Vermisstenmeldung

Keine Ahnung, wo die beiden hin sind. Genau genommen ist mir ihr Verschwinden auch gar nicht groß aufgefallen. Erst, als ich ihre Geschwister dann bei anderen sah, wurde mir klar, wer sich da heimlich davon gestohlen hatte.

Die eine ist die Begeisterungsfähigkeit oder, präziser formuliert, die Begeisterung an sich. Sie wandelt sich beim älter werden, sagt man. Mag sein, aber dafür braucht sie nicht gleich ganz zu verschwinden. Vielleicht hat sie sich auch nur gut versteckt und kommt beizeiten wieder hervor, in gedämpfter, altersmilder Form, wer weiß ? Euphorie light oder so, was schon ein Widerspruch in sich ist. Bis dahin muss die Neugier, eine ihrer Schwestern, die Lücke, so gut es geht, füllen.

Der zweite Verlust trifft mich härter. Hat sich doch der Idealismus gleich mit auf dem Weg gemacht ! Zumindest, was berufliches angeht. Eine schwarze Zahl wirft ihren Schatten auf den alten Traum vom gemeinschaftlichem jagen und sammeln. Für ein großes ganzes, zum Wohle aller. Alles weg – jeder steht für sich allein, Erster, alles mir und wer noch nicht gelernt hat, dass nett die kleine Schwester von Scheiße ist, hat schon verloren.

Allerdings der Glaube ist geblieben. An einem Sinn, an eine höhere Ordnung jenseits meiner Vorstellungen. Auch mit gewissen Verlusten – das tröstet, wie ich finde.

ES formt sich, und wer weiß, vielleicht kommen die beiden verlorenen Kinder ja in neuer Verkleidung einst wieder zurück.

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Allmacht und Gewissen

Manchen Menschen das Leben zu lassen, ist kein ausgesprochener Akt der Gnade, der Freundschaft oder gar der christlichen Nächstenliebe. Vielmehr ist es ein Resultat aus recht nüchternen Abwägungen, mit der Erkenntnis verbunden, dass zum einen die Dinge nicht unbedingt besser werden, im Anschluss. Anders, ja. Andererseits kann ich sie nicht alle meucheln. Das wird schwierig, weil Namen und Gesichter austauschbar sind, die Prinzipien und Muster dahinter jedoch immer gleich bleiben. Schlussendlich gibt es auch noch so etwas wie ein Gewissen, das ich nicht über Gebühr strapazieren möchte. Stichworte Selbstachtung und Würde.

Natürlich habe ich nicht die Absicht, irgendwem den Hals herumzudrehen. Also jedenfalls nicht besonders vielen Menschen 😉 Das ist mehr im metaphorischem Sinn gemeint und, so scheint es, charakteristisch für Menschen mit einer Suchtstruktur, wie ich sie habe, obgleich ich schon sehr lange abstinent lebe. Was mir die Möglichkeit eröffnet, nicht nur in meine eigenen Abgründe zu schauen, sondern beizeiten dem Geschauten auch etwas entgegen zu setzen. Auf diese Weise wird aus so manchem Abgrund ein vielleicht etwas tieferer Graben, über den man springen kann.

Oder zumindest Brücken herüber bauen kann.
Leben bleibt spannend
Es grüßt Bob der (Brücken-)Baumeister

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Ich sehe was, was Du …

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der kann in massive Schwierigkeiten geraten, ob der zahllosen Ungerechtigkeit, Bosheit, Gier, Ignoranz und Dummheit auf Erden. Wie nah lasse ich all dies an mich heran und habe ich überhaupt die Mittel, mich abzugrenzen, vor dem, was auf mich einstürmt?

Wer nicht nur blind konsumiert und sein eigenes Elend somit kompensiert, wer sieht, was ist, der kann an sich selbst verzweifeln, angesichts der eigenen Ohnmacht. Heute gibt es für solche Empfindungen passende Titel, hochsensibel zum Beispiel. Wer gar nicht mehr mit sich wohin weiß und dazu passend auffällig wird, der wird nach entsprechender Diagnose „behandelt“, also wieder chemisch funktional hergestellt und / oder ruhig gestellt.

Es ist nicht leicht. Wir leben ja in einem vergleichsweise freien Land. also kann ich mich theoretisch gleich am Samstag Mittag auf dem Marktplatz stellen und meinen Frust, meinen Kummer heraus schreien. Über die Menschenhändler in Libyen zum Beispiel, die im Gefolge der Auslagerung europäischer Drecksarbeit glänzende Geschäft machen. Oder die seuchengeplagten Kinder im Jemen, von denen die wenigsten das Erwachsenenalter erreichen werden, weil u.a. Rheinmetall mit den Saudis gute Geschäfte gemacht hat. Ich hab geschätzte 10 Minuten, mir solcherart Luft zu verschaffen, bis die nächstbeste Streife mich mitnimmt, in das Diagnosezentrum ihrer Wahl, siehe oben. In dieser Zeit ist mir Aufmerksamkeit gewiss, allerdings dem Geiste der Zeit entsprechend von meinen Mit-Menschen, die mich mit lauten Zurufen befeuern, um weiter feine Filmsequenzen mit ihren Smartphonen zu produzieren, nicht, um herauszufinden, worum es mir geht.

Was also ist die Lösung, wenn scheinbar nichts hilft? Auch ich weiß keine, die 100% zuverlässig funktioniert. Gott vertrauen hilft, nicht immer, aber bei mir zumindest immer öfter. Die Füße fest auf den Boden gestemmt, meine Tage leben, ohne mich mehr als unbedingt erforderlich an dem allgemeinen Irrsinn zu beteiligen. Erdverbunden, aber den Kopf zum Himmel gerichtet. Und – ganz wichtig – hier und da mit Hand anlegen, damit sich etwas ändert, so unbedeutend es auch scheinen mag.

PS:
Danke, Heide, für die Inspiration.
Schwester im Geiste.

*

Neujahr 

Eine große Gesellschaft mit sich biegenden Tischen. Viele Menschen, viel Smalltalk. Spät – 68er, eine laute Blonde, ein liebenswertes, leider schwer hustendes kleines Mädchen. Kurz  – eine nette Runde, mit der ich in’s neue Jahr gerutscht bin. 

Nebenbei blieb und bleibt mir noch genügend Zeit zum nachspüren und zum schreiben. Was ich ändern kann, ändern möchte, in Zukunft. Im Umgang mit mir selbst, mit den Menschen speziell in meinem beruflichen Umfeld, aber nicht nur dort. Die größten Stützen dabei heißen Glauben und Vertrauen. 

In dem Sinne  – uns allen ein gutes neues 2018!