Samstag, 211120

Zwischenzeit zum schreiben. Wie ist die Stimmung? Aggressiv, so ganz allgemein. Mich nehme ich da nicht aus, ich bin zwar ein gläubiger Mensch, aber kein Heiliger. Noch nicht einmal selig, obgleich beseelt, aber das sind ja zwei verschiedene Themen. Corona nervt, der November nervt, Menschen nerven. Ich mich selbst auch, manchmal.

Beispiel?

Der Ingwer geht alle. Normalerweise kaufe ich den bei meinem orientalischen Freund auf dem Neumarkt, was mich diesmal daran hindert, ist die Müdigkeit, da herunter zu latschen und die Zeit, die es nicht gut mit mir meint, oder besser, die Uhr. Die Zeit an sich ist unschuldig. Also fahre ich gleich nach der Arbeit zum Biomarkt. Die haben chilenischen Ingwer in Bio-Qualität, dazu noch rattenscharf. Biomärkte können nett sein, dann kann man da meistens nicht parken. Oder nicht so nett, aber mit Parkplatz. Mein Verhältnis zu diesen Märkten ist ein wenig gespalten. Woran genau das liegt, ich weiß es nicht, kann ich nur erahnen. Liegt vielleicht am Publikum, manche wirken so friedvoll, andere elitär und abgehoben, und dann gibt es noch mich, der ich es mit knapper Not durch den Berufsverkehr hierher geschafft habe. Es nieselt und dann geht eh alles langsamer, mir jedenfalls nicht schnell genug. Solcher Art stimmungsgeladen, die Ohren noch gefüllt mit leichter Autofahrer-Musik betrete ich den Laden, schenke mir den sonst obligatorischen Einkaufswagen, weil ich nur eine Handvoll Knollen kaufen will. Die gibt es Gott sei Dank noch, wenigstens war der Weg nicht für Nüsse. An der Kasse ist wenig los, auch gut. Zwei Leute stehen an, dann sind drei Meter Platz bis zur nächsten Karre, deren Inhaber ich nicht ausfindig machen kann oder will, also stelle ich mich davor an. Paar Augenblicke später zetert es in mein Ohr. Was das solle, ich hätte mich hinten anzustellen, sie hätte mich ja normalerweise vorgelassen, wenn ich nett gefragt hätte, aber so ginge das überhaupt mal gar nicht.

???

Ich geb dir nett, flüstert es leise bei mir im Kopf weiter hinten und ich weise darauf hin, dass man sich ja auch hätte ordentlich anstellen können und nicht am anderen Ende des Marktes (Übertreibung veranschaulicht). Abstand halten, sagt sie – sieht die meine FFP2-Maske nicht? Eigentlich alles kein Thema bis dahin, wäre das Gesicht ein anderes gewesen, hätte ich mich „nett“ entschuldigt und mich hinter ihr eingereiht. War es aber nicht, anstelle dessen funkeln mich ein paar kalte Augen böse aus einem unzufriedenen, faltigen Gesicht an, gekrönt von einem mutmaßlich selbst gehäkelten Eierwärmer und garniert mit einem Registrierkassen-Mund, schmale, zusammengepresste Lippen. Ich hasse zänkische alte Weiber, ein Umstand, den ich meist gut kaschieren kann, aber eben nicht immer. Jetzt ist gerade nicht immer, und so bleibe ich stur stehen. Während das Gezeter weiter geht, formen sich in besagter Ecke meines Kopfes Bilder und Gleichnisse, irgend etwas zwischen dem durchschnittlichen Feuchtigkeit-Gehalts weiblicher Geschlechtsorgane, gewisser Trockenobst-Sorten und brennenden Scheiterhaufen. Ob sie mir ne Predigt halten wolle, höre ich mich sagen, extra laut und peinlich, damit das auch bloß jeder mitkriegt. Hausverbot, geil, denkt es in der Ecke hinten im Kopf, wenigsten ein Grund, hier nicht mehr herzukommen. Und falls ich eine Predigt hören wolle, würde ich eine Kirche besuchen, der Ambiente wegen und auch der gehaltvolleren Worte. Alles guckt bereits und ich freue mich, dass ich meine Stimme auch mit Pappe im Gesicht noch so fein ausspielen kann. Ich drehe mich um und warte schweigend, während das Gezeter in Gegrummel übergeht und irgendwann verstummt. Geht doch.

Draußen frage ich mich, ob es das nun wert war. Natürlich war es das nicht. Hat aber gut getan und neben dem erworbenen Ingwer auch Stoff für eine kleine Geschichte geliefert.

Kleiner musikalischer Abschluss, werde auch nicht jünger…

*

Mittwoch, 211110

Gegenüberstellung

Seit einer gefühlten Ewigkeit verdiene ich mein täglich Brot in Sachen „irgend etwas mit Autos“. Um das noch ein wenig einzugrenzen, lässt sich auch sagen „irgend etwas mit Werkzeugmaschinen“, genauer gesagt, Computer-gesteuerte Werkzeugmaschinen. Und nein, das ist nicht so modern, wie es vielleicht klingt, mein mir (noch) zur Verfügung stehendes Equipment ist mit mir gealtert und entspricht dem technischen Stand von vor 30 Jahren. Oder so. Wenn ich sie starte, lege ich ihnen zuvor die Hand auf und segne sie (das ist so ungewöhnlich nicht, die Liebste spricht auch mit der Waschmaschine). Ob es hilft, weiß ich nicht, aber schaden tuts in keiner Weise (ich kenne virtuell jemanden, der inflationär segnet, und mir geht es trotz oder gerade deswegen bestens) … Bevor ich jetzt noch weiter abschweife – was ich sagen möchte ist, ich liebe die immer noch vorhandene Präzision dieser alten Maschinen. Das, was in der Technik Wiederholgenauigkeit genannt wird. Ein Programm, das einmal steht, fertigt beinahe beliebig viele Teile in exakt gleicher Form und Gestalt, solange das Werkzeug schön scharf ist.

Dagegen stehe ich allabendlich in der Küche und bereite die Dinge für den Folgetag vor. Unter anderen schneide ich dazu Obst verzehrgerecht in diverse Behältnisse, jetzt in dieser Jahreszeit vorzugsweise frische Äpfel. Ein Vorgang, der stets demselben Muster folgt, sich aber grundlegend von meinem oben angedeuteten Tagewerk unterscheidet. Habe ich die Äpfel geviertelt und entkernt, schneide ich sie mit einem kleinen Küchenmesser in die bereit stehenden Töpfe und – niemals ist ein Apfelstückchen so wie das andere, weder in der Form noch in der Größe. Selbst, wenn ich mir größtmögliche Mühe geben würde, es gäbe keine Deckung zwischen zwei Stückchen. Möglicherweise ist das nicht so leicht zu verstehen, aber genau dieser Umstand bereitet mir jedes Mal so ein diebisches Vergnügen, dass ich in mich hinein grinsend mit voller Absicht verschieden große Stücke schneide. Extra, weil ich`s kann. Apfelstücke sind eben nicht wiederholgenau, so wie das Leben an sich schon gleich gar nicht. Manchmal schade und manchmal ein Segen (!).

In dem Sinne – bless my Soul …

PS: Das waren 339 Wörter, 1863 Zeichen ohne, 2205 mit Leerzeichen. Wegen Apfelstücke 🙂

Donnerstag, 211028

Wer allein werkelt und außer der Reihe einen Tag frei haben möchte, muss sehen, wie er die Arbeit erledigt. Ist aber alles in allem machbar und Zeit für ein paar dürre Worte im Blog findet sich auch noch. Kann also so wild nicht sein.

Die Wirklichkeit, die Realität. oder das, was Mensch gemeinhin dafür hält, war gerade nebenan bei Alice ein Thema. Ein Wesensmerkmal der so genannten Realität ist ja, dass sie uns nicht fragt, ob sie uns gefällt. Herausforderungen aller Art tun sich auf, lediglich die bertreffenden Lebensbereiche ändern sich mit der Zeit. Oder bleiben gleich und verlagern sich. Schmerzen, gleich ob körperlich oder seelisch, lassen mich innehalten, langsamer werden. Flüchten kann ich, möchte ich aber nicht mehr. Wohin auch? Also stehen bleiben, hinschauen, annehmen. Gleich, ob es sich um veränderte Beziehungen aller Art handelt oder um das letzte große Mysterium, den Tod. Besser gesagt, den mitunter sehr weiten und langsamen Weg dorthin.

Stehen bleiben hilft (mir). Vor Lebensumständen wie vor Menschen. Hier bin ich, Herr. Hineni. Immer wieder, bis zum letzten Gang. Stehen bleiben bedingt manchmal auch Gegenwehr, mit den Füßen fest auf dem Boden. Manchmal braucht es Biegsamkeit & Elastizität, ebenso erdverbunden. Manchmal auch gehe ich für eine Moment in die Knie, dann ist das so.

Da war doch noch was – richtig, Arbeit. Die Arme sind bandagiert, kann losgehen. Weiter gehen.

Mittwoch, 211020

Alltag – Werktag. Alles wie immer, Öl-verschmierter Werkstattboden, gemeinsam mit mir gealterte Maschinen, der Geruch von Kühlwasser und verbrannten Stahl. Zeit-Korsett, das nach Beständigkeit ruft. Fluch und Segen gleichermaßen. Gut, noch ein paar Bilder vom Sonntag zu haben.

Wuppertal, hinterm Funkturm, nördlich Westfalenweg.

Zurück zur Werkstatt – ich muss mal mit den Jungs reden, wie die Muse sie wohl geküsst hat, bei dem Liedchen. Wenn ich mir den verreckten Estrich hier betrache – so muss Poesie entstehen. Schon mal gebloggt, aber gerne nochmal:

*

Sonntag, 210926

Wahltag. Spannend, dieses Mal. Heute Abend sind wir klüger, was die reine Mathematik angeht. Danach geht es um Allianzen, innen- wie außenpolitisch vertretbare, gemeinsame Werte gibt es reichlich, auf allen Seiten, dazu mindestens ebenso viele Gegensätze. Wir haben schon länger gewählt und das ist gut so.

Sonst so? Neben den üblichen Dauerbaustellen namens Alltag und Familie bewegen mich die Themen Manipulation, Stimmungs- und Meinungsmache via Social-Media. Dinge, die ich nicht ändern kann. Aber auch Dinge, an denen ich mich nicht beteilige. Kräfte-zehrend und letztendlich fruchtlos, den Don Quijote überlasse ich anderen. Ich gehen wählen und beteilige mich auch gelegentlich an politischen Diskussionen, sofern mir mein Gegenüber das wert ist. An den so beliebten Diskursen beteilige ich mich nicht, ich biete unter diesem Mäntelchen so genannten Querdenkern und religiös-politischen Akteuren aller Couleur keine Plattform zur Darlegung ihrer geistigen Ergüsse. Sie sind es mir nicht wert.

Passende Musik hat es dazu auch.

*

Samstag, 210116

Keine besonderen Erkenntnisse diese Woche, von den üblichen Herausforderungen mal abgesehen.

  • Jeder Tag hat nur 24 Stunden.
  • Die Nacht hat grundsätzlich zu wenig Stunden
  • Muskeln und Sehnen mögen keine Kälte und im fortgeschrittenem Alter auch keine größere Mengen Stahl.
  • Die drei Löcher in meinem Unterarm haben fast identischen Abstand, sie zeugen vom ausgelassenen Spiel mit einer jugendlichen Katzendame.
  • Es ist für mich jedes Mal ein Wunder, zu sehen, wie schnell kleine Wunden sich schließen, Blut gerinnen kann und Wunden heilen können.

Sonst so? Abstand halten ist Kacke, jedenfalls, was das große Kind angeht, das ob zahlreicher beruflicher Kontakte Skrupel zeigt, seinen Geburtstag familiär zu begehen. Ehrt ihn und betrübt mich. Ihn vermutlich auch. Es sind Scheiß-Zeiten, und um so mehr möchte ich diejenigen Köln sehen lassen, die immer noch so tun, als ginge sie das alles nichts an, die fröhlich ihr Ding wie gewohnt durchziehen, sich natürlich auch nicht impfen lassen wollen und ihren geistigen Dünnschiss ihre Realitäts- und Wissenschafts-feindliche Haltung auch noch lauthals verbreiten (dürfen).

Stichwort verbreiten – Twitter zieht Trump den Stecker, ein echter Beitrag zum Weltfrieden, wie ich finde. Ob hinter diesem längst überfälligen Entschluss Einsicht steckt oder die schiere Angst vor massiven Eingriffen von außen – schwer zu sagen. Bleibt jedenfalls spannend, was gerade in den Staaten geschieht.

In dem Sinne:

We look hard to see for real …

*

Donnerstag, 201203

Küchenphilosophie

Gute Tage beginnen meist damit, dass ich zu spät komme – und es mir gleichgültig ist. Und ja, man könnte den Gedanken nun fortführen, das an schlechten Tagen eher zu früh gekommen wird, aber das ist ein anderes Thema. Irgendwie ist immer rechtzeitig.

Sonst so?

Das Wort Realität ist ja derzeit wieder in aller Munde. Oder besser, deren Verweigerer. Da denkt man gleich an Alu-Hüte aller Art und sonstige Queer-Denker. Da bin ich froh, geradeaus denken zu können, meistens jedenfalls. Früher fand ich „Queer-denken“ mal gut, im Sinne von hinterfragen und kritisch hinschauen. Ist ja nichts gegen zu sagen, bis heute. Werden im Namen von Queer-Denken jedoch die krudesten Theorien und Thesen verbreitet, hat das für mich nicht mehr viel mit dem Ursprungsgedanken des Queer-Denkens zu tun. Da wären dann andere Kategorien passender.

Eigentlich – ja eigentlich bin ich recht Realitäts-verbunden. Das schadet nicht, im Alltag und gerade mit Blick auf meinem technischen Beruf. Wer sich hier der Realität im Sinne von Ignoranz der physikalischen Gesetze verweigert, hat schlechte Karten. Und dennoch bin ich kein Freund von ihr, im Sinne des Liedchens weiter unten. Nicht alles, was ich anerkenne, liebe ich auch. Danke, Ines, für`s erinnern an Funny 🙂

So, zu meiner Tage-Realität gehört auch, den Erwartungen meines Arbeitgebers gerecht zu werden. In dem Sinne…Tschüss.

*

Freitag, 201127

Manche Tage beginnen so. Mit Tages-Routine, die sich zieht wie zäher Schleim. Die Tausend morgendlichen Handgriffe nehmen kein Ende, die Zeit wirkt gedehnt, was auch die Uhr spiegelt. Wenn es hier und da zwickt und zieht. Altern nennt man das wohl. Wenn auch die meditativen Übungen nur wenig Erdung geben, dann ist es wieder soweit, erinnere dich, höre ich meine innere Stimme leise.

Narcotics Anonymus – Nur für Heute

Und so lasse ich zu, dass sich die Zeit dehnt und zieht. Nehme mich zurück, sitze still, spüre den Schmerzen im Arm nach und denke Gleitzeit – ist nicht so wichtig. Die Katze dreht ihre Runden, hinter dem Sofa sehe ich ein Ohr und rufe sie leise. Das gleicht stets dem Roulette, rot oder schwarz, 1 aus 2. Sie kommt oder kommt nicht. Heute kommt sie kurz schnuppern, um sich dann gleich auf ihrer Aussichtsplattform niederzulassen. Immerhin. Nähe light, kein Widerspruch zu den innigen Stunden auf dem Sofa, wenn sie sich bei mir anschmiegt und fest einschläft. Wem das nicht gefällt, der möge sich einen Hund zulegen.

Sonst so? Gestern Abend – Von außen kommen Durchhalteparolen, harter Winter und so. Wenn ich koche, läuft das Radio, eine von vielen Verbindungen zur Außenwelt. DLF, der verschont mich wenigstens mit dem trivialen Geschwätz der Regio-Sender. Die Menschen kaufen zu wenig, sagen sie. Och, wen wundert`s, denke ich. Ist ja auch die helle Freude, in den Kaufmannsläden. Alle Ersatzbefriedigungen funktionieren derzeit nicht wirklich. Taten sie übrigens noch nie, aber jetzt fällt es vielen auf. Drogen und Alkohol sollen dagegen bestens gehen. Das funktioniert immer, sofort und auf der Stelle, aber leider nur chemisch, scheinbar und zeitlich arg befristet, die bekannten Nebenkosten inbegriffen. Während ich darüber sinniere, zerlege ich Gemüse und steige ungefähr ein Dutzend Mal über die Katze, die mitten in der Küche liegt. Alles meins. Der Koch ähnelt mit seinen Schritten derweil einem Ballett-Tänzer, das schult die Achtsamkeit, passt gut, wenn man mit einem megascharfen Hackmesser arbeitet, das Teil verzeiht nicht die geringste Unachtsamkeit. Tut auch nicht weh, der scharfe Schnitt, fällt nur auf, weil es tropft und der Boden rot wird. Sehr vertrautes Szenario. Aber jetzt gerade nicht, dem Fellbündel sei Dank. Irgendwann ist es dann genug, ich nehme sie hoch und trage sie etwas abseits meiner Bahnen zwischen Anrichte und Spüle, was sie gutmütig hin nimmt.

Zuhause – ich bin dankbar dafür.

*

Freitag, 201113

Ein entspannter Tag, weil werkfrei. Unspektakuläre und wohl dosierte Aktivitäten. Den Schornsteinfeger empfangen. Die neugierige Jung-Katze klettert erst einmal in seine Arbeitstasche, sie riecht nach Hund, die Tasche, wie mir berichtet wird. Darum also. Die Neugier weicht dem Fluchtinstinkt, als das Messgerät unter Restspannung brummend wieder an seinem Platz verstaut wird. Der schwarze Mann geht – wie geil, denke ich. Freitag, der 13te und dann noch ein Schornsteinfeger – kann eigentlich nix mehr in die Hose gehen.

Staubsaugen und danach ein paar fehlende Sachen einkaufen. Vormittags, weil es dann nicht so viele meiner Art sind. Einlass nach Schlange stehen, ich sehe nur maskierte Gesichter mit angespannten und/oder aggressiven, ängstlichen Augen. Wahrscheinlich sehe ich auch so aus. Schaffe es, ein bemühtes Grinsen an der Kasse hinzulegen, verbunden mit dem Wunsch nach einem guten Wochenende für die Kassiererin, deren Miene sich daraufhin etwas aufhellt. Ein Tages-Highlight, wenn man so bedenkt.

Mittagsschlaf. Den liebe ich, wenn ich ihn mir leisten kann. Kann ich, heute. Gefolgt von Wim Wenders – Im Lauf der Zeit. Zumindest die zweite Stunde von insgesamt knapp dreien. Der dritte und letzte Teil seiner Roadmovie-Serie, Anno 1976. Kino und Familiengeschichten stehen im Mittelpunkt des in schwarz-weiß gehaltenen Streifens, den ich mir nur stundenweise anschaue. Melancholie pur, gemischt mit Bildern der Zeit. Landstraßen entlang der Zonengrenze, alte, heruntergekommene Kleinstadtkinos, in denen geraucht wird, Film-Vorführmaschinen aus der Nachkriegszeit – ich liebe das. Stundenweise eben. Der Streifen stand übrigens seinerzeit auf dem Index, wegen diverser Szenen. Das Protagonist scheißt auf einer Abraumhalde und sitzt zumindest einmal nackt in seinem alten Möbelwagen, ein Filmvorführer schaut gemütlich masturbierend einen typischen 70er-Porno mit, den er mittels Spiegelchen in sein Kabuff ablenkt. Reichte wohl für den Index. Komische Zeit, denke ich, der damals gerade mal 14 war. Alles locker und flockig, jeder vögelt jeden, aber so etwas schafft es auf den Index. Merkwürdig. Jedenfalls habe ich mir für lange, dunkle Stunden die komplette Wenders-Werkschau aus der Mediathek gezogen, 130GB Filme, das reicht für den Winter.

Sonst so? Morgen bin ich bar jeder haushaltlichen Verpflichtungen, derweil heute schon fleißig. Dafür fahre ich den Alten in`s Grün-Graue, am Morgen, solange seine Kraft reicht. Was heißt, Mittagsschlaf ist mir auch morgen sicher. Ich liebe so berechenbare Arrangements. Chaos kommt von allein.

Sonst so, Teil 2. Ein Gespräch mit `nem Kollegen ist im Kopf irgendwie hängen geblieben. Er hat einige wohl geratene Kinder und eines davon studiert BWL, steht mit ihren 22 Jahren der F.D.P. nahe. Und ja, ich finde die alte Schreibweise irgendwie hübscher. Was so ziemlich das einzig hübsche an der ganzen Truppe für mich darstellt, die in meinem persönlichen Ranking knapp oberhalb der AfD rangiert. Die Kleine jedenfalls lernt gerade, wie man der Generation ihres Vaters den wirtschaftlichen Garaus macht, ganz im Sinne der reinen Lehre. Gut für sie und schlecht möglicherweise für uns, die wir eh schon durch die Zeit gefallen sind. Eine bescheuerte Zeit, in der die einen nichts mehr haben, andere wiederum daheim arbeiten sollen und so Restbestände wie wir mit altersschwachen Maschinen rummachen, aus Scheiße Bonbons zaubern und irgendwie die Kinder manchmal nicht mehr so richtig verstehen. Was der Liebe keinen Abbruch tut.

Und jetzt? Grünkohl zubereiten. Essen ist existenziell. Wohlan, frisch an`s Werk.

PS: Wenn schon 70er, dann richtig. Danke, Wim … das beste am folgenden Stück ist das Intro, der Rest – na ja. Mir fällt gerade nix besseres in die Hände, will ja noch in die Küche.

Soll für das nächste halbe Jahr reichen…

Dienstag, 201110

Ein ganz normaler Werktag. Die Halle ist trocken, warm – und – ich bin vonne Straße, wie man sagt. Habe sogar noch Zeit für solch einen sinnarmen Eintrag hier. Leben läuft…

Rääts un links vum Bahndamm…

Sonst so? Nicht alles ist, wie es scheint. Manches allerdings schon. Genau genommen auch so wenig nicht, mit den Jahren wird der Blick schärfer, wenn auch die Augen mir das Gegenteil weismachen wollen. Das gibt es zum Beispiel einen Menschen, dessen Liebe ich mir gewünscht habe. Kam nix. Weil nix da war, noch nicht einmal für sich selbst. Stattdessen bekam ich einen schwarzen Vogel zum Spielgefährten. Selbst heute kann ich der Versuchung nicht widerstehen, ihm Gutes tun zu wollen, weil die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt. Aber sie stirbt. Was bleibt, ist ein fahler Geschmack und der Schwarz-Gefiederte, verbunden mit der anders gelagerten und einigermaßen realistischen Hoffnung, in diesem Leben damit nochmal Frieden zu finden. Wenn auch mit schwarzen Federn.

Bild zum schönen Schein … es darf geraten werden.