Dienstag, 210119

Traumzeit

Er fährt eine ihm unbekannte Straße entlang, mit seinem Begleiter auf dem Beifahrersitz. Linker Hand erblickt er etwas, was er nicht glauben kann. Auf einer riesigen Fläche liegt ein umgestürzter Dom, eine geschliffene Kathedrale, 90 Grad gedreht auf ihrem Seitenschiff. Alter, verwitterter Sandstein, zugemauerte Fensternischen. Während er seinen Augen nicht traut, denkt er, dass selbst die Herren der 12 Jahre so etwas nicht fertig bekommen haben. Oder doch? 

Er hält an, steigt aus, gefolgt von seinem Begleiter, der sich diskret im Hintergrund hält. Es gibt keinen ursprünglichen Eingang mehr, nach einigen Suchen entdeckt er so eine Art Baustellen-Tür, ein Provisorium, das irgendwer angelegt haben könnte, der was auch immer darin zu tun hatte. Die Tür lässt sich öffnen, die beiden betreten eine Art Keller-Verschlag. Finster ist es, vom diffusen Licht der Straße mal abgesehen. Plötzlich hört er ein Geräusch, das ihm das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ein wildes Tier, nicht weit entfernt, irgendwo nebenan, wo immer das auch ist. Von seinem Begleiter ist nichts mehr zu sehen. 

In einer Nische findet sich ein loses Brett, das sich leicht entfernen lässt. Wie aus dem Nichts hält er ein scharf geschliffenes Hackmesser in der Hand, kriecht durch die entstandene Lücke, findet sich in dem ehemaligen Kirchenschiff wieder. Bänke, merkwürdiger Weise aus Stein, ebenso verwittert wie das ganze Gemäuer, stehen rechtwinklig zu ihrer ursprünglichen Lage, ein bizarres Bild. Auf einem Mauervorsprung liegt ein altes Buch, er schlägt es auf. Alle Seiten sind fast vollständig geschwärzt, die wenigen erhaltenen Zeilen in Frakturschrift sind unleserlich verwittert. Ungläubig fährt er mit den Fingern über die geschwärzten Bereiche, spürt den Kohle-artigen Farbabrieb auf seiner Haut, während in der Finsternis, diesmal aber bedrohlich nahe, der Hüter der Stätte zu vernehmen ist, mit einem Schrei, nicht von dieser Welt. 

Ihm bleibt nur die schnelle Flucht, zusammen mit dem Vertrauen in das scharfe Messer, welches er Gott sei Dank nicht braucht. 

3.15 Uhr. Selten war die Freude über diese frühe Stunde vergleichbar groß …

Manche Nächte

Es gibt sie immer noch, diese Nächte. In Zeiten der Veränderung werden sie vorübergehend etwas zahlreicher. Nächte, in denen ich mehrfach aufwache, mir die ungebetenen Besucher anschaue. Eine Weile mit offenen Augen wach liege und in die Stille horche, weil sofortiges wieder-einschlafen nur eine Fortsetzung der Aufführung bedeuten würde.

Bildhafte Relikte eines Egos, das sich gerade von seinen bisherigen Aufgaben zu verabschieden scheint.  Sich an seine neue Rolle erst einmal gewöhnen darf. Und da Trennung immer mit einem energetischen Ungleichgewicht verbunden ist, schickt das solcher Art beschnittene Ego zum Abschied noch eben solche Bilder.

Schwarzer Rauch, aus der Erde aufsteigend
aus dem sich Gestalten formieren
auf der Suche nach einem Wirt
Prozessionen von Besessenen
langsam ohne Ziel wandernd
stets das Äußere verändernd
schwarze Magie

Bilder des Egos, das zum Abschied von der gewohnten Rolle, so scheint`s, noch einmal Macht demonstrieren will. Kannst uns kaufen, kichern sie leise. Da gibt es etwas, womit wir Dir Frieden schenken …komm`, besänftige uns, mach`s einfach so wie die Millionen anderer um dich herum und nehme etwas ein…

Sie gewähren lassend, weiß ich heute um eine Kraft, die größer ist als diese vielen schwarzen Schatten, die über die Angst so gerne ihre Macht demonstrieren. Eure Zeit ist vorüber. Früher oder später werdet ihr keinen Wirt mehr finden und weiter ziehen müssen.

Ihr seid nicht der Herr.

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