Donnerstag, 221013

Der Plan heute beinhaltet, am Nachmittag Vater zu besuchen, erstmalig seit 2 Wochen. Mir wird flau im Magen, wenn ich daran denke.

Um so wichtiger sind die Banalitäten des Alltags. So haben Arbeit und Zuhause, von meiner temporären Anwesenheit mal abgesehen, noch mehr gemein: Katzen, die Opportunisten vor dem Herrn. Warm und kuschelig – erster, alles ich.

Die hier sägt schön tief vor sich hin, während sie da ruht. Und wie farblich abgestimmt das alles ist – Harmonie pur. Dazu trägt Madam sowieso ganzjährig schicke Herbstfarben.

Paar Türen weiter geht es ähnlich zu, wenn auch nicht so hübsch farblich abgestimmt. Bruder Schmutzfuß liebt die Wärme von dem Öfken hier in der Bude. Und meinen Bürostuhl. So komme ich vom pinkeln wieder, zack, besetzt. Sieh zu, Zweibeiner. Wohl dem, der mehrere Stühle hat.

Sonntag, 220619

Doof aufm Ohr, Neugier & Nachhaltigkeit

Es hat Tradition, dass ich abgelegte Mobilphone übernehme, Resteverwerter, der ich sein kann. Und so kam ein Samsung A50 zu mir, zu schade für die Schublade und mit mehr Speicher ausgestattet als mein altes (!) S7. Alles wunderbar, es hat eine Migrations-App, die meine alten Einstellungen auf das neue Phon transferiert. Bis der erste Anruf kommt, es soll ja tatsächlich noch Menschen geben, die lieber reden als schreiben wollten, und das sogar in Echtzeit, also nicht als Sprachnachricht. Klassischer Dialog! Mein Headset hatte ich schon ausprobiert, das ging. Den Lautsprecher am Phon auch, in Ordnung. Wer nun aber weder die Ohrplöppel parat hat noch das versammelte soziale Umfeld an dem Gespräch teilhaben lassen möchte, der muss sich das Brikett ganz altmodisch ans Ohr halten. Und – ich höre kaum was, trotz hektischem Gefummel an dem Lautstärkeschieber. Also laut gestellt und erst mal kurz die Einsamkeit gesucht – und danach frustriert das Phon rückgetauscht. Kommt Zeit, kommt der passende Gedanke, meistens.

Erste Frage – wie heißt das Ding überhaupt, was möglicherweise kaputt sein könnte? Ohrhörer, Ohrmuschel, Ohrlautsprecher, so in der Art. Nächste Frage, wie kriege ich raus, ob das Teil defekt ist, zumal das Phon erstmal keine Simkarte hat? Das Netz verrät eine Samsung-eigene Testfunktion, die man mit *#0*# auf der Telefon-Tastatur aufrufen kann. Eine Menge Felder zum drauf rumdrücken, natürlich alle in englisch. Versuch macht klug und der richtige Button hat die Bezeichnung „Receiver“, woraufhin ein kläglich leiser auf- und abschwellender Prüfton erklingt, Aha, da ist also noch Hoffnung, vielleicht ist das winzige Ding (im Vergleich zur S-Klasse) schlicht nur verdreckt, Ohren können ja ordentliche Keimträger sein. Nächste Frage, wie bekomme ich den Schmand da heraus, ohne die filigrane Technik zu ramponieren? Klebeband, sagt das Netz. Ne olle Zahnbürste, sehr achtsam eingesetzt, sei auch hilfreich. Am besten sei allerdings so genannter Typenreiniger, eine Naturkautschuk-Knetmasse, an der so ziemlich alles hängen bleiben soll. Kann man kaufen, hab ich aber nicht, also versuche ich mich mit Zahnbürste und Klebeband, schön vorsichtig. Siehe da, nach zig Versuchen erscheinen winzige Löcher in dem Spalt, aha. Zur Unterstützung nehme ich den Sauger, auf schwächster Stufe – damit es mir nicht das komplette Teil entkernt. Es folgt ein weiterer Selbsttest und ein WLAN-Probeanruf, siehe da, man brüllt mich regelrecht an.
Gut so.

Sonst so?

Unheimliche Begegnung hier aufm Berg gestern, ein Motorrad wie aus einem Werner-Film, Auf Nachfrage Baujahr 1946, eine uralte Indian, nackt, ohne Farbe, unbeschreiblicher Sound. Musste leider schnell gehen, daher ein wenig unscharf, aber immerhin.

Und – Foto-Session mit Jungkatze, auf mehrfachen Wunsch.
Bitteschön.

Donnerstag, 220526

Himmelfahrtstag, der Gedenktag zum Wiedereintritt Jesu in das geistige Reich. Fundstück zum Tag:

  • In der heutigen Theologie herrscht dahingehend Übereinstimmung, dass „Himmelfahrt“ kein „Ortswechsel“[5], keine Art „Weltraumstart“[6] ist und Jesus nicht als „Raketenmann“[7] dargestellt werden soll.
    Quelle

Danke für die Klärung, Wikipedia.

Sonst so? Es ist still, von der jammernden Katze vor der Tür mal abgesehen, das ist immer so, wenn die Liebste mit nem Korb Wäsche dort verschwindet. Weltuntergang, das arme Tier. Anders herum funktioniert das übrigens auch: Komme ich heim, höre ich schon ihre Begrüßung unten auf der Straße. Dem alten Mann dagegen geht es am Arsch lang, ob jemand kommt oder geht – mit Ausnahme aller mehr oder weniger Fremden, ankommend, er hasst Besuch, was ich zeitweise gut verstehe.

Darüber hinaus steht ein verlängertes Wochenende an. Mit Büro-Arbeit, vor der ich mich schon lange drücke: Anmeldeformulare für Altenheime. Die damit zusammenhängenden Diskussionen und Emotionen erspare ich der Öffentlichkeit. Es macht jedenfalls etwas mit mir, und nicht wenig, von den Betroffenen mal ganz abgesehen. Einsicht und Klarheit herrschen dort jedenfalls nicht, was dieses Thema angeht. Es mangelt ganz offensichtlich noch an entsprechenden Leidensdruck, man kennt das. Für mich wieder mal Zwiespalt – trachte ich doch Leiden vermeiden zu können. Den Dingen einfach mal ihren Lauf zu lassen, ist nicht meine Art, aber manchmal unumgänglich, damit sich etwas bewegt. Hat sich in anderen Lebensbereichen für mich durchaus bewährt. Man wird sehen.

Genug der getragenen Ernsthaftigkeit, zurück zum Katzencontent. Das Jungtier ist ein Mädchen vor dem Herrn. Mal kommt sie Tage- bis Wochen lang nicht zu mir, des Nachts, und dann von jetzt auf gleich jede Nacht ein halbes Dutzend Mal. Auch am Tage klebt sie zeitweise an mir, so geschehen gestern. Nach einer Stunde Sofa setze ich mich auf, nehme mein Phon zum lesen. Fataler Fehler, stellt sich Madam doch auf die Hinterläufe, Vorderpfoten von hinten auf meine Schultern und klagt mir derart herzerweichend ins Ohr, dass ich augenblicklich das lesen verschob. Sie ist die Fell-bewachsene personifizierte Launenhaftigkeit, aber wir lieben sie sehr.

Hier mit beginnender Mordlust, etwas Beflügeltes betreffend.

~

Freitag, 220218

Fast Wochenende, die letzten Stunden mit Vorfreude auf das nachmittägliche Sofa, die milchtrittige, Füße massierende Jung-Katze inbegriffen. Apropo Katze – wir unterhalten uns, der arabische Lieblingskollege und ich. Die Menschen in seinem Dorf, irgendwo im Westjordanland, leben unter Willkür- und Gewaltherrschaft – darf man hierzulande historisch bedingt nicht laut sagen, darum tiefer gestellt. Hätte ich auch nicht erwähnt, aber dieser Fakt ist unerlässlich, um den folgenden Kontext zu verstehen. Ok, zurück zum Thema – es treibt seltsame Blüten, wie mir berichtet wurde. So hat ein Nachbar einen Kater, der kommt zum Futter und macht ansonsten, was er will, wie seinesgleichen eben so sind. Einen Namen hat er auch, der Nachbar ruft ihn am Morgen laut, während die Machthaber in gepanzerten Fahrzeugen vorbei fahren:

Hitler, Frühstück!

Ja, und während ich das hier schreibe, überlege ich, ob man über so etwas herzhaft lachen darf, so wie wir beide heute Morgen. Ob man überhaupt über den mutmaßlich größten Menschheitsverbrecher Witze reißen darf. Da ich kein Moralist bin, überlasse ich die Beantwortung lieber anderen. Eher bin ich Fatalist, das ist so eine Art Erbgut mütterlicherseits. Da wurde schierer Horror in lustige Lieder vertont und fröhlich 20 Jahre später noch in der Küche gesummt. Und so denke ich, lieber schräger Humor als Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten – und/oder daran zu zerbrechen.

Er zog von Stadt zu Stadt, mit seinem weißen Pferd ….

*

Sonntag, 220206

Mit Blick aus dem Fenster sieht es nach einem Tag daheim aus, Regeneration kommt schließlich von Regen. Oder so. Heizung an, sehr gegenwärtige Katzen – meine absoluten Vorbilder, was die Fähigkeit angeht, im Hier und Jetzt zu verweilen. Brunch in Kürze verhindert längere Texte, obgleich das Herz gefüllt ist mit den Eindrücken des gestrigen Abends – das erste AA-Literaturmeeting seit 2 Jahren. In dem gelesenen Text war vom Abgesondert-sein die Rede, als eine der tieferen Ursachen jeglicher Suchterkrankung, ebenso von heilsamen Wegen, da herauszufinden.

Mir tut die Gemeinschaft gut, auch das vorbereiten der Texte, die Auseinandersetzung damit, das kürzen auf wesentliches, um die Lesedauer auf maximal 30 Minuten zu beschränken. Ganz besonders aber wirkt das gemeinsame Teilen über diese Worte, hier fließen auch öfter mal Tränen der Erkenntnis und der Heilung. Ich kann nur schwer beschreiben, wie bewegend dies für mich ist.

Sonst so? Der Tagesplan ist überschaubar. Das eine und andere Telefonat, eine Mail schreiben. Der Rest ist gemütliche Verkommenheit, derweil kein Besuch erwartet wird. Wohlan, gut so.

Von wegen hier und jetzt…

Ohne Worte…
Alter Mann, fein geschmückt…
Kühlschank auf und Kühlschrank zu – genau so.

*

Samstag, 210918

Es ist Zwischenzeit. Also genau jene Zeit zwischen Frühstück und Morgentoilette, erst danach kann ich guter Dinge und leicht wie eine Feder das Haus verlassen und mich unter Menschen begeben. Ohne Frühstück und Toilette raus geht auch, aber nicht gut. Da ist die Luft dünn, weil mangels grobstofflicher Nahrung alle menschlichen Schwingungen viel zu nah an mich heran reichen. Sollte ich mal einen Mord begehen, dann definitiv vor dem Frühstück. Was also fange ich mit der, in der Zwischenzeit an, wenn die Hausarbeit gerade mal nicht ruft? Genau, schreiben geht. Und sei es auch nur über solch banale Startschwierigkeiten.

Rückblickend gab es ganz andere Zeiten, gerade Samstag Morgens. Schwer verkatert und komplett neben der Spur, das war eine ganz andere Sache. Da war der ganze Tag Zwischenzeit, sozusagen, konnte also nicht wirklich beginnen. Von daher – heute ist ein guter Tag. Mit Zwischenzeit.

Sonst so? Ich werde geliebt. Nicht nur von meinem Schöpfer, nein, vor allem jetzt gerade von der Jungkatze. Sie streicht um meine nackten Beine, das macht sie so lange, bis sie bekuschelt wird. Ignorieren geht nicht, jedenfalls nicht, sofern Mensch noch einen Rest von Empathie hat. Nach mehreren erfolglosen Runden um die Gebeine ertönt ein derart klägliches Miauen mit ihrem hohen Stimmchen (steht in einem gewissen Widerspruch zu ihrem Äußeren), dass es mir beinahe das Herz zerreißt. Spätestens jetzt ist alles Nebensache, außer eben Katze. Alles für die Katz, wortwörtlich. Jetzt liegt sie ausreichend beachtet und beschmust friedlich über mir, auf der Schreibtisch-Empore. Ihre Welt ist in Ordnung, meine auch gleich.

Madame Lilit

Kurz & bündig:


*

Sonntag, 210822

Bilder vom Spaziergang am gestrigen späten Nachmittag, den Wuppertaler Südhang hinauf. Eine Runde von gut 10 Kilometern, der Track ist kürzer, weil ich ein Stück herausgeschnitten habe (Sackgasse auf Privatgrund mit Gemecker). Der Weg ging durch mehrere Gartensiedlungen, über Straßen, durch Wälder hoch auf den Kiesberg und wieder herunter in die Stadt. Hier zu gehen ist eine andere Liga als im entspannt flachen Berlin, beides hat seinen Reiz.

Gartensiedlung, die Erste…
Ausblick auf die Stadt am Ende der Sackgasse – von unten wurde gemault.

Und …

An den konnte ich nicht vorbei, ohne ein Bild zu machen.

Wieder Richtung heimatlichen Kiez…

Zuhause dann drüber und drunter bei der Raubtierfütterung.

Hauptsache, man kommt dran…

Sonst so? Wir schauen gerade bei Gelegenheit Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt, eine ausführliche Doku-Reihe über die jüngste wechselvolle Geschichte der Stadt. Im Zuge einiger Recherchen lande ich bei der Kongresshalle, keine Ahnung wie. Jedenfalls hat der Dachschaden eben jener so genannten schwangeren Auster Anno 1980 der sich im selben Jahr gründenden Band Einstürzende Neubauten zum Namen verholfen. Was wiederum neue Recherche nach ein wenig Liedgut der schwer verdaulichen Kapelle rund um Blixa Bargeld zur Folge hatte.

Alles in allem – ein Stück, das jede Menge Raum zum nachdenken lässt. Oder sich einfach nur im Hirn einnistet, dort seine Runden dreht und möglicherweise an den einen oder anderen Traum erinnert. Kein Klartext und keine leichte Kost, aber hörenswert. Kryptische Lyrik pur …

Nachtrag: Was inspiriert den Künstler zu solchen Texten? Des Rätsels Lösung kam zu mir beim nachdenklichen betrachten des demolierten Werkstattbodens an der Stätte meines Jagens und Sammelns. Abgeplatzter Estrich – der Rest ist Phantasie, ganz altmodisch mit „Ph“.

Ein Schwätzer versucht
Dem Felsen etwas einzureden
Der es versucht aber doch
Nicht flüchten kann

*

Montag, 210809

Seit gestern wieder im Tal der Wupper, nach 8 Tagen Berlin. Es ist kalt im Westen, locker 4, 5 Grad kälter, Sockensommer halt. Fazit dieser Tage:

  • Es tut gut, am Leben der Familie teilhaben zu dürfen.
  • Der dicke Klecks in der Sandkiste Brandenburgs tickt in so vielen Dingen deutlich anders als West-Germanien. Vor allem im Bereich Wohnen.
  • Geschichte allerorten, ich staune oft, wie viel alte Bau-Substanz noch erhalten ist. Das ließen Aufnahmen unmittelbar nach Kriegsende nie vermuten. Während hier im Westen so viel seinerzeit noch rettbare Bausubstanz abgerissen wurde, scheint in Berlin vieles so gut es ging original wieder aufgebaut worden zu sein.
  • Die verschiedenen Kieze und Quartiere faszinieren mich immer wieder aufs Neue.
  • Auto fahren gehört definitiv nicht (mehr) zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Jede längere Strecke (hier 6 Stunden hin, 6 zurück) hat Kopfweh und Tinnitus zur Folge. Liegt gewiss zum Teil an dem rappeligen Gefährt, aber auch am älter-werden.
  • Jedes Mal Herz-erwärmend, wie die beiden Fellnasen auf unsere Heimkehr trotz liebevoller Versorgung nach ein paar Tagen Abwesenheit reagieren: Völlig unterkuschelt und unterspielt. Sichtbare echte Freude.

***

Ambivalenz. Innere Konflikte und Zwiespalt scheinen unauslöschlich zu mir zu gehören. Einerseits und andererseits. Wer schon länger hier liest, kennt diese beiden Worte sicher schon gut 😉 Zweierlei Themen möchte ich anreißen, die mich schon eine Weile beschäftigen:

Industrie vs. Naturschutz.

Als ein Kind der „alten Zeit“ weiß ich um die Bedeutung des Industrie-Standortes Deutschland. Verdiene ich doch seit Jahrzehnten mein Geld in Sachen „irgendwas mit Autos„. Und mit mir viele Millionen Mitmenschen hierzulande. Fahrzeug- Anlagen- und Maschinenbau, Automatisierungstechnik, tragende Säulen unser aller Auskommen neben dem Handel, der für mich ähnlichen Stellenwert hat. Der beste Garant für den inneren Frieden eines Landes ist allgemeines Auskommen, siehe oben, davon bin ich überzeugt. Das funktioniert nicht ohne Wettbewerb und Kommerz, alles und jedes muss sich rechnen, für den, der die Idee und das Risiko trägt, ebenso wie für alle anderen, die tatkräftig daran mitarbeiten. Über die Höhe dessen lässt sich streiten, ich rede hier sicher nicht von den nahezu perversen Gewinnen mancher Wirtschaftsfunktionäre und Börsenmakler.

Manchmal erschreckt mich die Losgelöstheit von diesen politisch-wirtschaftlichen Zusammenhängen mancher Zeitgenossen, die irgendwie vergessen haben, woher all die Segnungen wie Transferleistungen an jene, die nicht für sich selbst sorgen können, die medizinische Versorgung, die vielfältigen helfenden Berufen, dem Bildungswesen, um nur ein paar Stichworte zu nennen, eigentlich kommen? Sie werden erwirtschaftet, das ist Fakt, auch wenn das nicht allen gefällt. Mir gefallen lediglich die Auswüchse nicht, das Prinzip als solches schon. Gott sei Dank besteht die Welt ja nicht nur aus Mammon, es gibt so viel „unbezahlte“ Arbeit, Dienst am Nächsten mit unzähligen Gesichtern aus ebenso zahllosen Motiven jedes Einzelnen. Nur – so genannte Selbstlosigkeit (über den Begriff lässt sich auch streiten) muss Mensch sich auch leisten können, d.h., sein Auskommen muss gesichert sein. Das betrifft jene, die aktiv am Wirtschaftskreislauf teilnehmen ebenso, wie andere, die das aus vielerlei Gründen eben nicht können.

Die andere Seite: Die Gewissheit, es geht so nicht weiter, auch wenn die dramatischen Folgen von Wasser und Feuer in Sachen Klimawandel ein Produkt von weit über 100 Jahren Industriezeitalter sind, teils irreversibel und in der Korrektur sicher ebenso lange brauchen wie in ihrer Entstehung. Das, was heute unternommen wird, um dagegen zu steuern, wirkt sich erst nach sehr langer Zeit aus und leider denken immer noch viel zu Viele „nach mir die Sintflut“. Warum soll ich verzichten, wenn ich nichts davon habe.

Wie passt all dies am Ende zusammen? Ich habe die Hoffnung, dass sich gerade hierzulande die verschiedenen Kräfte zusammenfinden. Naturschutz, Kommerz und unser Standort als Industrienation mit einem fundamental guten naturwissenschaftlichen Bildungssystem, um das uns andere beneiden. Es geht um nichts weniger als unser aller Überleben, ökologisch und ökonomisch. Ansätze gibt es viele, ich beobachte das gespannt. Wenn ich wüsste, welche die richtigen sind, säße ich jetzt nicht hier, sondern würde mich sicher anderweitig beschäftigen 🙂 Beruflich bin ich für meinen Teil ein „Auslaufmodell“ mit einer sehr begrenzten „Restlaufzeit“, aber als Mensch mache ich schon so meine Gedanken, wie es wohl mit unseren Kindern und Kindeskindern weiter gehen könnte. Dabei ergehe ich mich sicher nicht in dystopische Szenarien, sondern schaue eher hoffnungsvoll auf die Möglichkeiten, die sich auftuen, für jene, die noch so viel vor sich haben. Weil – selbst erfüllende Prophezeiungen nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene funktionieren, da bin ich mir sicher. Alles ist Energie – auch schreibend und lesend.

Zum Ende – Mein Herz und mein Gefühl haben auch solche Menschen wie sie in dem Film Wild Plants vorgestellt wurden. Ein stiller, beinahe meditativer Streifen, den ich mir immer wieder mal gerne anschaue.

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Sonntag, 210725

Gestern beim Abendessen gerne gesehen: Sie nannten ihn Mücke, Anno 1978. Herrlicher Klamauk, bar jedes intellektuell fordernden Inhaltes, immer schön auf die Fresse. Und gewonnen haben sie am Ende doch noch, die Spacken aus dem Küstendorf.

Und auch sonst gibt es zu dem Jahr 1978 noch einiges zu sagen. Ende meiner verhassten Schulzeit, Beginn meiner Berufsausbildung, der erste heftige Liebeskummer, viele neue Menschen, neue Kumpels und Freunde über die Lehrstelle. In Verbund mit ihnen der famose Start in meine Suchterkrankung, äußerlich sichtbar in bis an die Grenze des zeitlich machbaren, lautstark zelebrierte Wochenend-Besäufnisse, also von Freitag Abend bis maximal Sonntag Mittag. Erstes Gefühl von loser Zugehörigkeit, bis dahin weitestgehend unbekannt. Die Aussicht auf Befreiung von der Enge des Elternhauses, die sich vier Jahre später rein praktisch, aber natürlich innerlich erfolglos durchführen ließ. Einmal angelegte „familiäre Sozialisation“ im Kindesalter klebte wie Scheiße am Schuh, verband sich mit nicht sichtbaren Fesseln, wurde maskiert mit heftigen Besäufnissen, später im Verbund mit anderen Mitteln. Bis es nichts mehr zu maskieren gab, 22 Jahre später.

Meiner Jugend hinterher trauern? Never. Älter werden hat echte Vorteile, allen damit verbundenen körperlichen Begleiterscheinungen zum Trotz. So grenzt es heute für mich an ein kleines Wunder neuronaler Art, dass sich trotz rauschbedingten massenhaften Zell-Sterbens in meiner Birne der schäbige Rest in einer bekömmlichen Weise neu formiert hat, wenn auch über viele Jahre harten Lernens, unzählige gefühlt hilflos ausgelieferten Lebenslagen inbegriffen. Gefühlt, weil letztendlich nicht real, ich habe Schutz und Geborgenheit gefunden, das größte Geschenk der Abstinenz.

Sonst so? Einen guten Youtube-MP3-Konverter gefunden, sauber von Viren, weitestgehend frei von Werbegezappel sowie lästigen, mit zu installierenden „Beifang“, der dann mühsam wieder rausgeworfen werden will. Und so entstand gestern schon eine schöne Live-CD von Judas Priest`s Epitaph., im Handel nur als DVD oder Blue-Ray verfügbar. Feine, zum privaten Gebrauch auch durchaus legale Mucke zum Auto-fahren.

Und – last not least – richtig, Katzen-Content. Es hat auf der Küchen-Fensterbank einen Korb, ursprünglich besiedelten den diverse Kräuter-Pötte. Soweit der Plan. Nachdem die Kleine diese ca. ein halbes Dutzend Mal auf den Boden geworfen hat, um Platz für ihren zarten Körper zu schaffen, haben wir kapituliert, das Ding gesäubert und ihr zur gefälligen Verfügung gestellt.

Tja.

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Mittwoch, 210721

Endspurt vor den Ferien: Dies noch und jenes noch und, na gut, dann mach` ich das auch noch … alles ganz normal soweit. Sonst so? Es ist bald Bundestagswahl. Dürfte spannend werden, wer Armin L. auf den Thron verhilft, falls. Na ich jedenfalls nicht. Ich weiß genau, wen ich wähle. Die Partei mit den vielversprechendsten Wahlversprechen. Die PARTEI eben.

Wen sonst…

Sonst so, Teil 2. Narzissmus und die pathologische Variante, die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Einstellungsvoraussetzung in manchen Firmen, Narzissten werden teils als wirtschaftlich erfolgreiche Mitmenschen geehrt, gleich, welcher menschlicher Abschaum sich dahinter verbirgt. Auch ich hatte hier und da Kontakt mit solchen Menschen, es reicht. Einsicht in dies Erkrankung hat so gut wie niemand von ihnen. Wer Gott-gleich ist, wird nicht derart krank. Dazu passt unten stehendes Bildchen, das für sich spricht und wohl von fast allen verstanden wird. Außer eben von jenen, die den Sinn einer Wartenummer grundsätzlich in Frage stellen…

Danke für das geile Bild, lieber VVN 🙂

Und – na klar, Katzencontent. Für alle, die es immer noch nicht leid sind. Über deren spezielles sozialverhalten ließ sich auch ein mehrteiliger Eintrag schreiben, dürfte aber den meisten Katzenfreunden nur zu vertraut sein. Bilder, die für sich sprechen…

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