Ohne besonderen Anlass

Weil ein Beitrag nun mal einen Titel braucht. Es ist Sonntag, wieder einmal. Mir geht es gut, jetzt. Die Zeiträume der Befindlichkeits-Beschreibung halte ich bewusst kurz, weil sich die Qualität öfter mal ändert. Was nicht ausschließt, dass es mir auch noch in Tagen oder Wochen gut geht, gut gegangen ist. Vielleicht ist es eine Art Aberglaube – dass Gutes nicht betont werden sollte, weil es einem scheuen Reh gleicht. Kann schon sein.

Und so pflegen wir unseren Sonntag hier, mit Brunch und langhälsigen Katzen um uns her. Vom Sommer dagegen bleibt ein Restgefühl beim Frühsport in der gut geheizten Wohnung, während sich da draußen der November breit macht. Dieser Monat, von dem Viele sagen, dass sie ihn nicht brauchen. Ich mag ihn, allein schon, weil eine Menge mir an`s Herz gewachsener Menschen in diesem Monat ihren Geburtstag feiern. Auch das typische November-Wetter geht in Ordnung, ich mag manchmal auch Regen und Nebel.

Wie auch immer …

… und, nicht zu vergessen:

*

Kennst Du …

…dieses Gefühl ? Du hast einen Plan, irgend einen, wie hier in meinem Fall die Wohnung staubzusaugen. Es ist niemand da, von den dösenden Katzen mal abgesehen, also kommt die Musiksammlung auf dem Smartphon sowie die Kopfhörer zum Einsatz.  So weit, so gut. Du kannst dich nicht für ein Album entscheiden, und um die Sache abzukürzen, lässt Du das Teil auf „Zufall“ laufen. Eine riskante Sache, weil Du keine Ahnung mehr hast, was Du dir jemals alles auf das Phon gezogen hast.

Es beginnt unverfänglich, irgend etwas klassisches, gefolgt von einem Mix aus Fehlfarben, die toten Hosen, JJ Cale, und ja, nicht passt wirklich zueinander, „Zufall“ halt. Bis dann dieses eine Stück kommt, mit dem Du nicht gerechnet hast, von einem Künstler, der dir schon lange nicht mehr präsent ist. Die Zeit scheint mit einem Male nicht nur still zu stehen, sie dreht sich kurzfristig zurück, um über drei Jahrzehnte.

Vor deinem geistigen Auge siehst Du dich noch einmal, erinnerst dich, es passt dir jetzt ganz und gar nicht in den Kram, weil Du den blöden Staubsauger in der Mache hast, der sich besser mit Metallica als mit solch einem sentimentalen Scheiß (also aus der Sicht des Staubsaugers) versteht. Du spürst das, was Du vor Jahrzehnten gespürt hast, es hat nicht die Wucht und schon gar nicht die Macht, die es damals hatte, aber Du spürst es, laut und deutlich, wenn auch nur für einen Augenblick.

In meinem Fall war es diese Mischung aus abgrundtiefer Gott-Verlassenheit, Abenteuerlust und Sehnsucht nach Nähe, damals hübsch garniert mit Pulver der Wahl und anderen psychoaktiven Kräutern, Getränken. Gefolgt von der Erinnerung an einem Menschen, der einmal eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat, der heute weiter entfernt und fremder ist als mancher Stern am Himmel.

Kitarō eben.

Das nächste Stück bringt dich wieder hinunter oder nach oben, je nach Sicht der Dinge. Du wirst wieder zum Krieger gegen den alltäglichen Dreck, auf dem Boden. Geht doch …

~

Erster Schultag

Gestern war hier bei uns der Tag der Einschulung.  Wie jedes Jahr berichtete das Lokalfernsehen ausführlich und begleitete junge Eltern mit ihren Kindern an diesem großen Tag. Neben anrührenden Bildern und zahlreichen Erinnerungen der Erwachsenen über den „Ernst des Lebens“ und so weiter gab es am Ende eine Frage der Moderatorin an die „Großen“, was sie heute dem Kind von damals, das sie waren, Aufmunterndes zu diesem Tag mitgeben würden. Die meisten sagten daraufhin irgend etwas wie „Hab`keine Angst“ oder so.

Darüber habe ich lange nachgedacht.
Für mich, zu mir, heute, an den kleinen Jungen, anno 1968:

Gleich, wie gut Du bist.
Gleich, was andere von Dir denken.
Du bist beschützt, behütet und geborgen.
Immer.