Montag, 220516

Montag früh
spätes Essen am Abend zuvor
Vollmond
Blutmond
kleine Kapitulation vor der Schlaflosigkeit
vor den wüsten Träumen

Noch wirkt die Meditation, die allmorgendliche Übung fein nach, die heute früh auch etwas länger dauern durfte. Eine Wohltat für die Seele, Geist und Körper. Eine gute Zeit für ein paar dürre Zeilen, bevor das Tagewerk mich wieder in Beschlag nimmt.

Sonst so?
Gedanken zum jagen und sammeln.
Beim Wassertiger, falls.

Und – Fundstück aus Übersee,
passend zur Nacht.
Greta der anderen Art.
Ohrwurm to go.

Feeling
Oh god, the feeling
We need some healing
We need some healing
God knows if you feel defeated
You have been cheated
You have retreated

Mittwoch, 220413, zweiter Versuch

Den ersten wortgewaltigen und langen Versuch veröffentliche ich nicht, der entstand gerade aus der Empörung. Keine gute Basis für öffentliche Beiträge, zumal wenn sie politisch sind. Und dabei belasse ich das jetzt. Nur soviel: Nicht in meinem Namen riskiert ihr, die ihr unser Land gerade regiert, das Blut unserer Kinder und lasst euch dafür noch beleidigen, als Dank für die Gastfreundschaft, die ihr – auch in meinem Namen – den geschundenen Menschen gewährt.

Sonst so?

Schönheitswahn – dazu gibt es hier einen guten Beitrag. Man kann durchaus auch Haltung und Mensch-sein bewahren, wenn das eigene Gesicht irgendwie an einen Boskoop im Mai erinnert.

Nettes Liedchen dazu:

*

Sonntag, 220123

Die Stimmung einfangen, bevor sie verfliegt.

Die Nacht dauerte von Eins bis Sechs, fünf Stunden sind gute Kür. Vielleicht ist es diese sonntägliche Stille, die mich nicht mehr schlafen lässt, obwohl ich könnte, heute. Eine Stille, die nur hier und da von ein paar Raben verhalten unterbrochen wird. Die Jungkatze braucht in der Regel fünf Minuten, um herauszufinden, dass ich wach bin. Sie kommt kuscheln und beschallt mich mit ihrem sonoren Schnurren. Davon abgesehen kommt sie auch, wenn ich schlafe. Ihr Wille geschehe.

Mit dem aufstehen kommen die Geräusche, das scheppern der Uralt-Rollläden, die Verrichtungen im Bad, das knarzen der Dielen, Geschirr wird weggeräumt. Bahnhof, denke ich. Gleise – geh-leise. Assoziationen, die ich nicht mehr ausspreche, das mitleidige Kopf- und Augenverdrehen meines sozialen Umfeldes betrübt mich zu sehr. Du und deine 80er-Sprüche. Aber lachen tun sie doch, sogar an- , nicht aus.

Ein Kommentar von mir, der irgendwie auch hier rein passt:

Wiedergeburt

Ein Leben reicht definitiv nicht. 
Mir schon, aber meiner höheren Macht nicht. 
Wollte schon dieses nicht, 
wäre bei meiner Ankunft beinahe wieder hochgefahren. 
Und du bleibts schön hier! 
– so schallte es., derweil mir ein Arzt den Arsch verwackelte, 
um mir das atmen beizubringen.

Herausforderung nach langem Zögern angenommen.

*

Sonst so?
Buchtipp, Werbung, unbezahlt, aber gerne geschehen:
Roman Pestak, Alles für nichts.

Brutaler Realismus, der arg zum nachdenken anregt.
Genau mein Humor.

Und – der nun schon nicht mehr ganz so stillen Stille sei es gehuldigt, mit angepasster Musik. Ludos Neue klingt auch gut. Schon wieder unbezahlte Werbung. Kind des Systems, warum kannst du auch nicht selbst musizieren …

~

Samstag, 220122

Bei dem Datum gibt es wenigstens eine kleinen Eintrag, auch wenn es nichts großartiges zu berichten gibt. Früher, vielleicht vor 30, 40 Jahren, da wurde mir schnell langweilig und es fanden sich Wege in den nächsten Exzess, Ekstase, Drama. Hauptsache, die Leere und die Traurigkeit nicht spüren. Später ließen sie sich nicht mehr bescheißen, die beiden letztgenannten, und forderten einfach nur Sedierung.

Heute, 220122 – ❤ – da sieht das Gott sei Dank anders aus. Auf Großartigkeiten kann ich dankend verzichten, auf Dramen erst recht. Ekstase – wird ab einem gewissen Lebensalter so nicht mehr serviert, auch das älter werdende Herz mag das nicht mehr. Ruhiger und tiefer wird es allmählich und selbst scheinbar ereignislose Regentage können der Seele Balsam sein. Scheinbar, weil irgend etwas geschieht ja immer, wenn auch im stillen.

Ansprechbar bleibe ich dennoch, auch im leicht geläuterten Lebensalter, für die etwas lauteren Töne. Die hier mag ich sehr, ein Fundstück aus den Staaten beim graben nach dem heimlichen König aller (Blas-)Instrumente, dem Saxophon.

Tuten & blasen? Können sie!

Den Takt nehme ich jetzt mit …

Sonntag, 220116

Prioritäten setzen.

10.20 Uhr. Ich möchte:

  • Blogeintrag schreiben
  • Gemüse für heute Abend vorbereiten
  • Gymnastik / Yoga machen
  • Frühstücken
  • Fassadenputz in eigener Sache betreiben

Nebenan drängt eine hungrige Frau zur Entscheidung. Tja. Und so wird die Schreibe kurz, körperliche Erdung kann auch komisch riechend stattfinden und alles andere hat Zeit.

Sonst so?

Beim hören eines alten Liedes kamen mir Zweifel, mit Blick auf die gesellschaftlichen Erscheinungen unserer Zeit. Es gibt wirklich nichts, was sich nicht missbrauchen ließe, inhaltlich. Für mich, für meinesgleichen damals waren solche Töne und Klänge wichtig, zur inneren Befreiung aus der Enge der Welt, in der wir hineingeboren wurden. Höre ich es heute, erzeugt es mit Blick auf meine Geschichte immer noch ordentlich Gänsehaut – aber auch Nachdenklichkeit, derweil so einige aus ihrer Einfalt heraus exakt gleich argumentieren.

So what, ich find es immer noch sehr geil:

Come on! Can you hear it?
The call of the wild

10.32 Uhr – in der Kürze liegt die Würze… 😉
~

Sonntag, 211107

Es dunkelt bei den dicken Wolken derzeit schon ab Fünf, grau in grau, typischer November. Zeit, nach Farbe zu suchen. Ein dicker Hokaido-Kürbis bietet sich an, in Kombi mit ein paar Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren sowie Tofu-Hack wartet er auf Zubereitung zu einer ordentlichen Suppe a la Merkel, also gestampft und nicht püriert. Das nehme ich nachher in Angriff.

Update: Fertig ist.
Gewürzt mit grünen Curry, schwarzen Pfeffer & Gemüsebrühe.

Darüber hinaus gibt es erfreulich wenig zu berichten. Vielleicht noch erwähnenswert ist die Art mancher Hausärzte, nicht nur selbst nicht zu impfen, sondern auch alten Menschen jeglichen Rat und Unterstützung vorzuenthalten. So geschehen mit meinen Eltern, nach Recherche im Netz haben sie nun einen Termin für ihre dritte Impfung. Die interessanten Diskussionen, die sich aus dem alles beherrschenden Thema altern und erkranken ergaben, lasse ich mal außen vor, mit Blick auf mein eigenes Älter-werden. Für mich wünsche ich mir, die damit verbundenen Begleiterscheinungen in Würde annehmen zu können. Mal sehen, ob dass gelingt.

Let’s dance in style, let’s dance for a while
Heaven can wait we’re only watching the skies
Hoping for the best, but expecting the worst
.
.
.
Sitting in a sandpit, life is a short trip

*

Mittwoch, 211020

Alltag – Werktag. Alles wie immer, Öl-verschmierter Werkstattboden, gemeinsam mit mir gealterte Maschinen, der Geruch von Kühlwasser und verbrannten Stahl. Zeit-Korsett, das nach Beständigkeit ruft. Fluch und Segen gleichermaßen. Gut, noch ein paar Bilder vom Sonntag zu haben.

Wuppertal, hinterm Funkturm, nördlich Westfalenweg.

Zurück zur Werkstatt – ich muss mal mit den Jungs reden, wie die Muse sie wohl geküsst hat, bei dem Liedchen. Wenn ich mir den verreckten Estrich hier betrache – so muss Poesie entstehen. Schon mal gebloggt, aber gerne nochmal:

*

Sonntag, 211010

Urlaub – das bedeutet Arztbesuche mit dem Vater und auch einen für mich. Der Hausarzt geht in Rente, so Sachen bekomme ich immer spät mit, weil ich Gott sei Dank meist gesund bin. Schon der zweite … der nächste Onkel Doktor wird dann wohl deutlich jünger sein. Die alte Gemeinschaftspraxis nennt sich jetzt großkotzig Medizinischen Versorgungszentrum, sehr wahrscheinlich alter Ranz mit neuem Titel. Noch isser also da, der alte Doc, bis Jahresende. Werde ihm mal n guten Tag wünschen, nächste Woche, nach Empfehlungen fragen und ihn um Rat bitten, was gewisse altersbedingte ungebetene Begleiter angeht. Er ist so ein Ganzheitlicher, von daher, mal sehen.

Sonst so? Zu bleiben habe ich gelernt, was gelegentliche Fluchten nicht ausschließt. Harmlose Sachen mit Rückkehr-Garantie, weil Drogen-frei. Mein Leben nehme ich an, wie es ist und bin über weite Strecken auch dankbar dafür. Dennoch will ein Teil von mir unterwegs sein, der unstete Bruder des Höhlenbewohners, ein loser Vagabund mit viel Neugier, aber auch mit Fluchtimpulsen. Dem gegenüber steht besagter Höhlenbewohner, der den Rückzug von der Welt liebt, gelegentlich breitbeinig, die Streitaxt in beiden Händen wiegend, vor dem Eingang der Behausung steht, an sich friedvoll, aber wachend, zum Kampf bereit und Respekt einflößend. Die beiden ungleichen Brüder symbolisieren die Pole, an und zwischen denen ich mich bewege. Mit den Jahren kommen sie klar, miteinander, lässt der eine doch dem anderen seinen Sinn, seine Aufgaben, man erkennt einander an. Meistens jedenfalls. Nur selten muss der König ein Machtwort sprechen.

Auf eine kurze Reise vor dem Frühstück nun also das Duo hat seine eigene Art, das kleine Land ihrer Herkunft gewaltig zu vergrößern. Psychedelic-Trance vom feinsten mit viel für Augen und Ohren. Genial inszenierte und zelebrierte Illusion – ganz ohne geht es nicht.

*

Sonntag, 211003

An diesem Tag vor nunmehr genau 31 Jahren lernte ich die Mutter meines Sohnes kennen, genauer gesagt, irgendwann nach Mitternacht, auf einer der zahllosen Wiedervereinigungsfeiern, unsere war in einem komplett abgerockten Kühlungsborner FDJ-Hotel, dass heute vermutlich eine Luxusvilla ist. Wie die Geschichte ausging, ist dem geneigten Leser ja bekannt, aber immerhin – mein Sohn hat zwei tolle Eltern, auch wenn die nicht miteinander können, selbst heute noch nicht, aus Gründen, Unreife und Suchtgeschichte sei Dank. Die schlauen Reden zum heutigen Tag überlasse ich anderen, die das besser können und lieber tun. Für mich ist dieser Tag der Schlussstrich unter der Rechnung, die uns das „dritte Reich“ geschichtlich servierte. Seitdem sind wir gefordert, miteinander auszukommen, auch wenn es schwer fällt.

Sonst so? Es regnet. Herbstblues? Nein, eher nicht, eigentlich eher innere Harmonie, passen doch Wetter und Jahreszeit zu meiner ganzjährigen Grundstimmung, endlich mal. Draußen war ich gestern, wohlweislich, mit Blick auf die Wetterkarte. Vielleicht gehe ich auch mit Regen nochmal, habe mir so n Poncho besorgt, ich gelber Sack. Hoffentlich wirft mir niemand einen leeren Joghurtbecher ins Dekollete.

Durch den Nebel der Zeit…

Through the mists of time….

*

Dienstag, 210928

Ein anderer Morgen, ein neuer Morgen. Die Arbeit ist kein Frosch und hüpft mir nicht davon. Lieber lesen und schreiben, heute mal Zitate, die passen. So vieles ist eh schon gesagt, wenn auch nicht von mir.

Es gibt Menschen, die sich auf dieser Welt heimatlos fühlen, ohne selbst zu wissen warum. Was alle anderen um sie her Wirklichkeit nennen, erscheint ihnen als eine Täuschung, ein wirrer und oftmals quälender Traum, aus dem sie gerne erwachen würden. Sie fühlen sich dazu verurteilt, in ihm zu verweilen, als handle es sich um eine Verbannung in eine feindliche Fremde. Mit unaufhörlichem Heimweh sehnen sie sich nach einer anderen Wirklichkeit, an die sie sich zu erinnern glauben wie an eine ferne Heimat, ohne doch irgend etwas Sagbares oder Denkbares davon vorbringen zu können.
Aus: „Die Legende vom Wegweiser“ von Michael Ende

Danke, Richard

Und dennoch …

Und nun ist er in die Wüste gepflanzt, in ein dürres und durstiges Land. HESEKIEL 19:13 ELB
Ein Leben in der Wüste ist schwierig. Doch auch sie nährt ihre Bewohner.

Danke, Deborrah.

Wird Zeit, dass es hell wird.