Sonntag, 211121

Totensonntag, der offizielle Gedenktag der Vorangegangenen. Wie schon mal geschrieben, braucht es mir keinen solchen Tag, sie sind oft mitten im Alltag in meinem Bewusstsein. Aber gut, dass es ihn gibt, bei dem hierzulande eher verhaltenen Umgang mit Sterben und Tod nur von Vorteil.

Und – ein verspieltes Datum, wieder einmal, was wissen Kalender und Numerik denn vom Tod. Ich darf lernen, in dieser Zeit, in den letzten Monaten und Jahren. Bekomme unsere Endlichkeit dicht präsentiert und vertraue auf die Unendlichkeit. Sehe die stetig zunehmenden Gebrechen meiner Eltern, ihre dito zunehmende soziale Isolation. Ein Stück weit unausweichlich, wenn Mensch sehr alt wird, Freunde wegsterben und der eigene Bewegungsradius immer kleiner wird. Für mich wünsche ich es mir anders, wohl wissend, dass es sehr wahrscheinlich ähnlich sein wird. Was bleibt, ist Annahme, Hingabe an dem, was mir meine höhere Macht zugedenken wird. Alle Vorstellungen, Bilder, Religionen, Philosophien und Theosophien sind und bleiben im Grunde menschliche Konstrukte – ich vertraue meinem Gefühl. Darauf, geborgen zu sein, hier und dort.

Gemeinschaft kann dabei erfüllend wirken, birgt aber immer auch die Gefahr der Enttäuschungen und Verletzungen in sich. Wunsch frei? Dann den, mich trotzdem immer wieder erneut unter die Menschen begeben zu können. Ich erlebe mich derzeit zunehmend der Welt abgewandt, von meiner Schreiberei hier und dem Umgang mit meiner Blutsverwandtschaft mal abgesehen. Schaue ich hinaus, wird mir mehr und mehr regelrecht übel, ob dem, was ich sehe. Dann ist das jetzt so, für jetzt mag es gut sein. Es wird, so Gott will, nicht so bleiben. Oder vielleicht immer wieder Schwankungen und Prüfungen unterworfen bleiben, mein Dasein als Mensch, als Individuum, als Teil eines Großen und Ganzen.

Die Kinder Charons beim Training …



Die Wupper bei Beyenburg

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Sehr bewegend

Was genau geschieht mit uns, wenn wir gehen müssen? In einer Zeit, in der jedes Jahr jemand geht, der mir vertraut war, ist, bekommt das Thema Tod und sterben immer mehr Aktualität, für mich. Noch nie habe ich eine solche umfassende Beschreibung, oder besser, den Versuch einer solchen, gelesen. Es ist eine Mischung der Sichten von Ärzten, Psychologen, Neurologen sowie zahlreicher Beobachtungen auf den Palliativ-Stationen und daheim, von Angehörigen.

Lest selbst, wenn ihr wollt.
Danke hier an Marga Auwald, die den Link weiter unten geteilt hat.

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Ganz am Ende

Im Leben ist nur eines sicher: der Tod. Doch was genau passiert im Körper und im Geist, wenn ein Mensch stirbt? Eine Chronik der letzten Tage.

Von Roland Schulz, SZ-Magazin, 17.6.2016
http://reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Reporterpreis_2016/schulz_2016.pdf

Oder hier der Link zur hochgeladenen PDF-Datei:

schulz_2016

 

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Alter Bekannter

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Da ist er wieder, ich habe ihn eine Weile nicht gesehen. Bei jedem Besuch hinterlässt er seine Spuren, verbunden mit dem Versprechen, bald wiederzukommen. Irgendwann kommt er nicht nur zu Besuch, sondern nimmt uns auch gleich mit, in sein Reich.

Der Tod.

Dieses Mal nahm er einen nahen Verwandten der Liebsten mit, auf diese unbekannte Reise. Auch er kann nun schauen und vielleicht mit all jenen reden, die ihm voraus gegangen sind. Uns, die wir noch ein Weilchen hier bleiben dürfen oder müssen, je nach Sichtweise, mahnt der ungebetene Besucher stets, unser Leben, oder besser, das, was davon übrig ist, zu füllen. Aus der täglichen Fristverlängerung das Beste zu machen.

Mit Menschlichkeit, Wärme, Achtsamkeit – und Liebe.

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