Pfingstsonntag

Aktion gegen den schwarzen Vogel: Raus, und wenn auch nur für eine gute Stunde. Über die überfüllte Nordbahntrasse fahre ich Slalom um Skater, Hunde, Kinder, Rentner. Da ich langsam bin, gehen mir die Menschen nicht über Normalmaß auf die Nerven, was gut ist. Nach langer Zeit bin ich wieder mal nach dem üblichen steilen Anstieg auf der Hardt und im dortigen botanischen Garten. Die Sonne genießend ziehe ich mir einen Kaffee am Automaten, wie früher, auf Arbeit. Photographiere danach Blumen und bunte Steine, um sie nun in`s Netz zu stellen, wo sie sich einreihen in die inflationäre Zurschaustellung Ihresgleichen, der Mai lässt grüßen.

Sonst so? Überraschend freundliche Gesichter. Eine Dame vermutlich gleichen Alters spricht mich an. Schöne Anlage, was ich bestätige, sie ist angetan. Schaut mir mitten in`s Gesicht und meint: Sie sind nett. Ich kann das beurteilen, ich bin Waage…die haben so ein Gespür, sagt man ja… Danke, sage ich freundlich, Sie vermutlich auch. Und Sie erzählt, Bochum, mal raus, die Sonne, und so toll hier. Worauf ich ein paar Details zu der Anlage loswerde, als Eingeborener kommt das immer gut. Während ihr Mann geduldig ein paar Meter weiter wartet, verabschieden wir uns freundlich und wünschen uns noch gegenseitig frohe Rest-Pfingsten.

Keine Ahnung, wie die Dame dazu kommt, mich nett zu finden – als Momentaufnahme lasse ich das aber gerne durchgehen, bevor ich anrege, sich doch mal mit meinem sozialen Umfeld zu unterhalten, zwecks realistischer Betrachtungsweise meiner Person. Wie auch immer, gefühlt waren das die ersten freundlichen Worte mit einem fremden Menschen seit langer Zeit. Ohne Maske …

Und wieder Sonntag

So einer mit viel Sonne. Da denke ich, ein wenig mehr Regen wäre gut für die Erde, verbunden mit ein wenig mehr Sonne in den Herzen. Bei mir angefangen, wo sonst. Ja, die Zeiten sind unüberschaubar, verunsichernd und auch beängstigend. Merkwürdiger Weise macht es mit mir weniger als erwartet, weil innerlich vertraut. Mal `ne Krise von außen statt von innen – der einzige Unterschied ist teilweise verschiedene Herangehensweise. Akzeptanz und Annahme ist innen wie außen der erste Schritt. Äußere Krisen sind im Vergleich zu inneren Krisen mit einem höheren Grad an Anpassung verbunden und auch mit vergleichsweise größeren Risiken, gesellschaftlich.

Was hilft – neben Hoffnung, Glaube und Vertrauen: Ein bei aller Emotionalität etwas realistischer Blick auf die Dinge. Es ist nur ein VIRUS, keine Weltverschwörung, wie einige selbst aus meinem Umfeld zunehmend glauben. Natürlich gibt es Kräfte, die diese Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Und wieder – Vertrauen, hier auf die Gegenkräfte, ganz konkret unsere Verfassung und deren Vertreter. So lahm und quer, wie unsere Demokratie oft auch rüber kommt, mit ihrer Langsamkeit und föderalen Struktur, zu jeder Kraft gibt es eine Gegenkraft. Nicht nur in der Physik.

Hier ein guter, wenn auch langer Artikel zum Thema, für euch freigeschaltet auf

Krautreporter

Sonst so? Alte Rezepte wirken immer noch. Selbst ein maskiertes Lächeln bekommt Antwort, selbst eine freundliche Bemerkung hinter einer ehemaligen Unterhose im Gesicht findet Resonanz. Geht doch! Und ja, ich schreibe das hier hauptsächlich auch für mich, damit ich das nicht vergesse.

Denen hier ist die Gesamtlage übrigens wurscht. Wenn ich bei ihnen liege, spüre ich das. Positive Vibrations. Zumindest für eine kleine Weile …

Auch ja, falls es jemand vermisst …

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Märzsonne

Das Fahrrad steht neben mir, auf dem Buckel die Einkäufe, so sitze ich beim bergischen Löwen auf dem Willy-Brandt-Platz und lasse mir die warme Sonne guttun. Nebenan sitzt einer mit `ner Klampfe auf einem Stahlbügel und singt herzzerreißend melancholischen Blues, was gut zu meiner Stimmung passt.

Schaue die Menschen, sehe Füße an mir vorüber eilen, Schattenwürfe allerorten. Wenige nehmen sich wie ich die Zeit zum lauschen, aber wenn nur einer applaudiert, ist das auch etwas wert – und schon sind es zwei oder drei.

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Selbst die Tauben haben lange Schatten …

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Solche Tage mag ich, Tage, die die Seele ein wenig wärmen …

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Erster Frühlingssonntag

Wir nutzen den Tag und machen einen kleinen Ausflug auf die Wuppertaler Südhöhen, zu unserem Toelleturm. Der ist sozusagen der Mercedes unter den Wuppertaler Türmen, weil er einerseits an exponierter Stelle stehend einen sehr schönen Fernblick bietet und weil er andererseits anders als viele andere, schöne, alte Türme hier Ende der 80er Jahre nach mehreren halbherzigen Versuchen erstmals gründlich saniert wurde.

Weht oben die Wuppertaler Stadtfahne, ist der Turm geöffnet, so wie heute.

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Innen macht er ein wenig schwindelig …

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Auf der Aussichtsplattform steht eine Tafel zur Orientierung.

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Ein Blick nach Westen, leider verhindert der Dunst die Aussicht bis in`s Rheinland.

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Nach Osten …

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… und hinunter zum Cafe.

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Das angelaufene Kupferblech der Brüstung…

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Unten der alte Brunnen, dessen Putten leider im Krieg verschollen sind.

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Anschließend gehen wir noch ein wenig in den nahen Wald, der sich mit dem grünen noch ein wenig Zeit lässt. Wenn man bedenkt, dass vor wenigen Wochen noch derber Frost herrschte, ist das nicht verwunderlich.

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Der Wald wirkt, kahl, wie er noch ist, im Sonnenlicht ein wenig gespenstisch silbrig.

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Bizarre Überbleibsel …

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Pauline muss sehr geliebt worden sein …

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Ein schöner Nachmittag mit viel Licht, Luft, und Sonne geht zu Ende und ich bin froh, dass wir die Gelegenheit nutzen konnten.

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Kosmopoliten unter sich

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Wenn ich an freien, sonnigen Tagen des Morgens in meiner Lieblingsecke unserer Wohnhöhle sitze und verträumt versuche, hinaus zu schauen, dann passiert etwas sehr eigenartiges. Von jetzt auf gleich werde ich für einen Moment zu einem staatenlosen Menschen. Natürlich sind entsprechende Dokumente, die das Gegenteil behaupten, nicht mit irgend einer geheimen Tinte geschrieben, die sich beizeiten in nichts auflöst. Nein, denke ich dann, wer solcher Art getönte Scheiben hat, ohne Maßnahmen zu ergreifen, der kann nicht wirklich deutsch sein.

Den Katzen ist es ebenso wurscht. Die Sonne scheint schließlich auch durch getönte Fenster … es müssen ja nicht unbedingt die alten, bunt Blei-verglasten Kneipenfenster sein. Auch der Antipol zum Sündenpfuhl, unsere schöne, bei Sonnenschein durch die neuen Rosettenfenster bunt Licht-geflutete Friedhofskirche, ist nicht wirklich vergleichbar.

Was bleibt, ist zu einen die Gewissheit, doch noch genügend typisch „deutsche“ Neigungen zu verkörpern (das wird zumindest gelegentlich von der Höhlenmitbewohnerin behauptet) sowie die universelle Wahrheit, dass es hier sauber genug ist, um gesund zu bleiben sowie genau recht dreckig, um sich dabei auch gut zu fühlen.

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PS – seht ihr den blauen Geist auf der Fensterbank?
Auch er fühlt sich offensichtlich hier wohl…

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Spätsommer

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Gegen den großen, schwarzen Vogel helfen Licht, Luft, und Sonne. So gesehen und gefühlt heute im Hildener Stadtwald, unweit von Haan/Rheinland.

Hildener Stadtwald

Eine kleine Runde von ca. 7 Km ohne große Steigungen über gut befestigte Waldwege, ideal für einen Sonntag-Spaziergang zwischen Mittag und Kaffee oder so. Spätsommer- oder Frühherbst-Bilder, die der Seele gut taten. Unspektakulär und in Ruhe.

HIER auch bei GPSIES zu sehen.

Von wegen schwarzer Vogel – hörenswert, HIER.

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