Von Gemeinschaften, von Vertrauen und von Bündnissen.

Früher war die Welt um Längen überschaubarer, da bin ich mir mit den meisten zumindest meiner Generation wahrscheinlich einig. Es gab zwei besetzte Länder, eines davon war das Gute (für die meisten das eigene) und der Feind war nebenan. Die Zahl der politischen Parteien war höchst überschaubar und als Protestwähler galt bereits, wer Turnschuh-tragende Menschen in den Bundestag wählte. Es gab weiter für die meisten maximal drei (öffentliche) Fernsehprogramme (Ok, liebe Berliner, ihr wart schon immer gesegneter 🙂 ) sowie einige wenige Tageszeitungen und schon einige weitere politische Wochen-oder Monatsmagazine, die sich allerdings für die meisten Vertreter der arbeitenden Klasse nicht gut eigneten, derweil die Inhalte oft die Länge der Frühstückspause oder des Toilettenganges überforderte.

Mit dem Wegfall der klaren Feindbilder von einst und der Verbreitung des Netzes sieht die Welt heute komplett anders aus. Orientierung ist vergleichsweise schwer geworden und die Welt sehr unüberschaubar. Den früher so genannten Volksparteien läuft zunehmend das Volk weg. Sie bekommen einfach nicht mehr vermittelt, wofür sie stehen und vor allem, warum. Neue Heilsbringer locken mit überschaubaren Botschaften, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen und Zusammenhängen. Links wie rechts übrigens, mir gefällt das Gleichnis des Hufeisens für die politische Landschaft in dem Zusammenhang sehr gut, welches vermitteln möchte, das an den Enden abseits der so genannten Mitte sich Töne, Auftreten und teils auch Radikalität manchmal sehr ähnlich sehen.

In mir gibt es permanenten Widerstreit zwischen manchen Positionen. So schlägt mein Herz links, was Gerechtigkeit und mehr Menschlichkeit angeht. Andererseits sind mir auch kaufmännische Aspekte vertraut. Das Geld ein scheues Reh ist und schnell abhaut, wenn es nicht gut im Sinne von Gewinnmaximierung behandelt wird.

Einfache Antworten? Die gibt es nicht. Steuern senken, schlanker Staat, schreien die einen, plädieren für einen Raubtierkapitalismus, in dem jeder seines Glückes Schmied ist und der „Rest“ am Boden festgetreten wird, sofern ihm karitative Einrichtungen oder halbstaatliche Suppenküchen nicht mehr helfen können oder wollen. Die diesbezüglichen politischen Bündnisse im Geiste tragen seltsame Farben und bilden Eintrachten, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Gelb und Blau sind sich in diesen Bestrebungen sehr nahe.

Auf der anderen Seite stehen jene, die an eine bessere Welt in Form eines fürsorglicheren Staates, manchmal aber auch an ebensolche mit Hilfe von absoluter Anarchie glauben und dabei gerne alle ökonomischen Regeln außen vor lassen. Wie gesagt, ihnen gehört mein Herz, aber nicht unbedingt mein Verstand.

Fakt ist, ich muss wie jeder andere Mensch meine Rechnungen bezahlen. Erst das Fressen, dann, die Moral. Dem alten Brecht seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Wenn Mensch sich ständig um seine Existenz sorgen muss, sind die meisten Energien gebunden und auf`s tägliche Überleben ausgerichtet. Hier liegt das Versagen und die tieferen Ursachen der Verluste für die alten Volksparteien. Wen ich nötige, mehrere schlecht bezahlte Teilzeitstellen anzunehmen, um zurecht zu kommen, den verbrenne ich mental, wenn ich als Politiker in Kauf nehme, das für solche Menschen 12-Stunden-Tage und mehr die Regel sind. Wut und Frust bauen sich auf und einfache Parolen haben wieder leichtes Spiel. Stichworte sind Mindestlohn oder besser noch dessen Umgehung durch viele Arbeitgeber, Aufweichung der Tariflandschaft und gnadenlose Liberalisierung des Arbeitsrechtes. Es wird gemacht, was erlaubt ist und wenn keiner guckt, auch noch ein wenig mehr.

Wie wird in diesem Zusammenhang heute Politik betrieben? Hauptsächlich über das Netz, in dem oft genug nichts so ist, wie es scheint, der Zweck heiligt jedes Mittel. Plump die einen, verschlagen die anderen. Selbst hier im harmlosen (?) Blogland gibt es zahllose Seiten, deren einziges Bestreben der Aufbau einer möglichst großen Community  ist, um politische Einflussnahme auszuüben, möglichst ohne selbst Farbe zu bekennen. Wohl wissend, das jeder hier mit jedem irgendwie vernetzt ist. Die Tragweite solcher Agitation macht schlicht schwindelig, wenn man sich mal überlegt, wie groß so ein Netz von Followern wirklich ist. Habe ich meinerseits also eine „Verfolgerschaft“ von vielleicht 50 oder einhundert Lesern gebildet, kann ich davon ausgehen, das es jedem einzelnen von meinen Lesern ebenso geht. Der Rest ist Mathematik und auf diese Weise bilden sich riesige Netzwerke mit zahllosen Überschneidungen und ebenso zahllosen Möglichkeiten der gezielten Manipulation von Gedanken.

Verschwörungsrethorik? Nein, wie gesagt eher Mathematik kombiniert mit der Kenntnis der Möglichkeiten offener und verdeckter, indirekter Manipulation. Eine direkte Auswirkung für mich heißt, die Zahl der Seiten, denen ich meinerseits folge, überschaubar zu halten. Aufmerken, wem ich einen Vertrauensvorschuss schenke. Ohne Vertrauen geht es ja nun mal nicht, was auch immer das Risiko von Irrtum in sich birgt. Manchmal stelle ich auch alles in Frage und bin dicht daran, vom schreiben wie vom lesen erst einmal zu lassen.

Was ich suche? Immer noch und immer wieder Menschen, die glauben können und dabei doch mit den Füßen auf dem Boden stehen. Menschen, die über Schicksalsschläge aller Art gewachsen sind. Die allen Widrigkeiten zum Trotze Frieden finden können, Menschen, die an universelle Wahrheiten glauben können, ohne als esoterische Spinner durchzugehen. Menschen, die ihr eigenes Ego überwunden haben oder dabei auf dem Weg sind. Menschen, die bis in`s Innerste durchzogen sind von der Kenntnis unserer Natur, Menschen, von denen ich weiter lernen darf …

Dich meine ich, genau 🙂

 

 

 

10 Gedanken zu “Von Gemeinschaften, von Vertrauen und von Bündnissen.

  1. Eben NICHT!

    – erst das Fressen dann die Moral –

    Trachtet ZUERST nach dem Reich Gottes, alles andere kommt dann schon …
    Das ist der entscheidende Unterschied
    Das ist das einzige Gesetz, das ich uneingeschränkt anerkenne – Sanatana Dharma
    Und das ist die einzige wahre Wirklichkeit
    Alles andere ist Maya
    Der Schleier der Dualität, den Gott über die Menschen warf
    Das ist der Apfel, der uns aus dem Paradies vertrieben hat
    Ich werde NICHT das Irdische über das Göttliche stellen
    never
    I refuse !

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      1. Darum geht’s ja auch nicht
        Es geht um die Reihenfolge der Wichtigkeit
        Um Glauben und Vertrauen
        Wenn nötig versetzt der Glaube Berge
        Es gibt keinen Grund, seinen Grundsätzen untreu zu werden … und schon gar nicht für Geld

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      2. Da sprichst Du mir aus der Seele. Nicht um jeden Preis … ich weiß. Dabei habe ich auch in der Hauptsache an die zahllosen prekären Beschäftigungen gedacht, denen so viele Menschen heute ausgesetzt sind. Nicht alle können glauben …

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      3. Die Angst wird ja auch systematisch geschürt

        Alles ist immer ganz schrecklich

        Ich weiß schon, warum ich mich weitgehend von den Medien fernhalte …
        Denn der Rest ist Verwirrungs-Taktik

        Alle haben Angst und keiner blickt mehr durch

        Sind doch beste Voraussetzungen ….

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  2. Ich bin mit dir einverstanden: vieles ist kompliziert und kann nicht mit einfachen Schlagwörtern gelöst werden, auch wenn wir uns nach dieser Einfachheit sehnen, weil wir uns nicht damit auseinandersetzen möchten..,, das hieße Arbeit, auch an sich selber…,
    Liebe Grüße. Priska

    Gefällt 2 Personen

    1. Das stimmt, nichts ist so griffig, wie es uns manche gerne verkaufen. Was mich so schockiert, ist die Tatsache, dass die ganzen alten Rezepturen noch wirken. Feindbilder – wir halten zusammen, ihr müsst uns nur sagen, gegen wen …Subtiles oder teils auch offenes ansprechen von Neid, Missgunst, Sündenbockmentalität, Gier und so weiter … das alles mit den Mitteln von heute. Am schlimmsten sind die, welche lautstark nach mehr Volksabstimmungen schreien. Klingt doch erst einmal toll. oder? Wenn ich allerdings sehe, wie leicht „das Volk“ zu manipulieren ist, wird mir bange.

      Irgendwann kommt dann das erwachen, so wie gerade in Österreich und teilweise auch in Polen. Wenn sie den Knüppel schmecken, der mit den „rechten“ Volksvertretern und deren Bestrebungen, die Demokratie mit ihrer an sich gesunden Gewaltenteilung zu demontieren, verbunden ist. Der 12-Stunden-Tag lässt grüßen.

      Und ja – Arbeit an sich selbst ist die schwerste überhaupt …

      Herzliche Grüße auch Dir !

      Gefällt 2 Personen

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