Frühe Stunde

Wach – bevor die morgendlichen Rituale starten, sortiere ich meine Gedanken zum Tagesablauf. Krankenhaus, einkaufen, am Abend mal etwas für mich tun, was in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen ist. Nichts ist „plötzlich und unerwartet“ eingetreten, der Protagonist der Geschichte spielt erwartungsgemäß keine einfache Rolle und fordert seine Komparsen.

GEBET

Ich bete, dass ich versuchen möge, Gottes Willen zu tun. Ich bitte, dass mir so viel Verständnis, Einsicht und Erfahrungstiefe zuteil wird, dass mein Leben schon hier und heute in die Ewigkeit reicht.

Quelle: 24 Stunden am Tag, 25 Januar

Schritte der Geduld

Geduld ist meine Stärke nicht. Das liegt sozusagen in der Familie, da hat sich mein Schöpfer etwas bei gedacht, mich diesbezüglich so mangelhaft auszustatten. Also bekomme ich Übungsaufgaben, die ich ihm liebend gerne zurückgeben würde, frei nach dem Motto: Was soll ich mit dem Scheiß… Das hat er aber nicht so vorgesehen, also muss ich da durch. Stichworte? Familiärer Fahrdienst Wochentags um 17.00 durch die Innenstadt. Anliegen bei Behörden, Krankenkassen, und einiges dergleichen mehr. Als wenn das an sich nicht reichen täte, soll ich die frohe Botschaft der Geduld gleich weitergeben, an meinem kranken Vater, der mich in Sachen Geduld noch locker toppt, rückwärts betrachtet.

Analogien helfen beim Verstehen. Im letzten Jahr ging ich eine Weile regelmäßig zu einer kontemplativen Meditationsgruppe, was mir gut getan hat, aber leider aus Zeitgründen eingeschlafen ist. Im Bewusstsein geblieben ist mir die Praxis dort schon. Sitzen, schweigen, unterbrochen von Geh-Meditation, im Kreis durch den Raum, mal etwas zügiger, auf ein Zeichen dann so langsam als möglich. Jetzt habe ich wieder Gratis-Stunden, nur in einem etwas anderen Umfeld. Statt alter, heimeliger Kirchengemäuer findet die Geh-Meditation in der nicht ganz so heimeligen Geriatrie eines Krankenhauses statt, es riecht nicht nach Weihrauch, sondern nach ganz anderen Sachen. An der Seite meines Vaters dort, der mit seinem Rollator in etwa die Geschwindigkeit des achtsamen Gehens trifft.

An guten Tagen verliert sich so das Gefühl, Vollgas mit angezogener Handbremse durch das Leben gehen zu müssen und wird ausgetauscht von der Ruhe, die ich damals in der alten Kirche empfunden habe. Alles macht seinen Sinn, solcher Art.

Und – stimmt, es ist Sonntag…

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Wieder Sonntag

Tagesmeditationen gefallen mir, wenn sie nicht zu lang sind. Bücher habe ich, allerdings reicht mir das tägliche Zeug schon, welches ich mit mir umher trage. Manches ist auch nicht mehr verfügbar, wie das alte grüne Buch der anonymen Alkoholiker, „24 Stunden am Tag“. Allerdings gibt es noch eine Website, wo sich die Texte nachlesen lassen.

Ein Auszug zum Tag heute …

„Ich will Gott für alles danken – selbst für scheinbare Prüfungen und Qualen. Ich will danach streben, dankbar und demütig zu werden. Mein ganzes Verhalten der Höheren Macht gegenüber soll voller Dankbarkeit sein. Ich will mich über alles freuen, was ich erhalten habe. Was Gott mir offenbart, will ich weitergeben. Ich glaube, dass ich die Wahrheit immer deutlicher erkennen werde, je weiter ich auf dem neuen Lebensweg vorankomme. Ich bete, dass ich dankbar sein möge für alles, was ich so unverdient erhalten habe. Ich bitte, dass diese Dankbarkeit mich wahrhaftig demütig macht.“

Genau mein Thema, derzeit. Zu schauen, wie ein nahe stehender Mensch sich Stück für Stück von dieser Welt zurück zieht, zurück gezogen wird, um uns voran zu gehen. Die Tiefe dessen, das, was in mir berührt wird, schaudert mich – und doch bin ich dankbar für diese Erfahrungen, die mir wohl so zugedacht sind. Stellen darf, soll ich mich dem, kann ich dank meiner Trockenheit und zumindest zeitweiser Nüchternheit (Ja, das sind zwei verschiedene Themen…) Die Wahrheit deutlicher erkennen lassen – stark reduziert bewegen mich der Tod und die Liebe, schon länger und auch weiterhin.

Und – das Lied zum Tag darf auch nicht fehlen.

Sonst so? Mut zur Hässlichkeit, habe ich irgendwo gelesen. Zeit fordert Tribut, Gesichter wollen sich erarbeitet werden. Wohlan, vom Nett-ausschauen ist noch aus keinem was geworden. Einen guten Sonntag uns allen.

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Wer einmal anfängt…

… der hört so schnell nicht auf, wenn es spannend wird. Zu Neujahr habe ich beim Wassertiger einen Beitrag geschrieben, im dem im Zusammenhang mit den Sylvesterbräuchen das so genannte Brauchtum verlinkt wurde. Von dort kam ich zur Gruppenkohäsion, die dort kategorisiert und jeweils kurz erklärt wird. Von dort aus geht es weiter:

So Begrifflichkeiten interessieren mich, nicht nur, weil ich den Aufstieg und den Zerfall einer kleinen Werkstatt-Gemeinschaft hautnahe miterlebte bzw. noch mitten darin stecke – sondern auch ganz allgemein, weil mich Gruppenverhalten immer schon fasziniert hat, gerade auch politisch. Vielleicht auch, weil ich mich die meiste Zeit meines Lebens keiner Gruppe wirklich zugehörig fühlte, mich gerade in der Familie in der Vergangenheit wie ein Fremdkörper fühlte. Auch beruflich habe ich stets eine Außenseiterposition eingenommen, was einerseits meiner Natur entspricht, sich aber auch aufgrund meiner Tätigkeitsbereiche so ergeben hat. Das Eine bedingt sehr wahrscheinlich das Andere. Ein leicht bizarres Attest liegt mir in Form eines alten, im Ganzen hervorragenden Arbeitszeugnisses vor, in dem meine fachliche Kompetenz hervorgehoben wird – und jeder Hinweis auf mein Sozialverhalten fehlt (die üblichen Bemerkungen wie „sein Verhältnis zu Kollegen und/oder Vorgesetzten war so oder wie auch immer„) Damit gehe ich heute noch kokettieren, habe ich doch, von höchster Stelle beglaubigt, kein Sozialverhalten und war zumindest früher der Meinung, mir aufgrund dessen einiges erlauben zu dürfen 🙂

Und heute? Einiges ist anders geworden, in den letzten Jahren. So fühle ich mich lange schon meiner Selbsthilfegruppe, der Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker, zugehörig. Eine nicht nur für mich überlebenswichtige Bindung, über die ich mit den Jahren zum Glauben gefunden habe und mich somit vor über 12 Jahren aus Überzeugung habe spät taufen lassen. Im Zuge dessen hat sich auch das Verhältnis zur Familie gewandelt, wofür ich sehr dankbar bin. Selbst beruflich hat sich meine Haltung aufgrund der teils bitteren Erfahrungen etwas gewandelt.

Mal schauen, wohin mich die Reise noch führt …

 

Was ist Weisheit?

Der unten stehende Text stammt aus unserem Gemeindeblättchen und ist irgendwann von dem Wuppertaler  Pfarrer Eberlein  verfasst worden. Mir gefällt der Text – auch, wenn ich mich mitunter meilenweit vom Inhalt entfernt sehe. Oder vielleicht gerade deswegen, jedenfalls taugt er für mich als geistige „Möhre vor der Nase“ – nicht nur zu Weihnachten.

Habt eine gute Zeit.


Was ist Weisheit?

Ein jegliches hat seine Zeit … Da merkte ich, dass es nichts besseres gibt als fröhlich zu sein und sich gütlich tun in seinem Leben …Nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3)

Weisheit ist:
Anerkennen, dass alles seine Zeit hat, vergänglich ist.
Auch unser Leben. Auch wir.
Wir haben nicht die Ewigkeit. Das ist gut so.
So ist der Maßstab für alles was wir tun:
Sich beschränken auf unsere begrenzte Zeit;
Nicht wesentlich darüber hinaus planen und entscheiden.
Demütig sein.

Weisheit ist:
Die begrenzte Zeit nutzen:
Für uns; Für das, was uns Freude macht. Für das, was uns gut tut.
Für die, die uns anvertraut sind: Kinder, Eltern, Nachbarn, Freunde.
Für einen kleinen Teil unserer Welt, den wir lieben.
Vielleicht sogar für die, die wir nicht lieben.
In Heiterkeit.

Weisheit ist:
Die letzten Fragen getrost offen lassen können:
Die Frage nach dem Anfang: Warum ist etwas und nicht nichts?
Die Frage nach dem Ende: Worauf läuft es hinaus?
Die Frage nach dem Sinn: Wie gehört alles zusammen?
Wir können es sowieso nicht ergründen.
Wir müssen es auch nicht ergründen.
Weisheit ist: Demütige Heiterkeit – heitere Demut.


Anmerkung: Im Text kommt mehrfach das Wort „Demut“ vor. Ein nicht gerade modernes Wort in Zeiten der totalen und absoluten Selbstverwirklichung. Für mich bedeutet Demut das anerkennen der Grenzen meines eigenen so genannten freien Willens, sowie dem was größer ist als mein eigenes Ego. Klingt banal? Ich kann versichern, es gab in meinem Leben durchaus andere Zeiten .:)

Advent heißt WARTEN — Anna-Lenas Lesestübchen

Erst dachte ich – das ist schlimm, so zu empfinden, und dreht sich diese Welt auch noch so schnell, wie eben in diesen Tagen. Dann der letzte Satz … lest selbst, ich finde es toll.

Advent heißt Warten Nein, die Wahrheit ist Dass der Advent nur laut und schrill ist Ich glaube nicht Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann Dass ich den Weg nach innen finde Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt Es ist doch so Dass die Zeit rast Ich weigere mich zu […]

über Advent heißt WARTEN — Anna-Lenas Lesestübchen