Donnerstag, 230119

Ein Gefühl der Leichtigkeit trägt heute früh ganz gut, das ist ungewohnt. Liegt vielleicht auch daran, dass mein Indrustrieschauspielerzeiterfassungskonto (Gage, kein Lohn!) endlich stimmig ist, dank beharrlichen Nölens sowie wiederholter sachlicher Richtigstellungen.

Vielleicht isses auch der nahende Frühling, ich ignoriere den heftigen Schneefall jetzt gerade und machs wie der Vogel gestern, flöte gegen die Unbill der Zeit und tue so, als sei das Leben schön. Keine schlechte Strategie, finde ich. Habe das gerade schon in einem Kommentar geschrieben, Katzen haben uns in Sachen Glückseligkeit einiges voraus. DAS ist ihr Normalzustand, wenn alles Störende beseitigt ist, im Gegensatz zu uns Menschen. Das Abhandensein von Unglück bedeutet ja noch lange nicht Glück, man hat ja noch das Grübeln, sich-Sorgen-machen oder sonstwie schwarz sehen. Kann man also von den Fellnasen viel lernen.

Und – bei Tage sehe alle Wege freundlicher aus.
Nordbahntrasse zu Wuppertal.

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Mittwoch, 230118

Im Laufe der ersten Viertelstunde wird mir warm. Nach einer halben Stunde wird mir langweilig. Es scheint sich nichts zu bewegen, ich scheine nicht von der Stelle zu kommen. Der Verstand weiß es besser und so atme ich und gehe. Einen Schritt nach dem anderen. Und komme doch an, wacher denn je.

Begegnungen

Kauernde Katzen
Hungrige Hunde
Forteilende Fahrradfahrer

Bonus:
Ein verpeilter Vogel, der den Frost ansingt.

Montag, 221212

Das Datum hat einen Eintrag verdient, auch wenn es an so einem Montag Morgen nichts Bedeutendes zu berichten gibt. Nur Einsen und Zweien, keine Null, geht, geht doppelt und kein geht nicht. Wie schön, kann losgehen.

WordPress stellt ausgegraute Animationsfragen oder so, für diejenigen, die überhaupt mal gar nicht wissen, was sie schreiben sollen. Die Fragen hauen ab, sobald der neue Block beschrieben wird. Gerade eben stand da „Wen beneidest du?“ Neid ist bei mir ein sehr seltenenes Gefühl, Gott sei Dank.Meine Lebensentscheidungen der letzten Jahre habe ich bewusst und in vollem Umfang aller Konsequenzen getroffen, wohl wissend, es hätte auch anders gehen können. Jene, die anders entschieden haben, beneide ich nicht, sondern schaue mit Neugier zu, was sich bei denen findet. Neid auf Besitz kenne ich dagegen überhaupt nicht. Sehr selten beneide ich Menschen, die die Möglichkeit haben, diese Gegend hier zu verlassen und ans Wasser zu ziehen. Aber auch sie zahlten ihren Preis, den ich nicht entrichten musste. Dann ist dieser Anflug von Neid verschwunden. Jeder auf seine Weise.

Und? Bin wach. 58 Minuten Fußweg, 4.5 Km mit 10Kg Rucksack in 6400 Schritten. Einmal die Woche tue ich jetzt so, habe ich entschieden. Macht dankbar für gutes Schuhwerk und gesunde Füße.

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Montag, 221205

Der Wetterdienst hat mit dem Geschneie vermutlich übertrieben, zumindest hier im Tal der Wupper. Jedenfalls habe ich das Auto stehen gelassen und bin gelaufen. Mit dem gut gefüllten Montagsrucksack, Wäsche für die Woche inklusive. Neue Wanderschuhe – die Dinger tragen sich seltsam, weil sie hoch sind. Nach einer guten halben Stunde schmerzt es über den dicke-Zehen-Knochen, beidseitig. Ich experimentiere mit der Schnürung und trage so Wandersocken in Links/Rechts-Ausführung. Mal sehen, ob das nach einer Weile mit ein paar neuen Erkenntnissen in den Griff zu kriegen ist. Wäre schade drum.

Und arg düster isses auch.

Sonst so? Ich entziehe mich, dem schenken. Habe anstelle dessen dem hiesigen Nachbarschaftsheim einen ordentlichen Betrag gespendet. Uns geht das sowas von gut, alle in Lohn und Brot und im Kiez gibt es Kinder, die noch nicht einmal eine warme Mahlzeit am Tag bekommen. Es fühlt sich richtig an, so zu tun. Angenehmer Nebeneffekt: Kein Gerenne ins Städtchen und/oder Paketdiensten hinterher. Und keine weiteren Staubfänger/Schrottwichtelkandidaten.

Wenn ich Radio höre, dann meist mit viel Text und wenig Geplärre. Netter Netzfund zum Thema, extra für Alice 🙉 

Und – Filmtipp, gestern gesehen. Alt, aber gut, ich habe schallend gelacht.

Montag, 210208

Am Samstag habe ich nach dem abstellen des Bobby-Cars noch alle Schlösser durchgesprüht. Vergebens, wie sich heute früh zeigte. Wasser & Frost – den Kleinen kann ich wohl erst wieder bewegen, wenn es taut …

Gestern noch habe ich in weiser Voraussicht mein altes Bike durchgesehen, Züge durchgesprüht, Luft, Kette gepflegt. Dank derangierter Leisten und Unterarmsehnen bin ich dieses Jahr tatsächlich noch nicht gefahren. Wenn ich bedenke, dass ich viele Jahre nur Rad gefahren bin… Das Teil funktioniert wenigstens auch im Eis. Kritisch sind nur die Straßenübergänge, da schiebe ich teils lieber. Die Nordbahntrasse jedenfalls ist frei und wird regelmäßig geräumt. Gut so!

Wheeler 1400 Crossline, Bj. Anno 1993, nachgerüstet mit Deore-Komponenten rundherum, nur der Rahmen ist noch original.

Ibuprofen – Chapter lässt grüßen …

Nachtrag: Diskussionen am Arbeitsplatz ergaben ganz klar: Merkel ist schuld. An allem, also auch am Wetter. Hat sie nun davon, die Russen ärgert man nicht einfach so. Als Reaktion darauf haben die Russen den Jetstream zusammenbrechen lassen und nun ist Russenpeitsche strenger Ostwind allerorten. Mindestens. Das kriegen die hin, weil die mit Bill Gates zusammenarbeiten, und wenn einer weiß, wie das geht, dann der.

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Sonntag, 200913

Sonntag Morgen, gefüllt mit Energie aus meinem Morgenritual sitze ich hier und genieße die Zeit, weil mir bewusst ist, wie flüchtig so ein Gefühl ist. Immer nur ein Geschäft auf Zeit, wie der Sand einer Sanduhr im oberen Teil immer weniger wird, so verflüchtigt sich bei mir die positive Energie über Tag, mit andauernden Einflüssen vom Außen. Langsam und stetig geht das. Mir fällt dieser kontinuierliche Schwund im Alltag beim betrachten eines gerade wunderschön blühenden Strauchs am Rand vom Arbeitsweg auf. Am Morgen bleibe ich im Dämmerlicht stehen, schaue die satten Farben, nehme das Bild erfreut mit. Wenn ich am Nachmittag wieder dort lang komme, steht dort derselbe Strauch im gleißenden Sonnenlicht, aber ich sehe ihn anders, selbst wenn ich einen Moment verweile, gefüllt, wie mein Innerstes ist, mit den Eindrücken und Herausforderungen des Tages.

Am Abend setzt sich das fort, auch abseits von den alltäglichen Arbeiten daheim. Das Nachtschattengewächs in mir meldet sich, ebenso der schwarze Vogel, der leise kichert. Geh `du ruhig in die Sonne, sagt er, wir leben ja, Gott sei Dank ,nicht am Polarkreis. Und selbst dort bin ich bei dir … Ok, so soll es sein, denke ich, und lasse den Gefiederten dort, wo er ist. Seine Lieblingsspeisen gebe ich ihm nicht mehr, die Zeit ist vorbei.

Auch die Motive ändern sich, am Abend.

Manch Schönes bleibt auch ein wenig, so wie diese Warte-Zeremonie vor dem großen Fressen. Das ist im übrigen der einzige Sinn und Zweck der beiden Hocker …

Und – weil`s gut ist, gut tut …

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