Samstag, 210918

Es ist Zwischenzeit. Also genau jene Zeit zwischen Frühstück und Morgentoilette, erst danach kann ich guter Dinge und leicht wie eine Feder das Haus verlassen und mich unter Menschen begeben. Ohne Frühstück und Toilette raus geht auch, aber nicht gut. Da ist die Luft dünn, weil mangels grobstofflicher Nahrung alle menschlichen Schwingungen viel zu nah an mich heran reichen. Sollte ich mal einen Mord begehen, dann definitiv vor dem Frühstück. Was also fange ich mit der, in der Zwischenzeit an, wenn die Hausarbeit gerade mal nicht ruft? Genau, schreiben geht. Und sei es auch nur über solch banale Startschwierigkeiten.

Rückblickend gab es ganz andere Zeiten, gerade Samstag Morgens. Schwer verkatert und komplett neben der Spur, das war eine ganz andere Sache. Da war der ganze Tag Zwischenzeit, sozusagen, konnte also nicht wirklich beginnen. Von daher – heute ist ein guter Tag. Mit Zwischenzeit.

Sonst so? Ich werde geliebt. Nicht nur von meinem Schöpfer, nein, vor allem jetzt gerade von der Jungkatze. Sie streicht um meine nackten Beine, das macht sie so lange, bis sie bekuschelt wird. Ignorieren geht nicht, jedenfalls nicht, sofern Mensch noch einen Rest von Empathie hat. Nach mehreren erfolglosen Runden um die Gebeine ertönt ein derart klägliches Miauen mit ihrem hohen Stimmchen (steht in einem gewissen Widerspruch zu ihrem Äußeren), dass es mir beinahe das Herz zerreißt. Spätestens jetzt ist alles Nebensache, außer eben Katze. Alles für die Katz, wortwörtlich. Jetzt liegt sie ausreichend beachtet und beschmust friedlich über mir, auf der Schreibtisch-Empore. Ihre Welt ist in Ordnung, meine auch gleich.

Madame Lilit

Kurz & bündig:


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Samstag, 210703

Seit 4.45 Uhr bin ich auf. Geweckt von einer Katzengras-bedingten Kotzorgie in der Nacht. Sechs Mal hintereinander. Highscore! Keine Ahnung, ob das ein Gemeinschaftswerk der beiden war oder das eines Einzeltäters. Täterin wohl eher. Wer nur die Geräusche in der Dunkelheit hört, bei dem könnten sich so Bilder einstellen, Bilder von hohlem Katzenfell, derweil der Rest sich gerade in der Wohnung verteilt hat. Königsklasse in dem Kontext ist übrigens, nichts zu hören, dafür des Nachts pissen zu müssen und mit blanken Füßen in die mittlerweile kalten Placken steigen. Dann lieber Schlafstörungs-bedingt mitzählen dürfen und zeitig aufstehen, die Unreinheit beseitigen.

Sonst so? Es gibt Tage, da könnte ich mit Worten die Welt erklären. An anderen Tagen wiederum erscheinen mir Worte dermaßen sinnlos, derweil sich das Wesentliche doch eh nicht in Worte fassen lässt. Wer je versucht hat, ein Gefühl oder nur einen Geruch, einen Geschmack zu beschreiben, weiß, was ich meine. Es geht nur vergleichend, nicht wirklich beschreibend. Helfend wirken Metaphern, Gleichnisse und Märchen, Sagen. Auch Lyrik schafft die eine oder andere Abkürzung vom Hirn zum Bauch, als Sitz der Seele. Wenn man sie kann, die Lyrik, und nicht wie meiner einer erst mit Anfang 40 schreiben gelernt hat.

Und – ein Fundstück vom Wassertiger, gefunden beim sichten alter Einträge, gesehen auf einem Friedhof vor ca. 7 Jahren, irgendwo im Harz. Eine Definition von Größe, die ich unterschreiben kann, bei zeitgleichem erkennen-müssen, wie weit es dort hin sein kann, obgleich schon eine ganze Weile unterwegs.

Unterwegs zu sein bedingt älter zu werden, das wird mir bei meinen morgendlichen Übungen immer wieder klar. Schon längst geht es nicht mehr um irgendwelche Eitelkeiten – mit diesem Charaktergesicht und jenem Astralkörper ist eh kein Preis mehr zu gewinnen – eher um die Abwesenheit von Schmerzen. Um Haltung, innen wie außen, auf allen Ebenen des Daseins. Mehr wert als Eitelkeit – wer die als Todsünde deklariert hat, war sicher auch so umme 60 …

So ganz ohne Musik geht es denn auch nicht.

Für heute bin ich bei mir
Per oggi sto con me

Hach ❤

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Dienstag, 210615

Ananda rettet eine Maus. So bin ich auch, Käfer, Spinnen, verirrte alte Falter und so werden meist umsichtig mit Hilfe eines Glases und Papier reisefertig gemacht und außenbords befördert. Wo dann wieder die Gesetze der Wildnis (!) herrschen, fressen und gefressen werden. So macht der alte Falter Sinn, auch wenn er nur ein paar Stunden flattert, um dann wem als Proteinlieferant zu dienen. Immer noch besser, als in der Werkstatt zu verrecken (muss ich mal näher drüber nachdenken …)

Wildnis, die zweite. Auf dem Weg in den Werktag gerade eben durfte ich das kurze Intermezzo eines rabenschwarzen Jungkaters und einer Elster im vorübergehen bestaunen. Der kleine Kerl wollte sie natürlich morden, war aber dem ebenso hübschen wie klugen Vogel mit der hässlichen Stimme (noch) nicht gewachsen. Der hob immer zeitig ab, ließ sich auf dem nächstbesten Zaun oder Ast nieder und lachte den kleinen Kerl böse aus. Wer zuletzt lacht, dachte ich und zog weiter.

Weiter ziehen – auch so ein Stichwort, im Kontext mit der Liebe oder dem, was dafür gehalten wird. Dünnes Eis, hierüber zu schreiben ohne die eigene Gegenwart und/oder Vergangenheit nicht übermäßig zu offenbaren, zumal ich (heute) niemand bin, der schnell das Feld räumt, wenn es holpert. Das war mal anders, dafür zahlt Mensch früher oder später, so auch ich meinerzeit. Allein bin ich damit sicher nicht (gewesen), so viele Parallelen durfte ich schauen. Den krassesten Fall lieferte aus meiner Sicht ein Beinahe-Schwiegervater, lange her. Drei Ehen, von gut-bürgerlich über links-liberal/weltoffen hin zu gut 20 Jahre jünger rund komplett abgedreht. Mal kurz die beziehungstechnische Evolution auf ein knappes Leben eingedampft. So nicht, meint der innere König leise, aber bestimmt.

Ja, und wo das so hinführen kann zeigt uns wieder einmal LINDEMANN sehr gut, der König nickt stumm.

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Und sie können zusammen nicht kommen …

Eine Geschichte über den Herrn und die Frau der Seen Es waren zwei Königskinder,die hatten einander so lieb,sie konnten beisammen nicht kommen,das Wasser war viel zu tief. ….. – so lautet eine alte Volksballade. In unserer Geschichte ist es anders. Nicht das Wasser trennt sie, sondern das Ufer.   In dem rechten See wohnt der […]

Und sie können zusammen nicht kommen …

Sonntag, 201011

Das böse Ego, so lese ich in letzter Zeit öfter. Gehe ich dem nach, denke ich, wieso eigentlich? Das Maß der Dinge ist es doch, wie so oft. Und wer hat eigentlich gesagt, dass sich das Ego mit Fairness, Menschenrechte und Achtsamkeit nicht verträgt? Gefährlich wurde mir mein Ego erst, als ich es an erster Stelle rückte. Als ich mich in meiner Unreife selbst als das Maß der Dinge empfand. Nach dem scheitern dieser Illusion konnte ich eine Macht, größer als ich selbst, annehmen, auch wenn es mir zu Beginn schwer fiel. Zwei Dinge weiß ich über Gott, meinen Schöpfer, so sagte eine Freundin, es gibt ihn – und ich bin es nicht. Reicht mir heute zur Orientierung, neben den 10 Geboten.

Manchmal denke ich, komische Heilige sind da um mich. Arg geläutert klingt so manche Geschichte und – ich gönne es einem jeden Menschen von Herzen. Wenn es denn echt ist. Für mich schließe ich solcher Art Läuterung aus, weil sich diese möglicherweise nicht mit meinem immer noch in Spuren vorhandenem Hang zum Perfektionismus verträgt. Und so darf sich der spirituelle Boden, auf dem ich mich bewege, unter anderen mit meinem gelegentlichen Hang zum lautstarken fluchen vertragen, sich mit meinem gestutztem Ego arrangieren, ohne es gleich exorzieren zu wollen. Hat ja auch so seinen evolutionären Grund, unser Ego. Beim jagen und sammeln zum Beispiel. Oder im Umgang mit Menschen, bei denen das Ego eben noch an allererster Stelle steht. Oder in Kombination mit der Lust. Als Triebfeder, überhaupt irgendetwas zu beginnen und vollenden zu können. Immer mit Umsicht, Achtsamkeit,, Selbst- und Nächstenliebe, soweit irgend möglich.

Das Liedchen passt irgendwie auch dazu…

Samstag, 200912

Großes Staunen oder von meinen Surf-Gewohnheiten zu Lande.

An manchen Tagen schaffe ich es, binnen 20 Minuten 10 Tabs im Browser zu öffnen, um darin kreuz und quer zu lesen. So wie gerade eben. Jemand schreibt über Zirbeldrüsenmeditation (Auch eines von vielen möglichen Objekten der Aufmerksamkeit bei klassischer Meditation). Dann geht´s los. Zirbeldrüse, aha. Funktion, mögliche Störungen, Lage im Gehirn und so weiter. Melatonin – jetzt wird`s spannend. Körper-eigene Drogen und so. Vom Melatonin geht es weiter hin zur Weißfleckenkrankheit (da kannte ich mal jemanden, den ich sehr mochte). Hier wiederum finde ich Hinweise auf eine mögliche charismatische Heilung (die nichts mit der entsprechenden Glaubensrichtung zu tun hat), da Stress als Auslöser wirken kann. Den umgekehrte Weg beschreibt die so genannte charismatische Heilung, die von der Wissenschaft als mögliche Erklärung der in der Bibel beschriebenen Heilung eines Aussätzigen durch Jesus herangezogen wird. Nach einem kleinen Exkurs über charismatische Herrschaft als eine von dreien möglichen Formen von Herrschaft komme ich wieder zurück zur charismatischen Heilung.

Was für eine schöne Vorstellung. Heilung durch echte, warm flutende, jede Zellfaser durchdringende Liebe. Vielleicht gibt es das doch … Die Gedanken daran versuche ich nun mitzunehmen, auf dem Weg in die samstäglichen Verrichtungen.

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