Schritte der Geduld

Geduld ist meine Stärke nicht. Das liegt sozusagen in der Familie, da hat sich mein Schöpfer etwas bei gedacht, mich diesbezüglich so mangelhaft auszustatten. Also bekomme ich Übungsaufgaben, die ich ihm liebend gerne zurückgeben würde, frei nach dem Motto: Was soll ich mit dem Scheiß… Das hat er aber nicht so vorgesehen, also muss ich da durch. Stichworte? Familiärer Fahrdienst Wochentags um 17.00 durch die Innenstadt. Anliegen bei Behörden, Krankenkassen, und einiges dergleichen mehr. Als wenn das an sich nicht reichen täte, soll ich die frohe Botschaft der Geduld gleich weitergeben, an meinem kranken Vater, der mich in Sachen Geduld noch locker toppt, rückwärts betrachtet.

Analogien helfen beim Verstehen. Im letzten Jahr ging ich eine Weile regelmäßig zu einer kontemplativen Meditationsgruppe, was mir gut getan hat, aber leider aus Zeitgründen eingeschlafen ist. Im Bewusstsein geblieben ist mir die Praxis dort schon. Sitzen, schweigen, unterbrochen von Geh-Meditation, im Kreis durch den Raum, mal etwas zügiger, auf ein Zeichen dann so langsam als möglich. Jetzt habe ich wieder Gratis-Stunden, nur in einem etwas anderen Umfeld. Statt alter, heimeliger Kirchengemäuer findet die Geh-Meditation in der nicht ganz so heimeligen Geriatrie eines Krankenhauses statt, es riecht nicht nach Weihrauch, sondern nach ganz anderen Sachen. An der Seite meines Vaters dort, der mit seinem Rollator in etwa die Geschwindigkeit des achtsamen Gehens trifft.

An guten Tagen verliert sich so das Gefühl, Vollgas mit angezogener Handbremse durch das Leben gehen zu müssen und wird ausgetauscht von der Ruhe, die ich damals in der alten Kirche empfunden habe. Alles macht seinen Sinn, solcher Art.

Und – stimmt, es ist Sonntag…

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2019

Das alte Jahr hört dort auf, wo es begonnen hat. Mit Krankheit und Endlichkeit. Mit tiefen und einschneidenden Änderungen.

Der Mensch-Gewordene ist bei mir. Danke dafür.

Kommt gut in das neue Jahr 🍀

Dein Vater spinnt !

Das war die Reaktion der Mutter meines Sohnes, dem ich in jungen Jahren erklärte, dass absolut alles einen Anfang und ein Ende hat. „Lebt“, wenn man darunter eine festgelegte Zeitspanne der Existenz versteht. Auf seiner Nachfrage hin eben auch Steine, nur in viel größeren Zeitspannen.

Papa hat gesagt, Steine leben…
Heute studiert er Bautechnik 🙂

Wer spricht da noch von Zufall ?

PS:
Mein Lieblings-Buch in dem Zusammenhang ist Billard um halb Zehn von Heinrich Böll.
Und – Danke, Frank, für die Inspiration zu diesen Zeilen  🙂

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