Mittwoch, 220928

Im Jahr des Wassertigers 2022 regieren kranke Egos und verletzte Emotionen. Der Blick in die Nachrichten macht Gänsehaut, die Welt scheint weit weg von Nächstenliebe oder wenigstens ein Mindestmaß an Verstand. Sei`s drum, alles Dinge und Umstände, die ich nicht ändern kann. Das zu unterscheiden ist für mich fundamental wichtig. Warum sich nen Kopp machen über etwas, was nicht im geringsten in meiner Macht liegt. Vorbereiten? Auf was? Ich gehe hier nicht weg. Wohin auch. Baue keine Bunker außer den einen für meine Seele. Einen kleinen Vorrat Trinkwasser lege ich an und horte für ein paar Tage dröges Zeug zum essen, fertig.

Gern hätte ich es nett und vor allem vorhersehbar. Seit das mit dem Weihnachtsmann klar ist, hasse ich Überraschungen. Beständig auskömmlich hätte ich es gern. Was ich schon gerne hätte – Drauf geschissen, das gibt es nicht. Also weitermachen, Nachrichten limitieren und die innere Emigration vorbereiten. Und – ganz wichtig – vertrauen, auf den großen Plan. Das ist, auch wenn ich das so oft mißbrauchte Wort hasse – alternativlos.

So, und jetzt etwas erbauliches in Sachen technische Schönheit. Blau ist bekanntlich die Farbe der Introvertierten und der Psychopathen. Also, mir als Blogger gefällt das Bild 😉

Schräge Musik zum schrägen Eintrag.

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Nachtrag: Seit sofort gibt es die Wupperpostille werbefrei. Kostet 48€/Jahr und hat dann 6GB Datenvolumen statt 3 zuvor. Achtung, Kostenfalle: Eine für das erste Jahr kostenlose Domain lässt sich anwählen, muss aber nicht gewählt werden. Kostet nämlich ab dem zweiten Jahr extra, ab 15€, je nach Endung. Hier sieht man mein Vertrauen in eine glanzvolle Zukunft über ein Jahr hinaus – ich habs gelassen, mit der eigenen Domain 😉

Sonntag, 220911

Morgenandacht im Radio, es geht um Kosenamen als Ausdruck der Zusammengehörigkeit. Da gibt es diese Speziellen, abgeleitet vom Namen, gewissen Charaktereigenschaften oder Vorlieben für was auch immer. Sehr beliebt sind auch die Joker, wie ich sie wegen ihrer Austauschbarkeit gerne nenne. Wer je seine neue Flamme mit dem Namen der/des Ex angesprochen hat, weiß, wie ich das meine. Mag von daher praktisch sein, steht aber auch für Beliebigkeit. Zudem bleibt so ein seltsamer Eindruck, wenn solche Kosenamen öffentlich in streitbaren Kontext genannt werden. Darüber reden wir später, Schatz! Das hat dann die Phonetik eines gut geworfenen, im Türrahmen stecken gebliebenen Wurfmessers, das noch eine kleine Weile vibriert. Schatzzzzz….

Selbst bevorzuge ich Klartext und meine romantische Ader, die es zweifelsfrei gibt, geht den Rest der Welt einen Scheiß an. Zumal Romantik eine wunderschöne Sache ist, aber den Abgründen des Alltags selten stand hält. Selbst zu zweit geht das nicht wirklich auf, meiner Erfahrung nach. Was aber sicherlich nicht allgemeingültig ist. Praxis-taugliche Romantik brennt auf kleiner Flamme, um dann zu ihrer Zeit wieder hell zu leuchten. Der rationale Zwilling in mir und der Löwe-Aszendent sorgen schon für die nötige Distanz und Sachlichkeit, so als Ergebnis konsequenter Weiterentwicklung der Mimose mit der großen Fresse. Die gibt es zwar immer noch, aber sie muss sich nicht mehr produzieren. Jedenfalls eher selten, um bei der Wahrheit zu bleiben.

In der besagten Radio-Andacht ging es schlussendlich dann um die Namen für Gott, bis hin zum Tetragramm JHWH. Selbst halte ich es einfach, spreche von meiner höheren Macht, der Schöpfung oder schlicht dem Herrn. Es ist mir nicht wichtig, das ist eher die Vorstellung einer Kraft, größer als ich selbst, die es gut mit mir meint. So ich ihr denn zugewandt bleibe und mein Ego nicht über allem zu stellen versuche. Kommt hin, so oder ähnlich.

Sonst so? Vollmond in Fische, Wetterwechsel, der ersehnte Regen nach langer Dürre und ich kriege Kopfweh. Sei still, Mimose, und leide leise.

Fundstück im Kiez …
Eintrag zu Ende.

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Samstag, 220827

Ein freier Samstag-Nachmittag, nach den üblichen Verrichtungen in Sachen Haushalt und Eltern. Allein mit zwei Katzen und unternehmungslustig, also raus. Nach Auto fahren steht mir nicht der Sinn, das ganze Umhergegurke die Berge heraus und herunter reicht mir und so fahre ich mit der Bahn zur Müngstener Brücke. Die feiert sich gerade selbst, nach langjähriger Restaurierung. Von oben sieht man eine Menge Menschen rund um das Haus der Lebenshilfe in seinem rostroten Kleid.

Erinnerungen werden wach, das war vor 30 Jahren mal mein Arbeitsweg. Und noch mal 10 Jahre zurück – Müngsten, das waren damals zwei verkomme Parkplätze, in deren Umfeld öfter schon Mal Übles passierte. Verruchte Gegend, hin und wieder dümpelten Leichen im stinkenden Wasser und die gleich unter der Brücke platzierten Andenkenbuden hatten gelegentlich Löcher in den Dächern, wenn wieder wer von der Brücke sprang. Und – es gab das Exit, da, wo jetzt das rostrote Unding steht, ein wurm- und schwammstichiges Fachwerkhaus, das am Ende nur noch zum Abriss taugte. Der Ort, um sich am frühen Sonntag Morgen den Rest zu geben, so man denn noch irgend einen Plan hatte, wieder aus dem Loch heim zu kommen. Alles Geschichte, heute ist dort der Brückenpark und die Dachdecker kommen dem Vernehmen nach auch nicht mehr so häufig.

Viel zu sehen gibt es nicht, vor der Rostlaube wird gesetzt musiziert, mit geladenen Gästen, und so mache ich mich wieder auf dem Weg, erwische einen Bus nach Remscheid und von dort eine S-Bahn zurück nach Wuppertal.

Impressionen von Brücke und Bahnhof Güldenwerth zu Remscheid.

Bahnsteig-Panorama

Wieder im Tal der Wupper mache ich Rast in einem mutmaßlichen Geldwäsche-Laden. Ich bin der einzige Gast, der Wirt ist sehr sorry wegen dem nicht mehr vorhandenen Bändel am Teebeutel (Löffel zum rausfischen liegt dabei), die Wasserflasche kommt ohne Glas, aber die Pizza schmeckt. Mittlerweile ist es kühl geworden, ich ziehe mir mein Psalm-23-Sweatshirt über. I will fear no evil. Stimmt zwar nicht ganz, aber die Botschaft hat was. Denken auch andere, wie verstohlene Blicke mir sagen. Scheint nicht nur zu mir, sondern auch in die Zeit zu passen.

Und so laufe ich durch das samstägliche Gewusel, denke an einen Kommentar, den ich heute Abend geschrieben habe. Vom gefühlt dazu-gehören oder eben auch nicht. Vom sich-verloren-fühlen und von Geborgenheit. Vom all-eins-sein und vom heil werden. Denke an die zahllosen Spiegelbilder in meinem Leben. Die Liebste fällt mir ein, die gerade in Sachen Familie ihr Bestes gibt, damit ein paar Kinder eben nicht mit so einem Lebensgefühl umherlaufen müssen. Wäre gern dabei, aber mal eben frei machen, wenn ich so wie jetzt in einem längerfristigen Projekt stecke, das geht nicht.

Oder ganz frisch der Typ in der Bahn, mir gegenüber, der mit seinem Zeug zwei Plätze in Besitz nahm. Finstere Miene, die sich (synchron mit der meinen) erhellte, als eine junge Mutter ohne groß zu fragen Platz machte, für sich und ihre kleine Tochter. Öffentliche Verkehrsmittel haben einen gewissen therapeutischen Wert und eignen sich hervorragend für Milieustudien aller Art.

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Sonntag, 220807

Sepia

Draußen blendet gleißendes, helles und sehr klares Sonnenlicht, während ich den Tag beginne. Undiszipliniert, für meine Verhältnisse. Die eigene Fassade teilsaniert, die morgendlichen Übungen fürs schreiben unterbrochen, bevor sich die Worte wieder dadurch tun. Die Liebste ist in Sachen Familie und Kunst unterwegs, das ist schade, weil ich nicht mit kann und gut, weil ich so auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Auch mal nett, allein einfach das zu tun, wonach gerade der Sinn steht. Nicht im Sinne von sich selbst finden (Hallo, hier bin ich), sondern schlicht der sein, den es im Augenblick gibt. Kommt in letzter Zeit nicht so oft vor, scheint es – aber auch das ist nicht stimmig, bin ich doch auch in meinen familiären und beruflichen Eigenschaften der, der ich bin, auch wenn jeweils andere Facetten sichtbar sind.

Gestern saßen wir zusammen und lasen vom Pfarrer Heinz Kappes, seine Ausführungen innerhalb der Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker, die weit über das Thema Suchterkrankungen hinausgehen, hin zu universaler Liebe, die keine Religion braucht. Eine gemischte Alt-Herren-Damen-Runde in sehr überschaubarer Zahl. Ich mag dieses gemeinsame lesen und anschließendes Gedanken-teilen sehr, wohl wissend, die Zeit wird unsere kleine Runde gnadenlos biologisch zerlegen. Dann ist das so, selbst gehe ich nach solch einem Treffen immer gefüllt mit guten Gefühlen meiner Wege. Gefüllt mit einem Gefühl von Orientierung.

Orientierung ist etwas, woran es mir „von Haus aus“ mangelt. Das spiegelt sich vielleicht auch in diesen Zeilen wieder. Wo stehe ich, mit meinen fünf mal 12 Lebensjahren? Oft genug ein emotionaler und geistiger Eremit, Teilzeit-Familienmensch, der sich schwer mit der Vorstellung tut, die anderen könnten ihn tatsächlich so lieben und wertschätzen, wie er ist, jetzt und hier. Und ja, Achtung, Gegenverkehr – kriege ich das bei den anderen immer so hin? Dualitäten allerorten, wie immer.

Und nein, ich suche nicht den Sinn des Lebens. Ich lebe, das ist Sinn genug, analog zum mich-finden-wollen, was genau so müßig ist. Ich stelle mich, wenn ich es versuche, auf den Punkt zu bringen, den Herausforderungen meiner Zeit, bin da, wo ich gebraucht werde, zeitweise aus einem irgendwie gearteten Pflichtgefühl heraus, selten nur noch aus Berechnung, das eigene, arg zerzauste Karma aufzuwerten und manchmal auch aus Liebe, das fühlt sich so an, weil es warm und dicht ist.

Kappes spricht von einer „Sucht, gebraucht zu werden“. Wieder so eine Stolperfalle des eigenen Egos. Wenn dagegen die eigene Intuition (die beiden sind Geschwister, Ego und Intuition) das gefühlte oder gelebte mit ausreichend vergangener Zeit und einem positivem Körpergefühl abnickt, dann geht das in Ordnung, kann so weiter gehen, dann dient es nicht nur dem eigenen Selbstzweck, sondern dem Bedürfnis nach Entwicklung, Heilung, weiterkommen. Kann sogar Freude machen, was für manche gesegnete Frohnaturen seltsam klingen mag, für ein Nachtschattengewächs mit zunehmender Liebe zum Licht, wie ich eines bin, dagegen noch ein recht junges Pflänzchen ist.

So, und nun habe ich genug vermeintlich oder tatsächlich Gehaltvolles von mir gegeben und darf auch mal ganz unverdächtig ein leicht frivoles Bild von mir zeigen, nicht Sepia, wie eingangs geschrieben, sondern Drei-Farben-farbreduziert. Mit Fünf mal Zwölf geht das in Ordnung, ohne die Absicht, noch irgendwelche Preise gewinnen zu wollen 😉

Dienstag, 220628

Kein Rollator da, sagt die Dame am Empfang der Notaufnahme, in der sich mein Vater befinden soll. Die Bude ist rappelvoll mit allerlei Volk, Verband hier, Aua dort, ich stehe eine knappe halbe Stunde an und bin dankbar, selbst nix zu haben. Neben mir steht der Koffer, den Mutter immer griffbereit hat, für solche Fälle, die in Takt und Folge allmählich an Fahrt gewinnen. Rein darf ich nicht, frage, wie es ihm geht. Ansprechbar, sagt die junge Dame, kann sich an nix erinnern aber meckern ginge wieder. Da ist ja noch Hoffnung, sage ich und grinse. Sie gibt mir eine Mailadresse für Dokumente wie Medikationsplan, Vollmachten, Verfügungen und so weiter. Kopfverletzung, sagt sie, nix dolles. Einblutungen auch wieder, aber nicht OP-bedürftig. Sie wollen ihn in eine Herzklinke verlegen, Pumpe angucken. Ich bedanke mich und verschwinde.

Mit Mutter stehe ich telefonisch in Kontakt, erfahre, dass das Herzzentrum sich bei ihr gemeldet hätte. Ausländischer Arzt, sie hört eh schlecht und versteht kaum ein Wort. Der Rollator sei wundersamer Weise wieder aufgetaucht, aber nun ist der Koffer weg. Dokumente gibt es auch keine.

Ich telefoniere selbst mit der Klinik. Warteschleife, verbunden mit Station und abgewimmelt, keine Zeit, halbe Stunde bitte. Ok. Kann ich verstehen und füge mich, um 30 Minuten später rückzurufen, die Durchwahl habe ich. Der Koffer sei da, sagt sie. Wie es ihm geht? Unruhig. Na klar, denke ich, wenn der selbsternannte Mittelpunkt der Welt nicht sofort, auf der Stelle und gefälligst zielführend behandelt wird, dann wird er eben unruhig. Das sage ich der Schwester am Telefon natürlich nicht, verkneife mir auch, ihr noch viel Freude mit meinem Vater zu wünschen. Anstelle dessen vereinbare ich einen Besuchstermin. Heute Nachmittag, eine Person, eine Stunde, nur mit Termin, abgesprochen mit Station, und natürlich einem aktuellem Schnelltest, nicht älter als 24 Stunden. Dokumente abliefern und nach dem rechten sehen. Paar mehr oder weniger aufbauende Worte da lassen und Mutter informieren. Sein Phon ist auch weg oder leer, jedenfalls ist er persönlich nicht erreichbar. Mensch kann mit Sturheit sehr alt werden, um dann doch möglicherweise an selbiger zu sterben. Kein Widerspruch in sich, nur ein Seil mit zwei Enden.

Geil, denke ich. Wenigstens hat er mit dem neuesten Umfaller gewartet, bis ich Urlaub habe, auf das ich keine kostbare Arbeitszeit verpasse. Sein Verdienst, dass mir diese kostbar ist, bis heute. Das klingt im übrigen negativer, als es gemeint ist.

Tja. Wie hieß das in der Kack-Werbung? TUI – schöne Ferien. Man wird sehen, erst mal das meine tun.

Sonst so?

Mache ich sonst nicht mit, aber heute juckt es.
Zeichenzähler

Sprichwörter gehen ihm auf die Nerven, vor allem altväterliche. Der vom Krug zum Beispiel, der solange zum Brunnen geht, bis der Apfel vom Baum fällt. Muss noch nicht einmal ein Springbrunnen sein, die können eh nicht so weit springen, wie der Name rückschließen lassen könnte. Und überhaupt – wie alt muss ein Vater eigentlich werden, bis er glaubhaft ins Reich der Sprüche eingeht? Wer denkt sich solche Bezeichnungen eigentlich aus? Alter = Weisheit? Er muss schief grinsen. Manches Alter hat eine Menge Atemzüge voraus, sonst eher wenig. Was manche Greise so absondern, denkt er und hofft auf Gnade für sich selbst.

Und – weil es gut passt, nicht nur für heute:

AA GEDANKEN ZUM TAG
28. JUNI

Du kannst dir selbst den schlagenden Beweis dafür liefern, wie sehr dein Leben deiner eigenen, inneren Haltung entspricht, Versuche nur einmal, dich daran zu erinnern, was dich vor einer Woche am meisten beunruhigt hat. Wahrscheinlich fällt dir das schwer. Warum also dann sich unnütz über Probleme aufregen oder ärgern, die heute auftauchen? Ändere statt dessen lieber deine Einstellung zu ihnen, indem du dich mitsamt deinen Sorgen in Gottes Hand begibst und fest darauf vertraust, daß sich alles zum Besten fügen wird.

Hat sich meine innere Einstellung gewandelt?

MEDITATION

Du kannst nicht in die Zukunft sehen. Und das ist ein wahrer Segen. Du könntest es nämlich nicht ertragen, die ganze Zukunft zu kennen. Darum enthüllt Gott sie dir nur von einem Tag zum anderen. Dein Tag sollte stets damit beginnen, dass du Gott deinen Willen darbietest und ihn entscheiden lässt, was gut für dich ist. Sei gewiss, wenn du ihm vertraust, wird sein Tun nur zu deinem Besten sein. Sodann musst du fest davon überzeugt sein, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. In seiner Macht steht, alles ja das schier Unmögliche in deinem Leben zu vollbringen. Darum überlass getrost alles andere ihm.

GEBET

Ich bete, dass ich meine Zukunft bereitwillig in Gottes Hand belassen möge. Ich bitte, dass ich zuversichtlich der guten Dinge harre, die auf mich zukommen werden, solange ich auf dem richtigen Weg bin.
Quelle

Was gelegentliche Anfälle von Sarkasmus nicht ausschließt…
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Samstag, 220521

Pflicht vs. Liebe

Charakter entwickelt sich durch die Erfüllung unserer täglichen Pflichten. Gehorche der göttlichen Eingebung und gehe unbeirrt deines Weges. Verfalle nicht in den Fehler, „Herr, Herr“ zu rufen, ohne die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Zwar bedürfen wir Menschen stets des Gebets und der inneren Versenkung, aber dabei müssen wir trotzdem unsere Arbeit tun und unser Tagewerk pflichtgemäß verrichten. Der Mensch ist weise, der sich inmitten seiner Geschäftigkeit Zeit zur Muße nimmt und geduldig auf Gottes Führung wartet. Wer der göttlichen Eingebung gehorcht, der findet inneren Frieden.

Quelle

Selbst bei mir wecken diese Worte erst einmal leichten Widerspruch, erinnern sie mich doch stark an das evangelikale „bete und arbeite“. Und auch, wenn es in meinem Leben mal eine lange Zeit gegeben hat, in der ich mich über solche Aussagen lustig gemacht und dabei laut „Prost“ gesagt habe, weiß ich heute im Nachgang doch, so ist es.

Meine Pflicht tun – kann das ein Akt der Liebe sein? Als Mensch mit Trigon Sonne-Saturn im Geburtshoroskop weiß ich um die Macht von Verbindlichkeit und Beständigkeit. Meine Mutter tut ihre Pflicht, sagt sie. Ich tue die meine im Sinne des vierten Gebots. Du tust mehr als deine Pflicht, sagt die Liebste, das ist Liebe, was du tust. Mag sein, aber das blende ich aus, wenn ich mittendrin bin. So selbstlos, wie das alles manchmal scheint, ist es, denke ich, nicht. Es gibt etwas zu lernen, für mich. Erkenntnisse über das Alter, über die Hilflosigkeit, über Bedürftigkeit und allen damit verbundenen inneren und äußeren Widerständen. All dies registriere ich unterhalb der ausgeübten Pflicht, nehme es meist still zur Kenntnis. Nichts geschieht ohne Grund, so viel ist sicher.

Sonst so?

Es bewegt sich derzeit nicht viel, so scheint es. Von der Arbeit mal abgesehen, dort bin ich derzeit ganz auf mich allein gestellt, derweil mein arabischer Lieblingskollege aushäusig beschäftigt ist. Danke, Herr, für das besagte Trigon (siehe oben) sowie für ein mittlerweile recht dickes Fell, gepaart mit einem für manch einen gewöhnungsbedürftigen Humor, ein Gemenge aus Sarkasmus und Fatalismus. Last not least – Danke für meinen Kündigungsschutz, irgend einen Vorteil muss das älter-werden ja haben.

Und – in Erinnerung an meine zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer (Boah, gegendert!), ich könnte euch versichern, so ihr denn noch leben tätet – es ist noch mehr als genug von mir übrig, auch wenn ihr mich einst in Teilen komplett abgeschrieben habt.

Sonntag, 220508

Ein ruhiger Sonntag Vormittag, wie überhaupt ein relativ entspanntes Wochenende, Dank eines freien Freitages, der in der Hauptsache zum Abschluss der laufenden Zahnbehandlung genutzt wurde. Keine große Sache diesmal, Provisorium raus, bisken anpassen und das Original schön einzementiert. Sie arbeiten handwerklich sauber dort und sind auch menschlich in Ordnung, bei so einem Schisser wie ich einer sein kann. Und so war noch Zeit zum Besuch der Krankenkasse, zum Hühnchen rupfen mit Pflegedienst aus Gründen und mindestens ein halbes Dutzend weitere Kleinigkeiten, die auf dem Zettel standen.

Sonst so? Mein Glaube. Der ist in dieser Zeit gefordert wie nie zuvor, in dieser Zeit des schwarzen Schattens eines möglichen Krieges auch bei uns. Ich weiß nicht, wo meine Landsleute die letzten Jahrzehnte so waren, in Berlin sprechen sie in dem Zusammenhang vom Mustopp, aus dem der kommt, der wenig bis keine Ahnung hat. Die Welt empört sich über dies und das, wie zuletzt über mehrere Hundertausend „gestohlener“ Tonnen Weizen. Das nennt man plündern und ist ebenso wie Massenmord, Folter, Vergewaltigungen, Verbannungen, Massenentführungen, Versklavungen und anderer Greueltaten fester Bestandteil ausnahmslos jeden Krieges. So werden Menschen, wenn sie nur genügend indoktriniert und unter passende Drogen gesetzt werden, Stichwort Panzerschokolade, heute vertrauter als Meth (-Amphetamin). Krieg ist Entmenschlichung und mir fehlt derzeit jede Hoffnung, dass dieser Planet je ohne auskommen wird.

Themenwechsel. Ich lebe (noch) und muss essen, damit das auch so bleibt. Gerne nehmen wir uns beide etwas auf Arbeit mit, dafür hat es so Warmhaltegefäße, je ein halber Liter, eine gute Portion also. Dazu eignen sich hervorragend Suppen und Eintöpfe, die ich liebe. Und so fiel mir gestern eine Dose ins Auge, so ein Bohnenmix, der hier schon ewig rumsteht.

Keine Ahnung, wie die Dinger heißen, aber diese Nacht habe ich noch eine gute Handvoll gewässert und war somit gehalten, heute früh da etwas draus zu machen. Es fand sich weiter noch Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Möhren und Tofu-Hack, die erstmal schön angebraten wurden, um dann gemeinsam mit je einem Schälchen Basmati-Wildreis und roten Linsen in den Bohnentopf zu landen, der mittlerweile eine Stunde köchelte. Alles zusammen kurz aufgekocht, kleine Hitze für 10 Minuten und dann noch eine Stunde ziehen gelassen. Gewürzt wurde mit Gemüsebrühe, geräuchertem Paprika-Pulver, Curry, schwarzem Pfeffer und Chilli-Flocken. Schön bunt jedenfalls und reisetauglich.

Gut 6 Portionen.

Und nochmal kurz zurück – ich halte mich immer noch für einen gläubigen Menschen, trotz und alledem. Was Zweifel mit einschließt, und Verständnis für all jene, die an gar nichts mehr glauben können oder wollen. Das Stück weiter unten entspricht nicht meiner Haltung, bewegt mich aber dennoch tief, wer es bis zum Ende aushält, wird das vielleicht verstehen. Mich rühren die Bilder jedenfalls zu Tränen…

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Trauriger Nachtrag: Ich habe erfahren, dass unsere Mitbloggerin Steffi alias Mijonie kürzlich verstorben ist. Geahnt habe ich das, weil lange nichts mehr von ihr, die sonst immer regelmäßig schrieb, zu lesen war. Ruhe in Frieden, liebe Steffi.

Sonntag, 220501

Der erste Mai, heute haben sie wieder alle ihren Spaß mit der Exekutive, die hiesigen Autonomen. Oder umgekehrt. Hat ein wenig Tradition hier in der Stadt, sich aufm Exe oder aufm Schuster zu versammeln, um dann anschließend mit der Polizei Hase und Igel zu spielen. Seis drum, lassen wir der Jugend ihren Lauf, Hauptsache, sie ramponieren nicht mein Autochen bei ihrem Treiben.

Sonst so? Getrübte Stimmung, angesichts der Weltlage und auch familiär. Verankert im Glauben, las ich neulich hier, und ja, alles kommt so, wie es kommen soll. Etwas an alledem zu ändern ist nicht an mir, also weiter machen. Arbeit und Aufgaben privat lenken ab, machen irgendeinen Sinn und schaffen möglicherweise Pluspunkte weiter oben. Meditation hält das Innenleben zusammen, zentriert die Fliehkräfte des Geistes. Und – das schöne frische Grün da draußen hebt ein wenig die Stimmung, auch gut.

Alle Materie, das Universum, die Erde, ja selbst unsere Körper sind allem Anschein nach ein Teil des Schöpfungsgeschehens. Je mehr die Physiker und Astronauten die Materie aufklären, desto mehr wird sie zur mathematischen Formel, desto abstrakter wird sie. In ihrer letzten Analyse ist die Materie ein Gedanke. Sobald der göttliche Gedanke sich im Rahmen von Zeit und Raum ausdrückt, wird er zur Materie. Unsere Gedanken – innerhalb der Begrenzung von Zeit und Raum – können nur materielle Dinge wahrnehmen. Aber wir können annehmen, dass außerhalb unserer eigenen Zeit- und Raumvorstellung der ewige Schöpfungsgedanke waltet, den wir Gott nennen.

Quelle: 24 Stunden am Tag

Eine andere Art der Meditation bietet das Video weiter unten, bei vollem Bildschirm. Und regnen könnte es auch mal wieder.

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Montag, 220328

Montag Vormittag, still ruht der See. Ein werkfreier Tag außer der Reihe, der Plan ist, gleich den kleinen Roten vom Winterdreck zu befreien. Spießige Aktion, so richtig mit polieren, Gummi- und Plastikpflege, aber dafür fasse ich ihn auch nur zwei Mal im Jahr an. Sei `s drum.

Gestern und auch Samstag gab es nichts zu schreiben, falls doch, wollte es mir nicht einfallen. Einfach nichts drin , im Nischel (was für ein Dialekt). Keiner zuhause, das kommt vor. Obwohl eigentlich schon das eine und andere lose war. So ist zum einen ein kleines Büchlein auf wundersame Weise zu mir gekommen, beim aufräumen unseres Meeting-Schrankes am Freitag Abend. Wir müssen raus aus dem Raum, dort ziehen Kriegs-Flüchtlinge ein, was für uns alle zusammenrücken heißt, das tun wir gerne. Die kleine Kladde war die ursprüngliche Tagesmeditation der anonymen Alkoholiker, original aus Amerika übersetzt – vor meiner Zeit schon ausrangiert und ersetzt durch vermeintlich fortschrittlichere Lektüre. Heute ist der Inhalt zwar online verfügbar, aber das gedruckte Original ist nur noch sehr schwer zu bekommen. Ich mag diese etwas altertümliche Sprache ebenso wie den Inhalt, der für mich so etwas wie eine geistige Möhre vor meiner Nase darstellt. Als Ideal unerreichbar, aber zum Zwecke des Fortschritts, der Orientierung hilfreich, für mich. So auch der Text zum heutigen Tag:

MEDITATION
Zweierlei Dinge brauchen wir, wenn wir unsere Lebensweise ändern wollen. Das eine ıst der Glaube, das Vertrauen zum Unsichtbaren, zu jenem grundsätzlich guten und sinnvollen Geist des Universums. Das andere ist Gehorsam, dass wir nämlich auch unserem Glauben entsprechend leben und zwar jeden Tag so, wie wir meinen, dass Gott es für uns wünscht — voller Dankbarkeit, Demut, Wahrhaftigkeit, Lauterkeit, Selbstlosigkeit und Liebe. Glaube und Gehorsam, das beides gibt uns die nötige Kraft, um aller Sünde und Versuchung zu widerstehen und eın sinnvolles Leben zu führen.
GEBET Ich bete, dass mein Glaube und Gehorsam sich vertiefen mögen. Ich bitte, dass ich somit ein ausgefülltes Leben führen darf.

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Sonst so? Ein paar Bilder der Stadt, Elberfelder Nordstadt, Luisenviertel und so.

Klassiker in Blau …
mir selbst fehlt die Erdhaftigkeit zum gärtnern,
aber ich erfreue mich gerne bei anderen.

Und – Gerne-Groß ❤
Da vergeht dem kleinen Scheißer das große Geschäft.

Der hier dagegen wirft keine Schatten …

Zum Schluss noch ein Fundstück. Fortunate Son – Glückskind. It ain’t me, it ain’t me – so bin ich nicht? Irgendwie schon, wenn auch nicht im klassischen Sinne von Gustav Gans oder so. Jedenfalls ein toller Song, wenn auch leicht angestaubt.

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Sonntag, 220306

Alte Bekannte

In meinem Bauch, da wohnt ein Tier. Wenn es sich meldet, zieht sich nicht nur der Magen zusammen, alles andere reagiert ebenso, auf ungesunde Weise. Es hat spezielle Ernährungsgewohnheiten, das Tier. Seine Leib- und Magenspeise (ich höre es gerade leise kichern) sind lose Nervenenden. Es knabbert daran wie an Salzstangen. Der restliche Ernährungsplan ist auch nicht ohne. Vor allem nimmt es zu viel, von allem. Unmaß heißt das, glaube ich. Zu viel Ratio, zu viel Information, zu viel Bilder, zu viel Analyse, zu viel vermeintliche Logik, zu viele natürlich vergebliche Versuche, in anderer Menschen Köpfe zu stecken.

Wir sind alte Bekannte, das Tier und ich. Es wurde zeitgleich mit mir in diese Welt gesetzt. Es ließ sich eine Weile milde stimmen mit einer Menge Alkohol und anderer Sachen. Bis es sich daran gewöhnte, immer mehr Toleranz entwickelte, sozusagen. Es war kein Weg für ein gutes Miteinander und bald lief das Tier zur Höchstform auf, entwickelte sich vom heimlichen zum unheimlichen Machthaber meiner unsterblichen Seele, mit allen gruseligen Begleiterscheinungen. Später dann, viel später fand ich heraus, wie wir miteinander klar kommen. Es ist ein einfacher Satz nur, wenige Worte, die nicht aus meinem Mund kommen, Worte, die gefühlt und nicht gesprochen werden. Worte, die der Stille bedürfen, die aus dem unterlassen aller Aktivitäten wachsen, aus dem zur-Ruhe-kommen alles mehr oder weniger sinnvollen Tuns entstehen.

Ich bin bei Dir, fürchte Dich doch nicht, ich bin immer bei Dir.

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Sonst so?

Ich bin der Kümmerling. Kümmere mich um alles, das macht gutes Karma, glaube ich, keine Ahnung. Hat mit der ersehnten Ruhe nicht viel zu schaffen, ist aber schlicht von Nöten. Bei den Eltern zum Beispiel. Speicher saugen, Keller fegen, Flusensieb säubern, Müll herunter und Wäsche herauf bringen, lästige Korrespondenz in Vollmacht erledigen, so Sachen eben. Zuhause geht es dann weiter, und manchmal bekommt das bizarre Züge.

So geschehen dieser Tage. Die Waschmaschine nimmt kein Wasser mehr. Das war kein böser Wille von ihr, es ging schlicht nichts mehr durch den Hahn hindurch, dauerhaft geschlossen, Dank Kalk und viel Zeit. Also bewaffne ich mich mit einer Schieblehre und versuche, das gülden schimmernde Innenleben zu definieren, soweit man das kann, ohne es zu demontieren. Es gibt bekanntlich eine Menge davon, so können ein paar Zahlen nicht schaden. Damit versehen führe ich Telefonate, mit Handwerksbetrieben auf dem Weg. Nö, sagen die verkaufen tun wir nix, kommen aber gerne gucken. Vielen Dank, kann ich selbst, sage ich und freunde mich mit einem Baumarktbesuch an. Ich mag die Märkte nicht, aber was nützt es. Also hin und suchen und messen, gucken, das rechte finden und wieder heraus, nach Hause. Wasser abgedreht, altes Zeug heraus gedreht, Neues herein, zuvor noch geguckt, ob eine Dichtung dabei ist, Wasser wieder an, nochmal gucken, alles schön dicht. Freude und Danksagung nach oben, ab auf das Sofa, Belohnungsschläfchen.

Derweil irgendwann kommt die Liebste heim. Wach, wie ich mittlerweile bin, höre sie im Bad rumoren, die Wäsche ist ihr Ding. Dann höre ich sie meinen Namen rufen und irgend etwas gefällt mir an ihrer Stimme nicht, also stehe ich zeitnah auf. Gehe ins Bad und sehe sie in einer riesigen Pfütze stehen. Mir rutscht das Herz in die Hose, das Tier freut sich über den Besuch auf der Durchreise nach weiter unten und kichert wieder. Scheiße – Kran gerissen oder was, bist zu blöd zum schrauben? Setze mich, nachdem die Sauerei beseitigt und alles abgetrocknet ist, aufm Klodeckel und beäuge mit Hilfe eines Hand-Flakscheinwerfers den Kran, derweil die Maschine noch einmal das gleiche tut wie gerade eben. Nichts geschieht, alles trocken, der Kran unversehrt.

So langsam zweifele ich an meinem Verstand. Wo kam das verdammte Wasser her? Die Maschine ist relativ neu und kein Billigprodukt, eher unwahrscheinlich, dass da schon was ist. Frage mal nach einem detaillierten Tätigkeitsbericht und höre heraus, dass nach erfolgter Wäsche die Schublade für Waschpulver und so herausgezogen wurde, zwecks einer Säuberung. Ein Riesenteil, das nicht so recht in das Waschbecken passt. Na, schon jemand eine Ahnung? Richtig. Das Wasser muss zum einen Ende hinein gelaufen sein und unbemerkt aus dem anderen wieder hinaus, das außenbords hing. Erinnert irgendwie an dem kaputten Duschvorhang, der alles unter Wasser setzt, nur weil er außen umher hängt…

Toll, Toll, sage ich. Machst hier Gaslighting mit mir, kippst n Eimer Wasser aus und suggerierst mir, zu blöd zu allem zu sein. Wir lachen und selbst das Tier hat Spaß. Immerhin.

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