Sonntag, 210124

Auch Sonntags früh aufzustehen, kann sich manchmal lohnen, wie heute früh zum Beispiel. Schnee im Tal der Wupper, ein seltener Besuch hier. Der Zauber hält natürlich nicht lange, mittlerweile ist nur noch zerfahrener Matsch übrig. Schönheit hat ein kurze Halbwertszeit, Glück oder das, was Mensch darunter landläufig versteht, ebenso. Manche versuchen dem natürlichen Verfall ein Schnippchen zu schlagen, Bildhauer zum Beispiel. Oder Die Erbauer manch historischer Gemäuer, sofern diese etwas Zeitloses, die Kriege, überleben durften. Architekten und Sprengmeister, zwei Enden eines Seiles, das wusste schon Heinrich Böll, wie er in einem meiner Lieblingsromane fein erzählt hat. Menschenwerke – nicht für die Ewigkeit gedacht.

Wo sind sie eigentlich alle hin? Lemmy zum Beispiel, der außer an die deutsche Bank sowie an die Firma Marshall an rein nichts geglaubt hat und das auch lautstark kund tat. Andere leben noch, die hier zum Beispiel, Heldin meiner Jugend und heute mit 66 Jahren Mutter eines 10-jährigen Mädchens. Eigentlich unterscheide ich mich mit meiner Graberei nach längst vergangenen Schätzen bei Youtube zumindest zeitweise wenig von meinem Vater, dessen liebste Beschäftigung darin besteht, Bilder von Vorgestern, von seinen zahllosen Reisen, zu schauen. Irgendwie erschreckend das, aber hilft die Zeit des Wartens zu überbrücken, jeder auf seine Weise. Auf den Frühling, auf den Tod, auf das Leben davor, auf das Frühstück, Gegenwart, ich komme gleich. 

So. Musik zum Thema Vorgestern und zum heiligen Sonntag …

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Früher

In regelmäßigen Abständen stoße ich im Netz auf Postings meinesgleichen Geburtsjahrgangs, wo sich in epischer Breite darüber ausgelassen wird, das früher alles besser war. Wo sich bitterlich über die Kinder beklagt wird, die doch nur ihren Vorbildern folgen. So wie wir im übrigen damals auch. Was genau geht da in den Köpfen nur vor, frage ich mich immer öfter.

Früher war alles besser?

1. War es nicht, war anders.
2. Zeiten ändern sich.
3. Seid euren Kindern entsprechende Vorbilder.
4. Gerade, was Konsum angeht.
5. Erwartet nicht, das sie euch gleich folgen.

„Früher, hör auf mit früher,
ich will es nicht mehr hör’n.
Damals war es auch nicht anders,
mich kann das alles nicht stör’n.“

Auch, wenn ich dieses Lied mittlerweile mit gehörigen Abstand „zu früher“ höre, es hat immer noch etwas 🙂