Samstag, 211204

Ruhe ist, kein vorweihnachtliches Gedöns. Das Fell heilt allmählich und ich weigere mich, Geschenke zu besorgen, mich an dem jahreszeitlichen Irrsinn zu beteiligen. Schlange stehen nur dort, wo unvermeidbar, Papiermüll dito, aber da wird es schon schwieriger. Wunsch frei für die Festtage? Die Nächsten sehen, auf dass wir uns Zeit schenken. Essen, trinken, reden. So wenig und doch so viel.

Sonst so? Sarkasmus, klar, das geht immer, auch mit juckendem Fell.

Die Farben leuchten,
die Lichter funkeln!
Und alles dreht sich zur Musik!
So ist es perfekt, so soll es bleiben!
Für immer Liebe, Spaß und Glück!

Und:

Samstag, 200815

Die Nacht war sehr kurz, ob es an der Hitze hier in der Wohnung lag oder an meiner derzeitigen Lektüre – wohl eine Mischung aus beiden. Lesestoff: Derzeit alles von Carlos Ruiz Zafón, der uns leider viel zu früh voraus gegangen ist. Gerade habe ich den dritten Band der Serie „Friedhof der vergessenen Bücher“ in Arbeit. Eine fesselnde Mischung aus 60% Kriminalistik & Zeitgeschichte, 20% Liebe und 20% Horror/Magie, in veränderlichen Anteilen. „Marina“ habe ich (zwischendurch) nach dem „Schatten des Windes“ gelesen, das Buch steht für sich allein und hat einen höheren Anteil Magie/Horror – ebenso mega spannend.

Sonst so? Leben ordnet sich neu. Bin viel mit mir allein, pflege einige wenige Kontakte. Derzeitige Herausforderungen sind Urlaubsvertretung des Kollegen sowie die übliche Dauerbaustelle Eltern. Herausfordernd auch die regelmäßigen Visiten in einschlägigen Kaufmannsläden. Alle wieder da, viele übellaunig, gereizt und sowieso hat keiner Zeit. Dinge, die ich nicht ändern kann. Mit guter Laune voran gehen, ist auch nicht so einfach, in manchen Stimmungen hat ein versuchsweise freundliches Grinsen eine leicht dämonischen Einschlag. Da bleibe ich besser bei einer freundlichen oder wenigstens würdevollen Distanz, nach Möglichkeit, auch wenn mir diese als Arroganz ausgelegt werden sollte. Sei`s drum.

Apropos (ver-)kaufen. Alle wollen oder müssen es, ich auch. Mich selbst, in alter Frische. Handwerkliche Edel-Prostitution sozusagen. Neulich kam ein Brief von dem Rententräger. Der stand erst mal 5 Tage ungeöffnet auf der Küchenanrichte, weil, schon klar, was da drin steht. Wenn Sie noch weiterhin, bis März 2029, so fleißig sind, dann versprechen wir ihnen eine Zahl X. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich 51 Berufsjahre auf dem Buckel und wäre fast 67 Jahre alt. Diese Pisser… Ja, ich weiß, mir geht es vergleichsweise gut und öfter mal bedanke ich mich auch dafür. Sieht also alles nach einer längeren Fortsetzung der Käuflichkeit aus.

PS: Beim betrachten des Filmchens ging mir so einiges durch den Kopf.

  • Zum einen war ich, als „Kauf mich“ herauskam, 27 Jahre jünger als heute. In erster Ehe verheiratet, zu dieser Zeit (das änderte sich in den Folgejahren erheblich) weder glücklich noch unglücklich, aber stets besoffen (das wiederum blieb noch einige Jahre).
  • Die Kapelle hat auch bei ihrem Auftritt vor knapp zwei Jahren in Berlin nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt. Die blühten in kleinen Klubs immer schon auf.
  • Das besungene Prinzip gilt unverändert bis heute. Nur die so genannte Wertschöpfung hat sich stark verändert. Produziert wird anderswo, hierzulande wird heute vorwiegend damit Geld verdient, anderen zum Geld verdienen zu verhelfen. Oder zum ausgeben.
  • So ein feierliches Gedränge mit Stagediving ist mit Corona wohl endgültig Geschichte.

Wort zum Sonntag

Sorry, ein klügerer Titel fiel mir gerade nicht ein 🙂 Wie die Lage ist? Wenn ich nicht gerade einkaufen muss, so wie jetzt, dann geht es. Falls doch, muss es auch gehen, aber wie… Laden betreten, schon sind die ersten 15-30 Minuten weg, draußen in der Schlange. Drinnen dann alles da – was ich gerade nicht brauche. Um mich herum vereinzelt Typen aus`m Mustopp, die mir immer noch zu dicht auf die Pelle rücken. Da wird schon ein jeder genötigt, eine Einkaufskarre zu verwenden – einer schafft es gestern, selbigen vorne angepackt hinter sich herzuziehen und mir so fein nahe zu kommen, grandios einfallsreich irgendwie. Vielleicht sollten wie alle rückwärts vor der Kasse anstehen, nur so, weil`s die Birne anregt und dann der Abstand wieder stimmt…

Zum einkaufen fällt mir noch ein, was so alles tief innen drin geschehen kann, wenn einem das von den Werbestrategen hoch gehaltene „Einkaufserlebnis“ plötzlich versaut wird, siehe oben, oder online durch mehrwöchige Lieferzeiten. Persönlich habe ich eh einen Hang zu „weniger ist mehr“, darum trifft mich das nicht in vollem Umfang, glaube ich. Lästig wird das alles nur, wenn auch ich gerade wirklich mal etwas brauche, wie zum Beispiel das weiße Gold in Papierform. Mein arabischer Kollege ist mir da ein große Hilfe, mal gibt er mir konspirative Tipps (Psst – um Eins kriegt Lidl `ne Lieferung, echtes Vierlagiges …) oder er lässt mich wohlwollend an den verborgenen Schätzen seines Kofferraumes teilhaben, fein hinter einer Sichtblende verborgen. Man hat schließlich schon für weniger ein Auto aufgebrochen. Selbst hat er einige Töchter und ein Frau, alle sehr reinlich, darum läuft er an den Kassen zur Höchstform auf, beim Bequatschen der Kassiererinnen, zwecks Erkundung des nächsten Lastwagens. Tausend und eine Nacht live, ich liebe ihn sehr, unabhängig von solchen Gefälligkeiten.

Sonst so? Die Stille da draußen hat etwas Surreales. Selbst darf ich vorerst in normalen Umfang weiter arbeiten – komme ich Nachmittags um Drei heim, ist das Quartier schon fast zugeparkt … unglaublich, wie viel Menschen daheim bleiben müssen. Macht mich sehr nachdenklich bezüglich der Folgen für uns alle, wobei ich glaube, es ist immer noch das so genannte kleinere Übel, im Vergleich zu einer unkontrollierten Ausbreitung dieser Viren… was mich persönlich sehr unruhig macht, ist der Umstand, neben dem Pflegedienst der Einzige zu sein, der sich noch um meine greisen Eltern kümmert (kümmern muss, darf…) Was ist, wenn … trübe Gedanken jagen sich. Nehme ich mir Zeit für Meditation und/oder andere Sammlungsübungen, geht es mir wieder besser. Es gibt keine Kontrolle, nichts ist wirklich von uns beherrschbar, alles Illusion pur. Vorsicht und Umsicht gehen, garantieren aber nichts. Grüße an`s Ego …

Und – zum Thema „In Verbindung bleiben“ – Videokonferenzen auch zu mehr als vier Personen gibt es hier gut beschrieben, teilgenommen habe ich schon, eine Konferenz eingerichtet noch nicht. In dem Zusammenhang – mittelpreisige Webcams sind allesamt ausverkauft und die Teuren haben zig Wochen Lieferzeit. Wohl dem, der noch altes Equipment hat…

Einen guten Sonntag uns allen.

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Auf, auf !

Gleich ist es soweit. Ich darf Christtagsfreuden besorgen gehen. Es gibt schließlich zweieinhalb (!) Tage nix mehr zu kaufen. Wobei gehen relativ ist, der tapfere Held fährt lieber. Mit dem edlen Stahlross Drahtesel. Also frisch gestärkt hinein in das Rüstzeug, das treue Tier gesattelt, die Packtaschen verzurrt und sorgfältig die scharf geschliffenen Sporen angelegt. Das sind im übrigen Sonderanfertigungen, sie passen auch an alle gängigen Einkaufswagen. Schön vorne dran …

Ich wünsche euch ebenso viel Freude
bei den Weihnachtsvorbereitungen !

2015-10-03 08.45.14

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