Gestern gesehen

THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI

Eine Frau in den amerikanischen Südstaaten verliert ihre Tochter, die Opfer eines grausamen Verbrechens wird. Weil alle Ermittlungen im Sande verlaufen sind, mietet sie drei seit Jahren verfallende, riesige Werbetafeln an einer Ausfallstraße an, um mit größtmöglicher Aufmerksamkeit wieder Bewegung in den Fall zu bringen.

Rau, derbe, schräg, sehr berührend und teils auch gewalttätig ist dieser Film nichts für zarte Naturen. Für mich sehr bewegend, zu sehen, wie sich die Protagonisten nach und nach entwickeln, zu sehen, welchen Aufruhr die Aktion der verzweifelten Mutter in diesem verschlafenen Südstaatenkaff bringt. Der Film hat nur scheinbar kein greifbares Ende, es bleibt spannend bis zum Schluss.

Sehenswert !

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Seasick Steve

Dem geneigten Leser bin ich ja eher für meine kritische Haltung gegenüber Amerika bekannt, gerade bei dem derzeitigen Präsidenten. Mal davon abgesehen, dass Amerika zusammen mit den anderen Alliieren den letzten Krieg gewonnen haben und meine Jugend dominiert war von der „Freundschaft“ zu den Siegern (es schien ja auch viel Gutes für uns abzufallen, wenn man die Atomwaffen ausblendete und auch sonst nicht so genau im Rest der Welt hinsah). Land und Leute als solche dagegen fand und finde ich immer noch eine Reise wert, mal sehen. Falls sie mich dereinst hinein lassen, sie gehören schließlich beim Wassertiger zu meinen treuesten Lesern 😉

Zwei amerikanische „Importe“ hingegen liebe ich sehr. Das ist zum einen die Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker, ohne deren Hilfe ich vielleicht nicht mehr leben würde. Das andere ist kerniger, schmieriger Blues-Rock. So wie dieser hier:

Seasick Steve, Jahrgang `41. Mit 60 die erste CD, davor Straßenmusiker, Obdachloser, Hobo, Tramp mit Knast-Aufenthalten und dergleichen mehr. Auf Konzerten stets dieser uralten Stuhl, die aus allen möglichen Teilen (Alte Koffer, Besenstiele, Kochgeschirr, irgendwelchen Schachteln) selbst gebauten Gitarren. Selbst seine Hose scheint die Jahre überdauert zu haben. Die Musik – wer mag, höre mal rein. Genau meins.

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Netzfund mit Erinnerung

Remscheid, 1988

Unsere Aufgabe als Helfer des THW damals war unter anderen das suchen von Munition und anderen technischen, militärischen Gerät, welches über die Unglücksstelle verstreut lag. Zu diesen Zweck begleitete uns ein sachkundiger Soldat. Man erzählte uns zuvor etwas von „Übungsmunition“, welche der Flieger an Bord gehabt haben sollte. Klang harmlos, aber die Aussage des Soldaten belehrte uns eines besseren. Einzig das Projektil dieser Waffen sei ein anderes, Spreng- und Treibsatz der gleiche.

Ferner hatten wir menschliche Überreste einzusammeln. Zu diesem Zweck standen überall „Fleischwannen“ umher, in welchen dieses zu deponieren sei. Eine Szenerie wie in einem schlechten Horrorfilm, für mich unvergesslich.

Unvergessen auch das Auftreten der Amerikaner. Sie sperrten das ganze Viertel weiträumig ab, hinderten Anwohner daran, ihr Hab und Gut zu sichten, während durch die Hinterhöfe die Plünderer sprangen und sich bedienten. Hier erfuhr ich erstmalig live, was es heißt, in einem besetzen Land zu leben. Unvergessen auch der unselige Auftritt des damaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz am darauf folgenden Wochenende in Remscheid, dem ein wütender Empfang bereitet wurde.

Es wurde in diesem Zusammenhang gelogen, das sich die Balken bogen…seit dieser Zeit kann ich nur jedem raten, im Falle eines solch großen Unglücks mehr seiner Intuition zu trauen als irgendwelchen staatlichen Institutionen.