Ungefähr so…

… stelle ich ihn mir vor.

SOUNDNICHTANDERS

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Loser Sonntag

Unsere beiden Kater lauschen dem Regen und dösen, jeder auf seinem Lieblingsplatz. Männerwirtschaft dieses Wochenende, die Liebste ist unterwegs und ich habe ungewohnt viel Zeit, das fühlt sich an wie Ruhe vor dem Sturm, angesichts der kommenden Wochen. Das Jahresende ist wie immer gefüllt mit Terminen und Arbeit.

Allein? Ja. Einsam? Eher nicht, meine höhere Macht ist ja bei mir, wenn ich mich nicht abwende. Mein imaginärer, unsichtbarer Freund, wie letztens jemand im Netz abfällig bemerkte. Ein Linker Idealist, der sonst ganz in Ordnung schien. Ich mag Idealisten, auch, wenn ich selbst mich nicht unbedingt so bezeichnen würde. Nachdem ich ihm erklärte, dass wir beide im Grunde das gleiche wollten und mein unsichtbarer, imaginärer Freund dabei sicherlich nicht schaden würde, war erst einmal Ende der Diskussion.

Es gibt so vieles, das größer ist als mein Ego und ich. Kinder zum Beispiel, die sich wie Bolle über den Besuch ihrer Tante freuen. Selbst war ich auch mal so ein Kind und es gab nicht so viele treue Menschen um mich. Oder anderes – der Fortbestand meiner Selbsthilfegruppe, auch, wenn mir die Dienste manchmal lästig sind.

Es ist die Mischung … aus dem so genannten freien Willen und dem meiner höheren Macht oder besser, die Kunst, die beiden zusammen zu bekommen.

Sonst so? Die Mediatheken sind dieser Tage voll mit Dokumentationen über die Geschehnisse von vor 80 Jahren in Deutschland. Ich kann das nicht sehen, ohne dass mir die Tränen kommen. Dennoch schaue ich es mir an, die Auseinandersetzung damit ist wichtig für mich. Mit meiner Familiengeschichte – eine von Abermillionen, eine Geschichte mit Opfern, Tätern, Mitläufern.

Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen (Primo Levi)

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Kein Zustand …

…ohne einen passenden Titel.

Eskapismus – ein interessanter Begriff.

Realitätsflucht also. Das passt. Passte. Selbst heute würde ich mir manchmal gerne ein Loch graben und zumindest für eine Weile darin verschwinden. Mache ich auch manchmal – dass ich nicht zu lange darin verweile, dafür sorgen neben Familie und Beruf auch das Blogland schon 🙂 Früher habe ich nachgeholfen, chemisch. Da strengt das Löcher-graben nicht so an … nur mit dem raus kommen wird es schwierig, wenn man dann noch vergesslich dabei ist, was das aufhören mit der chemischen Nachhilfe betrifft.

Wie komme ich also zum Eskapismus? Über die Musik, beim suchen. Eloy zum Beispiel, die werden damit in Verbindung gebracht. Erinnert sich noch jemand?

Und heute? Lässt sich auch mit der Musik der 70er beschreiben, wenn ich schon gerade mal dort bin…

There’s no way out of here, when you come in you’re in for good ….

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Nachtrag: Gerade ist mir eingefallen, dass ich tatsächlich ein Album von Eloy hatte, so mit 17 … hier ein Auszug. Ist das lange her…

 

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Von Gemeinschaften, von Vertrauen und von Bündnissen.

Früher war die Welt um Längen überschaubarer, da bin ich mir mit den meisten zumindest meiner Generation wahrscheinlich einig. Es gab zwei besetzte Länder, eines davon war das Gute (für die meisten das eigene) und der Feind war nebenan. Die Zahl der politischen Parteien war höchst überschaubar und als Protestwähler galt bereits, wer Turnschuh-tragende Menschen in den Bundestag wählte. Es gab weiter für die meisten maximal drei (öffentliche) Fernsehprogramme (Ok, liebe Berliner, ihr wart schon immer gesegneter 🙂 ) sowie einige wenige Tageszeitungen und schon einige weitere politische Wochen-oder Monatsmagazine, die sich allerdings für die meisten Vertreter der arbeitenden Klasse nicht gut eigneten, derweil die Inhalte oft die Länge der Frühstückspause oder des Toilettenganges überforderte.

Mit dem Wegfall der klaren Feindbilder von einst und der Verbreitung des Netzes sieht die Welt heute komplett anders aus. Orientierung ist vergleichsweise schwer geworden und die Welt sehr unüberschaubar. Den früher so genannten Volksparteien läuft zunehmend das Volk weg. Sie bekommen einfach nicht mehr vermittelt, wofür sie stehen und vor allem, warum. Neue Heilsbringer locken mit überschaubaren Botschaften, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen und Zusammenhängen. Links wie rechts übrigens, mir gefällt das Gleichnis des Hufeisens für die politische Landschaft in dem Zusammenhang sehr gut, welches vermitteln möchte, das an den Enden abseits der so genannten Mitte sich Töne, Auftreten und teils auch Radikalität manchmal sehr ähnlich sehen.

In mir gibt es permanenten Widerstreit zwischen manchen Positionen. So schlägt mein Herz links, was Gerechtigkeit und mehr Menschlichkeit angeht. Andererseits sind mir auch kaufmännische Aspekte vertraut. Das Geld ein scheues Reh ist und schnell abhaut, wenn es nicht gut im Sinne von Gewinnmaximierung behandelt wird.

Einfache Antworten? Die gibt es nicht. Steuern senken, schlanker Staat, schreien die einen, plädieren für einen Raubtierkapitalismus, in dem jeder seines Glückes Schmied ist und der „Rest“ am Boden festgetreten wird, sofern ihm karitative Einrichtungen oder halbstaatliche Suppenküchen nicht mehr helfen können oder wollen. Die diesbezüglichen politischen Bündnisse im Geiste tragen seltsame Farben und bilden Eintrachten, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Gelb und Blau sind sich in diesen Bestrebungen sehr nahe.

Auf der anderen Seite stehen jene, die an eine bessere Welt in Form eines fürsorglicheren Staates, manchmal aber auch an ebensolche mit Hilfe von absoluter Anarchie glauben und dabei gerne alle ökonomischen Regeln außen vor lassen. Wie gesagt, ihnen gehört mein Herz, aber nicht unbedingt mein Verstand.

Fakt ist, ich muss wie jeder andere Mensch meine Rechnungen bezahlen. Erst das Fressen, dann, die Moral. Dem alten Brecht seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Wenn Mensch sich ständig um seine Existenz sorgen muss, sind die meisten Energien gebunden und auf`s tägliche Überleben ausgerichtet. Hier liegt das Versagen und die tieferen Ursachen der Verluste für die alten Volksparteien. Wen ich nötige, mehrere schlecht bezahlte Teilzeitstellen anzunehmen, um zurecht zu kommen, den verbrenne ich mental, wenn ich als Politiker in Kauf nehme, das für solche Menschen 12-Stunden-Tage und mehr die Regel sind. Wut und Frust bauen sich auf und einfache Parolen haben wieder leichtes Spiel. Stichworte sind Mindestlohn oder besser noch dessen Umgehung durch viele Arbeitgeber, Aufweichung der Tariflandschaft und gnadenlose Liberalisierung des Arbeitsrechtes. Es wird gemacht, was erlaubt ist und wenn keiner guckt, auch noch ein wenig mehr.

Wie wird in diesem Zusammenhang heute Politik betrieben? Hauptsächlich über das Netz, in dem oft genug nichts so ist, wie es scheint, der Zweck heiligt jedes Mittel. Plump die einen, verschlagen die anderen. Selbst hier im harmlosen (?) Blogland gibt es zahllose Seiten, deren einziges Bestreben der Aufbau einer möglichst großen Community  ist, um politische Einflussnahme auszuüben, möglichst ohne selbst Farbe zu bekennen. Wohl wissend, das jeder hier mit jedem irgendwie vernetzt ist. Die Tragweite solcher Agitation macht schlicht schwindelig, wenn man sich mal überlegt, wie groß so ein Netz von Followern wirklich ist. Habe ich meinerseits also eine „Verfolgerschaft“ von vielleicht 50 oder einhundert Lesern gebildet, kann ich davon ausgehen, das es jedem einzelnen von meinen Lesern ebenso geht. Der Rest ist Mathematik und auf diese Weise bilden sich riesige Netzwerke mit zahllosen Überschneidungen und ebenso zahllosen Möglichkeiten der gezielten Manipulation von Gedanken.

Verschwörungsrethorik? Nein, wie gesagt eher Mathematik kombiniert mit der Kenntnis der Möglichkeiten offener und verdeckter, indirekter Manipulation. Eine direkte Auswirkung für mich heißt, die Zahl der Seiten, denen ich meinerseits folge, überschaubar zu halten. Aufmerken, wem ich einen Vertrauensvorschuss schenke. Ohne Vertrauen geht es ja nun mal nicht, was auch immer das Risiko von Irrtum in sich birgt. Manchmal stelle ich auch alles in Frage und bin dicht daran, vom schreiben wie vom lesen erst einmal zu lassen.

Was ich suche? Immer noch und immer wieder Menschen, die glauben können und dabei doch mit den Füßen auf dem Boden stehen. Menschen, die über Schicksalsschläge aller Art gewachsen sind. Die allen Widrigkeiten zum Trotze Frieden finden können, Menschen, die an universelle Wahrheiten glauben können, ohne als esoterische Spinner durchzugehen. Menschen, die ihr eigenes Ego überwunden haben oder dabei auf dem Weg sind. Menschen, die bis in`s Innerste durchzogen sind von der Kenntnis unserer Natur, Menschen, von denen ich weiter lernen darf …

Dich meine ich, genau 🙂