Sonntag, 201108

Barak Obama, 7.11.2020

Ein Wochenende ohne besondere Vorkommnisse, zumindest, was mein Leben so angeht. Politisch und Seuchen-technisch mag das anders ausschauen. Hinter dem großen Teich haben sie einen neuen Häuptling gewählt, während der alte noch am Stuhl klebt. Unsäglich, dieser Mensch. Scham-erfüllt wende ich mich ab, denke an den Schuh, der einst George W hinterher flog. Wenn eine Geste passt, dann die. Nichtsdestotrotz ist es erst einmal Sache der Amerikaner, wie, warum und wen sie wählen. Zwar strahlt es bis hier her, was dort geschieht, ist dennoch weit außerhalb dessen, worauf ich auch nur den geringsten Einfluss habe. Mir reichen die Verhältnisse hierzulande schon. Zumal sich in der Sache nicht viel ändern dürfte, zumindest handelstechnisch. Militärisch schon eher, aber im wesentlichen dürfte ein neuer Ton in den Umgang kommen – das ist schon mal eine ganze Menge, hat doch viel mit gegenseitigen Respekt zu tun, auch, wenn man nicht unbedingt einer Meinung ist.

Ein Wort noch an alle, die glauben, es ginge sie nichts an. Wir alle sind dicht verwoben in einem engen Netz aus wechselseitigen Abhängigkeiten. Der Yoga-Lehrer aus dem Studio, der Lehrer in der Schule, der Mitarbeiter im Gesundheitswesen, sie alle haben eine Menge mit dem Werker am Band eines Automobil-Zulieferers zu tun, werden doch hier die Erträge erwirtschaftet, die andernorts dann abgeschöpft werden und so anderen ihre Existenz ermöglichen. Am Handel hängt alles, gehen doch von 3 produzierten Oberklasse-Fahrzeugen 2 in den Export, davon eines in die Staaten. Ebenso der deutsche Maschinenbau, der weltweit einen exzellenten Ruf hat. Ein würdiger Umgang miteinander tut also Not, angesichts unseres gewaltigen Außenhandels-Überschusses, der uns allen zumindest in „normalen“ Zeiten ein Auskommen ermöglicht.

Sonst so? Gestern Abend schauten wir Bohemien Rhapsodie, den Film von 2018. Erinnerungen wurden wach, aus einer Zeit, in der das Leben eine Menge Euphorie lieferte, in meinem Fall noch gut verstärkt durch den Einsatz von Alkohol und Drogen. Gänsehaut beim hören und sehen, Erinnerungen und Menschen und Jahre. Es gibt Zustände, die liefert einem das Leben nur mit 18, 20. Später dann in dieser Form nie wieder. Anders, ja. Nicht so hoch, aber tiefer.

Weil`s jetzt sein muss.

Berührung und Nähe. Zu dem Thema habe ich eine guten Artikel gefunden, aus dem Sommer diesen Jahres. Nachzulesen ohne Bezahlschranke HIER bei den Krautreportern. Wenn mir etwas fehlt, dann die Möglichkeit, andere Menschen ohne Angst umarmen zu können, zumal ich so lange gebraucht habe, das zu lernen, bzw. zuzulassen. Auch hier wieder – ES findet sich, kein Staat kann so etwas dauerhaft unterbinden, Ansteckung hin, Seuche her. Wir werden lernen, damit neu umzugehen.

Nähe? Geben die hier auch, die Opportunisten vor dem Herrn. Wenn, dann ehrlich. Bild 2 ist ein Suchbild, irgendwo ist ein Auge versteckt, in dem geplatzten Sofakissen 🙂

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Samstag, 201010

Ein Lied für all die, die gerne etwas mehr sein möchten, als sie sind. Für all die Nachtschattengewächse, für die Gerne-Großen. Für die mit dem großen Herzen, die das Unglück anzuziehen scheinen. Für die Blender mit der tiefen Stimme. Für all die, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Für die aus der 17ten Etage im Hochhaus, welche die letzten 14 Stockwerke laufen müssen, weil der Knopf für Stock 4 schon außerhalb der Reichweite ihrer Arme liegt. Für die, die oft verlacht werden und in der Nacht über sich hinaus wachsen.

Ludwig Hirsch: Mein Freund, der Zwerg.

und sag zu ihm „Sie“, weil das is er nicht gwohnt!

Nur einmeterzehne, von oben bis ganz unt‘,
an Kopf wie a Fassl, so schwer und so rund,
a Stimm wie der Bronson, in Cinemascope,
potent wie a Büffel, aber einsam wie der Tod,
so kommt er daher, mein Freund der Zwerg,
er tut sich halt schwer, mein Freund der Zwerg.
In stockdunkler Nacht schleicht er oft aus dem Haus,
versteckt er sich gschickt und is still wie a Maus,
kommen welche vorbei, dann ruft er „Helloh“,
die glauben s’war der Bronson und rennen davon,
dann feixt er halt sehr, mein Freund der Zwerg,
es hilft ihm halt sehr, mein‘ Freund dem Zwerg.
Vielleicht triffst ihn amal, irgendwo, irgendwann,
dann verbeiß dir dein Lachen, fallt’s auch schwer,
reiß dich zamm, lad ihn ein auf a Madl, schön groß, grad und blond
und sag zu ihm „Sie“, weil das is er nicht gwohnt!
Er hat auch an Feind, a beinharte Sau,
der passt ihn oft ab und haut ihn ganz blau,
der haut ihn so lang, bis das Zwergenblut rinnt,
es is dem Nachbarn sein Bub, sieben Jahr is das Kind.
Und dann schreit er halt sehr, mein Freund der Zwerg,
er tut sich halt schwer, mein Freund der Zwerg.
Daham ganz allein, da träumt er so oft,
da is er der David, der den Goliath verklopft,
da tanzt er im Zirkus und das Publikum pascht,
da is er der Zwerg, der’s Schneewittchen vernascht
und so träumt er daher, mein Freund der Zwerg,
er hat’s eh so schwer, mein Freund der Zwerg.
Vielleicht triffst ihn amal, irgendwo, irgendwann,
dann verbeiß dir dein Lachen, fallt’s auch schwer,
reiß dich zamm, lad ihn ein auf a Madl, schön groß, grad und blo
nd
und sag zu ihm „Sie“, weil das is er nicht gwohnt!

Berührung

Gestern auf dem Straßenfest. Hinter einem Stand mit dem üblichen Hausrat und Klamotten stehen mehrere junge Menschen, probieren begeistert selbst das feilgebotene Zeug an, schauen das Ergebnis in einem alten Spiegel, schwatzen und freuen sich am Tag. Auf einem Stück Pappe wird in Blockschrift, geschrieben mit`m dicken Edding, Rücken- und Handmassage sowie Tarot gegen Spende offeriert. Ich bleibe stehen und denke, kundige Hände könnten mir gut tun, von wem auch immer. Absichtslose Berührung, mitten im dicken Trubel. Also frage ich nach, eine junge Dame strahlt mich an, ich möge Platz nehmen und weist auf einem winzigen, dreibeinigen Klappschemel vor dem hinter dem Stand gelegenen Hauseingang. Ich nehme Platz, sie auf den Stufen hinter mir, und ich genieße die Berührung.

Niemand nimmt Notiz von uns, nur die Frau gegenüber, die mir gerade eben mein neues Herz fast geschenkt hat, guckt und grinst. Nach einigen Minuten bedanke ich mich, während ich über die gewünschte Spende nachdenke. Euronen sind bestimmt gewünscht, erscheinen mir aber irgendwie unangebracht. So frage ich die Dame mit den einfühlsamen Händen, ob wir jetzt die Plätze tauschen wollen, sozusagen uns etwas gegenseitig spenden. Zu meiner Überraschung lässt sie sich freudestrahlend darauf ein, womit ich nicht wirklich gerechnet habe. So fließt Energie aus der Berührung in beiden Richtungen und wir bedanken uns nach einigen weiteren Minuten gegenseitig. Eine kurze Umarmung, wir wünschen uns noch gegenseitig einen guten Tag und ich ziehe meines Weges.

Energie und Vertrauen. Einfach so.
Selten, aber möglich …

Und – der Klassiker im Dauer-Abo 🙂

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Wie tankst Du Kraft?

So lautete die Frage eines lieben Menschen, nebenan beim blauen Buch. Die Antwort fällt mir immer dann schwer, wenn ich gerade müde, platt, mit den Nerven herunter bin oder mich schlicht sehr leer und dunkel fühle (der schwarze Vogel lässt grüßen). Zustände, die Gott sei Dank nur temporär sind und nicht dazu neigen, sich zu manifestieren. Eigentlich ist es schon einiges, mit dem ich weder zu Kräften finde. Hier also mal der Versuch, dieses in loser Folge zusammen zu schreiben.

Gutes Essen, gerne selbst gemacht, ist immer hilfreich.
Licht, Luft, und Bewegung wirken Wunder.
Musik, mal still, mal wuchtig, immer intensiv.
Bücher – regen den Geist an, oder, je nach Genre, ab.

Aber auch die so genannten Kleinigkeiten bauen ungemein auf. Meine allmorgendlichen Übungen für Leib und Seele. Der Geruch und Geschmack von frisch gebrühten Sencha-Grüntee. Sinnlichkeit auf allen Ebenen, so auch der Duft von ätherischen Ölen, gerne Jasmin mit Ylan-Ylan.  Berührung  – sei es in der direkten Begegnung oder visuell hier beim lesen und schreiben. Das Gefühl von Dankbarkeit, berührbar zu sein, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, unberührbar zu sein.

Alles zusammen schon eine ganze Menge, wie ich finde. Alles zu seiner Zeit und gemeinsam hilft es, den schwarzen Vogel zu besänftigen. Schimpfen hilft nicht, und fort will er auch nicht. Soll er also bleiben, wo er ist, auch, wenn wir keine Freunde werden, können wir doch miteinander auskommen.

*

Berühren lassen

Vieles bewegt mich, die Schöpfung, meine Artgenossen, manche Kunst. Wie eben die Musik, immer noch, immer wieder. Bestimmte Instrumente haben für mich etwas Magisches. Die Mundorgel zum Beispiel, in Verbindung mit schmutzigen Südstaaten-Blues-Rock. Zu Zeiten des Originales war ich noch recht jung und habe nur die Ausläufer deren Hoch-Zeit mitbekommen. Doch manche Cover-Version ist dem Original mindestens ebenbürtig.

So, wie diese hier.
Laut machen 🙂