Freitag, 221223

Achtung, grenzwertige Satire.

In China staut sich der Zuliefererverkehr vor den Krematorien, Der freigeistige Querdenker – frei von Geist, welch ein schönes Wortspiel – weiß natürlich sofort, was es damit auf sich hat. Knapp drei Jahre hat die ebenso böse wie geheime Schattenweltregierung versucht, uns alle auf ewig mit Einschränkungen aller Art zu kontrollieren, man scheute sogar nicht vor Gift zurück, das man uns als Impfstoff verkaufen wollte. Alles vergebens, wie wir heute wissen. Das hat auch die geheime Schattenweltregierung mittlerweile verstanden, hat die breite – noch ein feines Wortspiel – Masse als unkontrollierbar eingestuft und zudem ihre Population als wildwüchsig eingeordnet. Darum hat man jetzt entschieden, die Dinge zumindest in Sachen Corona frei drehen zu lassen. Wenn schon keine Kontrolle, dann wenigstens Dezimierung.

Sorry, ist erst der 23ste, ja, ich bin ja schon still.

*

Wieder Neumond. Neubeginn, in Sachen Gesundheit, was uns hier betrifft. Die Liebste ist mittlerweile negativ und ich selbst noch schwach positiv, da ich ihr in allen knapp drei Tage hinterher hinke. Ab jetzt wird es, so Gott will, aufwärts gehen.


Neubeginn auch heute genau vor 2 Monaten.
Am 23.10.2022 um 11.30 starb mein Vater.
Nicht an, sondern mit Corona.

Zuvor wünschte er sich, gehen zu dürfen.
Er ist erhört und erlöst worden.
RIP

Mittwoch, 221221

Hier ein neuer Beitrag für alle Freunde bildhafter Geschichten ohne Fotos, aus der Reihe: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Meine derzeit beste Freundin hat Holzbeine. Das ist nicht so tragisch, wie es klingt, sie ist eine Couch. Zudem wird sie sanft bedeckt von speziellen Heimtextilien, die noch ein wenig nach Schaf riechen, also von Schafsfellen, mit denen sich selbst die Katzen schnell anfreundeten, nachdem geklärt war, dass hier keine Gefahr droht.

Gefahr droht hingegen in meiner derzeitigen Lage eher von anderer Seite. Die Gefahr des Verwachsenes mit genannten Gegenständen der Muße, bei meinem derzeitigen Allgemeinzustand. Und so erhebt sich Dittsche sehr steif vom Krankenlager und meint mehr laut gedacht zu sich selbst:

Wenn ich mit dem Scheiß hier durch bin, habe ich derart Rücken, dass ich meinen Arsch am Bändel tragen kann.

Milana guckt irritiert, sie spricht gutes, fließendes Deutsch und ist auch schon länger mit dem lokalen Slang hier vertraut. Aber es gibt noch kleine Lücken, was die erste Frage erkennen lässt: Was bitte ist ein Bändel? Na, son dünnes Seil halt, bisken dicker als n Bindfaden, antwortet Dittsche. So ganz scheint die Sinnhaftigkeit besagten Ausspruchs noch nicht geklärt, Milanas Gesichtsausdruck nötigt Dittsche zu einem erläuternden Exkurs in die Gestik. Und so schlurft Dittsche in leicht gebückter Haltung mit kleinen Schritten durch das Zimmer, mit einer Hand ein imaginäres Seil über der linken Schulter festhaltend: Na, was macht der Rücken hauptsächlich – er trägt den Arsch.

Wäre das zur allgemeinen Erheiterung auch geklärt. Besagten Flachspruch habe ich in meiner Berufsausbildung Ende der 70er erstmalig vernommen und wie das mit solchen Worten so ist: Sie sind Schläfer, die vierzig Jahre reglos wie Krokodile im Schlamm liegen, um dann plötzlich loszubrechen.

Und die Moral von der Geschicht
Wer weiter übt (1)
braucht Bändel nicht.

Zu (1): Allmorgendliche Übungen aus Yoga u.v.a.

Dienstag, 221220

Besondere Erkenntnisse der letzten Tage: Ein Smartphone-Akku hält bei exzessiver Nutzung keine 12 Stunden, interessant. Befinden: Nase mittlerweile rappelzu und immer noch diese Eiseskälte in den Knochen. Kopf an der Stirn wie in Watte und besonders die Ohren schein gerade keine Lust zu haben, ihren Job zu machen. Gerade kocht so als Gegenmaßnahme gegen die Kälte ein Topf Hühnersuppe auf dem Herd. Das große Kind war netterweise für uns einkaufen, gestern, und stellte alles im Treppenhaus ab.

Früher – also in meinem Fall ganz früher – kannte ich so etwas als landläufige Grippe. Habe ich letztes Mal vor weit über 20 Jahren gehabt, seitdem dank geänderter Lebensführung nicht mehr. Selbst jetzt sind die Nebenhöhlen frei, dank zweimaliger isotonischer Spülung am Tag, die ich immer mache. Ist ja schon mal etwas.

Man leidet gemeinsam. Die Optik sorgt für Heiterkeit zwischen Milana, der sibirische Marktfrau, erkennbar an den Teddyplüschsocken und leicht überdimensionierten Stulpen einerseits und Dittsche, dem bebademantelten Vollasi andererseits, heute Gott sei Dank ohne Bierpulle. Und so hustet man sich gegenseitig eins und begrinst sich schief. Heilungsprozess der anderen Art.

Feiertagspläne: Eigentlich wollte ich Mutter Heiligabend hier her holen, aber angesichts der durchseuchten Bude ist das keine gute Idee. Wenigstens gibt es Telefon. Mal sehen, was die Infektiosität am Wochenende sagt.

Und – Filmtipps für alle Mitleidenden und /oder sonst wie Gelangweilten:

In Berlin wächst kein Orangenbaum – hier in der Mediathek. Ein sehr bewegender Film.

Und – was mich sehr berührt hat, ein Film vom sich-gerade-machen, in der Welt, in der man hineingeboren wird.

Gipsy Queen – hier in der Mediathek.

Montag, 221219

Momente des Staunens

Wenn der Test dann doch „positiv“ anzeigt, wenn auch weder plötzlich noch unerwartet.

Natürlich während des Urlaubs. Krank schreiben lassen bringt keinen Vorteil, weil die so „gesparten“ Urlaubstage verfallen, am Jahresende. Und gesünder macht es auch nicht.

Wenn die von sachkundiger Stelle (im doppelten Sinne, von Am-nächsten-dran und Profession) ausgesprochene Sozial-Phobie meinerseits einmal nicht als (alleinige) Begründung für Rückzug gelten muss.

Wenn ich kurz davor bin, diese dürren Zeilen wieder zu löschen, weil sie so selbstmitleidig klingen.

Es dann doch veröffentliche, weil reden derzeit noch übler ist als schreiben.
Und ein paar gute Wünsche sicher nicht schaden können.

Sonst so?

Nase frei
Bronchien total zu
Allgemeinbefinden: Fürn Arsch
Gliederschmerzen
Übelste Laune

Gibt schlimmeres.

Mittwoch, 221109

Schwebezeit, die Zeit zwischen Tod und Beisetzung des Vaters. Ein Trauerredner besucht Mutter, versucht ein intuitives Bild meines Vaters zu erlangen, um passend zu sprechen. Ich schreibe ihm ergänzend ein paar Zeilen, derweil ich nicht dabei sein konnte. Bin gespannt, was er draus macht.

Die letzten Monate schlagen zurück. Körperlich, mit voller Kraft. Entzündungen da und dort im Bewegungsapparat, bücken und beugen geht nur unglaublich langsam und gefühlt 20 Jahre älter. Zum Schildkrötendasein kommt noch eine Impfreaktion vom feinsten, auf die gestern erfolgte erste Herpes-Zoster-Schutzimpfung. Ab 60 gibt es die von der Kasse. Vier Mal Covid war ein Scheiß dagegen, das ist eine andere Liga, so richtig mit dicken Aua-Arm und Grippesachen. Ergänzt gut das derzeitige Allgemeinbefinden – ist aber immer noch besser als Gürtelrose 2.0 .

Am Montag ist die Beisetzung. Bis Freitag darauf bin ich aus dem Verkehr gezogen, zunächst. Habe mich selten so derangiert gefühlt.

Wenn mein Herz zu schwer wird, mache ich mich nützlich, weil das so schön ablenkt, widme ich mich den unausweichlichen Verwaltungsdingen und lerne. Die deutsche Rentenversicherung nimmt Anträge auf Hinterbliebenenrente nur noch telefonisch entgegen. Dafür wiederum muss telefonisch (kein Witz) im Vorfeld ein Termin gemacht werden. Halbe Stunde Warteschleife und ich verstehe mein Gegenüber kaum. Das sage ich ihr, woraufhin die auflegt. Kennt ihr diesen aufsteigenden Hass, verbunden mir handfesten Gewaltphantasien? Nützt bloß nichts, also nochmal angerufen, wieder ein gute halbe Stunde Tüdelü im Ohr. Diesmal klappt es besser und ich vereinbare einen Termin auf Mutters Festnetz-Telefon, hetzte mich ab, um zeitig dort zu sein, derweil für das altersschwache Gerät zuvor noch ein Satz neue Akkus besorgt werden muss.

Der Tisch sieht interessant aus, ich habe mir alles zurechtgelegt. Personalausweis, Krankenversicherungskarte, EC-Karte, Rentenausweis, die letzten Rentenbescheide, Heirats- und Sterbeurkunde, Notizblock und Schreiber. Sie haben alle Daten, aber wollen sie alle nochmal hören, am Telefon. Streng dich gefälligst an, sonst gibt es keine Belohnung. Und so ist zumindest in der Theorie eine fast 88-jährige Frau gefordert, telefonisch endlos lange, kleingedruckte Zahlenkolonnen vorzutragen, die sowieso schon im System sind. Und sie haben Wünsche , die sie zum Zeitpunkt der Bewilligung von Vaters Altersrente noch nicht hatten. Seinen Gesellenbrief wollen sie sehen. Der ist weg, nicht mehr auffindbar. Die IHK fühlt sich nicht zuständig und verweist auf die Kreishandwerkerschaft. Die Mitarbeiterin dort ist zuvorkommend – welch Balsam für mich – Sie erklärt sich bereit, in die dunklen und staubigen Archive herabzusteigen, um nach Beweise für Vaters Lehrjahre zu suchen. Eine Zweitschrift von dem Ding gibt es natürlich nicht mehr, aber immerhin ist der Zeitraum archiviert. Der Ausdruck davon kostet 30 Euro Schmerzensgeld für die Niesattacken der Kollegin, soll mir aber hoffentlich eine große Hilfe sein.

Im April 1948 – also noch vor der Währungsreform – hat mein Vater also seine Lehre begonnen, erfahre ich. Mir fallen seine Erzählungen wieder ein, über die Schwäche und den Hunger, Essen gab es manchmal vom Lehrherrn, wenn mein Vater seinen Knochenjob dort nicht mehr machen konnte und einfach umfiel. Ich erinnere mich, dass er seinen Meister mal fragte, ob er sich nicht auch so einen modernen Lieferwagen, wie sie hier und da schon zu sehen waren, kaufen wolle. Wozu?, lautete die Antwort. Ich habe doch dich. Du bist billiger. Und so durfte mein 14-jähriger Vater weiterhin allein mit einem Bollerwagen Zentner-schwere fertige Holz-Konstrukte für Bandwebstühle von Langerfeld nach Barmen ziehen. Unvorstellbar, heute.

Irgendwie schließt sich so ein Kreis, zwischen den bürokratischen Notwendigkeiten und dem damit verbundenen Abtauchen in das Leben meines Vaters.

Mittwoch, 220928

Im Jahr des Wassertigers 2022 regieren kranke Egos und verletzte Emotionen. Der Blick in die Nachrichten macht Gänsehaut, die Welt scheint weit weg von Nächstenliebe oder wenigstens ein Mindestmaß an Verstand. Sei`s drum, alles Dinge und Umstände, die ich nicht ändern kann. Das zu unterscheiden ist für mich fundamental wichtig. Warum sich nen Kopp machen über etwas, was nicht im geringsten in meiner Macht liegt. Vorbereiten? Auf was? Ich gehe hier nicht weg. Wohin auch. Baue keine Bunker außer den einen für meine Seele. Einen kleinen Vorrat Trinkwasser lege ich an und horte für ein paar Tage dröges Zeug zum essen, fertig.

Gern hätte ich es nett und vor allem vorhersehbar. Seit das mit dem Weihnachtsmann klar ist, hasse ich Überraschungen. Beständig auskömmlich hätte ich es gern. Was ich schon gerne hätte – Drauf geschissen, das gibt es nicht. Also weitermachen, Nachrichten limitieren und die innere Emigration vorbereiten. Und – ganz wichtig – vertrauen, auf den großen Plan. Das ist, auch wenn ich das so oft mißbrauchte Wort hasse – alternativlos.

So, und jetzt etwas erbauliches in Sachen technische Schönheit. Blau ist bekanntlich die Farbe der Introvertierten und der Psychopathen. Also, mir als Blogger gefällt das Bild 😉

Schräge Musik zum schrägen Eintrag.

~

Nachtrag: Seit sofort gibt es die Wupperpostille werbefrei. Kostet 48€/Jahr und hat dann 6GB Datenvolumen statt 3 zuvor. Achtung, Kostenfalle: Eine für das erste Jahr kostenlose Domain lässt sich anwählen, muss aber nicht gewählt werden. Kostet nämlich ab dem zweiten Jahr extra, ab 15€, je nach Endung. Hier sieht man mein Vertrauen in eine glanzvolle Zukunft über ein Jahr hinaus – ich habs gelassen, mit der eigenen Domain 😉

Mittwoch, 211201

Leidend daheim – aus guten Gründen darf ich mich jetzt öfter mal pudern, so wie die mittelalterlichen Herren. Und noch etwas habe ich derzeit mit denen gemein: Duschen geht auch nicht. Ok, damit mich wenigstens die Katzen noch leiden können, gibt es ein improvisiertes Prozedere am Waschbecken, auch, damit aus der verkommenen Gemütlichkeit keine gemütliche Verkommenheit wird.

Icke & mein Puder – so ähnlich. Danke, Till.

Und ganz nebenbei lernt Mensch etwas über das herunterladen von Youtube-Videos und die Gestaltung von *.gif – Dateien (Werbung, unbezahlt – die Software ist wirklich gut) sowie über die Heraufsetzung der Uploadgröße in der Serververwaltung (nachdem ich festgestellt habe, das beim Wassertiger noch verschwenderische gut 70GB frei sind)

*

Samstag, 211127

Der Herr schenkt mir Rosen, zum drüber nachdenken. Meine Freude hält sich in Grenzen und ich darf zum Noch-Hausarzt, der keinen Nachfolger findet und solange weiter machen möchte, bis sich ein anderer Idealist gefunden hat, der für relativ wenig Geld relativ viel Arbeit und Ärger möchte. Ich bin früh vor Ort und habe meinen dreibeinigen Falthocker dabei, so n Jägerding, weil Schlange stehen ja ab nun überall angesagt ist, mehr oder weniger. Beim Arzt auch, die Menschen stehen bis auf die Straße, auf meine Nachfrage hin alle zur Anmeldung.

Kommt ein Kerl, vielleicht Anfang, Mitte 60, sieht die Schlange und will daran vorbei, zur Anmeldung, er hätte einen Termin. Den bremse ich ab, er solle sich zur Anmeldung anstellen, wie alle anderen auch. Das bräuchte er nicht, weil er einen Termin hätte. Ich sehe mich aufstehen, von meinem Dreibein, nicht gut, im sitzen zu streiten. Und während ich da stehe, wiege ich den ausgezogenen Hocker in der Hand, wohlwollend prüfend und feststellend, ja, es ginge durchaus, dem noch ungeduldigeren Arschloch (relativ zu meiner eigenen Ungeduld) das Teil bei Bedarf über die Rübe zu ziehen, auf dass er einen Grund hätte, für seinen Besuch, zusätzlich zu seinem Termin. Worte fliegen hin und her, andere mischen sich ein und der terminierte Herr stellt sich hinten an. Geht doch.

Es findet sich ein Sitzplatz im Warmen, während draußen die Schlange immer länger wird. Das Arschloch diskutiert währenddessen fortlaufend mit der Anmeldung, als er denn endlich dran ist. Nie hätte ich gedacht, dass jemand 16 Mal (ich habe mitgezählt) in fünf Minuten das Wort „Termin“ benutzen kann und wird.

Tja. Sonst so? Ich darf daheim bleiben und dicke antivirale Bomben fressen, im 5-Stunden-Takt, auch in der Nacht. Und so habe ich Zeit, neben dem Rosenkrieg über mein gestörtes Verhältnis zur Umwelt nachzudenken. Die Liebste versorgt mich mit Mitgefühl, das klingt dann je nach Kontext entweder nach „Du darfst jetzt auch ein wenig weinen“ bis hin zu „Heul doch!“ Man kennt sich halt.

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Kein schönes Wort …

…fällt mir dazu ein. Und – ich bitte um Vergebung – normalerweise schreibe ich keine so genannten Empör-Blogs. Das können andere viel besser, denke ich. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Gestern Abend, Lokalzeit.

Ein Beitrag über die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Die Hölle auf Erden, teils erinnern mich die Bilder an ganz unselige Zeiten hierzulande – Vernichtung durch Unterbringung. Ein deutscher Arzt, der dort hilft, kommt auch zu Wort.

Gleich danach folgt ein Bericht über eine gescheiterte Klage gegen die Firma Vorwerk, weil eine mehr oder weniger ernährungsbewusste Dame leider nicht das neueste Model anempfohlen bekommen hatte und man ihr arglistig, ohne den Modellwechsel zu erwähnen, ein altes Model verkauft hat.

???