Erster Schultag

Gestern war hier bei uns der Tag der Einschulung.  Wie jedes Jahr berichtete das Lokalfernsehen ausführlich und begleitete junge Eltern mit ihren Kindern an diesem großen Tag. Neben anrührenden Bildern und zahlreichen Erinnerungen der Erwachsenen über den „Ernst des Lebens“ und so weiter gab es am Ende eine Frage der Moderatorin an die „Großen“, was sie heute dem Kind von damals, das sie waren, Aufmunterndes zu diesem Tag mitgeben würden. Die meisten sagten daraufhin irgend etwas wie „Hab`keine Angst“ oder so.

Darüber habe ich lange nachgedacht.
Für mich, zu mir, heute, an den kleinen Jungen, anno 1968:

Gleich, wie gut Du bist.
Gleich, was andere von Dir denken.
Du bist beschützt, behütet und geborgen.
Immer.

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Von Gemeinschaften, von Vertrauen und von Bündnissen.

Früher war die Welt um Längen überschaubarer, da bin ich mir mit den meisten zumindest meiner Generation wahrscheinlich einig. Es gab zwei besetzte Länder, eines davon war das Gute (für die meisten das eigene) und der Feind war nebenan. Die Zahl der politischen Parteien war höchst überschaubar und als Protestwähler galt bereits, wer Turnschuh-tragende Menschen in den Bundestag wählte. Es gab weiter für die meisten maximal drei (öffentliche) Fernsehprogramme (Ok, liebe Berliner, ihr wart schon immer gesegneter 🙂 ) sowie einige wenige Tageszeitungen und schon einige weitere politische Wochen-oder Monatsmagazine, die sich allerdings für die meisten Vertreter der arbeitenden Klasse nicht gut eigneten, derweil die Inhalte oft die Länge der Frühstückspause oder des Toilettenganges überforderte.

Mit dem Wegfall der klaren Feindbilder von einst und der Verbreitung des Netzes sieht die Welt heute komplett anders aus. Orientierung ist vergleichsweise schwer geworden und die Welt sehr unüberschaubar. Den früher so genannten Volksparteien läuft zunehmend das Volk weg. Sie bekommen einfach nicht mehr vermittelt, wofür sie stehen und vor allem, warum. Neue Heilsbringer locken mit überschaubaren Botschaften, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen und Zusammenhängen. Links wie rechts übrigens, mir gefällt das Gleichnis des Hufeisens für die politische Landschaft in dem Zusammenhang sehr gut, welches vermitteln möchte, das an den Enden abseits der so genannten Mitte sich Töne, Auftreten und teils auch Radikalität manchmal sehr ähnlich sehen.

In mir gibt es permanenten Widerstreit zwischen manchen Positionen. So schlägt mein Herz links, was Gerechtigkeit und mehr Menschlichkeit angeht. Andererseits sind mir auch kaufmännische Aspekte vertraut. Das Geld ein scheues Reh ist und schnell abhaut, wenn es nicht gut im Sinne von Gewinnmaximierung behandelt wird.

Einfache Antworten? Die gibt es nicht. Steuern senken, schlanker Staat, schreien die einen, plädieren für einen Raubtierkapitalismus, in dem jeder seines Glückes Schmied ist und der „Rest“ am Boden festgetreten wird, sofern ihm karitative Einrichtungen oder halbstaatliche Suppenküchen nicht mehr helfen können oder wollen. Die diesbezüglichen politischen Bündnisse im Geiste tragen seltsame Farben und bilden Eintrachten, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Gelb und Blau sind sich in diesen Bestrebungen sehr nahe.

Auf der anderen Seite stehen jene, die an eine bessere Welt in Form eines fürsorglicheren Staates, manchmal aber auch an ebensolche mit Hilfe von absoluter Anarchie glauben und dabei gerne alle ökonomischen Regeln außen vor lassen. Wie gesagt, ihnen gehört mein Herz, aber nicht unbedingt mein Verstand.

Fakt ist, ich muss wie jeder andere Mensch meine Rechnungen bezahlen. Erst das Fressen, dann, die Moral. Dem alten Brecht seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Wenn Mensch sich ständig um seine Existenz sorgen muss, sind die meisten Energien gebunden und auf`s tägliche Überleben ausgerichtet. Hier liegt das Versagen und die tieferen Ursachen der Verluste für die alten Volksparteien. Wen ich nötige, mehrere schlecht bezahlte Teilzeitstellen anzunehmen, um zurecht zu kommen, den verbrenne ich mental, wenn ich als Politiker in Kauf nehme, das für solche Menschen 12-Stunden-Tage und mehr die Regel sind. Wut und Frust bauen sich auf und einfache Parolen haben wieder leichtes Spiel. Stichworte sind Mindestlohn oder besser noch dessen Umgehung durch viele Arbeitgeber, Aufweichung der Tariflandschaft und gnadenlose Liberalisierung des Arbeitsrechtes. Es wird gemacht, was erlaubt ist und wenn keiner guckt, auch noch ein wenig mehr.

Wie wird in diesem Zusammenhang heute Politik betrieben? Hauptsächlich über das Netz, in dem oft genug nichts so ist, wie es scheint, der Zweck heiligt jedes Mittel. Plump die einen, verschlagen die anderen. Selbst hier im harmlosen (?) Blogland gibt es zahllose Seiten, deren einziges Bestreben der Aufbau einer möglichst großen Community  ist, um politische Einflussnahme auszuüben, möglichst ohne selbst Farbe zu bekennen. Wohl wissend, das jeder hier mit jedem irgendwie vernetzt ist. Die Tragweite solcher Agitation macht schlicht schwindelig, wenn man sich mal überlegt, wie groß so ein Netz von Followern wirklich ist. Habe ich meinerseits also eine „Verfolgerschaft“ von vielleicht 50 oder einhundert Lesern gebildet, kann ich davon ausgehen, das es jedem einzelnen von meinen Lesern ebenso geht. Der Rest ist Mathematik und auf diese Weise bilden sich riesige Netzwerke mit zahllosen Überschneidungen und ebenso zahllosen Möglichkeiten der gezielten Manipulation von Gedanken.

Verschwörungsrethorik? Nein, wie gesagt eher Mathematik kombiniert mit der Kenntnis der Möglichkeiten offener und verdeckter, indirekter Manipulation. Eine direkte Auswirkung für mich heißt, die Zahl der Seiten, denen ich meinerseits folge, überschaubar zu halten. Aufmerken, wem ich einen Vertrauensvorschuss schenke. Ohne Vertrauen geht es ja nun mal nicht, was auch immer das Risiko von Irrtum in sich birgt. Manchmal stelle ich auch alles in Frage und bin dicht daran, vom schreiben wie vom lesen erst einmal zu lassen.

Was ich suche? Immer noch und immer wieder Menschen, die glauben können und dabei doch mit den Füßen auf dem Boden stehen. Menschen, die über Schicksalsschläge aller Art gewachsen sind. Die allen Widrigkeiten zum Trotze Frieden finden können, Menschen, die an universelle Wahrheiten glauben können, ohne als esoterische Spinner durchzugehen. Menschen, die ihr eigenes Ego überwunden haben oder dabei auf dem Weg sind. Menschen, die bis in`s Innerste durchzogen sind von der Kenntnis unserer Natur, Menschen, von denen ich weiter lernen darf …

Dich meine ich, genau 🙂

 

 

 

Wirklichkeit

Welche genau meine ich damit? Wenn ich mich so umschaue, scheint es mehrere davon zu geben. Da bleibe ich erst einmal bei der nächstgelegensten, meiner eigenen Wirklichkeit.

Jeder schafft sich seine eigene.

Klingt provokant, ich weiß. Ungerecht und zu banal, angesichts dessen, was manche Menschen tragen müssen. Dennoch ist der Kern dieses Satzes schon interessant. Für mich stellen sich mit diesem Bewusstsein im Hinterkopf immer öfter Fragen. Vielen Dingen kann ich schlicht nicht ausweichen, denen muss ich mich stellen, darf sie als weitere Herausforderungen ansehen. Bei manch anderen Themen habe ich jedoch die Wahl. Mit wem gehe ich zum Beispiel in einem Dialog? Mittlerweile lange nicht mit jedem, weil viele Menschen schlicht kräftezehrend sind und eine Auseinandersetzung mit ihnen sich für mich einfach nicht rechnet. Sie sind es mir anders gesagt nicht wert. Das hat auch damit zu tun, dass ich keine Lust habe, den Don Quichotte abzugeben, der sehr ermüdend gegen Windmühlen kämpft.

Das gilt für das „richtige“ Leben ebenso wie für das Blogland, darum werde ich aus gegebenen Anlass ab nun alle Kommentare moderieren, das heißt, nach Sichtung freigeben oder eben nicht.  Leider bietet wordpress.com nicht die Möglichkeit einer weiteren Selektion außerhalb von ganz oder gar nicht. Lasst euch deswegen nicht vom kommentieren abhalten, manchmal kann es so ausschauen, als ob der Kommentar schlicht entschwunden wäre. Isser nich`, er wartet nur auf mich 🙂

Ü40?

Gedicht von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945) Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler.
Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.
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Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es, sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind. Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren. Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.