Auf einem anderen Planeten

So fühle ich mich manchmal, auf gewissen Pflicht-Veranstaltungen. Sie verwenden noch nicht einmal mehr Anglizismen, sondern schreiben ihre hochwichtigen Unterlagen gleich komplett auf Englisch. Der Kollege vorne hat neben seiner zweifelsfrei vorhandenen Qualifikation eine schöne Stimme, das macht es etwas erträglicher. Er könnte auch eine Morgenandacht oder eine Predigt halten, schade eigentlich, so eine Talent-Vergeudung.

Aufmerksam schaue ich den Laserpointer an der Leinwand, die gefüllt ist mit den Themen des Vortrags. Wieder einmal setze ich mich auf, diese verdammten Stühle verleiten dazu, nach vorne zu rutschen – eine bremsende Gummimatte unter dem Arsch wäre hilfreich. Der rote Punkt da vorne – ich stelle mir vor, was unsere Lilit mit ihren scharfen Krallen der Leinwand antun würde, wäre sie jetzt hier. Die Vorstellung gefällt mir und ich mache ein freundliches Gesicht, was als heitere Anteilnahme interpretiert werden könnte. Die so gewonnene Heiterkeit hilft mir, mit diesem Gefühl umzugehen, unglaublich dumm zu sein. Es gibt sie nämlich wirklich, die Kollegen, die das alles nicht nur verstehen, sondern auch damit arbeiten müssen, einer stellt sogar fortlaufend Fragen. Der will nicht nur noch etwas werden, aus dem wird mit Sicherheit auch noch sonst was. So sehr ich mich für ihn freue, er nervt, weil er die Veranstaltung in`s Aschgraue verlängert.

So könnte ich eigentlich glücklich sein. Solche Termine sind irgendwie wie in der Fahrschule an der roten Ampel zu stehen. Die Zeit läuft, man kann prinzipiell nicht viel falsch machen (Achtung, Gesicht & Körperhaltung!) und es wird sogar noch bezahlt. Wäre da nicht dieses Gefühl der ausgeprägten Dummheit …

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Raus aus`m Haus

Bei dem guten Wetter gestern brechen die Liebste und ich am Nachmittag auf, eine Runde über`n Engelnberg drehen. Von der Gathe über die Holsteiner Treppe hin zum Platz der Republik, den die Alten immer Exe nennen, vom ehemaligen Exerzierplatz, weiter über die Engelnbergtreppe hin zur Hardt, der größten innerstädtischen Grünanlage hier.

Und ja, ich mag den morbiden Charme dieser Stadt. Macht mir die Stadt nicht zu beliebt und lasst es mit dem neuen Hauptbahnhof gut sein. Keine Lust auf zuviel Geld, welches sich hier breitmachen wird, sollte es zu hübsch werden. Keine Lust auf Verhältnisse wie in anderen, benachbarten Großstädten am Rhein und anderswo. Noch ist die Stadt lebenswert …

Berührung

Gestern auf dem Straßenfest. Hinter einem Stand mit dem üblichen Hausrat und Klamotten stehen mehrere junge Menschen, probieren begeistert selbst das feilgebotene Zeug an, schauen das Ergebnis in einem alten Spiegel, schwatzen und freuen sich am Tag. Auf einem Stück Pappe wird in Blockschrift, geschrieben mit`m dicken Edding, Rücken- und Handmassage sowie Tarot gegen Spende offeriert. Ich bleibe stehen und denke, kundige Hände könnten mir gut tun, von wem auch immer. Absichtslose Berührung, mitten im dicken Trubel. Also frage ich nach, eine junge Dame strahlt mich an, ich möge Platz nehmen und weist auf einem winzigen, dreibeinigen Klappschemel vor dem hinter dem Stand gelegenen Hauseingang. Ich nehme Platz, sie auf den Stufen hinter mir, und ich genieße die Berührung.

Niemand nimmt Notiz von uns, nur die Frau gegenüber, die mir gerade eben mein neues Herz fast geschenkt hat, guckt und grinst. Nach einigen Minuten bedanke ich mich, während ich über die gewünschte Spende nachdenke. Euronen sind bestimmt gewünscht, erscheinen mir aber irgendwie unangebracht. So frage ich die Dame mit den einfühlsamen Händen, ob wir jetzt die Plätze tauschen wollen, sozusagen uns etwas gegenseitig spenden. Zu meiner Überraschung lässt sie sich freudestrahlend darauf ein, womit ich nicht wirklich gerechnet habe. So fließt Energie aus der Berührung in beiden Richtungen und wir bedanken uns nach einigen weiteren Minuten gegenseitig. Eine kurze Umarmung, wir wünschen uns noch gegenseitig einen guten Tag und ich ziehe meines Weges.

Energie und Vertrauen. Einfach so.
Selten, aber möglich …

Und – der Klassiker im Dauer-Abo 🙂

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Redet drüber … Sucht!

Lesenswert für alle, die einen kennen, der einen kennt. Oder selbst auch so ihre Schwierigkeiten haben.

Bunt und farbenfroh ...

Es ist fast wie eine alte Gewohnheit: Wenn ich in einer Zeitung oder in sozialen Netzwerken einen Artikel finde, der „Sucht“ zum Thema hat, muss ich ihn lesen. Ich lese diese Artikel immer sehr kritisch. Wenige schaffen es, mir neue Erkenntnisse aufzuzeigen, selten finde ich etwas, was mich fesselt und zu Ende lesen lässt. Kürzlich hat mich meine Schwester auf einen Bericht aufmerksam gemacht, der mich nicht nur sehr ansprach, sondern der sowohl meine Erfahrungen deckte, als auch einen anderen Weg im Umgang mit Sucht offenbarte. Die Headline des Beitrags im Business Insider Deutschland lautet: „Studie zeigt eine unbequeme Wahrheit über Sucht“. Der Beitrag beginnt mit dem Satz: „Das Wort Sucht – … – ist negativ konnotiert. Wir bezeichnen Sucht als eine Störung und Betroffenen wird von der Gesellschaft ein Problem zugesprochen.“

Die Gesellschaft jedoch ist, nach meiner Ansicht, ein großer Teil des Problems, wenn es bei uns um…

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Sonntag-Morgen

Die Welt fühlt sich friedlich an, innen wie außen. Was am Sonntag früh ja nicht ganz so schwer ist. Ich könnte etwas kluges schreiben. Oder es sein lassen, mich mit Lilit beschäftigen und im Anschluss diese nicht ganz so klugen Zeilen schreiben. Ist eh schon alles gesagt, denke ich in letzter Zeit öfter. Wenn auch nicht von mir.

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Und gestern? Die Liebste und ich essen gemeinsam, was so oft auch nicht vorkommt. Schauen dabei einen Film, den ich neulich aus der Mediathek vor dem Fall in`s Nichts gerettet habe. Da denkt einer, seine bösartigen Wesensveränderungen kämen vom Genuss gewisser Pilze … wobei die Dinger ja nur nach außen holen, was eh schon vorhanden ist. Nicht meins, aber ein spannender Film.

Anschließend schauen wir irgendetwas über die 70er und anschließend über die 60er. Zum wievielten Mal eigentlich, frage ich mich. Geschichte ist ja spannend und lehrreich, auch mit Bezug auf die Gegenwart. Andererseits – was ist eigentlich so mit 2019 … große Fragen für so eine Uhrzeit an so einem Tag. Da denke ich lieber an das Nächstliegendste, ein paar Lockerungsübungen und an das Frühstück.

In dem Sinne … eine gute Zeit uns.

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