Freitag, 210514

Vorfreude im Tal.

Die Online-Variante der örtlichen Tageszeitung frohlockt mit der Headline: Gastronomie in Wuppertal: „Wir machen wieder auf, wenn wir dürfen“ Und – Auf welches Café freut ihr euch am meisten? In meinem Kopf – ich weiß nicht genau warum, vielleicht mit Blick auf diverse körperliche Gebrechen irgend eine Freud´sche Fehlleistung – denkt es „Cafe Kaputt“ Das gab es hier wirklich mal, hat vor, ich glaube gerade mal 40 Jahren leider dauerhaft schließen müssen, nach diversen Razzien, die aufgrund komischer Kräuterfunde immer wieder temporäre Schließungen nach sich zogen, bis der Geduldsfaden der Ordnungskräfte endgültig riss. Der Laden stach aus der damaligen Kneipenlandschaft optisch ein wenig hervor, ein ehemaliges Ladenlokal mit großer, schwarz gefärbter Fensterfront, darauf ein in Pink mit vielleicht 2m Durchmesser etwas überdimensionierter nackter Arsch. Das Interieur schlicht, rohes, Bier-getränktes Holz, jede Menge Dreck und das Publikum trug langes Haar, zerrissene Jeans sowie Armee-Parker aus dem US-Shop. Kein Wunder, dass die Bullen hier in den verruchten 70ern ihren Spaß hatten.

Wer heute so wie ich gerade die Suchmaschine der Wahl nach Cafe Kaputt suchen lässt, stößt auf jede Menge Reparatur-Cafes. Zeiten ändern sich eben, mit ihnen die Begrifflichkeiten. Früher waren wir die Kaputten, rein äußerlich zumindest, heute geht es eher um Toaster oder Waschmaschinen, die nicht mehr so wollen, wie gewünscht. Gute Einrichtungen, wie ich finde, bieten sie doch Hilfe zur Selbsthilfe, stemmen sich gegen den Konsumterror, helfen Geld sparen und dümmer wird davon auch niemand.

Sonst so? Eigentlich habe ich heute frei. Uneigentlich nicht, mit Blick auf eine Menge Arbeit und dem ersten Impftermin nächste Woche, (Achtung, kein Drängler, sondern enge Kontaktperson pflegebedürftiger Menschen), der möglicherweise kurzzeitige Unpässlichkeit nach sich ziehen könnte. Und damit ich nicht allein hier werkele, was auch nicht so ganz legal ist, hat mein lieber Kollege versprochen, auf mich aufzupassen und ebenfalls seinen freien Tag geopfert. Kommt locker gegen Acht, ich bin schon zwei Stunden hier, erstes Hemd satt durch. Mahlzeit, sage ich und grinse. Hätt drei mal tot sein können … untermalt mit vorwurfsvollem Blick. Och, sagt der, ich hätte dich schon wiederbelebt und deutet ein paar gezielte Fußtritte an. Steh auf, du Simulant… getz übertreibse abber…

Müßig, zu erwähnen – wir lieben uns sehr.

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Samstag, 210501

Der erste Mai und mir ist nicht nach feiern. Lebens-Alter-bedingt schon lange nicht mehr und Corona-bedingt erst recht nicht. Klar schlägt mein Herz immer noch links, aber die Welt ist nicht so, wird nie so sein, dafür sind wir alle miteinander zu große Egoisten. Wie es um Solidarität bestellt ist, lässt sich dieser Tage ja fein beobachten, #Quertreiber. Frust macht sich in mir breit, aber auch Hoffnung, wie so oft schon. Bin gefordert, bei mir anzufangen, wo auch sonst.

Der beste Kommentar dazu – es könnten meine Worte sein. Danke, Michael.

Diskursfähigkeit: besitzen die Befürworter der Corona-Maßnahmen, sie streiten sich sehr konstruktiv über den besten Weg, von Meinungsgleichschaltung keine Spur. Die Maßnahmen-Kritiker machen Propaganda, Wichtigtuerei, sonst nichts dahinter. Sie riskieren für sich nichts, außer dass sie (zu Recht) ausgelacht werden, dafür riskieren sie das Leben anderer. Meinungsfreiheit: berechtigt nicht zur Lüge, wie zum Beispiel der, dass unsere Freiheit substantiell gefährdet sei. Informationsquellen: sind Wissenschaft und öffentlich-rechtliche Berichterstattung, wer hier kein Vertrauen hat ist paranoid. Maßnahmenbefürworter sind solidarisch, diszipliniert und haben Interesse am Wohlbefinden anderer.
Maßnahmenkritiker sind dazu bereit, ihre persönliche Befindlichkeit mit dem Lebensrecht anderer zu verrechnen. Die Frage ist, was wir, die die Krise durch Handeln überwinden, hinterher mit denen tun, die jetzt Quertreiben (nicht Denken). Stecker ziehen könnte man da schon wollen.

Stichwort Kommentare – lieber Bon, nimm es nicht persönlich, wenn ich die Kommentarfunktion eines Eintrags schließe. Das gilt für alle, nicht nur für dich. Irgendwann ist es genug, und das letzte Wort habe zumindest in meinem Blog immer noch ich 😉

Von wegen anfangen – habe mich durch die bürokratischen Hürden zur vorgezogenen Impfung gekämpft, wegen enge Kontaktperson und so weiter. Nicht uneigennützig, aber wenn ich ausfalle, haben zwei sehr alte Menschen ein Problem. Was man dafür alles braucht, eidesstattliche Versicherungen, Perso-Kopien (vorne & hinten!) Pflegegrad-Bewilligungen, Krankenakten. Habe Tage gebraucht, den Mist zusammenzutragen und in die passende Form zu bringen, telefonisch wäre zu einfach, im Tal der Wupper, überhaupt in Germanien. Aber immerhin ist alles auf dem Weg, nun, es heißt warten.

Sonst so? Ein Lied aus mehreren Quellen – das letzte ist mein Favorit.

Das Original.

Paar Jahre später…

Und …

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Dienstag, 210427

Leben ist heilig.

Guter Artikel dazu HIER bei den Krautreportern, ohne Bezahlschranke.

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Warum manche Menschen sich eher an Corona-Regeln halten als andere:

Auch bei Krautreporter – HIER.

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Mangelnde Diskurs-Fähigkeit – habe ich neulich irgendwo vernommen, so allgemein gehalten. Kann schon sein, bei mir. Weil ich keine Lust mehr auf nicht enden wollende Standpunkt-Erläuterungen habe. Weil ich schlicht die Faxen dicke habe, mich auf jeden Stöz einzulassen. Kostet zu viel Aufmerksamkeit, zu viel Energie, zu viel Zeit.

Meinungsfreiheit – auch in aller Munde, derzeit. Stehe ich uneingeschränkt hinter, absolut keine Selbstverständlichkeit, das Maul nach Belieben öffnen zu dürfen (sofern man auch Gegenwind abkann). Allerdings wird da gerne etwas verwechselt. Meiner freien Meinung nach hat es mit Meinungsfreiheit nichts zu tun, wenn schlicht sachlich falsche, durch nichts als vielleicht irgendwelche dubiosen Youtube- oder Telegram-Kanäle belegbare Äußerungen getan werden, die auf gutgläubige Menschen einen gefährlichen Eindruck hinterlassen, sie in ihrem Verhalten manipulieren und so am Ende im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden können. Hier werden für mich die Grenzen der freien Meinung klar überschritten.

Informations-Quellen – am meisten geht mir auf den Sack, dass heute ein jeder glaubt, es besser zu wissen als teils Jahrhunderte alte wissenschaftliche Fakultäten. Natürlich sind die nicht über jeden Zweifel erhaben und altes Wissen zu hinterfragen, ist ein dynamischer Prozess durch alle Zeiten. Allerdings sind schon ganze Reiche daran zerbrochen, Kulturen untergegangen, weil Menschen lieber an höhere, geheime Mächte glaubten und nicht an den Stand der Wissenschaft. Natürlich lohnt sich in dem Zusammenhang auch immer ein Blick darauf, wer woran wieviel verdient, Stichwort Lobbyismus und Korruption. Auch jeweils Fakultäten für sich. Und – gerade in diesen Zeiten schwer zu erfassen – die sich aufgrund der Zeit-Knappheit überschlagenden Erkenntnisse und teils kruden Schlussfolgerungen via Verordnungen daraus. Könnte ich es besser? Eher nein. Überhaupt – besser können, ich kann auch nur noch schlecht dieses Genörgel ertragen, nach dem nichts, absolut nichts Konstruktives folgt, wie man der Pandemie Herr zu werden könnte. Aber- wie gesagt, ein Hoch auf die freie Meinung. Was mich nicht daran hindert, den einen oder anderen ganz gerne den Stecker ziehen zu wollen. Was natürlich nicht in meiner Macht liegt. Gott sei Dank vielleicht …

Sonntag, 210425

Ausgeschlafen – ein gutes Gefühl. Die Welt da draußen, also außerhalb unserer Wohnhöhle, hat derzeit etwas extrem Schräges. Die Niki hat das gut ausformuliert, brauche ich nichts mehr hinzufügen. #Alles dichtmachen? Hier kann man meine Meinung dazu hören & sehen. Ist eh so ziemlich alles schon gesagt worden, nur nicht von mir. Kann in Teilen auch so bleiben. Gefährlicher verbaler Schrott in flachem Wasser von Künstlern, die vorgeben, sich für weniger Bekannte ihres Schlages einzusetzen. Kommt hin, denke ich, wenn vielleicht auch nicht so, wie von den dümmlichen Protagonisten erhofft. Sollten selbst die Öffentlich-rechtlichen irgendwann mitbekommen, das blanker Zynismus im Gewand der selbstdarstellerischen künstlerischen Freiheit nicht ganz so gut beim gemeinen Volk ankommt, werden möglicherweise mal neue Nachwuchstalente gesucht werden müssen. Eine gute Idee, wie ich finde, notleidenden Künstlern wirklich zu helfen. Von daher, weiter so, es wird!

Ausgangssperre – um kurz vor 10 gestern Abend war hier noch richtig was los, eine halbe Stunde weiter ist alles leer. Bis auf eine Frau mit Hund, die mich auf meiner Loggia freundlich grüßt. Gute Sache, so ein Hund, jetzt, denke ich. Und wundere mich über mich selbst, wieder mal. Bin nie des Nachts spazieren gegangen, zumindest die letzten Jahre nicht mehr, weil ich für gewöhnlich viel zu müde um die Zeit dazu bin. Jetzt, auf einmal, wo es verboten ist, habe ich tierisch Bock darauf, allem Verstand zum Trotze. Um 5 nach 12, wohlgemerkt, nicht vor Mitternacht, das wäre uninteressant. Freue mich im Geiste schon auf das Ordnungsamt, die ich spontan einlade, mir die Bude aufzuräumen. Nur in meinem Kopf, wo auch sonst. Ist er doch noch da, der alte Anarcho, manchmal eine beruhigende Feststellung.

Sonst so? Paar Bilder von meiner gestrigen Runde durch den Kiez, Frühling gucken. Hat was, am hellerlichten Tag…

Mittwoch, 210407

Gedanken zur Zeit – HIER beim Wassertiger.

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Sonst so? Freie Tage zuhause, mitten im April-Winter. Vorteil: Zeit für aufgeschobenes wie zum Beispiel der alte Laptop, nunmehr ein Linux-Maschinchen, zunächst ausgestattet mit einer alten, nicht mehr supporteten Version. Also lesen und machen – seit diese Nacht halb eins läuft eine LTS-Version, nachdem ich es geschafft habe, einen Boot-Stick zu kreieren, den richtigen USB-Port dazu zu finden (das geht noch lange nicht mit jedem), das Teil erkennbar werden zu lassen, aus Linux heraus einen einmaligen USB-Boot zu initiieren und die neue Frische parallel zur alten Version zu installieren. Selbst der Mann und groß die Freude wie die Dankbarkeit.

Mittwoch, 210331

Pfock Pfock Pfock Pfock Pfock Pfock

PfockPfockPfockPfockPfockPfock…

Roaaaaaaaaar…

Pfock Pfock Pfock Pfock Pfock Pfock

Pfock Pfock Pfock Pfock

Ein MRT ist vor allen eins: Sehr laut. Eine merkwürdige Maschine, in die ich meinen Arm stecken musste: Ein überdimensionierter R2D2 mit einem Loch in der Mitte. Und dazu eben sehr laut. Nach vollbrachtem Werk sollte ich draußen warten, ob das Kontrastmittel nicht doch vielleicht mehr macht als nur den Kontrast sichtbar. Tat es nicht, nur der eingeschlafene Arm kribbelt. Der Herr der Maschine kommt – ich frage ihn, wie ihm die Bilder gefallen. Darf ich nicht zu sagen, Datenschutz, sagt der. Schauen Sie, ist doch mein Arm, wem geht das denn sonst was an, wenn nicht mich… Vergebens – Sacht Ihnen der behandelnde Arzt … Ein letzter Einwand meinerseits verhallt unbeantwortet in den Weiten des Korridors: Dann sagen Sie es doch meinen Arm, der ist nicht nur eingeschlafen, der kann auch sonst schweigen wie ein Grab …

Bürokratie.

So gesehen auch gestern, in der „Lokalzeit“: Das Ordnungsamt kontrolliert die Warenauslagen vor den Geschäften in einer bergischen Fußgängerzone. Mal muss was weg, mal darf es stehen bleiben, mal muss es näher an die Tür. Sonst nix zu tun? denkt es in mir. Solch ein Scheiß tötet jede Akzeptanz für die wirklich wichtigen Dinge, bei vielen Zeitgenossen. Deutschland …

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Sonntag, 210328

Eine Woche zum abhaken. Durcheinander im Beruf, Eltern, Sommerzeit, Vollmond, Corona, wegfahren – ja/nein, eher nein derzeit. Und jetzt ist Sonntag, da soll ich ruhen, das muss ich nur noch meinem unruhigen Geist erklären.

Sonst so? Keine klugen Gedanken heute, schuld sind oben genannte Zu- und Umstände. Oder Merkel. Wobei die schon meinen Respekt hat – vor dem versammelten Berliner Haifischbecken um Verzeihung für eine gemeinschaftlich fabrizierte Eselei zu bitten, hat in meinen Augen schon Größe. Also geht es hier heute trivial zu, das darf auch sein. Katzenbilder passen gut dazu, die gehen immer und bergen wenigstens keinen politischen Konfliktstoff. Bitteschön, Madam Lilit in bunt und träge. Sie hat jeden Tag Sonntag, im übrigen.

Wenn schon, denn schon…

Suchbild …

Und – es geht flach weiter. Ein zeitgeistiges Fundstück vom Kaufmannsladen, letzte Woche. Es wird Mensch offensichtlich einiges zugetraut, einschließlich einer missratenen oder zumindest unvollständigen Überwindung der oralen Phase. Neben den allseits bekannten lustvollen Varianten gibt es da noch etwas – wie sagte meine Mutter immer: Dat hab ich dir schon tausend Mal gesagt, du sollst dat sein lassen!

!

Und…

Nette Aufmerksamkeit aus den Kommentaren letzte Woche. Passt immer noch gut.

Einen guten Sonntag allseits!

Samstag, 210320

Als ich gestern über die junge Dame schrieb, die sich im TV theatralisch über ihre gestohlene Jugend ausließ, rechnete ich schon mit der darauf folgenden, teils recht kontroversen Diskussion. Klar, dass da sehr unterschiedlich drauf geschaut wird, denke ich. Es ist auch nicht so, dass mich die notwendige Isolation gerade der Jugend nicht berührt. Auch mein großes Kind hatte eine schöne Abi-Feier, dafür Corona-bedingt keinen feierlichen Studienabschluss. Es geht gerade nun mal nicht, und – aus meiner Sicht ist das eine der am wenigsten schmerzhaften Einschränkungen dieser Zeit.

Mitgefühl

Ganz oben stehen bei mir all jene, die Angehörige verloren haben, die ohne Corona möglicherweise noch mehr Zeit gehabt hätten. Angehörige, die sich aufgrund der deutschen Behörden-Sturheit zumindest in der Anfangsphase der Pandemie noch nicht einmal von ihren Liebsten verabschieden durften. Ich hätte reinschlagen können, so sehr hat mich das empört. Dann möchte ich einfach einen meiner Subkommentare von gestern wiederholen, der so ziemlich alles sagt, was ich dazu sagen kann:

Schwer haben es viele andere, die keinen Ausbildungsplatz finden. Oder eine Praktikantenstelle. Oder ihren Lebensunterhalt während eines Studiums nicht mehr finanzieren können und gezwungen sind, wieder bei den Eltern einzuziehen oder das Studium abzubrechen. Schwer haben es auch jene, die in Kurzarbeit oder bereits ganz freigestellt sind, wie es heißt. Die nicht wissen, wie sie ihre Familie durchbringen sollen, ihre Rechnungen bezahlen sollen. Oder die zahllosen Selbstständigen, die vor ihren Ruin stehen. Und dann jammert so`n Gör, es könne nicht feien!!

Dazu gibt es einen sehr polarisierenden Teil in mir, auf den ich nicht stolz bin, den ich aber dennoch hier ausbreiten möchte. Ein nicht unerheblicher Teil der Kinder, die sich jetzt beklagen, stammen aus so genannten wohl geordneten Verhältnissen, wurden „gepampert“ bis zum geht-nicht-mehr, verwöhnt und gestopft mit Konsum aller Art. Ein Teil, wohlgemerkt, längst und Gott sei Dank nicht alle. All jene werden sich in einigen Jahren nach erfolgreichem Studienabschluss als Teil unserer geistigen und vor allem wirtschaftlichen Elite (ich verzichte hier auf bewusst auf Anführungszeichen) in den Führungsebenen der Konzerne, Banken, Versicherungen, Fonds und dergleichen wiederfinden und somit noch reichlich Gelegenheit haben, sich selbst ausgiebig zu feiern. Ich gönne ihnen den Erfolg, weiß aber leider auch genau, wozu jene Menschen einst fähig sein werden, wenn sie sich an das Kapital verkauft haben, mit Leib und Seele. Wenn ihr Tun und Lassen von Großaktionären bestimmt wird. Da wird ihnen das humanistische Gymnasium nichts nützen, auch keine christliche, oder, um das breiter zu fassen, allgemein Werte-orientierte Grundhaltung. Als dünnes Mäntelchen vielleicht, aber nicht als innerer Impuls des Handelns. Von daher – mein Mitgefühl hat andere Prioritäten, auch wenn das nicht alle teilen können.

Freitag, 210319

Man hat uns unsere Jugend gestohlen…

So tönte es neulich aus dem Mund einer jungen Dame im TV. Was soll ich dazu sagen? Klar ist es nicht nett, viel zu arbeiten und wenig Geselligkeit zu leben. Aber vielleicht 2 Dinge fallen mir spontan ein:

  • Mach, was du willst. Haben wir früher auch gemacht, Regeln sind erstmal nur Regeln, mit empfehlenden Charakter, sofern man bei ihrer Umgehung nicht erwischt wird. Es schadet allerdings nicht, seine Gedanken zu Ende zu denken, mit Bezug auf die aktuelle Lage.
  • Unterhalte dich mal mit meinen Eltern (Jg. 1934, 1935) über eine gestohlene Jugend. Ich bin mir sehr sicher, sie verstehen etwas völlig anderes darunter als du. Relativiert vielleicht einige derzeitige Einschränkungen und korrigiert möglicherweise heilsam die Wahl der Worte beim nächsten öffentlichkeitswirksamen emotionalen Ausbruch.

Donnerstag, 210225, am Abend

Lockdown sei Dank.

Meist treiben mich liegengebliebene Dinge um. Steuererklärung, Reifen wechseln, Wohnung sauber machen, einkaufen, Katzenklo oder oder oder, Die Liste ist lang und heute nicht kürzer geworden. Um halb Sechs gehe ich noch eine Runde vor Tür, wie man hier sagt. Irgendwie schaffe ich es in letzter Zeit immer wieder, Wege und Pfade zu finden, die ich nicht kenne. Finde mich in fremden Quartieren wieder, obgleich ich nur wenige Kilometer von daheim entfernt bin. So auch heute.

Eindrücke:

Ein netter rotgesichtiger Kerl mit versoffener Stimme im Vorgarten, der mich freundlich, aber bestimmt darauf aufmerksam macht, dass es da nicht weiter geht. Dort schon eher, Fußweg und so, ich bedanke mich.

Ein junger Mann mit bunten tätowierten Unterarmen und schwarzen Vollbart lädt gerade sein Auto aus, ein Audi 80 aus den 70ern, in kotzpopelgrün, wie die Telefone damals. Ich grüße freundlich und frage nach der Teileversorgung für das Gefährt, immerhin über 40 Jahre alt. Kein Problem, reichlich, sagt der, und freut sich, mal jemanden zu treffen, der älter als sein Auto ist.

Ein großer Puschelhund in dezentem Grau kreuzt den Weg, samt Herrchen. Ludwig heißt er, der Hund, und kommt aus Bayern, versichert mir der rundliche Mensch mit breitem Grinsen im Gesicht.

So viele hellerleuchtete Fenster und so viele Kinder. Auf dem Rückweg gehe ich ein Stück über die Nordbahntrasse, weil es der kürzeste Weg ist und die Zeit voran geschritten ist – man könnte glauben, es gäbe keine Pandemie, so viele Menschen. Eine gefährliche Illusion, die aber niemanden zu schaffen machen scheint. Auf dem Bolzplatz unter der Brücke der A46, die die Stadt im Norden der Länge nach durchschneidet, plärren drei oder vier Getto-Blaster zeitgleich und eine Menge Kids kicken Bälle gegen den Beton und in die Körbe.

Fast 11 000 Schritte heute, persönlicher Highscore. Draußen sein tut gut.

Schaurig schön …