Sonntag, 220220

Der Regen rauscht, ansonsten ist es still, während ich meine morgendlichen Übungen mache. Die Zerdenkmaschine ist nicht ausgeschaltet, wird aber wenigsten etwas langsamer. Beten, denke ich, ich würde gerne für ihn beten. Während ich noch denke und gerne würde, spüre ich den Berg eigener Empfindsamkeiten, Narben, Wunden, die mich davon abhalten wollen. Es ist leichter, sich in alttestamentarische Gedanken zu flüchten, denen nach ein jeder das seine bekommt und fertig. Schon wieder Gedanken – ich lasse sie abfließen, so gut ich kann. Sie sind nicht hilfreich, allenfalls nun beim aufschreiben, in der Zeit der Brücke, zwischen „denken“ und spüren, fühlen.

Es gibt Gebete ohne Worte. Ich mache seins und doch meins, wenn ich in mir spüre, vor dem Tor zu stehen, in der Gewissheit, bald gerufen zu werden, den letzten Rest des alten Lebens auch noch abgeben zu müssen. Müssen in seiner Verzweiflung, dürfen in meinem Gebet ohne Worte. Spüre seine Wut und Hilflosigkeit, die auch die meinen sind. Ist also ein Ding für uns beide, was ich da gerade tue.

So tun, als ob. Als ob Friede einkehren würde. Früher nannte ich das Selbstverarschung. Heute weiß ich, „so tun, als ob“ manifestiert sich, wenn es zu mir passt, wird meins. Gibt viele Worte dafür, manche nennen es Autosuggestion, aber das trifft es nicht. Eher ein andocken, wieder verbinden, mit dem, was wirklich zählt. Wenn auch nur für einen kurzen Moment, aber der ist wiederholbar.

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Der ganze Film – HIER

Samstag, 200829

Wenn mir jemand zur seinen oder zur allgemeinen Belustigung ein Ei auf die Wange malt, dann kann er an guten Tagen damit durchkommen und Gnade finden. Versucht er es jedoch ein zweites Mal, bitte ich ihn, die andere Seite zu bemalen, schön in Symmetrie, dann wird daraus eine Kriegsbemalung.

Ähnlich reagiert auch die Staatsmacht, muss sie reagieren, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Regel-konforme Auflagen und Zusagen von Seiten der Veranstalter gibt es. Ebenso wie die Absicht derer, die in jedem Fall dazu aufgerufen haben, nach Berlin zu kommen, auch bei abschlägigen Rechts-Entscheid, Bewaffnung inklusive. Aber das sind natürlich nur die so genannten linientreuen Medien, die so etwas verbreiten, und die lügen bekanntlich so gut wie immer. Wer es also genau wissen möchte, der muss sich schon zum Ort des Geschehens begeben und selbst schauen, was die Wahrheit sein könnte. Sofern er seinen Augen trauen kann, man weiß ja nie. Wir werden es heute erleben, was geschieht, in Berlin. Dazu wünsche ich mir, dass es friedlich bleibt – oder- das die Knüppel wenigstens die richtigen treffen. Was allerdings in der Hitze des Geschehens nicht häufig der Fall ist. Bleibt das Beste zu hoffen.

Sonst so? Mir geht es derzeit im Halbdunkel unserer Wohnung am besten. Katzen, die friedlich dösen oder kuscheln und die Welt da draußen ist, wenn überhaupt, nur zu hören. Leider geht Leben nicht immer so, gleich darf ich wieder meine Bahnen ziehen. Die übliche Samstags-Runde zwischen Kaufmannsläden und Eltern. Menschen gehen mir derzeit auf die Nerven, das ist nicht sehr gesund. Und da der Verstand so klug ist und das alles „weiß“, wird er sich mit dem „Rest“ verbünden und den da oben um Führung bitten.

I’ve worn out always being afraid

(Ich habe es satt, immer Angst zu haben)

Metallica/Frantic

Oder vielleicht doch demonstrieren?

I play Russian roulette everyday, a man’s sport
With a bullet called life, yeah, mama, called life(sugar)

System of a Down / Sugar

*

Diese frühen Stunden

Allein mit meinem Atem.
Mal knackt eine herunter gefallene Wollnuss auf der Straße
unter den Füßen eines Frühaufstehers.
Kaum ein Mensch zu sehen, in dieser frühen Stunde.

Selbst die Katzen dösen, satt wie sie sind.
Zeit zum Frieden sammeln.
Zeit für mich.

Der Trick ist,
den gesammelten Frieden gut einzuteilen,
über den Tag.
Auf dass des Abends noch etwas übrig sei.