form seiner Vorhaut, die er neulich in irgend einer Schublade beim aufräumen gefunden zu haben glaubte. Ja toll, sage ich, wir haben noch Plexiglas, lass uns eine Monstranz mit deiner Pelle bauen, persönlicher geht es kaum. Was den Heiligen recht ist, kann uns nur billig sein. Ein Vorschlag kreativer Heiterkeit, der aber aus Pietätsgründen wieder verworfen wurde. Veganismus und so, man weiß ja nie.

Was bleibt, ist der übliche Schmuh mit Namensnennung und korrekter Datierung, versehen mit dem Minimal-Zusatz „In tiefer Dankbarkeit“. Und einer Grinsekatze, diskret, aber deutlich sichtbar mit eingebracht, zum Zeichen, dass ich ihm gedacht. Wem also in absehbarer Zeit mal ein Metallklotz mit Grinsekatz vor die Füße fällt, kennt nun schonmal die Legende dazu.

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Gedanke: Stärke — Ankordanz

Es ist nicht die äußere, physische Kraft, die die Stärke eines Menschen ausmacht.  Es ist das Wesen einer unsichtbare Kraft im Inneren, auf der sich die wahre Stärke eines Menschen gründet.  Das Problem ist, das Wesen dieser unsichtbaren Kraft kann Vertrauen sein, aber auch Angst.

Gedanke: Stärke — Ankordanz – Danke für die Anregung!

Vertrauen ist der Schlüssel zu dieser Kraft. Der Ursprung mag in der Angst liegen, jedes Wachstum braucht einen Antrieb. Das Wesen innerer Stärke kann sie dagegen nicht sein, die Angst. Auch bedeutet Vertrauen nicht die Abwesenheit von Angst. Vertrauen lässt mit Angst das rechte tun. Vertrauen verweist die Angst in ihre Grenzen, Chef ist sie nicht. Den Platz hat das Vertrauen darauf, dass sich alles wie auch immer findet, und – zumindest meiner Erfahrung nach – meist besser als angenommen.

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