Samstag, 220122

Bei dem Datum gibt es wenigstens eine kleinen Eintrag, auch wenn es nichts großartiges zu berichten gibt. Früher, vielleicht vor 30, 40 Jahren, da wurde mir schnell langweilig und es fanden sich Wege in den nächsten Exzess, Ekstase, Drama. Hauptsache, die Leere und die Traurigkeit nicht spüren. Später ließen sie sich nicht mehr bescheißen, die beiden letztgenannten, und forderten einfach nur Sedierung.

Heute, 220122 – ❤ – da sieht das Gott sei Dank anders aus. Auf Großartigkeiten kann ich dankend verzichten, auf Dramen erst recht. Ekstase – wird ab einem gewissen Lebensalter so nicht mehr serviert, auch das älter werdende Herz mag das nicht mehr. Ruhiger und tiefer wird es allmählich und selbst scheinbar ereignislose Regentage können der Seele Balsam sein. Scheinbar, weil irgend etwas geschieht ja immer, wenn auch im stillen.

Ansprechbar bleibe ich dennoch, auch im leicht geläuterten Lebensalter, für die etwas lauteren Töne. Die hier mag ich sehr, ein Fundstück aus den Staaten beim graben nach dem heimlichen König aller (Blas-)Instrumente, dem Saxophon.

Tuten & blasen? Können sie!

Den Takt nehme ich jetzt mit …

Sonntag, 211003

An diesem Tag vor nunmehr genau 31 Jahren lernte ich die Mutter meines Sohnes kennen, genauer gesagt, irgendwann nach Mitternacht, auf einer der zahllosen Wiedervereinigungsfeiern, unsere war in einem komplett abgerockten Kühlungsborner FDJ-Hotel, dass heute vermutlich eine Luxusvilla ist. Wie die Geschichte ausging, ist dem geneigten Leser ja bekannt, aber immerhin – mein Sohn hat zwei tolle Eltern, auch wenn die nicht miteinander können, selbst heute noch nicht, aus Gründen, Unreife und Suchtgeschichte sei Dank. Die schlauen Reden zum heutigen Tag überlasse ich anderen, die das besser können und lieber tun. Für mich ist dieser Tag der Schlussstrich unter der Rechnung, die uns das „dritte Reich“ geschichtlich servierte. Seitdem sind wir gefordert, miteinander auszukommen, auch wenn es schwer fällt.

Sonst so? Es regnet. Herbstblues? Nein, eher nicht, eigentlich eher innere Harmonie, passen doch Wetter und Jahreszeit zu meiner ganzjährigen Grundstimmung, endlich mal. Draußen war ich gestern, wohlweislich, mit Blick auf die Wetterkarte. Vielleicht gehe ich auch mit Regen nochmal, habe mir so n Poncho besorgt, ich gelber Sack. Hoffentlich wirft mir niemand einen leeren Joghurtbecher ins Dekollete.

Durch den Nebel der Zeit…

Through the mists of time….

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Donnerstag, 210715

Land unter im Tal der Wupper, das ist seit dem Bau der Wuppersperre 1987 noch nicht vorgekommen. Die Nacht lief die Sperre wohl kurzzeitig über, jedenfalls mussten die Betreiber in kurzer Zeit eine große Menge Wasser ablassen, um schlimmeres zu verhindern. Wir wohnen am Berg, diesmal blieb sogar der Keller trocken. Weiter unten sieht das teilweise nicht so gut aus.

Sonst so?

Dienstag war ein freier Tag. Ich hätte sonst was erledigen können, tat ich aber nicht. Traf mich mit einem Jugendfreund, nebenan, in Remscheid. Das wird übrigens mit einem kurzen „e“ ausgesprochen, Nicht-Eingeborene machen da gerne „Rehmscheid“ draus. Wie auch immer. Habe lange in der Stadt gewohnt und komme so nach Jahren mal wieder dort hin.

Zwei nette ältere Herren mit Tagesfreizeit treffen sich. Es gab einen nichtöffentlichen Teil, sozusagen, und einen öffentlichen, beim Spaziergang in der Stadt und umme Ecke, in der Eisdiele. Da saß schon wer, einer der üblichen Verdächtigen. Man kennt sich, großes Hallo. Stühle-rücken, setzt euch, töttern (das ist Solinger Slang und meint Smalltalk machen) Der geneigte Leser erinnert sich, ich übe mich gerade in Sachen flach, das kann durchaus erheiternd sein, zeitweise. Und lustig hat es nicht so oft, also üben.

Der Verdächtige hat dito Tagesfreizeit und ist neugierig. Kennt er doch den Kumpel nur ohne Begleitung oder wenn, dann in Begleitung seiner Konkubine, die aber heute verhindert ist. Woher kennt ihr euch, wird gefragt. Wuppertal, Remscheid?

Nein, sage ich. Das war göttliche Fügung. Es begab sich einst im Jahre des Herrn 1969, mein Vater parkte seinen ersten Wohnwagen in den finsteren Wupperbergen nahe einer Hofschaft. Da gab es nur ein paar Hunde und halt Freund A., genau zwei Monate jünger als ich. Die Hunde wollten nicht mit mir spielen, trotz Kotelett um den Hals. Da blieb nur A. übrig und seitdem kennen wir uns.

Gelächter, der Verdächtige hat keine weiteren persönlichen Fragen mehr und das Gespräch verliert sich im Ungefähren, was uns allen recht ist. Fazit: Ich könnte mich daran gewöhnen, zumindest zeitweise mal so richtig nichts zu tun außer dem Herrn die Zeit stehlen, in einer Remscheider Eisdiele. Töttern, Leute angucken. Mich in der deutschen Sprache üben: Lass mich arbeiten oder lass mir arbeiten? Lass andere arbeiten, so heißt das!

Der winkende Grüßonkel in Miniatur bin übrigen ich…

Remscheid, Theodor-Heuss-Platz, städtische Webcam…

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Kurz vor Zwölf am Sonntag

Bis der Eintrag online geht ist der Morgen vorüber, sei`s drum. Ein Wetter, bei dem die Unterschiede irgendwie verwischen, zwischen dem Schwarz der Nacht und den zahlreichen Grautönen des Tages. Was bleibt, ist das neue Buch, eure Einträge hier und möglicherweise, wenn mein Sofa mich loslässt (Achtung, das Ding ist beharrlich), auch noch einen kurzen Spaziergang, um den dämlichen Schrittezähler zu füttern. Wenn ich anstelle dessen wie blöd eine halbe Stunde um den Tisch laufe, knallen die Katzen durch und mein Nachbar wahrscheinlich auch.

Sonst so? Zum Tisch fällt mir noch folgendes ein:

Und zum Sofa hat es auch noch einen…

Harr Harr – kurz nach Zwölf, heute mal kein Sunday Morning, oder nur ein wenig via Link 🙂 Ritual bleibt Ritual …

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Es regnet

Schon seit gut 30 Stunden, ununterbrochen. Meine Sachen bekomme ich nicht mehr trocken. Die Stimmung hängt auch durch, am Tag drei nach den Ferien. In solch seltsamer Gemütsverfassung neige ich zu mancher Grobheit, um mich selbst wieder besser wahrzunehmen. Meist fange ich dann Streit an, mit meinem mir Vorgesetzten zum Beispiel, da geht immer etwas. Seltener daheim, da die Folgen dann meist schwerwiegender sind. Klingt ein wenig übertrieben und das ist es auch. Wobei der Kern schon ein wahrer ist 😉

Ok, Grobheit. Ich lese wider besseren Wissens Nachrichten. Meist höre schnell wieder damit auf, weil es mir nicht gut tut. Manchmal allerdings finde ich selbst bei zeit.de erheiterndes, wenn auch, wie sollte es anders sein, mit ernstem Hintergrund, also richtig deutsch, wenn man so will.

„Ein Loch ist das, was übrig bleibt, wenn einem Arschloch der Arsch abhanden kommt. Ein Loch ist demnach ein aufs Wesentliche reduziertes Arschloch.“

Gefunden HIER auf zeit.de, das Zitat steht dort im Kontext mit russischer Jugendsprache und organisiertem Verbrechen. Wem`s interessiert.

So gesehen bekommt ein an sich unschuldiges Loch eine völlig neue Bedeutung. Bis dahin war ich davon überzeugt, das ein Loch per Definition NICHTS ist, mit etwas drum herum. Danke, zeit.de, das Du mein Weltbild derart heilsam korrigiert hast.

 

 

 

 

Kurz nach 7, heute morgen.

Es immer derselbe Ort, und doch ist er jeden Tag anders. Es fallen gerade noch ein paar Tropfen, doch am Horizont ist Licht zu sehen. Ich kann den Regen riechen, es ist mehr herbstlich denn Anfang Juli. Monsun-Zeit im Zeichen der Veränderung…

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