Berührung

Gestern auf dem Straßenfest. Hinter einem Stand mit dem üblichen Hausrat und Klamotten stehen mehrere junge Menschen, probieren begeistert selbst das feilgebotene Zeug an, schauen das Ergebnis in einem alten Spiegel, schwatzen und freuen sich am Tag. Auf einem Stück Pappe wird in Blockschrift, geschrieben mit`m dicken Edding, Rücken- und Handmassage sowie Tarot gegen Spende offeriert. Ich bleibe stehen und denke, kundige Hände könnten mir gut tun, von wem auch immer. Absichtslose Berührung, mitten im dicken Trubel. Also frage ich nach, eine junge Dame strahlt mich an, ich möge Platz nehmen und weist auf einem winzigen, dreibeinigen Klappschemel vor dem hinter dem Stand gelegenen Hauseingang. Ich nehme Platz, sie auf den Stufen hinter mir, und ich genieße die Berührung.

Niemand nimmt Notiz von uns, nur die Frau gegenüber, die mir gerade eben mein neues Herz fast geschenkt hat, guckt und grinst. Nach einigen Minuten bedanke ich mich, während ich über die gewünschte Spende nachdenke. Euronen sind bestimmt gewünscht, erscheinen mir aber irgendwie unangebracht. So frage ich die Dame mit den einfühlsamen Händen, ob wir jetzt die Plätze tauschen wollen, sozusagen uns etwas gegenseitig spenden. Zu meiner Überraschung lässt sie sich freudestrahlend darauf ein, womit ich nicht wirklich gerechnet habe. So fließt Energie aus der Berührung in beiden Richtungen und wir bedanken uns nach einigen weiteren Minuten gegenseitig. Eine kurze Umarmung, wir wünschen uns noch gegenseitig einen guten Tag und ich ziehe meines Weges.

Energie und Vertrauen. Einfach so.
Selten, aber möglich …

Und – der Klassiker im Dauer-Abo 🙂

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Vertrauen

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„Wenn du zu versinken drohst, erlaube mir, dich zu retten.“

„Gib mir einfach das kleine bisschen Vertrauen, das du hast, und dann sorgen wir gemeinsam dafür, dass es wächst.“

Quelle: Die Hütte, William Paul Young,
Jesus zu Mack, Seite 230

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Wieder Sonntag

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„Nachts liege ich wach und Fragen bestürmen meine Seele.
Meine Gedanken grübeln im Kreis.
Angst und Wut vertreiben den Schlaf.
Nicht einmal in meinem Bett fühle ich mich sicher.
Also stehe ich auf und mache mich auf die Suche…“

Diese Worte stammen von einem Berliner Pfarrer, der damit zum Gottesdienst heute einlädt. Sie hätten allerdings auch die meinen sein können, derzeit. Von daher – Danke, lieber Richard, und wenn es nicht so weit wäre, würde ich gerne vorbei kommen.

Vor ziemlich genau 12 Jahren habe ich mich taufen lassen, spät, aber bewusst. Soviel, wie mir „zugefallen“ war, konnte kein Zufall gewesen sein. Es gibt ihn, den Glauben an meine höhere Macht, an meinem Gott, der es gut mit mir meint. Auch der Sohn ist mir sympathisch, war er doch Mensch … Allerdings ist dieser Boden, auf dem ich mich heute bewegen darf, immer aufs Neue derben Schwankungen ausgesetzt. Mein Vertrauen ist nicht unerschütterlich und oft genug fühle ich mich sehr allein und schutzlos. Das ist Gott sei Dank nur ein Gefühl, dem ich mich nicht dauerhaft hingeben muss, weil es lediglich das Residuum meiner ersten Lebenshälfte darstellt, den Restzustand von mangelnden oder besser damals nicht vorhandenen Urvertrauen.

„Gut“ fühlt es sich dennoch nicht an, obwohl ich um seinen Beistand weiß und dazu passend einige mir sehr liebgewonnene Menschen kenne, die mir derzeit eine große Stütze sind. Angefangen von der Liebsten sowie Freunden vor Ort als auch hier in der virtuellen Welt (Schnittstellen inbegriffen). Nähe und Beziehungen haben viele Gesichter.

Danke dafür.

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 19

  • Was nimmst Du Gott nach wie vor übel ?

IHM etwas übel nehmen … nein, eher verstehe ich vieles nicht. Das ist wohl auch mit unseren Anlagen als Menschen nur schwer, und falls ja, nur in kleinen Teilen möglich. Wo ich öfter mit hadere – Wenn wir als Menschen göttlich sein sollen, als Teil der Schöpfung, warum dann diese qualvoll langsame Entwicklung mit so vielen Schwächen, Grausamkeiten, Unrecht und und und…

  • Wogegen bist Du nicht versichert ?

Diese Frage treibt mir ein schiefes grinsen in`s Gesicht. Es gibt die Haushalts – üblichen, im Nachgang meist höchst überflüssigen Versicherungen. Unversichert bleibt der ganze „Rest“ 🙂 Das Leben an sich zum Beispiel. Gesundheit, Beziehungen aller Art. Sicherheit, Auskommen, all dies habe ich, wenn überhaupt, nur zu einem geringen Teil selbst in der Hand. (Gott-) Vertrauen hilft, damit zu leben.

  • Geh deinen Nachhauseweg (oder einen Teil davon) bewusst zu Fuß. Was siehst Du ?

Wenn ich meine Bequemlichkeit überwinde und mich auf mein Rad setze, sehe, rieche und fühle vor allem eine Menge. Andere Frühaufsteher, Bäume, Büsche Vögel, Karnickel, manchmal ein Eichhörnchen oder sogar ein Reh. Ich rieche die Jahreszeit mit dem Wind, den ich spüre … wird Zeit, wieder zurück zu den Wurzeln zu kommen.

Jeden Tag drei Fragen, Tag 15

  • Was müsstest Du mal jemanden anvertrauen ?

Tja. Da fällt mir schon das eine oder andere zu ein. Allerdings bezieht sich die Frage auf „jemanden“, und es ist die Rede von „anvertrauen“. Will heißen, es meint eine Person meines Vertrauens. Und nicht all die Heerscharen, welche dieses hier jetzt in froher Erwartung lesen 🙂

  • Was hast Du heute übersehen ?

Nichts. Alles was ich sehen sollte, habe ich gesehen.. Was ich noch hätte sehen können – da gibt es sicher eine Menge, was ich hätte sehen können, wären meine Energien nicht mit dem Tagesgeschäft gebunden gewesen. 

  • Welchen Streit könntest Du beenden ?

Schon wieder der Konjunktiv 🙂 Derzeit fällt mir hierzu aber auch nicht wirklich jemand oder etwas ein. Es gibt derzeit schlicht keine akuten Streitereien. Wenn ich von den „üblichen“ Auseinandersetzungen mit Menschen, die mir in in ihren Lebenseinstellungen teils genau gegenüberstehen, einmal absehe. Jene fair zu behandeln, ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Ebenso der Umgang mit meinen eigenen Spannungsfeldern, die oft genug ebenso Anlass für Streit geben.

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