Kennst Du …

…dieses Gefühl ? Du hast einen Plan, irgend einen, wie hier in meinem Fall die Wohnung staubzusaugen. Es ist niemand da, von den dösenden Katzen mal abgesehen, also kommt die Musiksammlung auf dem Smartphon sowie die Kopfhörer zum Einsatz.  So weit, so gut. Du kannst dich nicht für ein Album entscheiden, und um die Sache abzukürzen, lässt Du das Teil auf „Zufall“ laufen. Eine riskante Sache, weil Du keine Ahnung mehr hast, was Du dir jemals alles auf das Phon gezogen hast.

Es beginnt unverfänglich, irgend etwas klassisches, gefolgt von einem Mix aus Fehlfarben, die toten Hosen, JJ Cale, und ja, nicht passt wirklich zueinander, „Zufall“ halt. Bis dann dieses eine Stück kommt, mit dem Du nicht gerechnet hast, von einem Künstler, der dir schon lange nicht mehr präsent ist. Die Zeit scheint mit einem Male nicht nur still zu stehen, sie dreht sich kurzfristig zurück, um über drei Jahrzehnte.

Vor deinem geistigen Auge siehst Du dich noch einmal, erinnerst dich, es passt dir jetzt ganz und gar nicht in den Kram, weil Du den blöden Staubsauger in der Mache hast, der sich besser mit Metallica als mit solch einem sentimentalen Scheiß (also aus der Sicht des Staubsaugers) versteht. Du spürst das, was Du vor Jahrzehnten gespürt hast, es hat nicht die Wucht und schon gar nicht die Macht, die es damals hatte, aber Du spürst es, laut und deutlich, wenn auch nur für einen Augenblick.

In meinem Fall war es diese Mischung aus abgrundtiefer Gott-Verlassenheit, Abenteuerlust und Sehnsucht nach Nähe, damals hübsch garniert mit Pulver der Wahl und anderen psychoaktiven Kräutern, Getränken. Gefolgt von der Erinnerung an einem Menschen, der einmal eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat, der heute weiter entfernt und fremder ist als mancher Stern am Himmel.

Kitarō eben.

Das nächste Stück bringt dich wieder hinunter oder nach oben, je nach Sicht der Dinge. Du wirst wieder zum Krieger gegen den alltäglichen Dreck, auf dem Boden. Geht doch …

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Erster Schultag

Gestern war hier bei uns der Tag der Einschulung.  Wie jedes Jahr berichtete das Lokalfernsehen ausführlich und begleitete junge Eltern mit ihren Kindern an diesem großen Tag. Neben anrührenden Bildern und zahlreichen Erinnerungen der Erwachsenen über den „Ernst des Lebens“ und so weiter gab es am Ende eine Frage der Moderatorin an die „Großen“, was sie heute dem Kind von damals, das sie waren, Aufmunterndes zu diesem Tag mitgeben würden. Die meisten sagten daraufhin irgend etwas wie „Hab`keine Angst“ oder so.

Darüber habe ich lange nachgedacht.
Für mich, zu mir, heute, an den kleinen Jungen, anno 1968:

Gleich, wie gut Du bist.
Gleich, was andere von Dir denken.
Du bist beschützt, behütet und geborgen.
Immer.

Aus dem Zusammenhang gerissen…

Mutter hol mich vonne Zeche, ich kann dat Schwarze nich mehr sehn…

So las ich kürzlich in einem Kommentar. Manche Worte nisten sich in irgend einem Winkel meines Hirns ein, um da einen Moment zu pausieren, bevor sie sich wieder auf dem Weg machen, in eine gänzlich andere Richtung. Ähnlich vielleicht einem Über-Bande-Spiel beim Billard.

Das muss so um 1985 herum gewesen sein. Damals gab es eine Damen-Bekanntschaft aus dem Milieu, die für eine sehr kurze Zeit eine Bereicherung in meinem ahnungslosen Leben darstellte. Sie wiederum machte mich ihrerseits  bekannt mit einem ihrer damaligen Begleiter, einem weißen Pulver.

Zu dieser Zeit gab es einen Kumpan, mit dem ich sehr gerne auf Reisen ging, in die Parallel-Welt, gleich nebenan. Wir hatten altersgemäß eine tolle Kondition und schon öfter mal Grenzen ausgelotet, was den unsachgemäßen Gebrauch von Alkohol und Dope anging. Nun sollte also dieses Pulver noch hinzu kommen.

Es war ein Abend, die mir gut in Erinnerung geblieben sind. Zunächst war das weiße Pulver am Start. Für meine an groben Stoff gewöhnte Seele war das etwas völlig neues. Ich war hellwach, konnte angstfrei reden und denken (!) zeitgleich, ohne die damals übliche Unsicherheit. Ungläubig ob dieser wundersamen Wandlung, mein Kumpel muss das wohl ähnlich erfahren haben, taten wir unser Bestes, die vertraute Sedierung wiederherzustellen. Es folgten derartige Mengen Brandy, Haschisch, und Rock `N Roll, bis wir uns endlich zur Frühstückszeit auf allen Vieren fortbewegen konnten. Primaten unter sich, gewissermaßen.

Ich brauchte fast eine Woche, um danach wieder halbwegs bei mir selbst anzukommen. Die Dame verschwand ebenso schnell wieder aus meinem Leben, wie sie gekommen war, und mit ihr das weiße Pulver. Ein Glück für mich. Wie ich überhaupt ein Glückskind bin, oder, anders ausgedrückt, gut beschützt worden bin. So bin ich nie im Knast gelandet oder in einer entsprechenden Klinik. Die Wirkung des Pulvers und natürlich auch dessen Preis haben mich so erschrocken, das ich nicht daran kleben blieb.

Frei denken und reden lernen sollte noch eine beträchtliche Zeit dauern, ohne Pulver.

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