Sonntag, 220710

Vater im Krankenhaus

Freitag, 220708

Einige Telefonate, keine Neuigkeiten. Der Pflegedienst wurde über den Stand der Dinge informiert, lange Gespräche mit Mutter, es geht um ihre ebenso überschaubare Lebenszeit, aber auch um Zwiespalt und schlechtes Gewissen. Alles in allem wirkt sie trotz alledem erleichtert, nun ihre Ruhe zu haben, was ich gut verstehen kann. Ihre Haltung ist Gott sei Dank unverändert.

Wir können nicht wissen, ob Vater nochmal aufnahmefähig sein wird, akustisch und/oder geistig. Und falls, wie wird er reagieren? Einsicht war nie seine Stärke, ich befürchte, dass er sich verraten und verkauft vorkommt, wenn dann. Vielleicht ist unser Schöpfer auch so gnädig und holt ihn sich zeitnah. Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Patientenservice der Klinik. Wir sprechen nochmal über Fixierung, ich erfahre, dass dies nur sparsam eingesetzt wird und es für länger einen richterlichen Beschluss erfordert. Ich dränge nochmals auf Sedierung, um ihm dies zu ersparen, äußere meine Befürchtung, sie könnten ihn einfach irgendwann bei Mutter vor die Tür stellen – das sei ausgeschlossen, dafür seien sie ja involviert. Gott sei Dank. Bleibt abzuwarten, wann er von der Intensivstation verlegt wird und wohin. Wichtig ist der Besuch meiner Mutter dort morgen, vielleicht nimmt er sie wahr.

Selbst bin ich heute nicht in der Klinik. Den Tag heute widme ich der Hausarbeit und einem Spaziergang, später. Gott sei Danke habe ich noch ein paar Tage frei.

Samstag, 220709

Seit gestern Mittag liegt Vater auf Station. Selbst bin ich nicht bei ihm gewesen, habe Mutter dorthin gefahren. Knapp 2 Stunden Fahrt alles in allem und eine gute Stunde sitze ich vor der Station auf einem Absatz im Treppenhaus, wenigstens hat es ein paar Stühle dort für Begleitpersonen, die nicht mit rein dürfen. Es ist ok, dass sie allein bei ihm ist, über die Regelwerke hinaus. Sie soll ihn sehen, wie er ist, ohne weiter Ablenkung von außen.

Der bringt sich selbst um – das waren Mutters erste Worte, als sie wieder heraus kam. Sein Zustand ist wohl weitestgehend unverändert, hinzugekommen ist eine entzündete Hand samt Unterarm, ein Überbleibsel des vorletzten Klinikaufenthaltes. Katheder, diverse Ports, die er mit schöner Regelmäßigkeit versucht, zu entfernen. Fast taub und nicht bei Sinnen. Unruhig nennen sie das in der Klinik. Ich finde das zurückhaltend formuliert. Da ist Wut, die gleiche alte Scheißwut, die er immer hatte, wenn es nicht seinen Willen nachging. Sein Verhalten jetzt in dieser erbärmlichen Hilflosigkeit entspricht genau seinem Charakter, wie er eigentlich immer schon war. Er ist ein Mensch, der nie gelernt hat, loszulassen. Die Frau an seiner Seite ist geblieben, mittlerweile fast 70 Jahre. Ausnahmslos alles ging nach seinen Willen, und wo das mal nicht der Fall war, da wurde er ungerecht behandelt. Mindestens.

Es ginge so vieles auch zuhause, wenn Mensch Einsicht in seine Lage hätte und sich dem fügen könnte. Es gibt Krankenbetten und mobilen Pflegedienst, vielfache Hilfe. Aber nicht für einen Menschen, der in seiner Hilflosigkeit sich selbst gefährdet, immer noch kommandieren möchte und damit den letzten verbliebenden Menschen an seiner Seite zugrunde richtet. Und natürlich denke ich an mich, was einst sein wird. Zwar habe ich einen guten Teil des Charakters meines Vaters in mir, aber mein Leben ist voller Brüche und Abschiede. Vielleicht fällt mir der finale Abschied von mir selbst einst etwas leichter, ich hoffe das. Auch habe ich schon lange verinnerlicht, dass mein Ego nicht das Maß der Dinge ist. Einer der wenigen positiven Aspekte einer zum Stillstand gebrachten Suchterkrankung. An mir ist es jetzt, dafür zu sorgen, dass Vater gut versorgt wird, wo auch immer, unter welchen Umständen auch immer und gleich, was er davon hält. Nachhause geht es für ihn nicht mehr, so traurig wie das ist, Stand heute und sehr wahrscheinlich endgültig.

Für Montag habe ich mich angemeldet, ihn zu besuchen. Es findet sich.

*

Und – zwischendurch gibt es so etwas wie Ferien.
Bilder dazu HIER beim Wassertiger

*

Sonntag, 220703

Mit allerlei Reaktion habe ich gerechnet, aber ein derartiges Fass aufgemacht zu haben, damit eigentlich nicht. Hier sowie in einer geschlossenen SH-Gruppe, meine Sauferei betreffend, in der ich die Texte der letzten Einträge dito geteilt habe. Habe in den letzten 24 Stunden mehr oder weniger nebenbei versucht, knapp 60 Kommentare hüben und drüben zu beantworten und komme gerade nicht wirklich zum lesen *sorry*

Meine Eltern – es geht. Vater hat seine vertraute Umgebung wieder und erholt sich hoffentlich ein wenig. Wir werden sehen … Heute halte ich es flach – das muss jetzt. Sag`s mit Bildern…

Warum, zum Teufel, liegt da Stroh rum

Und – Wuppertal …

Und – Entspannung in Verbindung mit harmonischer Farbgebung. Meine käsigen Beine gehen Ton in Ton mit Kater und Schäfchen.

*

Samstag, 220702

Vater ist seit gestern Abend wieder zuhause, elend und schwach, Mutter überfordert, wie schon so oft. Aber sie machen weiter, beide, und genau das ist es. Anmeldungen für mehrere Einrichtungen sind schon lange raus, aber Vater will nicht. Redet von abschieben und dergleichen. Tagespflege, mal schnuppern, wie es ist? Abschiebung! Hilfe beim waschen durch den Pflegedienst – wurde gecancelt, geht alles noch selbst. Pflegedienst allgemein – wenig kooperativ mangels Personal. Diskussionen gab es schon reichlich. Auf meine Frage an Vater, wie er sich denn so fühlt, wenn er seine ebenfalls kranke Frau als Pflegekraft missbraucht, kommt lediglich eine Gegenfrage in Richtung der Genannten, ob das denn wirklich so wäre, Antwort wird gleich mitgeliefert, so wäre das doch nicht. So geschehen in der Vergangenheit und vermutlich auch in der Gegenwart. Der Schlüssel liegt bei meiner Mutter. Solange Vater morgens um halb sieben ihrer Meinung nach in ein Heim sollte und gegen 10 alles ja nur halb so wild ist, man käme ja noch zurecht, ja dann bitte, macht weiter.

Analogien fallen mir ein. In meinem Leben konnte ich immer nur etwas ändern, wenn ein gewisses Maß an Leid erreicht war. Das scheint ein mehr oder weniger universelles Prinzip zu sein. Im konkreten Fall allerdings verlangt es mir einiges ab. Zuschauen, wenn zwei wie meine Eltern immer weiter verharren, im zunehmend nicht mehr ganz so gemütlichen Elend, das ist für mich eine harte Nummer. Bei näherer Betrachtung habe ich allerdings auch keine große Wahl, sie beide sind immer noch voll geschäftsfähig, zumindest dem Gesetz nach. Also – und das sage ich auch Mutter – es reicht nicht, wenn Vater mal eine halbe Stunde auf dem Boden liegt, bis die Johanniter kommen. Nein, es sollten vielleicht mal derer zwei sein, am besten noch zugeschissen bis in die Strümpfe.

Das kannst du doch nicht machen, meldet sich sofort der Moralist in mir. Furchtbar, deine Eltern, und überhaupt. Doch, kann ich. Die zwei werden mich möglicherweise eines nicht mehr fernen Tages bitten, schnellstmöglich eine auswärtige Lösung zu finden. Solange eskaliert das dann eben. Vielleicht muss es ihnen auch mal von offizieller Stelle eindrücklich klar gemacht werden, ich hoffe inständig, dass es nicht zum äußersten kommt. Was genau ist das für mich? Jede Form von Verwahrlosung. Die lasse ich nicht zu, zur Not auch gegen ihren Willen. Gerade stelle ich fest, dass ich fähig sein werde, die Härte, die ich öfter schon in meinem Leben gegen mich selbst aufbringen musste, auch gegen andere aufzubringen, so es denn nötig sein sollte. Zum Schutz ihrer selbst, wie damals, zum Schutz meiner selbst.

Gleich schauen wir nach dem rechten …

Ach ja, und falls hier jemand meint, so etwas schreibt man doch nicht, Nestbeschmutzer und so – richtig, so etwas schreibt man nicht. Ich dagegen schon, weil ich sonst platze. Danke für euer potentielles Verständnis.

Montag, 220530

Schon wieder ein 30ster Mai. Was hat dieser Tag mit meinem letzten Eintrag zu tun? Möglicher Weise viel, hätte der 30 Mai 1943 so nicht stattgefunden, wäre meinen Eltern zumindest ein großer Teil ihrer Traumata erspart geblieben. Hätte, wäre, sollte – vergiss es. Es war so. Und hoffentlich wiederholt es sich nicht mehr. Selbst bemerke ich die gravierenden Unterschiede in meiner Wahrnehmung, wenn ich vergleiche, der 80er und heute. Damals tanzten wir mit vollem Arsch auf Gräbern – die Bedrohung wie die gruseligen Erzählungen oder besser Stimmungen, erzählt wurde nicht so viel – war Alltag, Deutschland Frontstaat, potentiell. Na und?

Heute ist anders. Trocken, Nüchtern, abstinent lebend und dazu knapp 40 Jahre älter ist der kalte Schauer präsent, weil der Geist die Bilder der Gegenwart mit den gefühlten Erinnerungen von damals abgleicht. Wenn die Angst auf ihren Platz verbannt ist, also irgendwo weiter hinten, da darf sie bleiben, und nur dort, weil Chef ist sie nicht, wenn also die Angst auf den rechten Platz verwiesen wurde, dann bleibt das Gefühl, dass alles so sein muss, wie es ist und wie es wird, komme, was da wolle.

Sonst so? Fatalismus geht auch nüchtern, hilft zwar nicht viel, sorgt aber für Ablenkung – und wenn es nur dieses alte Scheißlied ist (Das Original durfte ich mir als Kind oft genug anhören…)

Samstag, 220521

Pflicht vs. Liebe

Charakter entwickelt sich durch die Erfüllung unserer täglichen Pflichten. Gehorche der göttlichen Eingebung und gehe unbeirrt deines Weges. Verfalle nicht in den Fehler, „Herr, Herr“ zu rufen, ohne die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Zwar bedürfen wir Menschen stets des Gebets und der inneren Versenkung, aber dabei müssen wir trotzdem unsere Arbeit tun und unser Tagewerk pflichtgemäß verrichten. Der Mensch ist weise, der sich inmitten seiner Geschäftigkeit Zeit zur Muße nimmt und geduldig auf Gottes Führung wartet. Wer der göttlichen Eingebung gehorcht, der findet inneren Frieden.

Quelle

Selbst bei mir wecken diese Worte erst einmal leichten Widerspruch, erinnern sie mich doch stark an das evangelikale „bete und arbeite“. Und auch, wenn es in meinem Leben mal eine lange Zeit gegeben hat, in der ich mich über solche Aussagen lustig gemacht und dabei laut „Prost“ gesagt habe, weiß ich heute im Nachgang doch, so ist es.

Meine Pflicht tun – kann das ein Akt der Liebe sein? Als Mensch mit Trigon Sonne-Saturn im Geburtshoroskop weiß ich um die Macht von Verbindlichkeit und Beständigkeit. Meine Mutter tut ihre Pflicht, sagt sie. Ich tue die meine im Sinne des vierten Gebots. Du tust mehr als deine Pflicht, sagt die Liebste, das ist Liebe, was du tust. Mag sein, aber das blende ich aus, wenn ich mittendrin bin. So selbstlos, wie das alles manchmal scheint, ist es, denke ich, nicht. Es gibt etwas zu lernen, für mich. Erkenntnisse über das Alter, über die Hilflosigkeit, über Bedürftigkeit und allen damit verbundenen inneren und äußeren Widerständen. All dies registriere ich unterhalb der ausgeübten Pflicht, nehme es meist still zur Kenntnis. Nichts geschieht ohne Grund, so viel ist sicher.

Sonst so?

Es bewegt sich derzeit nicht viel, so scheint es. Von der Arbeit mal abgesehen, dort bin ich derzeit ganz auf mich allein gestellt, derweil mein arabischer Lieblingskollege aushäusig beschäftigt ist. Danke, Herr, für das besagte Trigon (siehe oben) sowie für ein mittlerweile recht dickes Fell, gepaart mit einem für manch einen gewöhnungsbedürftigen Humor, ein Gemenge aus Sarkasmus und Fatalismus. Last not least – Danke für meinen Kündigungsschutz, irgend einen Vorteil muss das älter-werden ja haben.

Und – in Erinnerung an meine zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer (Boah, gegendert!), ich könnte euch versichern, so ihr denn noch leben tätet – es ist noch mehr als genug von mir übrig, auch wenn ihr mich einst in Teilen komplett abgeschrieben habt.

Ostersonntag, 210404

Jesu Auferstehung, der wird heute gedacht. Hier an der Zimmerdecke hängt seit genau einem Jahr ein mittlerweile arg trockener, aber gesegneter Zweig, der mir am Ostersonntag 2020 liebevoll aufgedrängt wurde, von ein paar alten Leutchen an einem ansonsten verwaisten Stand der Kirche am Laurentius, weiter unten. Damals ahnte ich schon, das Ding dauert länger und verschwindet nicht über einen warmen Sommer.

Gut, zu fühlen, nicht allein zu sein.

Sonst so? Wir sind zuhause. Das war nicht so gedacht, aber absehbar. Zuhause sein geht in Ordnung, obgleich uns der Sinn mehr nach weiter weg gestanden ist. Wem nicht … Zuhause sein ist in sofern zwiespältig, als dass es sich herumspricht, die unerwartete Erreichbarkeit erweckt Wünsche von interessierten Kreisen. Sei `s drum. Es bleibt alles in allem noch genügend Zeit, die wirklich das Prädikat frei verdient.

Gestern Abend nahm ich sie mir, die Zeit. Abendrunde rund um den Acker, wieder mit GPS, verspielt, wie ich sein kann. Nebenbei bemerkt machen mich solche kleinen Runden dankbar, nur kaputte Arme zu haben. Beine gehen noch so, im wahrsten Wortsinn. Immerhin kamen dank ihrer Unterstützung gestern insgesamt über 11000 Schritte zusammen. Und ein paar Bilder hat es auch:

Auf dem Rückweg, vorbei an unserer Friedhofskirche

Frohe Ostern 2021!

Montag, 210201

1234, das war immer gut zu merken. Die Geburtsdaten meines Vaters, der heute 87 wird. Ein unvorstellbares Alter – für mich. Er, meine Mutter und alle aus dieser Generation haben als Kinder in Bombenkellern gesessen und sich beschissen vor Angst. Sie hatten mehr als dysfunktionale Familien, sie lebten größtenteils im puren Beziehungschaos. Sie haben gehungert und in zugigen Löchern zu sechst in winzigen Zimmern gehaust. Umgedrehte Tische dienten den Kindern als Bett, für die Nacht. Sie lebten tagtäglich mit der Angst. Zunächst die Angst, aufzufallen und irgendwann zu „verschwinden“, wie die Nachbarn, letztens. Dann die Angst vor dem Feuer, vor den Bomben, vor den Tieffliegern in den Straßen, die so tief flogen, dass die Gesichter ihrer Piloten zu erkennen waren, die auf alles schossen, was sich bewegte. Die Angst vor dem blanken Tod. Später dann die Angst, verhungern zu müssen.

Sie entwickelten ihre Strategien, mit alledem klar zu kommen, nachdem die Schränke wieder gefüllt waren. Verdrängung und Konsum, anders ging es nicht. Sie haben überlebt und ihre Art von Erfüllung gefunden, ganz gleich, was ich davon halte. Ein Urteil steht mir nicht zu. Wie anders dagegen das Gejammer heute. Kneift einfach mal eure Ärsche zusammen, möchte ich manchmal rufen, und wartet ab, bis es besser wird. Tut oder besser lasst alles, was dieses besser-werden sinnlos in die Länge zieht.

Selbst hatte ich meine persönlichen Krisen, Versoffen und Nüchtern. Alles hat sich gelöst oder zumindest auf ein lebbares Maß reduziert. Alpha und Omega – Geduld ist gefordert. Es findet sich.

Bilder von der Runde gestern, aus`m Kiez…

Wuppertal, Nordstadt Elberfeld

*

Sonntag, 210131

Der Tag beginnt mit Kopfweh und Niedergeschlagenheit, eineinhalb Liter mit Ingwer versetzter grüner Sencha verdünnen das Blut und die Über-Kopf-Übungen lassen das Kopfweh in den Hintergrund treten. Das Radio läuft leise, in allen Räumen derselbe Sender. Zeit für die Kirche, ich höre, dass Paulus alles schuld sein soll, im Sinne der Abkehr von der reinen Lehre Jesu. Mir gleich, denke ich, so kompliziert mein Seelenleben und so verworren meine Lebensgeschichte auch sein mag, so simpel und einfach ist mein Kinderglaube.

Viel Spektakuläres gibt es nicht zu berichten. Das Leben fordert mich derzeit eher im Stillen, aber dennoch ausgiebig. Die Eltern – sie brauchen was anzuziehen. Einkaufen ist für sie schon in „normalen“ Zeiten aufgrund ihrer Gebrechen schwierig bis unmöglich. Also bewaffne ich mit Laptop und Phon als Hotspot zur Shopping-Tour. Weil es nicht anders geht. Es hat etwas befremdliches für mich, wenn die Grenzen verwischen, wenn ich in intime Lebensbereiche eindringe, eindringen muss.

Stille Lektionen auch anderenorts. Im Austausch mit meinesgleichen werde ich mir meiner selbst bewusst, im Sinne des vierten und fünften Schrittes der anonymen Alkoholiker. Rücke auch mir näher, der alte Zauber wirkt immer noch und immer wieder, im kleinen Kreis ebenso wie in einer größeren Runde.

Nicht nur hier arbeitet es eher im Verborgenen. Die Familie hat wieder einmal Nachwuchs, die Liebste ist vierfache sechzehnfache (wir haben gerade der Wahrheitsfindung wegen gemeinsam auch den äußeren Kreis mit einbezogen und sorgfältig durchgezählt) Großtante geworden. Ich nehme auf meine Weise Anteil, freue mich für alle an diesem existenziellen Vorgang Beteiligten über die gelungene Schlüpfung. Was wirklich zählt, abseits mancher unerfüllbaren Sehnsüchte – hier schimmert es durch. Geburten, Todesfälle und die Intensität der Zeit dazwischen. Einfach Leben.

In dem Sinne…

*

Sonntag, 201018

Ein paar werkfreie Tage gehen zu Ende, ich bin dankbar für unsere Kinder, die Corona zum Trotz hier her finden. So wie ich es im übrigen mit meinen Eltern halte. Es ist nicht an uns, uns vollständig zu isolieren, das macht auf Umwegen ebenso krank. Zweifel gehören dazu. Was ist, wenn. Nicht für mich, für uns. Für die Alten. Es ist, wie es ist und ich lasse mich führen.

Sonst so? Es scheint heute doch noch heller zu werden. Es braucht Licht, Luft und vielleicht auch Sonne.