Ein Kommentar…

…gerade geschrieben, der sich lohnt, zu teilen. Weil ich mit dem Thema nicht allein bin.

*

Liebe ***, die Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit soll wohl die Qualität der Zeit sein, der Lebenszeit, in der wir uns befinden. Bewusstmachung, dass wir die nächste Generation sind, die abtritt – zugleich stellt sich die Frage, wie fülle ich meine „Restzeit“, welche Qualität möchte ich leben, losgelöst von Besitz und Dingen. Wie gehe ich mit denen um, die jetzt gehen sollen, was habe ich von denen gelernt, die mir vorausgegangen sind?

Wo finde ich Halt und Trost? Wer oder was führt mich, lasse ich das überhaupt zu oder ist mein Ego immer noch bestimmend? Und ja – welche Worte benutze ich gern, welche Redewendungen, wie wirken diese Sätze in der Tiefe? Reicht mir immer noch ein schlichtes Nein oder lieber ein Ja, weil … Wie viel Macht gestatte ich anderen über mein Befinden und – andersherum – wie oft denke und fühle ich über und mit meinen Mitmenschen?

Der Tod hat auch etwas Klärendes, für die, die bleiben sollen, so empfinde ich das. Zu schauen, wie das Leben sich aus einem Menschen zurück zieht und wie der Betreffende damit umgeht. Ist da Verzweiflung oder Hingabe, glaubt dieser Mensch an etwas oder steht er innerlich vor dem Nichts? Und immer wieder – was darf ich davon lernen, neben dem Beistand, den ich so gut es geht leiste.

So viel wollte ich nicht schreiben, aber auch ich stecke gerade mitten drin…

*

Wieder Sonntag

Tagesmeditationen gefallen mir, wenn sie nicht zu lang sind. Bücher habe ich, allerdings reicht mir das tägliche Zeug schon, welches ich mit mir umher trage. Manches ist auch nicht mehr verfügbar, wie das alte grüne Buch der anonymen Alkoholiker, „24 Stunden am Tag“. Allerdings gibt es noch eine Website, wo sich die Texte nachlesen lassen.

Ein Auszug zum Tag heute …

„Ich will Gott für alles danken – selbst für scheinbare Prüfungen und Qualen. Ich will danach streben, dankbar und demütig zu werden. Mein ganzes Verhalten der Höheren Macht gegenüber soll voller Dankbarkeit sein. Ich will mich über alles freuen, was ich erhalten habe. Was Gott mir offenbart, will ich weitergeben. Ich glaube, dass ich die Wahrheit immer deutlicher erkennen werde, je weiter ich auf dem neuen Lebensweg vorankomme. Ich bete, dass ich dankbar sein möge für alles, was ich so unverdient erhalten habe. Ich bitte, dass diese Dankbarkeit mich wahrhaftig demütig macht.“

Genau mein Thema, derzeit. Zu schauen, wie ein nahe stehender Mensch sich Stück für Stück von dieser Welt zurück zieht, zurück gezogen wird, um uns voran zu gehen. Die Tiefe dessen, das, was in mir berührt wird, schaudert mich – und doch bin ich dankbar für diese Erfahrungen, die mir wohl so zugedacht sind. Stellen darf, soll ich mich dem, kann ich dank meiner Trockenheit und zumindest zeitweiser Nüchternheit (Ja, das sind zwei verschiedene Themen…) Die Wahrheit deutlicher erkennen lassen – stark reduziert bewegen mich der Tod und die Liebe, schon länger und auch weiterhin.

Und – das Lied zum Tag darf auch nicht fehlen.

Sonst so? Mut zur Hässlichkeit, habe ich irgendwo gelesen. Zeit fordert Tribut, Gesichter wollen sich erarbeitet werden. Wohlan, vom Nett-ausschauen ist noch aus keinem was geworden. Einen guten Sonntag uns allen.

rps20200112_105250_1

~

 

 

Kein Titel

Ein mir nahe stehender Mensch erkundigt sich nach der Beisetzung eines uns kürzlich Vorausgegangenen. Nachdem die Terminierung geklärt ist, folgt als erstes die Frage, ob der hinterbliebene Mensch denn in einer Miet- oder in einer Eigentumswohnung leben täte.

Friss`dein Geld, denkt es in mir zornig. Manche Menschen ändern sich niemals, ganz im Gegenteil, das Alter bringt so manches erst einmal richtig zur Blüte. Und wo ist dein Mitleid,  frage ich mich, ist doch im Grund armselig, so geschnitten zu sein.

Das geht gerade spazieren, draußen in der Sonne, kichert der zornige Zwerg in meiner Brust. Der ist generell nicht ohne – fährt er doch fort, übel zu lästern: Na wat den, meint er, Leben lang für jeden Cent gezappelt und nun fließen ein paar Euronen, da kann euer zu späten Ehren gekommene Hochwohlgeboren sich auch beizeiten entsprechend aufführen.

Halt die Klappe, sage ich dem kleinen Gnom. Bist schließlich auch nicht mehr der Jüngste und kannst dich auch schon mal locker machen für deinen letzten Tag. Worauf der im Kreise hüpft, mir eine fette Grimasse schneidet, bevor er mir seine Streitaxt schwenkend die Zunge heraus streckt. Ja klar, meint dann Don Rotzig, aber alle anderen Tage lebe ich noch…

Axtschwingenderzwerg

( Bildquelle)

Ritual gefällig?
Meinetwegen.

Kann Don Rotzig solange in Ruhe seine Axt putzen …

+

Heute ist der Ewigkeitssonntag bzw Totensonntag. Was heißt das? — theolounge

dass wir Menschen alle, auch, wenn wir 100 Jahre oder älter werden, die längste Zeit unseres Lebens eigentlich tot sind. 

Gott in uns und die Relation der Zeit – auch, wenn ich der Aussage, wir Menschen seien „die Krone der Schöpfung“ nicht zustimme. Gute Gedanken zum Tag.

Totensonntag, Ewigkeitssonntag. Was es damit auf sich hat und warum dieser Tag auch ein Tag der Hoffnung ist.

über Heute ist der Ewigkeitssonntag bzw Totensonntag. Was heißt das? — theolounge

Und schon wieder Sonntag

Keiner so wie sonst, wegen eines Todesfalles in der Familie. Ein Mensch ist gegangen, mit dem ich in den ersten Jahren nicht immer Frieden hatte, in der letzten Zeit aber schon. Uns verband über die Anverwandtschaft hinaus eine gemeinsame Grunderkrankung. Die meine habe ich zum Stillstand gebracht, die seine hat er bis kurz vor seinem Ende ausgelebt. Es hätte auch umgekehrt sein können, durchaus.

Was bleibt, ist zu hoffen, dass dieser Mensch nun seinen Frieden gefunden hat, vor Gott gelten keine menschlichen Maßstäbe mehr, das eben lässt hoffen. Darüber hinaus bleibt mein Mitgefühl für alle, die noch bleiben müssen, die mit dieser entstandenen Lücke leben müssen. Und – in diesem Kontext – für mich persönlich Dankbarkeit für die letzten knapp 20 Jahre meines Lebens.

+