Vermisstenmeldung

Keine Ahnung, wo die beiden hin sind. Genau genommen ist mir ihr Verschwinden auch gar nicht groß aufgefallen. Erst, als ich ihre Geschwister dann bei anderen sah, wurde mir klar, wer sich da heimlich davon gestohlen hatte.

Die eine ist die Begeisterungsfähigkeit oder, präziser formuliert, die Begeisterung an sich. Sie wandelt sich beim älter werden, sagt man. Mag sein, aber dafür braucht sie nicht gleich ganz zu verschwinden. Vielleicht hat sie sich auch nur gut versteckt und kommt beizeiten wieder hervor, in gedämpfter, altersmilder Form, wer weiß ? Euphorie light oder so, was schon ein Widerspruch in sich ist. Bis dahin muss die Neugier, eine ihrer Schwestern, die Lücke, so gut es geht, füllen.

Der zweite Verlust trifft mich härter. Hat sich doch der Idealismus gleich mit auf dem Weg gemacht ! Zumindest, was berufliches angeht. Eine schwarze Zahl wirft ihren Schatten auf den alten Traum vom gemeinschaftlichem jagen und sammeln. Für ein großes ganzes, zum Wohle aller. Alles weg – jeder steht für sich allein, Erster, alles mir und wer noch nicht gelernt hat, dass nett die kleine Schwester von Scheiße ist, hat schon verloren.

Allerdings der Glaube ist geblieben. An einem Sinn, an eine höhere Ordnung jenseits meiner Vorstellungen. Auch mit gewissen Verlusten – das tröstet, wie ich finde.

ES formt sich, und wer weiß, vielleicht kommen die beiden verlorenen Kinder ja in neuer Verkleidung einst wieder zurück.

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Gib alles !

Ich kann ihn nicht mehr hören, diesen Klinkenputzer-Jargon. Wir sollen brennen, für diese oder jene Sache. Stets nicht nur das Beste geben, sondern eben ALLES. Vorzugsweise Arbeitgeber haben diese Einstellung, verständlich, aber inakzeptabel. Alles geben heißt doch, zu Ende gedacht, es ist am Ende nichts mehr da.

So läuft das nicht. 51% gehören immer mir. Da bin ich sozusagen ein sehr beharrlicher, mehrheitlicher Anteilseigner meiner selbst. Mit den verbleibenden 49% kann ich heute in Ruhe, mit Struktur und Ausdauer meine Aufgaben erledigen, sehr wahrscheinlich um einiges effektiver als jene, die diesen Blödsinn glauben, eben „alles“ geben, damit jede Menge Fehler produzieren und am Ende des Tages sozusagen leer sind. Ausgebrannt, von sich selbst ausgebeutet wird dann Zerstreuung gesucht oder so einiges konsumiert, um die Leere zu füllen, die „Gib alles“ hinterlassen hat.

Ein hoher, mir heute zu hoher Preis. Wer jung und ehrgeizig ist, kommt nicht umhin, an diesem Spiel teilzunehmen, sich mit Haut und Haaren zu verkaufen. Vorteil daran sind die entsprechenden Kraftreserven in jüngeren Jahren – nachteilig sind eben die Energien, die dadurch gebunden werden und somit anderen, wichtigen Lebensthemen nicht zur Verfügung stehen. Hilfreich kann dann sein, sich ein wenig als Bühnendarsteller zu produzieren. Ihnen Futter geben, ohne sich selbst zum Fraß vorwerfen zu lassen.

In dem Sinne …

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