So Wanderungen

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Von der Blumenwiese des schlichten heiteren Seins
Zu den Sümpfen der Scham
Durch das Tal der Selbstverachtung
In die Fallgrube des Selbsthasses
Im Nebelwald des Rausches
Durch die Feuer des Zornes

Zu den schmalen Graten
Zwischen Selbstüberschätzung und Selbsterniedrigung
Zwischen Selbstliebe und Narzissmus
Zwischen Lärm und stiller Wahrheit
Zwischen reden und schweigen
Zwischen Ego und Vertrauen
Hin zur weiten, grünen Ebene des Friedens

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Der erste Zweite

Noch liege ich und höre auf der Straße den Regen rauschen, während sich mein Geist allmählich damit anfreundet, gleich aufzustehen. Zugleich sortieren sich die Gedanken, was die Belange des Tages angeht.

86 Lebensjahre vollendet mein Vater heute, wir werden hinfahren, zu ihm in die Klinik. Die Gewissheit des Unausweichlichen liegt wie eine dunkle Wolke auf meiner Seele, nicht plötzlich und nicht unerwartet. Zu tun, was ich kann, ist wie so oft für mich das Gebot der Zeit.

Sonst so? Unsere Lilit hatte Anfang der Woche einen schweren Tag – weil wir hier nicht die Möglichkeit haben, eine große Katzenfamilie unterzubringen (so gerne wir das auch tun würden), war es für die Kleine Zeit, den leider unerfüllbaren und somit leidvollen Wunsch nach Mutterschaft zu unterbinden. Was uns Tränen gekostet hat, obgleich sie schon längst wieder fit ist und gefühlt lebendiger als zuvor.

Gerade war sie noch kuscheln … die Bilder entstanden kurz vor’m schlafen gehen. Die Aktivitäten über meinem Kopf verhinderten im Übrigen, auf dem Sofa einzupennen. Dann regnet es schon mal Sachen, von oben…

💯

Ein Kommentar…

…gerade geschrieben, der sich lohnt, zu teilen. Weil ich mit dem Thema nicht allein bin.

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Liebe ***, die Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit soll wohl die Qualität der Zeit sein, der Lebenszeit, in der wir uns befinden. Bewusstmachung, dass wir die nächste Generation sind, die abtritt – zugleich stellt sich die Frage, wie fülle ich meine „Restzeit“, welche Qualität möchte ich leben, losgelöst von Besitz und Dingen. Wie gehe ich mit denen um, die jetzt gehen sollen, was habe ich von denen gelernt, die mir vorausgegangen sind?

Wo finde ich Halt und Trost? Wer oder was führt mich, lasse ich das überhaupt zu oder ist mein Ego immer noch bestimmend? Und ja – welche Worte benutze ich gern, welche Redewendungen, wie wirken diese Sätze in der Tiefe? Reicht mir immer noch ein schlichtes Nein oder lieber ein Ja, weil … Wie viel Macht gestatte ich anderen über mein Befinden und – andersherum – wie oft denke und fühle ich über und mit meinen Mitmenschen?

Der Tod hat auch etwas Klärendes, für die, die bleiben sollen, so empfinde ich das. Zu schauen, wie das Leben sich aus einem Menschen zurück zieht und wie der Betreffende damit umgeht. Ist da Verzweiflung oder Hingabe, glaubt dieser Mensch an etwas oder steht er innerlich vor dem Nichts? Und immer wieder – was darf ich davon lernen, neben dem Beistand, den ich so gut es geht leiste.

So viel wollte ich nicht schreiben, aber auch ich stecke gerade mitten drin…

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Urlaub-Lektüre

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Ein Buch, welches mich derzeit nicht schlafen lässt:
Die Hütte von William Paul Young.

Bereits vor 12 Jahren aufgelegt und mittlerweile auch verfilmt, setzt sich die Geschichte mit unserem Zweifel im Glauben angesichts menschlichen Leids auseinander. Spannend, dramatisch, gefühlvoll, intensiv und lebendig geschrieben, wie ich finde.

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Sonst so?
Es ist wieder Sonntag …

Uns allen eine gute Zeit.

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Kalkuliertes Ableben

Das Algorithmen mit Risiko-Faktoren arbeiten und so die Prämienhöhe mancher Versicherung berechnen, ist an sich nichts Neues. Neu dagegen ist mir diese kalte Kosten-Nutzen-Analyse made in USA. Alles, was machbar ist, wird auch angewandt … es ist gruselig. Maschinen errechnen so das potentielle Todes-Datum, spielen sich mitsamt ihren Programmierern Gott-ähnlich auf.

http://www.tagesschau.de/inland/todesalgorithmus-101.html

Niemand bezweifelt ein Abwägen von medizinischen Eingriffen, abhängig vom Lebensalter. So ist mir das Schicksal einer alten Dame noch gut in Erinnerung. Mit 92 Jahren stimmte sie dem Einsatz eines Herzschrittmachers zu, um anschließend nach einem Sturz und folgender Bettlägerigkeit fast ein Jahr lang nicht sterben zu können. Des Menschen Wille kann in letzter Konsequenz grausam sein.

Geht es jedoch so weit wie nun in den Staaten, ist für mich eine rote Linie überschritten. Was nicht viel helfen wird, da früher oder später alle Unsäglichkeiten ihren Weg nach Europa finden werden, leider. Was bleibt, ist die Hoffnung, den Maschinen beizeiten ein Schnippchen schlagen zu dürfen, siehe das im Artikel angeführte Beispiel.

Und ich gebe dann auf, wenn ich aufgebe, und nicht, weil mir eine Maschine das sagt.

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