Freitag, 201113

Ein entspannter Tag, weil werkfrei. Unspektakuläre und wohl dosierte Aktivitäten. Den Schornsteinfeger empfangen. Die neugierige Jung-Katze klettert erst einmal in seine Arbeitstasche, sie riecht nach Hund, die Tasche, wie mir berichtet wird. Darum also. Die Neugier weicht dem Fluchtinstinkt, als das Messgerät unter Restspannung brummend wieder an seinem Platz verstaut wird. Der schwarze Mann geht – wie geil, denke ich. Freitag, der 13te und dann noch ein Schornsteinfeger – kann eigentlich nix mehr in die Hose gehen.

Staubsaugen und danach ein paar fehlende Sachen einkaufen. Vormittags, weil es dann nicht so viele meiner Art sind. Einlass nach Schlange stehen, ich sehe nur maskierte Gesichter mit angespannten und/oder aggressiven, ängstlichen Augen. Wahrscheinlich sehe ich auch so aus. Schaffe es, ein bemühtes Grinsen an der Kasse hinzulegen, verbunden mit dem Wunsch nach einem guten Wochenende für die Kassiererin, deren Miene sich daraufhin etwas aufhellt. Ein Tages-Highlight, wenn man so bedenkt.

Mittagsschlaf. Den liebe ich, wenn ich ihn mir leisten kann. Kann ich, heute. Gefolgt von Wim Wenders – Im Lauf der Zeit. Zumindest die zweite Stunde von insgesamt knapp dreien. Der dritte und letzte Teil seiner Roadmovie-Serie, Anno 1976. Kino und Familiengeschichten stehen im Mittelpunkt des in schwarz-weiß gehaltenen Streifens, den ich mir nur stundenweise anschaue. Melancholie pur, gemischt mit Bildern der Zeit. Landstraßen entlang der Zonengrenze, alte, heruntergekommene Kleinstadtkinos, in denen geraucht wird, Film-Vorführmaschinen aus der Nachkriegszeit – ich liebe das. Stundenweise eben. Der Streifen stand übrigens seinerzeit auf dem Index, wegen diverser Szenen. Das Protagonist scheißt auf einer Abraumhalde und sitzt zumindest einmal nackt in seinem alten Möbelwagen, ein Filmvorführer schaut gemütlich masturbierend einen typischen 70er-Porno mit, den er mittels Spiegelchen in sein Kabuff ablenkt. Reichte wohl für den Index. Komische Zeit, denke ich, der damals gerade mal 14 war. Alles locker und flockig, jeder vögelt jeden, aber so etwas schafft es auf den Index. Merkwürdig. Jedenfalls habe ich mir für lange, dunkle Stunden die komplette Wenders-Werkschau aus der Mediathek gezogen, 130GB Filme, das reicht für den Winter.

Sonst so? Morgen bin ich bar jeder haushaltlichen Verpflichtungen, derweil heute schon fleißig. Dafür fahre ich den Alten in`s Grün-Graue, am Morgen, solange seine Kraft reicht. Was heißt, Mittagsschlaf ist mir auch morgen sicher. Ich liebe so berechenbare Arrangements. Chaos kommt von allein.

Sonst so, Teil 2. Ein Gespräch mit `nem Kollegen ist im Kopf irgendwie hängen geblieben. Er hat einige wohl geratene Kinder und eines davon studiert BWL, steht mit ihren 22 Jahren der F.D.P. nahe. Und ja, ich finde die alte Schreibweise irgendwie hübscher. Was so ziemlich das einzig hübsche an der ganzen Truppe für mich darstellt, die in meinem persönlichen Ranking knapp oberhalb der AfD rangiert. Die Kleine jedenfalls lernt gerade, wie man der Generation ihres Vaters den wirtschaftlichen Garaus macht, ganz im Sinne der reinen Lehre. Gut für sie und schlecht möglicherweise für uns, die wir eh schon durch die Zeit gefallen sind. Eine bescheuerte Zeit, in der die einen nichts mehr haben, andere wiederum daheim arbeiten sollen und so Restbestände wie wir mit altersschwachen Maschinen rummachen, aus Scheiße Bonbons zaubern und irgendwie die Kinder manchmal nicht mehr so richtig verstehen. Was der Liebe keinen Abbruch tut.

Und jetzt? Grünkohl zubereiten. Essen ist existenziell. Wohlan, frisch an`s Werk.

PS: Wenn schon 70er, dann richtig. Danke, Wim … das beste am folgenden Stück ist das Intro, der Rest – na ja. Mir fällt gerade nix besseres in die Hände, will ja noch in die Küche.

Soll für das nächste halbe Jahr reichen…

Sonntag, 201108

Barak Obama, 7.11.2020

Ein Wochenende ohne besondere Vorkommnisse, zumindest, was mein Leben so angeht. Politisch und Seuchen-technisch mag das anders ausschauen. Hinter dem großen Teich haben sie einen neuen Häuptling gewählt, während der alte noch am Stuhl klebt. Unsäglich, dieser Mensch. Scham-erfüllt wende ich mich ab, denke an den Schuh, der einst George W hinterher flog. Wenn eine Geste passt, dann die. Nichtsdestotrotz ist es erst einmal Sache der Amerikaner, wie, warum und wen sie wählen. Zwar strahlt es bis hier her, was dort geschieht, ist dennoch weit außerhalb dessen, worauf ich auch nur den geringsten Einfluss habe. Mir reichen die Verhältnisse hierzulande schon. Zumal sich in der Sache nicht viel ändern dürfte, zumindest handelstechnisch. Militärisch schon eher, aber im wesentlichen dürfte ein neuer Ton in den Umgang kommen – das ist schon mal eine ganze Menge, hat doch viel mit gegenseitigen Respekt zu tun, auch, wenn man nicht unbedingt einer Meinung ist.

Ein Wort noch an alle, die glauben, es ginge sie nichts an. Wir alle sind dicht verwoben in einem engen Netz aus wechselseitigen Abhängigkeiten. Der Yoga-Lehrer aus dem Studio, der Lehrer in der Schule, der Mitarbeiter im Gesundheitswesen, sie alle haben eine Menge mit dem Werker am Band eines Automobil-Zulieferers zu tun, werden doch hier die Erträge erwirtschaftet, die andernorts dann abgeschöpft werden und so anderen ihre Existenz ermöglichen. Am Handel hängt alles, gehen doch von 3 produzierten Oberklasse-Fahrzeugen 2 in den Export, davon eines in die Staaten. Ebenso der deutsche Maschinenbau, der weltweit einen exzellenten Ruf hat. Ein würdiger Umgang miteinander tut also Not, angesichts unseres gewaltigen Außenhandels-Überschusses, der uns allen zumindest in „normalen“ Zeiten ein Auskommen ermöglicht.

Sonst so? Gestern Abend schauten wir Bohemien Rhapsodie, den Film von 2018. Erinnerungen wurden wach, aus einer Zeit, in der das Leben eine Menge Euphorie lieferte, in meinem Fall noch gut verstärkt durch den Einsatz von Alkohol und Drogen. Gänsehaut beim hören und sehen, Erinnerungen und Menschen und Jahre. Es gibt Zustände, die liefert einem das Leben nur mit 18, 20. Später dann in dieser Form nie wieder. Anders, ja. Nicht so hoch, aber tiefer.

Weil`s jetzt sein muss.

Berührung und Nähe. Zu dem Thema habe ich eine guten Artikel gefunden, aus dem Sommer diesen Jahres. Nachzulesen ohne Bezahlschranke HIER bei den Krautreportern. Wenn mir etwas fehlt, dann die Möglichkeit, andere Menschen ohne Angst umarmen zu können, zumal ich so lange gebraucht habe, das zu lernen, bzw. zuzulassen. Auch hier wieder – ES findet sich, kein Staat kann so etwas dauerhaft unterbinden, Ansteckung hin, Seuche her. Wir werden lernen, damit neu umzugehen.

Nähe? Geben die hier auch, die Opportunisten vor dem Herrn. Wenn, dann ehrlich. Bild 2 ist ein Suchbild, irgendwo ist ein Auge versteckt, in dem geplatzten Sofakissen 🙂

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Kein Zustand …

…ohne einen passenden Titel.

Eskapismus – ein interessanter Begriff.

Realitätsflucht also. Das passt. Passte. Selbst heute würde ich mir manchmal gerne ein Loch graben und zumindest für eine Weile darin verschwinden. Mache ich auch manchmal – dass ich nicht zu lange darin verweile, dafür sorgen neben Familie und Beruf auch das Blogland schon 🙂 Früher habe ich nachgeholfen, chemisch. Da strengt das Löcher-graben nicht so an … nur mit dem raus kommen wird es schwierig, wenn man dann noch vergesslich dabei ist, was das aufhören mit der chemischen Nachhilfe betrifft.

Wie komme ich also zum Eskapismus? Über die Musik, beim suchen. Eloy zum Beispiel, die werden damit in Verbindung gebracht. Erinnert sich noch jemand?

Und heute? Lässt sich auch mit der Musik der 70er beschreiben, wenn ich schon gerade mal dort bin…

There’s no way out of here, when you come in you’re in for good ….

 

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Nachtrag: Gerade ist mir eingefallen, dass ich tatsächlich ein Album von Eloy hatte, so mit 17 … hier ein Auszug. Ist das lange her…

 

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Des Rätsels Lösung

Bisou hat`s erkannt, der Herr ist Christopher Lloyd in der Rolle des Taber an der Seite von Jack Nicholson in Einer flog über?s KuckucksnestBeide hatten ihren Durchbruch mit diesem unvergleichlichen Film.

Erstmalig durfte ich 1978 im Rahmen einer allmonatlichen Filmvorführung in unserer damaligen Gemeinschaftslehrwerkstatt diesen Film schauen. Man hielt den Film offensichtlich für pädagogisch wertvoll, was er in gewisser Weise auch war. Unsere Helden waren neben McMurphy natürlich der (beinahe) taubstumme Indianer. Einen ernsteren Hintergrund bekam der Film mit den Thema Lobotomie … zuerst dachte ich, toll, so einfach ist das also, einfach ein Stück aus der Kirsche herausgeschnitten und dann isses gut, bezogen auf mein damaliges Lebensgefühl. Bis mir klar wurde, dass am Ende möglicherweise eine leere Hülle Mensch zurück bleibt, siehe das Filmende.

Der Film fiel in eine Zeit, in der gerade auch in Deutschland die Psychiatrie revolutioniert wurde, endlich. Man war bemüht, die allerschlimmsten Missstände zu beseitigen und eben auch diese unselige Praxis der Lobotomie.

Hier die Filmsequenz, aus der das GIF geschnitten wurde. Das geht übrigens gut auf dieser Seite HIER, ohne ein Programm herunterladen zu müssen.

In dem Sinne 🙂

20tmqk

Sonst so?

giphy

 

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