So Tage

Grundgereiztheit – so ist die Stimmung an der Oberfläche. Weil mich wie viele andere dieses gesellschaftliche Beschnitten-Sein nervt. Weil ich Einkaufen schon immer ätzend fand und nun erst mal so richtig. Weil manche Menschen meine Lebenszeit als persönliche Verfügungsmasse ansehen. Weil sich die Winterräder am Auto nicht lösen ließen. Das erste Mal im vergangenen Herbst die Räder aus Bequemlichkeit wechseln lassen und promt haben die Akteure vergessen, Kupferpaste oder ähnliches zur Verhinderung von Kontaktkorrosion zu benutzen. Jetzt muss ich in die Werkstatt, die Dinger auf der Bühne loskloppen lassen.

Wenn man nicht alles selber macht. So ein alter Glaubensgrundsatz, den ich natürlich (?) immer wieder bestätigt bekomme. Offensichtlich gibt es da noch etwas zu tun, für mich. Wenn sich mein Ärger legt, sehe ich wieder die Wahrheit hinter meinen persönliche, Ego-Wahrheiten. Weil ich mich gerne über meine verkackten Winterräder aufrege, das ist besser zu ertragen als die Trauer über den Zustand meines Vaters.

So. Zeit, mir mal klar zu machen, wie gut ich es eigentlich habe. Ich fühle mich wohl, daheim. Das ist nicht selbstverständlich und Grund zur Dankbarkeit. Dann hat es hier ausgesprochen liebenswürdige Mitbewohner, also meistens jedenfalls. Mit und ohne Fell. Das Fell-Baby schaute sich heute morgen sehr interessiert den gesegneten Zweig an, den ich am Lampenkabel unter der Decke gehangen habe. Potentiell außerhalb ihrer Reichweite, aber man weiß ja nie. So nahm ich sie mir erst einmal auf dem Arm und setzte sie in die Wanne, in der ich gerade eben ein Prachtexemplar von Silberfisch entdeckt habe. Eiweiß-Spielzeug zum vernaschen für die Kleine, das liebt sie sehr.

Und wir sie …