Sonntag, 220123

Die Stimmung einfangen, bevor sie verfliegt.

Die Nacht dauerte von Eins bis Sechs, fünf Stunden sind gute Kür. Vielleicht ist es diese sonntägliche Stille, die mich nicht mehr schlafen lässt, obwohl ich könnte, heute. Eine Stille, die nur hier und da von ein paar Raben verhalten unterbrochen wird. Die Jungkatze braucht in der Regel fünf Minuten, um herauszufinden, dass ich wach bin. Sie kommt kuscheln und beschallt mich mit ihrem sonoren Schnurren. Davon abgesehen kommt sie auch, wenn ich schlafe. Ihr Wille geschehe.

Mit dem aufstehen kommen die Geräusche, das scheppern der Uralt-Rollläden, die Verrichtungen im Bad, das knarzen der Dielen, Geschirr wird weggeräumt. Bahnhof, denke ich. Gleise – geh-leise. Assoziationen, die ich nicht mehr ausspreche, das mitleidige Kopf- und Augenverdrehen meines sozialen Umfeldes betrübt mich zu sehr. Du und deine 80er-Sprüche. Aber lachen tun sie doch, sogar an- , nicht aus.

Ein Kommentar von mir, der irgendwie auch hier rein passt:

Wiedergeburt

Ein Leben reicht definitiv nicht. 
Mir schon, aber meiner höheren Macht nicht. 
Wollte schon dieses nicht, 
wäre bei meiner Ankunft beinahe wieder hochgefahren. 
Und du bleibts schön hier! 
– so schallte es., derweil mir ein Arzt den Arsch verwackelte, 
um mir das atmen beizubringen.

Herausforderung nach langem Zögern angenommen.

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Sonst so?
Buchtipp, Werbung, unbezahlt, aber gerne geschehen:
Roman Pestak, Alles für nichts.

Brutaler Realismus, der arg zum nachdenken anregt.
Genau mein Humor.

Und – der nun schon nicht mehr ganz so stillen Stille sei es gehuldigt, mit angepasster Musik. Ludos Neue klingt auch gut. Schon wieder unbezahlte Werbung. Kind des Systems, warum kannst du auch nicht selbst musizieren …

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Freitag, 211015

Nächtliche Rituale.

Meine Schlafstätte ist eine Couch. Nächtens kommt die Kleine mich besuchen, weil sie das schon immer so gemacht hat. Aber nicht einfach so, nein. Ich muss in einer ganz bestimmten Position liegen, auf meiner rechten Seite nämlich, mit Bauch und Gesicht zur Rückenlehne. Liege ich anders, wird so lange Gedöns (scharren, grabbeln, buddeln, laut gurren) gemacht, bis ich mich gefällig positioniere. So entsteht eine Kulle zwischen meinen Bauch und der Lehne, die sie über alles liebt. Vom meinem Körper huscht sie dann auf die Lehne, von hier aus möchte sie eingeladen werden, mit leisen, freundlichen Worten und Fingerspiel am Bettlaken, dann hüpft sie hernieder und lässt sich bekuscheln. Aber auch nicht einfach so, ihr Kopf will in meine hohle Hand, das muss so und nicht anders sein.

Nach eine Weile wird mir der Arm lahm, je nach Grad der Schläfrigkeit mal früher oder später. Dann habe ich ihn unter ihren Vorderpfoten zu schieben und still zu verharren. Während der ganzen Zeit schnurrt das Fellbündel dunkel, wie aus dem Keller, durchgehend, ohne Punkt und Komma. Wie es weiter geht? Entweder gnädige Frau schlafen selbst ein, dann wird das Keller-schnurren erst leiser und geht dann in einem sehr süßen leisen Schnarchen über. Oder das schnurren bricht abrupt ab, weil sie irgend etwas gehört hat, das mehr Spannung verspricht als ihre augenblickliche Lage. Dann weiß ich, gleich isses soweit, dann springt sie auf und fort ist sie. Die dritte Möglichkeit besteht in dem Beginn einer ausdauernden und gründlichen Putz-Session, für meine eigene Nachtruhe die ungünstigste Variante. Da wird geleckt, geschmatzt, Schnurrhaare kitzeln beim steten auf und nieder meine nackte Haut und ständig wird sich neu positioniert. Das dauert so lange, wie es dauert, irgendwann haut sie ab und putzt anderswo weiter.

Auf ihre Weise ist sie sehr berechenbar, wenn man sie ein wenig kennt 🙂

Vorbild in Sachen Tiefenentspannung.
Siesta mitten in der Küche …

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Sonntag, 210307

Aktuell: Brief geschrieben, nachzulesen HIER beim Wassertiger.

Kein Schnee, aber von gestern: Wieder eine Runde über bis dahin unbekannte Wege, gleich nebenan, dieses mal mit GPS. Eine Runde entlang der Autobahn, Berge und Treppen hinauf und hinunter, ungläubiges Staunen über die Behausungen und Gefährte mancher Menschen in einem durchquerten Bungalow-Viertel. Alles in allem knapp 2 Stunden bei 7 Km und ca. 10000 Schritten. Gute Kür.

Begegnungen dieses Mal nur wenige. Eine junge Frau mit Hund, der es sich nicht nehmen ließ, mich anzuspringen. Was dennoch einen netten kleinen Dialog nach sich zog, meine Frage nach dem Weg betreffend. Jaa, DA geht es den Berg hinunter, und wenn Sie DORT lang gehen – geht es auch den Berg hinunter. Vielen Dank, so genau wollte ich es jetzt nicht wissen – Gelächter und gegenseitige gute Wünsche, bezogen auf den weiteren Verlauf des Tages.

Ein Rentner mit schrägem Gefährt lud zum verweilen und plaudern ein:

Und – Heute hat eine junge Dame Geburtstag, den zweiten. Herzlichen Glückwunsch!

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Mittwoch 200624

Erinnerungen an meine Kindheit werden wach. Es ist nicht das entzückende Bild des liebevoll restaurierten, alten Gefährtes am Straßenrand auf meinem Arbeitsweg, es ist sein Geruch. Alte Dieselmaschinen strömen einen typische Geruch aus, einmalig irgendwie. Wenn ich den rieche, sitze ich wieder als 8-jähriger auf dem Radkasten, beim Heu machen und freue mich drauf, das Teil im Wechsel mit den anderen Kindern auch mal über`n Acker fahren zu dürfen. Gerüche sind nichts als Erinnerungen, die ständig anwachsen, wenn auch mit den Jahren langsamer…

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Sonst so? Der Schwarz-weiße kam mir schon um kurz vor Sechs entgegen, schön auf dem Zebrastreifen, wie es sich gehört, farblich fein abgestimmt. LKW fahren um ihn herum, es ist im gleich, die Gefahr ist ihm nicht bewusst. Er vertraut darauf, dass ihm der Kollege gleich `ne Dose aufreißt, darauf, dass er im Anschluss daran gebührend bekuschelt wird. Er lebt beispielhaft im Hier und Jetzt …

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