Sonntag 200621

Besondere Erkenntnisse:

  • Ein Kleinstwagen von 3.4 Meter Länge kann relativ komfortabel (wenn man als Vergleichsgröße das zu-Fuß-gehen heranzieht) 4 Personen, davon 2 Mitte 80, transportieren.
  • Es dauert höchstens 5 Minuten, bis alle drin sind. Und nochmal 5 für`s aussteigen.
  • Eine Vorhangleiste hält keine 4 Kilo halbwüchsige Katze aus, die sich an den Vorhängen im klettern übt. Meine Norm-verdeutlichende Ansprache diesbezüglich hat sie aufmerksam, aber stumm zur Kenntnis genommen.
  • Wenn das Tier noch wächst, wovon auszugehen ist, baue ich Schlagläden, innen liegend. Überall.
  • Nein, sie wird vermutlich eher nicht ruhiger, die nächsten 5 Jahre.
  • Sommersonnenwende, letzte Nacht. Eher beiläufig bemerkt.
  • Krawall in Stuttgart. Überraschend ist nur der Ort, mal nicht Kreuzberg oder Schanzenviertel.
  • 17.00 Uhr ist eindeutig zu spät für „Sunday Morning
  • Alternde Kater schrumpfen, siehe Beweisfoto.
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Ölberg, Wuppertal, in der kürzesten Nacht 2020…

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Übergang, wie Fertigung ergibt

Das ist in der Technik des Werkzeugmachers liebste Qualitätsanforderung. Sie beschreibt den Übergang von einem Teilbereich des fertigen Produktes, meist in der Blechumformung (beim biegen, ziehen, stauchen, prägen ect.), der funktional in Ordnung und maßhaltig sein soll, zu dem nächsten Teilbereich. Auf gut deutsch also: Mach`, was du willst, Hauptsache, es funktioniert und sieht auch noch gut aus.

Das hat schon fast etwas Philosophisches. Übertragen in das tägliche Leben könnte man frei übersetzt sagen, dass der Zweck eben die Mittel heiligt. Eine Horror-Vorstellung für all jene, die stets einen Plan brauchen, oder besser eine genaue Wegbeschreibung. Pläne an sich sind schon in Ordnung, sofern sie nicht in Gängelei ausarten. Wie war das noch, frei nach Birne? Entscheidend ist, was hinten heraus kommt. Auch, wenn sich meine Sympathie für den mittlerweile verstorbenen Ex-Kanzler stets in engen Grenzen gehalten hat, hemdsärmeligen Pragmatismus konnte der. Eine Fähigkeit, die ihm bei der deutschen Bankenöffnung Richtung Osten Wiedervereinigung 1990 gut zupass kam. Ok, hätte auch anders kommen können, oder wenigstens humaner, aber dazu hätte es etwas mehr Mut und einiges mehr Phantasie gebraucht. Und nein, ich bin kein verträumter noch-nicht-ganz so-Alt-Linker, sondern wünsche mir schlicht etwas mehr Menschlichkeit in der Welt der freien Märkte.

Um  nicht noch weiter herumzupolitisieren und wieder zum Anfang zu kommen, sei noch ein weiterer schöner Anwendungsbereich dieses Lebensprinzipes erwähnt, unsere Wohnung nämlich. Wer so wie ich als Kind und Jugendlicher in den Sommerferien stets Camping betrieben hat und obendrein noch mit einer künstlerisch begabten Frau gesegnet ist, kann selbst die Improvisation zur Perfektion (!) treiben. Wer dann noch, so wie wir, Katzen liebt, der lässt irgendwann von den schief gespielten Bildern an der Wand ab, hinter denen sich wenig ansehnliches wie zum Beispiel alte Bohrlöcher verbergen. Gibt wichtigeres – Katze gesund zum Beispiel.

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Sonntag, der 10te Mai

Viel gibt es nicht zu berichten. Derzeit scheint die Welt zumindest um mich herum ein Stück weit still zu stehen. Der Zustand der Eltern ist unverändert, die Isolation in Sachen Selbsthilfegruppen ebenso. Es gibt virtuelle Alternativen, Zugänge sind mir bekannt und technisch einigermaßen vertraut, aber ich nutze sie nicht. Mir fehlt etwas dabei, schwer zu beschreiben. Die Verbundenheit mit den mir persönlich bekannten Freunden dagegen bleibt und wird zumindest telefonisch gelegentlich gepflegt.

Diese Woche – der achte Mai, vorgestern. Für die einen Tag der totalen und absoluten Niederlage, militärisch, verbunden mit Gebietsverlust und politischen Gestaltungsmöglichkeiten, wie sie sagen, ohne das weiter auszuführen (mir gruselt bei der Vorstellung, wie diese wohl ausgesehen hätten, wäre es anders gekommen). Für die anderen Tag der Befreiung von einer unmenschlichen Diktatur. Für mich steht dieses Datum für beides, für eine totale militärische, aber vor allem moralische und menschliche Niederlage, eine komplette Bankrotterklärung eines Teiles meiner Ahnen, die sich von der Vorstellung haben blenden lassen, bessere Menschen zu sein als ihre damaligen Nachbarn. Ganz sicher war es auch ein Tag der Befreiung, nicht nur mit Blick auf die Überlebenden der Lagerhaft, sondern auch für die meisten Menschen wie zum Beispiel meine Eltern, damals Kinder, 10 und 11 Jahre jung, die einfach erleichtert und froh waren, nicht mehr täglich um ihr Leben fürchten zu müssen. Sie ahnten an diesem Tag noch nicht, wie schwer die nächsten Jahre zu ertragen sein würden. Als der Hunger vorüber war, haben sie sich abgelenkt, haben verdrängt und konsumiert. Sie hatten keine anderen Möglichkeiten, das Aufarbeiten war an meiner Generation, in meinem Fall als süchtiger Mensch Überlebens-notwendig, bis heute.

Sonst so? Mit wenig Überraschung verfolge ich die derzeitige Stimmung im Land. Leider menschlich, das Ganze. Sorge bereitet mir die politische Zukunft, aber auch hier wie überall im Leben hilft nur Vertrauen, dass ES sich finden wird. In diesem Fall das Vertrauen in die politische, menschliche und Verstandes-technische Reife meiner Mitmenschen, auch wenn es manchmal schwer fällt.

So, genug der Schwere, zum Schluss noch etwas wunderbar Leichtes, auch wenn sie tagtäglich schwerer wird, wie mir scheint. Und – man beachte die feine, farbliche Abstimmung mit den Schaffellen.

Darf nicht fehlen…

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Und wieder Sonntag

So einer mit viel Sonne. Da denke ich, ein wenig mehr Regen wäre gut für die Erde, verbunden mit ein wenig mehr Sonne in den Herzen. Bei mir angefangen, wo sonst. Ja, die Zeiten sind unüberschaubar, verunsichernd und auch beängstigend. Merkwürdiger Weise macht es mit mir weniger als erwartet, weil innerlich vertraut. Mal `ne Krise von außen statt von innen – der einzige Unterschied ist teilweise verschiedene Herangehensweise. Akzeptanz und Annahme ist innen wie außen der erste Schritt. Äußere Krisen sind im Vergleich zu inneren Krisen mit einem höheren Grad an Anpassung verbunden und auch mit vergleichsweise größeren Risiken, gesellschaftlich.

Was hilft – neben Hoffnung, Glaube und Vertrauen: Ein bei aller Emotionalität etwas realistischer Blick auf die Dinge. Es ist nur ein VIRUS, keine Weltverschwörung, wie einige selbst aus meinem Umfeld zunehmend glauben. Natürlich gibt es Kräfte, die diese Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Und wieder – Vertrauen, hier auf die Gegenkräfte, ganz konkret unsere Verfassung und deren Vertreter. So lahm und quer, wie unsere Demokratie oft auch rüber kommt, mit ihrer Langsamkeit und föderalen Struktur, zu jeder Kraft gibt es eine Gegenkraft. Nicht nur in der Physik.

Hier ein guter, wenn auch langer Artikel zum Thema, für euch freigeschaltet auf

Krautreporter

Sonst so? Alte Rezepte wirken immer noch. Selbst ein maskiertes Lächeln bekommt Antwort, selbst eine freundliche Bemerkung hinter einer ehemaligen Unterhose im Gesicht findet Resonanz. Geht doch! Und ja, ich schreibe das hier hauptsächlich auch für mich, damit ich das nicht vergesse.

Denen hier ist die Gesamtlage übrigens wurscht. Wenn ich bei ihnen liege, spüre ich das. Positive Vibrations. Zumindest für eine kleine Weile …

Auch ja, falls es jemand vermisst …

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So Tage

Grundgereiztheit – so ist die Stimmung an der Oberfläche. Weil mich wie viele andere dieses gesellschaftliche Beschnitten-Sein nervt. Weil ich Einkaufen schon immer ätzend fand und nun erst mal so richtig. Weil manche Menschen meine Lebenszeit als persönliche Verfügungsmasse ansehen. Weil sich die Winterräder am Auto nicht lösen ließen. Das erste Mal im vergangenen Herbst die Räder aus Bequemlichkeit wechseln lassen und promt haben die Akteure vergessen, Kupferpaste oder ähnliches zur Verhinderung von Kontaktkorrosion zu benutzen. Jetzt muss ich in die Werkstatt, die Dinger auf der Bühne loskloppen lassen.

Wenn man nicht alles selber macht. So ein alter Glaubensgrundsatz, den ich natürlich (?) immer wieder bestätigt bekomme. Offensichtlich gibt es da noch etwas zu tun, für mich. Wenn sich mein Ärger legt, sehe ich wieder die Wahrheit hinter meinen persönliche, Ego-Wahrheiten. Weil ich mich gerne über meine verkackten Winterräder aufrege, das ist besser zu ertragen als die Trauer über den Zustand meines Vaters.

So. Zeit, mir mal klar zu machen, wie gut ich es eigentlich habe. Ich fühle mich wohl, daheim. Das ist nicht selbstverständlich und Grund zur Dankbarkeit. Dann hat es hier ausgesprochen liebenswürdige Mitbewohner, also meistens jedenfalls. Mit und ohne Fell. Das Fell-Baby schaute sich heute morgen sehr interessiert den gesegneten Zweig an, den ich am Lampenkabel unter der Decke gehangen habe. Potentiell außerhalb ihrer Reichweite, aber man weiß ja nie. So nahm ich sie mir erst einmal auf dem Arm und setzte sie in die Wanne, in der ich gerade eben ein Prachtexemplar von Silberfisch entdeckt habe. Eiweiß-Spielzeug zum vernaschen für die Kleine, das liebt sie sehr.

Und wir sie …

 

Der erste Zweite

Noch liege ich und höre auf der Straße den Regen rauschen, während sich mein Geist allmählich damit anfreundet, gleich aufzustehen. Zugleich sortieren sich die Gedanken, was die Belange des Tages angeht.

86 Lebensjahre vollendet mein Vater heute, wir werden hinfahren, zu ihm in die Klinik. Die Gewissheit des Unausweichlichen liegt wie eine dunkle Wolke auf meiner Seele, nicht plötzlich und nicht unerwartet. Zu tun, was ich kann, ist wie so oft für mich das Gebot der Zeit.

Sonst so? Unsere Lilit hatte Anfang der Woche einen schweren Tag – weil wir hier nicht die Möglichkeit haben, eine große Katzenfamilie unterzubringen (so gerne wir das auch tun würden), war es für die Kleine Zeit, den leider unerfüllbaren und somit leidvollen Wunsch nach Mutterschaft zu unterbinden. Was uns Tränen gekostet hat, obgleich sie schon längst wieder fit ist und gefühlt lebendiger als zuvor.

Gerade war sie noch kuscheln … die Bilder entstanden kurz vor’m schlafen gehen. Die Aktivitäten über meinem Kopf verhinderten im Übrigen, auf dem Sofa einzupennen. Dann regnet es schon mal Sachen, von oben…

💯

Kurz vor Vier

Wach bin ich, ohne die Augen öffnen zu können, blind greife ich nach dem Lichtschalter und lehne mich für einen Moment noch zurück, blinzelnd schalte ich die Wecker aus. Es dauert nicht lange, dann kommt die große Kleine an, konditioniert vom Licht. Ich strecke meine Arme aus und sie lässt sich nieder, sie liebt nackte Haut sehr.

So startet der letzte Werk-Tag des alten Jahres sehr gemach, draußen rüttelt ein warmer Wind unregelmäßig an den uralten Rolladen unserer Burg, Die Kleine lässt ihr dunkles, rhythmisches Schnurren ertönen, ohne Punkt und Komma, während sie auf meinen Armen döst.

In solchen Momenten muss ich gerade nichts, ich darf sein, ich bin. Vieles ist zu tun und kann doch warten. Oder ersatzlos ausfallen. Wie zum Beispiel die Hatz nach irgendwelchen Geschenken. Ein befreites, friedvolles Gefühl macht sich in mir breit, die nicht zu belegende Gewissheit, dass sich alles findet und gut ist, wie es ist.

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An oder aus (Leben mit Lilit und mehr)

So kommt mir (mein) Leben manchmal vor. Da ist so ein freier Tag, wie heute. Ich bleibe länger liegen, weil ich weiß, bin ich erst einmal aufgestanden, geht es los. Was mich dann so alles stört oder besser anschreit.

Der tägliche Sandkasten im Bad zum Beispiel. Katzen scharren und barfüßig durch die Steine ist auch nichts. Also dran an den Besen, die Kleine liebt den morgendlichen Fight mit den Borsten. Hängt sich am Besen fest, wartet nur darauf, bis ich mit ihr im Schlepptau den gesammelten Dreck zu einem erklecklichen Häufchen zusammen gefegt habe, um sich dann mit Inbrunst drin zu wälzen.

Abwasch ist auch so ein Ding. Am Abend fühlt sich aufgrund großer Müdigkeit niemand wirklich berufen, die Unreinheit zu beseitigen. Und am Morgen mag ich mir den kniestigen Scheiß nicht länger anschauen, gehe also dran. Um währenddessen wenigsten ein halbes Dutzend Mal die Kleine mit Schaumhänden vom Spülenrand zu pflücken und abwärts zu befördern.

Dann setzte ich mich erst mal, trinke meinen Tee und versuche entweder, gedankenlos aus dem Fenster zu schauen oder einige Einträge hier zu lesen. Bis die Kleine mitbekommt, dass ich hier sitze und schnurrend wie ein Elektromotor, also durchgehend beim Ein- und Ausatmen, Geräusche des Wohlbefindens produzierend ihr Recht auf Liebe und Nestwärme einfordert. Beim anschließenden Frühsport hängt sie mir an den Bändern meiner HausgammelYogahose oder sonstwo, was dann nicht so toll ist.

Alltag sozusagen, und ich mag ihn mir auch nicht wirklich anders wünschen. Alles hat auf diese Weise seine Berechenbarkeit und Konstanten, selbst verschleppte Kleinigkeiten oder besser die Suche nach ihnen zähle ich dazu. Wichtig bei all dem richtigen Chaos um uns her.

Übrigens, morgen muss ich noch Brot holen …

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PS: Wenn mich wirklich mal etwas nervt, dann wünsche ich mir so eine Kiste: