Märzsonne

Das Fahrrad steht neben mir, auf dem Buckel die Einkäufe, so sitze ich beim bergischen Löwen auf dem Willy-Brandt-Platz und lasse mir die warme Sonne guttun. Nebenan sitzt einer mit `ner Klampfe auf einem Stahlbügel und singt herzzerreißend melancholischen Blues, was gut zu meiner Stimmung passt.

Schaue die Menschen, sehe Füße an mir vorüber eilen, Schattenwürfe allerorten. Wenige nehmen sich wie ich die Zeit zum lauschen, aber wenn nur einer applaudiert, ist das auch etwas wert – und schon sind es zwei oder drei.

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Selbst die Tauben haben lange Schatten …

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Solche Tage mag ich, Tage, die die Seele ein wenig wärmen …

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Kennst Du …

…dieses Gefühl ? Du hast einen Plan, irgend einen, wie hier in meinem Fall die Wohnung staubzusaugen. Es ist niemand da, von den dösenden Katzen mal abgesehen, also kommt die Musiksammlung auf dem Smartphon sowie die Kopfhörer zum Einsatz.  So weit, so gut. Du kannst dich nicht für ein Album entscheiden, und um die Sache abzukürzen, lässt Du das Teil auf „Zufall“ laufen. Eine riskante Sache, weil Du keine Ahnung mehr hast, was Du dir jemals alles auf das Phon gezogen hast.

Es beginnt unverfänglich, irgend etwas klassisches, gefolgt von einem Mix aus Fehlfarben, die toten Hosen, JJ Cale, und ja, nicht passt wirklich zueinander, „Zufall“ halt. Bis dann dieses eine Stück kommt, mit dem Du nicht gerechnet hast, von einem Künstler, der dir schon lange nicht mehr präsent ist. Die Zeit scheint mit einem Male nicht nur still zu stehen, sie dreht sich kurzfristig zurück, um über drei Jahrzehnte.

Vor deinem geistigen Auge siehst Du dich noch einmal, erinnerst dich, es passt dir jetzt ganz und gar nicht in den Kram, weil Du den blöden Staubsauger in der Mache hast, der sich besser mit Metallica als mit solch einem sentimentalen Scheiß (also aus der Sicht des Staubsaugers) versteht. Du spürst das, was Du vor Jahrzehnten gespürt hast, es hat nicht die Wucht und schon gar nicht die Macht, die es damals hatte, aber Du spürst es, laut und deutlich, wenn auch nur für einen Augenblick.

In meinem Fall war es diese Mischung aus abgrundtiefer Gott-Verlassenheit, Abenteuerlust und Sehnsucht nach Nähe, damals hübsch garniert mit Pulver der Wahl und anderen psychoaktiven Kräutern, Getränken. Gefolgt von der Erinnerung an einem Menschen, der einmal eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat, der heute weiter entfernt und fremder ist als mancher Stern am Himmel.

Kitarō eben.

Das nächste Stück bringt dich wieder hinunter oder nach oben, je nach Sicht der Dinge. Du wirst wieder zum Krieger gegen den alltäglichen Dreck, auf dem Boden. Geht doch …

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 25

  • Welches Lied hat dir schon immer viel bedeutet ?

Musik allgemein hat mir immer schon viel bedeutet. Bedeutungsschwer, also so richtig …hmm. Da gäbe es viel zu sagen. 🙂 Tiefer gehende Erkenntnisse finden sich vielleicht HIER.

  • Gibt es die Welt auch ohne mich ?

Nein, sie wird untergehen. Sie wird sich in großer Trauer vollständig und rückstandsfrei selbst verschlingen, ein großes, schwarzes, düsteres, armseliges Riesenloch im Universum sein. Jeder Alien, der zufällig lang kommt, wird sich fragen: Oh, wo ist denn bloß der Reiner geblieben, war doch mal so nett hier ! „Schade eigentlich“ denkend wird er weiter ziehen und vielleicht einmal ein Gedicht über die Menschen schreiben, die sich zu wichtig nahmen. Oder App-Programmierer für die evangelische Kirche werden 😉

  • Kann man alles falsch machen ?

Ja. Zumindest in der eigenen Vorstellung. Ansonsten: Definiere „falsch“ und den Antipol „richtig“ …

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Sonntag …

… und weil draußen so ein feines Wetter ist, gibt es auch mal ein Bild dazu:

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Sonst so ?
War schon mal wärmer …
das Bild unten stammt aus Mitte Oktober.

sw klein

Und auf den hier habe ich schon fast ein Abo …

Einen guten Sonntag uns allen.

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Vor dem Fest

Das Arbeitsjahr ist für mich vorbei, heute ist der erste, „freie“ Tag. Mal davon abgesehen, was ich alles für Pläne habe, was noch alles besorgt oder erledigt werden möchte. Druck auf dem Kopf, während ich still sitze und nachspüre. Kein gutes Zeichen am Morgen.

Was hilft, ist Musik. Radio – Swiss Classic zum Beispiel. Ein staatlicher, nicht kommerzieller Sender ohne Werbung, ohne viel Gequatsche, dafür mit echt guter Musik für den Hintergrund. Oder für den Vordergrund 🙂 Für mich jedenfalls immer wieder überraschend, wie Musik auf mich wirken kann. Auch eben Klassik – hätte ich mir vor 10 Jahren noch nicht vorstellen können.

http://www.radioswissclassic.ch/en

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