Schon am frühen Morgen

Eigentlich sollte ich längst auf Arbeit sein. Mal gibt es wichtigeres und außerdem ist gleitende Zeit, was gelegentlich ein echter Vorteil ist. Zum schreiben zum Beispiel, wie gerade eben.

HIER beim Wassertiger.

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An oder aus (Leben mit Lilit und mehr)

So kommt mir (mein) Leben manchmal vor. Da ist so ein freier Tag, wie heute. Ich bleibe länger liegen, weil ich weiß, bin ich erst einmal aufgestanden, geht es los. Was mich dann so alles stört oder besser anschreit.

Der tägliche Sandkasten im Bad zum Beispiel. Katzen scharren und barfüßig durch die Steine ist auch nichts. Also dran an den Besen, die Kleine liebt den morgendlichen Fight mit den Borsten. Hängt sich am Besen fest, wartet nur darauf, bis ich mit ihr im Schlepptau den gesammelten Dreck zu einem erklecklichen Häufchen zusammen gefegt habe, um sich dann mit Inbrunst drin zu wälzen.

Abwasch ist auch so ein Ding. Am Abend fühlt sich aufgrund großer Müdigkeit niemand wirklich berufen, die Unreinheit zu beseitigen. Und am Morgen mag ich mir den kniestigen Scheiß nicht länger anschauen, gehe also dran. Um währenddessen wenigsten ein halbes Dutzend Mal die Kleine mit Schaumhänden vom Spülenrand zu pflücken und abwärts zu befördern.

Dann setzte ich mich erst mal, trinke meinen Tee und versuche entweder, gedankenlos aus dem Fenster zu schauen oder einige Einträge hier zu lesen. Bis die Kleine mitbekommt, dass ich hier sitze und schnurrend wie ein Elektromotor, also durchgehend beim Ein- und Ausatmen, Geräusche des Wohlbefindens produzierend ihr Recht auf Liebe und Nestwärme einfordert. Beim anschließenden Frühsport hängt sie mir an den Bändern meiner HausgammelYogahose oder sonstwo, was dann nicht so toll ist.

Alltag sozusagen, und ich mag ihn mir auch nicht wirklich anders wünschen. Alles hat auf diese Weise seine Berechenbarkeit und Konstanten, selbst verschleppte Kleinigkeiten oder besser die Suche nach ihnen zähle ich dazu. Wichtig bei all dem richtigen Chaos um uns her.

Übrigens, morgen muss ich noch Brot holen …

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PS: Wenn mich wirklich mal etwas nervt, dann wünsche ich mir so eine Kiste:

Jeden Tag drei Fragen, Tag 30

  • Siehe, es war sehr gut (Mehr dazu in der Bibel: 1 Mose 1.31)

Anfang und Ende – die kleine Fragereihe geht hiermit nun zu Ende. Vor ein paar Tagen erzählte ich einem Freund davon. Sein Einwand war, ich möge doch mein Gold nicht verschenken, in Bezug auf mein mich-öffnen hier vor aller Welt. Darüber denke ich nach, eigentlich schon, solange ich blogge, also seit nunmehr fast 10 Jahren. Immer wieder komme ich zum Fazit – jedes Mal entscheide ich neu, wie viel und in welcher Form ich von mir preisgebe. Und – Gold strahlt heller, wenn auch andere daran teilhaben können. Es bleibt trotzdem immer noch das meine.

  • Für was bist Du in diesem Moment dankbar ?

Für mein leckeres Frühstück hier um 5 Uhr in der Früh 🙂

  • Was hat dich bei dieser Achtsamkeitsübung am meisten inspiriert ?

Die aufrichtige Auseinandersetzung mit den Fragen. Die übliche Jonglage mit Worten, mal mit der Wahrhaftigkeit, mal mit mehr oder weniger Humor. Gut war, siehe oben 🙂

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 29

  • Warum geht es den anderen besser ?

„Besser“ oder „schlechter“ sind Konstrukte des Verstandes. Sicher lassen sich Lebensumstände festmachen, auf die, vergleichend betrachtet, solche Kategorien passen. Im allgemeinen glaube ich heute, dass es den anderen „anders“ geht. Jeder Mensch hat seine Lernaufgaben, sein Päckchen zu tragen, wie man sagt, und wenig ist, wie es scheint. Vom unseligen und fruchtlosen Vergleichen mal ganz abgesehen.

  • Wer könnte auf deine Hilfe angewiesen sein ?

Familie. Alt wie jung, derzeit, in unterschiedlichen Themen.  „Könnte“ beinhaltet einen Zukunft-Ausblick – schwer zu sagen. Meist kam es bislang doch anders, als gedacht. Andererseits lassen sich manche Lebenslagen absehen, so dass sie mich nicht unvorbereitet treffen.

  • Worauf wartest Du ?

Sehr allgemein formuliert … ich warte über Tag auf so einiges, angefangen von roten Ampeln über Aktionen meiner Mitmenschen, die ich brauche, um meinerseits weiter zu kommen (Arbeit, Wartezimmer beim Doc, Paketsendungen, Schlange an der Supermarktkasse, Behördengänge ect.) Ziehe ich die Bahn größer, wird unscharf, ob und worauf ich warte. Zumal warten eine gewisse Passivität beinhaltet, wovon derzeit in meinem Leben keine Rede sei kann.

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 28

  • Was macht für dich einen perfekten Tag aus ?

Gibt es den perfekten Tag ? Für mich gibt es gute Tage und weniger gute Tage. Merkmale guter Tage wären: Mich gesund zu fühlen – körperlich und mental. Ein Tag, an dem ich bei mir bleiben darf (also nicht außer mir bin), unabhängig von dem, was um mich herum geschieht. 

  • Warum dreht sich alles um dich ?

Die Frage unterstellt, dass das tatsächlich so wäre. Astronomisch betrachtet bin ich der Mittelpunkt des Universums. So wie Du – oder auch Du, der/die das jetzt liest. Wieder erdverbunden sehen die Dinge anders aus, heute. Um mich dreht sich nichts, von meiner gelegentlichen Eigenrotation mal abgesehen. 

  • Lass doch heute jemanden den Vortritt. „Nach Ihnen“

Aber ja doch. an guten Tagen bin ich sogar freundlich dabei. Wie hat es doch früher mal geheißen ? „Wo ich bin, ist vorne, Und wenn ich hinten bin, ist hinten vorne“ – hier sei ein dezenter Querverweis zu Frage 2 gestattet. Wieder ernsthaft – an guten Tagen macht es mir nichts aus, mich zurückzunehmen. 

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Jeden Tag drei Fragen, Tag 27

  • Wärst Du endgültig zufriedenzustellen ?

Zu Frieden – es wird ruhiger in mir, aus dem Fass ohne Boden ist mit den Jahren ein brauchbares Behältnis geworden. Dennoch glaube ich, dass es endgültigen Frieden (sorry, liebe App, dass ich immer alles so wörtlich nehme) zu Lebzeiten hier auf Erden nicht geben kann. 

  • Hätte aus Dir etwas anderes werden können ?

Na klar. Aus mir hätte sonst was werden können, wenn wir schon wieder in den Konjunktiv abgleiten 😉 Wurde es aber nicht. Alles lief genau so, wie es sein sollte, rückblickend. Was die Hoffnung auf sinnhafte Fortsetzung nährt und eine vage Ahnung der zumindest näheren Zukunft ermöglicht. 

  • Solltest Du dich mehr gehen lassen ?

Boah. Das hatte ich doch alles schon. Man nannte mich auch „den Hefeteig“, so konnte ich mich gehen lassen. Später sollte ich lernen, auch andere gehen zu lassen, was aber wohl nicht Sinn der Frage ist. Wenn man von der allgemeinen Deutung mal absieht – wohin sollte ich mich denn gehen lassen ? Im Sinne von mir selbst etwas erlauben oder weg gehen. Alles in allem gefällt mir mein Da-sein, wenn teils auch ohne wirkliche Alternative. Warum sollte ich mich dann „gehen lassen“ …

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