Leben mit Lilit (6)

Sie liebt die Felle, allem voran dieses hier. Immer die gleiche Zeremonie: Herauf gehüpft, für weich und kuschelig befunden – Milchtritte (Mama ?!?) – und Pause, für einen kurzen Moment, bis wieder irgend etwas Spannendes ihre Aufmerksamkeit einfängt. Perfekte Tarnung irgendwie … So`n Hintergrund wünsche ich mir manchmal auch.

Lilit

Mir geht das Herz auf, die Kleine zu schauen, mit ihr zu spielen, mit ihr zu kuscheln, selbst ihre Penetranz an Orten, wo sie eher stört (Küchenanrichten, Toilettenschüssel  ect.) hat etwas liebenswertes. Von ihrer bodenlosen Neugier und Frechheit mal gar nicht zu reden. Doch irgendwo im Hinterkopf lauern selbst dabei diese Gedanken, die mich im erleben mehr als einmal kalt erwischt haben. Verlust und Tod. Alles nur geliehen. Was bleibt, ist der Moment, der Augenblick. Mich voll und ganz darauf einlassen zu können, bleibt die Lektion nicht nur dieser Tage…

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Kalkuliertes Ableben

Das Algorithmen mit Risiko-Faktoren arbeiten und so die Prämienhöhe mancher Versicherung berechnen, ist an sich nichts Neues. Neu dagegen ist mir diese kalte Kosten-Nutzen-Analyse made in USA. Alles, was machbar ist, wird auch angewandt … es ist gruselig. Maschinen errechnen so das potentielle Todes-Datum, spielen sich mitsamt ihren Programmierern Gott-ähnlich auf.

http://www.tagesschau.de/inland/todesalgorithmus-101.html

Niemand bezweifelt ein Abwägen von medizinischen Eingriffen, abhängig vom Lebensalter. So ist mir das Schicksal einer alten Dame noch gut in Erinnerung. Mit 92 Jahren stimmte sie dem Einsatz eines Herzschrittmachers zu, um anschließend nach einem Sturz und folgender Bettlägerigkeit fast ein Jahr lang nicht sterben zu können. Des Menschen Wille kann in letzter Konsequenz grausam sein.

Geht es jedoch so weit wie nun in den Staaten, ist für mich eine rote Linie überschritten. Was nicht viel helfen wird, da früher oder später alle Unsäglichkeiten ihren Weg nach Europa finden werden, leider. Was bleibt, ist die Hoffnung, den Maschinen beizeiten ein Schnippchen schlagen zu dürfen, siehe das im Artikel angeführte Beispiel.

Und ich gebe dann auf, wenn ich aufgebe, und nicht, weil mir eine Maschine das sagt.

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Alter Bekannter

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Da ist er wieder, ich habe ihn eine Weile nicht gesehen. Bei jedem Besuch hinterlässt er seine Spuren, verbunden mit dem Versprechen, bald wiederzukommen. Irgendwann kommt er nicht nur zu Besuch, sondern nimmt uns auch gleich mit, in sein Reich.

Der Tod.

Dieses Mal nahm er einen nahen Verwandten der Liebsten mit, auf diese unbekannte Reise. Auch er kann nun schauen und vielleicht mit all jenen reden, die ihm voraus gegangen sind. Uns, die wir noch ein Weilchen hier bleiben dürfen oder müssen, je nach Sichtweise, mahnt der ungebetene Besucher stets, unser Leben, oder besser, das, was davon übrig ist, zu füllen. Aus der täglichen Fristverlängerung das Beste zu machen.

Mit Menschlichkeit, Wärme, Achtsamkeit – und Liebe.

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