Freitag, 210903

Mensch hat mal kluge Gedanken, siehe heute Morgen, mal weniger kluge, wie heute am Nachmittag. Mal sehen, ob sich geballter Unfug in Textform bringen lässt.

Kollegiale Verabschiedung

Es ist eine Art Sitte, für die einen eine schöne, für andere, mich selbst eingeschlossen, eher eine Unsitte, Kollegen, die das Haus verlassen, irgend etwas mitzugeben. Das reicht von schnöden Geldgeschenken (echt super für Menschen, die damit eh schon reich gesegnet sind) hin zu personalisierten Erinnerungsstücken, also irgend etwas Metallisches, an dessen Entwicklung und/oder Fertigung der oder die Betroffene in einer unnachahmlichen Weise beteiligt war. Zu dem Zweck wird das Objekt des Schaffens auf eine Art Sockel aus Bunt- oder Leichtmetall befestigt und via Gravur mit mehr oder weniger geistreichen Text versehen. Zu den herausragenden Geschmacklosigkeiten in dem Kontext gehört eine goldfarbene Lackierung des Objektes, soll das doch die Wertschöpfung signalisieren. Oder so. Am Ende entsteht so vergoldeter Kernschrott, der nach einer kurzen Weile des allgemeinen Bestaunens auf dem heimischen Schreibtisch mutmaßlich schnell den Weg in die Abstellkammer oder in den Keller findet.

Warum also ist dies für mich also eher eine Unsitte? Nun ja, die mehr oder weniger geistreichen Gravuren landen dann bei mir, zur gefälligen Abarbeitung. Was oft genug meinen „Flow“ stört, aber doch angegangen wird, man möchte niemanden zumuten, sich mit schnöden Schlagzahlen und -Buchstaben austoben zu müssen, mit optisch zweifelhaften Arbeitsergebnis. Zum anderen lässt die Ausgestaltung der Gravuren Spielraum für mehr oder weniger geistreiche Editionen, das Leben ist schließlich ernst genug.

Rückblick: Vor ein paar Tagen gab es ein „Vorgespräch“ mit dem Kollegen des Kollegen, also dem Zurückgelassenen, wenn man so möchte. Der mokierte sich über den unpersönlichen Kernschrott, könnte doch irgendwie mehr eine zwischenmenschliche Note bekommen. Natürlich fängt es bei mir dann an zu arbeiten, im Kopf. Das wurde heute mit meinem arabischen Kollegen besprochen, der die Vorarbeit geleistet hatte, der Abschieds-Metallklumpen wartete also nur noch auf eben eine Gravur. Tja, was könnte man da schreiben? In Liebe und in Dankbarkeit klingt ein wenig arg nach letztem Geleit, wurde also verworfen. Auch ein anderer hübscher Vorschlag fand am Ende keine Gnade, der Kollege meinte, die fehlende persönliche Note könne man durchaus noch hinzufügen, in Form seiner Vorhaut, die er neulich in irgend einer Schublade beim aufräumen gefunden zu haben glaubte. Ja toll, sage ich, wir haben noch Plexiglas, lass uns eine Monstranz mit deiner Pelle bauen, persönlicher geht es kaum. Was den Heiligen recht ist, kann uns nur billig sein. Ein Vorschlag kreativer Heiterkeit, der aber aus Pietätsgründen wieder verworfen wurde. Veganismus und so, man weiß ja nie.

Was bleibt, ist der übliche Schmuh mit Namensnennung und korrekter Datierung, versehen mit dem Minimal-Zusatz „In tiefer Dankbarkeit“. Und einer Grinsekatze, diskret, aber deutlich sichtbar mit eingebracht, zum Zeichen, dass ich ihm gedacht. Wem also in absehbarer Zeit mal ein Metallklotz mit Grinsekatz vor die Füße fällt, kennt nun schonmal die Legende dazu.

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Donnerstag, 210415

Neues aus der losen Folge „35 Jahre Halle 1″

Früher war nicht nur mehr Lametta, früher war auch vieles lustiger. Gefühlt zumindest, das mag mit manch jugendlicher Unbeschwertheit zu tun gehabt haben. Oder mit der dem Lebensalter eigenen Respektlosigkeit. So hatte es hier früher einen richtigen Meister, wie das früher halt so war. Nur ohne grauen Kittel, aber sonst ganz und gar in Ordnung. Wir Youngsters staunten allerdings nicht schlecht über seinen exorbitanten Kaffee- und Kippenkonsum. Quell der braunen Brühe, die auf seinem Schreibtisch regelmäßig in den Automaten-Plastikbechern kalt wurde, war die Firma KLUX, ich glaube, die gibt es immer noch. Wir mutmaßten damals über die potentiellen Folgen des Meisters späteren Ablebens. So würde einst in 100 Jahren, nach Freigabe der Grabstätte, wenn alte Knochen gewissen Bauvorhaben weichen sollten, ein KLUX-Becher ausgegraben, Teil der damaligen Grabbeigabe. Gleich daneben würde sich finden ein kleiner verschrumpelter brauner Lederbeutel – der unverrottbare Magen des Meisters. Übertrieben? In gut 100 Jahren sind wir möglicherweise klüger.

Gegenwart: Draußen an der Presse arbeitet seit ein paar Tagen ein kleiner Chinese. Eigentlich nichts besonderes, aber wie das oft so ist, wenn zwei Ereignisse zusammen fallen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, macht man sich hier Gedanken über den Verbleib unseres geliebten Werkstattkaters, der zeitgleich seitdem nicht mehr gesehen wurde. Dualität der Ereignisse? Vorsichtsmaßnahme des Katers? Oder … ?! Wer weiß…

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Eine Sprachnachricht

Eine von vielen, die derzeit im Netz kreisen, rund um das Thema Nr. Eins. Bleibt mir nur, mich auf diesem Wege mal ernsthaft über solcher Art Aufklärungsarbeit zu bedanken, wirklich großartig!

Eine Mitteilung der Vereinigung der deutschen Psychiater: Da wir von Anrufen überschwemmt werden, möchten wir sie, liebe Mitbürger, informieren, dass es absolut normal ist in der Zeit der Quarantäne, dass sie beginnen, mit den Wänden, den Pflanzen und anderen Sachen zu sprechen. Rufen sie uns bitte nur an, wenn sie ihnen antworten. Danke.

(Quelle unbekannt)

Denksport

Wer wie ich gerade nichts besseres zu tun hat (Die Arbeit ist erfolgreich und im hohen Maße befriedigend abgeschlossen, alle Geschenke liegen ordentlich verpackt sonstwo, der Kühlschrank ist berstend voll und die Wohnung blitzsauber, das Herz voller froher Erwartung auf die lange ersehnte Verwandtschaft), dem kann geholfen werden mit einem kleinen Rätsel. Immer schön mitmachen, es ist schon erstaunlich, offenbart es doch die wahren Herausforderungen im Leben 🙂

R.I.P., Ludwig Hirsch.

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Humor Spezial

Mutter:

Is`doch schlimm, wie de Kinder für de Eltern zur Kasse gebeten werden …

Haushaltshilfe:

Ja wirklich, isso. Aber ha`m `se schon mal von der Südseeinsel da gehört, hab`den Namen vergessen. Da gibt es gar keine Alten. Wenn die merken, daddet nix mehr bringt, geh`n `se innt Wasser …

Mutter:

Schallendes Gelächter.

Sohn, Tag später, belustigt:

Nee, Du sollst gez nich`inne Wupper springen…

Ob es nun an der Gegend hier liegt, oder ob so ein spezieller Humor vererbbar ist – wahrscheinlich im vorliegenden Fall eine gelungene Mischung aus beidem – ich mag ihn, diesen Humor. Leben ist ernst genug …

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So Gesellschaften

Erwähnte ich, wie sehr ich öffentliche Empfänge mit dem eitlen sich-zur-Schau-stellen schätze? Diese verlogene Selbstüberhöhung mit der Aussicht auf eventuelle, gute Geschäfte. Die ach so politisch-korrekte Wortwahl der Teilnehmer.

Ach Funny, du hast so tolle Einfälle. Und – du bringst mich auf echt gute Ideen. Wir haben ja ebenso zwei liebenswerte, ausgewachsene Kater – oder richtiger Weise haben sie uns … allerdings sind die Steine, auf denen sie ihr Geschäft erledigen, wenig kooperativ, was die Herausgabe eben dieses Mediums angeht. Ganz anders ihre nicht ganz so flüssigen Hinterlassenschaften! In Verbindung mit einer gewöhnlichen Steinschleuder und ein Paar Gummihandschuhe könnte ich mir vorstellen, den einen oder anderen Kraftfahrer, der hupend  den dicht bewohnten Berg hier hochbrettert, entsprechend zu bedenken. Könnt ihr euch auch so gut wie ich vorstellen, auf welche beeindruckende Größe sich ein noch recht frischer Katzenköttel ausbreitet, so er denn mit entsprechender Geschwindigkeit auf eine glatte Fläche trifft? Diese Bilder in meinem Kopf – hach.

So viel zu Thema ein-besserer-Mensch-werden.
Es grüßt der gute Wille…

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