Astrologie & Co.

Von Astrologie war gestern die Rede. Vor langer Zeit wollte ich das mal genauer wissen, bin zum Standesamt gelaufen und habe mir die Kopie meiner Geburtsurkunde geben lassen. Den Inhalt darf ich mit euch teilen, weil ich nicht der Kaiser von China bin (wer im alten China die Geburtsdaten des Herrschers erfuhr, musste zeitnah dran glauben, weil, was der alles wissen konnte…). Wer sich also jetzt die Mühe macht, Zeit und Ort meiner Ankunft auf Erden (4.6.62, 8.25 Uhr, Wuppertal-Elberfeld) in eines der einschlägigen Portale zu hacken, der bekommt einen bunten Strauß Informationen. Das geübte Auge glaubt, einen roten Faden zu erkennen. Oder mehrere, vielleicht auch eher bunte Fäden, schwarz-graue eingeschlossen. Vieles klingt schlüssig, manches (scheinbar) widersprüchlich. Es sind Anlagen, Optionen, bestenfalls.

Wenn ich all dies heute so lese, (ja, es hat hier im Haus auch ein dickes Buch zu dem Thema), dann wende ich mich recht flott wieder ab. Kopf genickt oder geschüttelt habe ich schon mehr als genug und irgendwann ist der eigene Saft wenig unterhaltsam. Was ist heute anders als damals?

An einer Wand hier hängt eine Postkarte, in einem (beinahe Katzen-sicheren) Bilderrahmen. Da ich keine Lust habe, diese da heraus zu fummeln und zu scannen, beschreibe ich sie lieber, das geht schneller. Es ist ein Kreuz, vor dunklem Hintergrund. Das besondere an diesem Kreuz ist die Spiegelfläche, unterbrochen von zahlreichen Rissen, Brüchen, Zersplitterungen. Unsere Pfarrerin hat es mir mal geschenkt, ich fand es so bezeichnend, dass es den Weg in eben den Rahmen gefunden hat. Zerbrochen in der Tiefe, geeint im Glauben. So oder ähnlich steht es auf der Rückseite und besser kann man es, glaube ich, nicht beschreiben. Astrologie bleibt unterhaltsam, aber sie trägt mich nicht. Die Kraft zum aufstehen und wach bleiben gibt mir nur der Mensch-Gewordene.

Sonst so? Was Seichtes zum Schluss. Katzen sind hier aus gegebenen Anlass immer wieder mal Thema. Gestern war das große Kind mit seiner Liebsten hier, zum essen, trinken, sitzen, reden. Da darf auch schon mal geblödelt werden, bei aller Ernsthaftigkeit. So besah ich mir gedankenverloren meine zerkratzten Hände und erging mich in Wortwurzel-Forschung. Die Katze hieß nämlich früher Kratze, bis die Chinesen das irgendwann hörten. Klatze, sagten sie und fanden das mächtig Scheiße. Im Zuge der Völkerverständigung fand man zu einem bilateralen Abkommen und ließ das „R“ schlicht weg. So war das …

Einen angenehmen Pfingstmontag uns allen!

 

Übergang, wie Fertigung ergibt

Das ist in der Technik des Werkzeugmachers liebste Qualitätsanforderung. Sie beschreibt den Übergang von einem Teilbereich des fertigen Produktes, meist in der Blechumformung (beim biegen, ziehen, stauchen, prägen ect.), der funktional in Ordnung und maßhaltig sein soll, zu dem nächsten Teilbereich. Auf gut deutsch also: Mach`, was du willst, Hauptsache, es funktioniert und sieht auch noch gut aus.

Das hat schon fast etwas Philosophisches. Übertragen in das tägliche Leben könnte man frei übersetzt sagen, dass der Zweck eben die Mittel heiligt. Eine Horror-Vorstellung für all jene, die stets einen Plan brauchen, oder besser eine genaue Wegbeschreibung. Pläne an sich sind schon in Ordnung, sofern sie nicht in Gängelei ausarten. Wie war das noch, frei nach Birne? Entscheidend ist, was hinten heraus kommt. Auch, wenn sich meine Sympathie für den mittlerweile verstorbenen Ex-Kanzler stets in engen Grenzen gehalten hat, hemdsärmeligen Pragmatismus konnte der. Eine Fähigkeit, die ihm bei der deutschen Bankenöffnung Richtung Osten Wiedervereinigung 1990 gut zupass kam. Ok, hätte auch anders kommen können, oder wenigstens humaner, aber dazu hätte es etwas mehr Mut und einiges mehr Phantasie gebraucht. Und nein, ich bin kein verträumter noch-nicht-ganz so-Alt-Linker, sondern wünsche mir schlicht etwas mehr Menschlichkeit in der Welt der freien Märkte.

Um  nicht noch weiter herumzupolitisieren und wieder zum Anfang zu kommen, sei noch ein weiterer schöner Anwendungsbereich dieses Lebensprinzipes erwähnt, unsere Wohnung nämlich. Wer so wie ich als Kind und Jugendlicher in den Sommerferien stets Camping betrieben hat und obendrein noch mit einer künstlerisch begabten Frau gesegnet ist, kann selbst die Improvisation zur Perfektion (!) treiben. Wer dann noch, so wie wir, Katzen liebt, der lässt irgendwann von den schief gespielten Bildern an der Wand ab, hinter denen sich wenig ansehnliches wie zum Beispiel alte Bohrlöcher verbergen. Gibt wichtigeres – Katze gesund zum Beispiel.

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Sonntag, der 10te Mai

Viel gibt es nicht zu berichten. Derzeit scheint die Welt zumindest um mich herum ein Stück weit still zu stehen. Der Zustand der Eltern ist unverändert, die Isolation in Sachen Selbsthilfegruppen ebenso. Es gibt virtuelle Alternativen, Zugänge sind mir bekannt und technisch einigermaßen vertraut, aber ich nutze sie nicht. Mir fehlt etwas dabei, schwer zu beschreiben. Die Verbundenheit mit den mir persönlich bekannten Freunden dagegen bleibt und wird zumindest telefonisch gelegentlich gepflegt.

Diese Woche – der achte Mai, vorgestern. Für die einen Tag der totalen und absoluten Niederlage, militärisch, verbunden mit Gebietsverlust und politischen Gestaltungsmöglichkeiten, wie sie sagen, ohne das weiter auszuführen (mir gruselt bei der Vorstellung, wie diese wohl ausgesehen hätten, wäre es anders gekommen). Für die anderen Tag der Befreiung von einer unmenschlichen Diktatur. Für mich steht dieses Datum für beides, für eine totale militärische, aber vor allem moralische und menschliche Niederlage, eine komplette Bankrotterklärung eines Teiles meiner Ahnen, die sich von der Vorstellung haben blenden lassen, bessere Menschen zu sein als ihre damaligen Nachbarn. Ganz sicher war es auch ein Tag der Befreiung, nicht nur mit Blick auf die Überlebenden der Lagerhaft, sondern auch für die meisten Menschen wie zum Beispiel meine Eltern, damals Kinder, 10 und 11 Jahre jung, die einfach erleichtert und froh waren, nicht mehr täglich um ihr Leben fürchten zu müssen. Sie ahnten an diesem Tag noch nicht, wie schwer die nächsten Jahre zu ertragen sein würden. Als der Hunger vorüber war, haben sie sich abgelenkt, haben verdrängt und konsumiert. Sie hatten keine anderen Möglichkeiten, das Aufarbeiten war an meiner Generation, in meinem Fall als süchtiger Mensch Überlebens-notwendig, bis heute.

Sonst so? Mit wenig Überraschung verfolge ich die derzeitige Stimmung im Land. Leider menschlich, das Ganze. Sorge bereitet mir die politische Zukunft, aber auch hier wie überall im Leben hilft nur Vertrauen, dass ES sich finden wird. In diesem Fall das Vertrauen in die politische, menschliche und Verstandes-technische Reife meiner Mitmenschen, auch wenn es manchmal schwer fällt.

So, genug der Schwere, zum Schluss noch etwas wunderbar Leichtes, auch wenn sie tagtäglich schwerer wird, wie mir scheint. Und – man beachte die feine, farbliche Abstimmung mit den Schaffellen.

Darf nicht fehlen…

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Und wieder Sonntag

So einer mit viel Sonne. Da denke ich, ein wenig mehr Regen wäre gut für die Erde, verbunden mit ein wenig mehr Sonne in den Herzen. Bei mir angefangen, wo sonst. Ja, die Zeiten sind unüberschaubar, verunsichernd und auch beängstigend. Merkwürdiger Weise macht es mit mir weniger als erwartet, weil innerlich vertraut. Mal `ne Krise von außen statt von innen – der einzige Unterschied ist teilweise verschiedene Herangehensweise. Akzeptanz und Annahme ist innen wie außen der erste Schritt. Äußere Krisen sind im Vergleich zu inneren Krisen mit einem höheren Grad an Anpassung verbunden und auch mit vergleichsweise größeren Risiken, gesellschaftlich.

Was hilft – neben Hoffnung, Glaube und Vertrauen: Ein bei aller Emotionalität etwas realistischer Blick auf die Dinge. Es ist nur ein VIRUS, keine Weltverschwörung, wie einige selbst aus meinem Umfeld zunehmend glauben. Natürlich gibt es Kräfte, die diese Lage für ihre Zwecke nutzen wollen. Und wieder – Vertrauen, hier auf die Gegenkräfte, ganz konkret unsere Verfassung und deren Vertreter. So lahm und quer, wie unsere Demokratie oft auch rüber kommt, mit ihrer Langsamkeit und föderalen Struktur, zu jeder Kraft gibt es eine Gegenkraft. Nicht nur in der Physik.

Hier ein guter, wenn auch langer Artikel zum Thema, für euch freigeschaltet auf

Krautreporter

Sonst so? Alte Rezepte wirken immer noch. Selbst ein maskiertes Lächeln bekommt Antwort, selbst eine freundliche Bemerkung hinter einer ehemaligen Unterhose im Gesicht findet Resonanz. Geht doch! Und ja, ich schreibe das hier hauptsächlich auch für mich, damit ich das nicht vergesse.

Denen hier ist die Gesamtlage übrigens wurscht. Wenn ich bei ihnen liege, spüre ich das. Positive Vibrations. Zumindest für eine kleine Weile …

Auch ja, falls es jemand vermisst …

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Der frühe Vogel

Den höre ich gerade, mit Sommerzeit hat der nichts zu tun, im Gegensatz zu mir, mit meinem dumpfen Druck im Schädel, als Zeichen der Umgewöhnung.  Nur ab und an wird der gefiederte Sänger da draußen von einem Auto gestört, irgendwie ist jetzt jeden Tag mindestens Samstag auf der Straße.

Und so sitze ich, lasse Gedanken strömen. Eltern, Kind, Frau, Arbeit, Freunde – alles bunt gemischt und durcheinander. Beherrschend ist derzeit die tiefe Bewegtheit über den Zustand meines Vaters. Bei alledem geht das so genannte Tagesgeschäft weiter, wie lange man mich noch werkeln lässt, ist unsicher, wie so vieles in diesen Zeiten. Irgendwie gewöhne ich mich daran, „auf Sicht“ zu leben, zumal sich dieser Zustand, auch wenn er mir nicht sonderlich gefällt, doch mit meiner Grundüberzeugung deckt, dass die stete Veränderung die einzige Konstante im Leben ist. Zeit, all dies aus mir heraus fließen zu lassen, bei meinen morgendlichen Ritualen. Allein bin ich dabei auch nicht, der Große liegt da, wo er immer liegt und Baby liegt unter mir und kuschelt während den Übungen.  Na dann.

Nicht noch ein Eintrag, der „Sonntag“ heißt

Momentan gehört unser Abenteuerspielplatz von Wohnung den beiden Fellnasen und mir – in dieser Reihenfolge, alle Katzenliebhaber werden das bestätigen können. Die Liebste ist in Sachen Familie unterwegs, so wie auch ich in letzter Zeit, wenn auch aus anderen Anlass.

An solchen Tagen ist die große Kleine noch verschmuster, kommt zu mir in`s Bett und wartet, sucht fordernd mit ihrem Kopf meine Hand, um mit selbigen darin höhlengleich zu verschwinden. Warm und dunkel … irgendwie zieht es alle Geschöpfe aus Fleisch und Blut gelegentlich wieder dahin zurück. Eine glaubwürdige  Quelle hat mir mal ernsthaft versichert, Heroin hätte die gleiche Wirkung … nur gut, dass ich diese Erfahrung nicht teilen musste, ich habe andere, eigene, die mir durchaus genügen.

Und während der Flauschball dicht neben mir dunkel wie ein gut laufender Elektromotor ununterbrochen schnurrt, geht mir die gestrige Visite bei den Eltern nicht aus den Kopf. Oder besser, ein Gedanke währenddessen, der schon so etwas wie ein Grundsatz für mich geworden ist, mit den Jahren. Mit Grund- oder Glaubenssätzen bin ich vorsichtig geworden, das Leben ist zum einen dafür zu sehr in steter Veränderung, zum anderen werden aus Grundsätzen und auch bewährten Traditionen schnell Dogmen, die wiederum eine andere Liga bilden. Anstelle Halt und Orientierung schaffen sie Erstarrung und Ausgrenzung, keine gute Basis für die stete Veränderung um und mit uns. Einige wenige haben dennoch alle Zeiten überdauert, haben sich bewährt, im Wandel der Zeit. So der hier zum Beispiel.

Zu tun, was ich kann.

Das zieht sich durch alle Lebensbereiche, fängt bei den 51% an, die immer mir gehören, als mein eigener Mehrheitseigner. Wenn wer meint, alles geben zu müssen, schüttle ich nur den Kopf, keine gute Idee, bleibt dann doch recht wenig für den Akteur übrig. Oder für irgendwas zu brennen, auch keine gute Sache, in kurzer Zeit sozusagen ausgebrannt als Haufen Asche zu enden. Will sagen, Achtsamkeit im Umgang mit mir selbst ist die Basis für alles andere, für die 49% Außen-Gerichtetheit meinetwegen.

Im Außen geht es mir darum, das mir mögliche zu tun, ohne mir einst vorwerfen zu müssen, gegen besseres Wissen etwas unterlassen zu haben. Gleich, ob es um Verantwortung für diejenigen geht, die sich nicht (mehr) selbst helfen können oder darum, eine Arbeit zu meiner Zufriedenheit zu erledigen. Früher war dieses Streben mit Exzessivität und Perfektionismus verbunden, mit Euphorie und totalen Abstürzen, gefolgt von ebenso exzessiven Belohnungen oder eben (Selbst-)Bemitleidigungen. Mit den besagten 51% hatte ich damals nix am Hut… die Erinnerung macht mich hier beim schreiben schon dankbar, heute anders leben zu dürfen.

Noch einer zum Schluss? Ok, der ist auch gut, klingt zwar flapsig, ist auch nicht von mir, aber von mir zu eigen gemacht.

Zwei Dinge über Gott: Es gibt ihn und – ich bin es nicht.

In dem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Sonntag …

 

An oder aus (Leben mit Lilit und mehr)

So kommt mir (mein) Leben manchmal vor. Da ist so ein freier Tag, wie heute. Ich bleibe länger liegen, weil ich weiß, bin ich erst einmal aufgestanden, geht es los. Was mich dann so alles stört oder besser anschreit.

Der tägliche Sandkasten im Bad zum Beispiel. Katzen scharren und barfüßig durch die Steine ist auch nichts. Also dran an den Besen, die Kleine liebt den morgendlichen Fight mit den Borsten. Hängt sich am Besen fest, wartet nur darauf, bis ich mit ihr im Schlepptau den gesammelten Dreck zu einem erklecklichen Häufchen zusammen gefegt habe, um sich dann mit Inbrunst drin zu wälzen.

Abwasch ist auch so ein Ding. Am Abend fühlt sich aufgrund großer Müdigkeit niemand wirklich berufen, die Unreinheit zu beseitigen. Und am Morgen mag ich mir den kniestigen Scheiß nicht länger anschauen, gehe also dran. Um währenddessen wenigsten ein halbes Dutzend Mal die Kleine mit Schaumhänden vom Spülenrand zu pflücken und abwärts zu befördern.

Dann setzte ich mich erst mal, trinke meinen Tee und versuche entweder, gedankenlos aus dem Fenster zu schauen oder einige Einträge hier zu lesen. Bis die Kleine mitbekommt, dass ich hier sitze und schnurrend wie ein Elektromotor, also durchgehend beim Ein- und Ausatmen, Geräusche des Wohlbefindens produzierend ihr Recht auf Liebe und Nestwärme einfordert. Beim anschließenden Frühsport hängt sie mir an den Bändern meiner HausgammelYogahose oder sonstwo, was dann nicht so toll ist.

Alltag sozusagen, und ich mag ihn mir auch nicht wirklich anders wünschen. Alles hat auf diese Weise seine Berechenbarkeit und Konstanten, selbst verschleppte Kleinigkeiten oder besser die Suche nach ihnen zähle ich dazu. Wichtig bei all dem richtigen Chaos um uns her.

Übrigens, morgen muss ich noch Brot holen …

rps20191101_172100

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PS: Wenn mich wirklich mal etwas nervt, dann wünsche ich mir so eine Kiste: