Viren und Co.

Interessiert beobachte ich, was derzeit hierzulande so lose ist. Die eine sorgen sich um ihr Leben und glauben eben dieses mit Bergen von Scheißpapier und Büchsenfraß retten zu können. Andere haben guten Grund zur Sorge, weil sie, wie es heißt, Risiko-behaftet sind. Alt, schwach, oder chronisch vorerkrankt. Wieder andere machen sich so ihre Gedanken um Handel, Wandel und eben nicht mehr vorhandene Gewinne, was auch nachvollziehbar ist.

Und ich? Kann die Aufregung langsam nicht mehr hören. Ja. es wird ernst, wie ernst, wird sich zeigen. An besseren Tagen denke ich: Mir selbst „passiert“ nichts, was nicht von meinem Schöpfer so gedacht ist. An nicht ganz so guten Tagen können mich alle Viren dieser Erde mal kreuzweise, tue ich doch, was ich kann, mit Bergen von Obst und Gemüse sowie wo immer möglich, frische Luft. Die kommen nicht zu mir. Punkt. Und wenn, dann gehen sie auch wieder. Wenn sie schon so wenig Stolz haben, sich ausgerechnet auf mir niederzulassen. Blödes Pack.

Ein wenig Sorge kommt bei den Gedanken an meine greisen Eltern auf. Wobei auch für die beiden das Gleiche wie für mich gilt. Und, wie ein Freund mal meinte, gesund stirbt schließlich keiner. Dann die Liebste mit ihren Publikumsverkehr und ihrer Vorerkrankung. Natürlich ist das alles Kappes, was ich mir da so denke. Sagt sie. Wir werden sehen, hoffentlich hat sie recht. Jedenfalls stehen uns noch 6-8 spannende Wochen in`s Haus. Dann dürfte der Peak auch hier erreicht werden. Spätestens im Mai sollte der Spuk Geschichte werden.

Oder etwa nicht?

Geht auch etwas schneller.

PS: Das Liedchen summte meine Mutter öfter mal zwischendurch bei der Hausarbeit. Der Sänger der obigen Originalversion stammt auch aus dem Tal der Wupper, das Datum 30er Mai bezieht sich auf die Nacht zum 30.5.1943, die Stunden, in denen die alte Stadt Barmen in Flammen aufging. Meine Mutter erlebte diese Zeit in einem Kellerloch, unweit des zentralen alten Marktes. 

Fatalismus scheint vererbbar…

Gut zu Fuß

Seit einigen Tagen habe ich so eine Schrittzähler-App auf meinem Phon. Eigentlich überflüssig, aber schon interessant, was da so am Tag zusammen kommt. Meist habe ich das Ding ja bei mir. Nebenan die Jane hat das mit einem Tamagotchi verglichen, dieses imaginäre Wesen aus den unseligen 90ern, welches ständig versorgt werden wollte. Hat etwas, der Vergleich …

Und so drehe ich digital kontrolliert meine Runden, gestern Abend kamen gut 7000 Schritte zusammen, heute nur knapp weniger. Na toll. Aber immerhin – so komme ich an die Luft – hier gestern Abend über die menschenleere Nordbahntrasse – schon ein merkwürdiges Gefühl.

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Beim gehen lasse ich Gedanken und Gefühle kommen und wieder ziehen, bin allein, ohne mich einsam zu fühlen. Nur wenige Geräusche sind schwach zu vernehmen, irgendwo leise Stimmen, entfernt Autos, hier und da irritierte Vögel, die angesichts der milden Temperaturen ihren Kalender vorgestellt haben. Es ist anders als beim radfahren, kein Fahrtwind in den Ohren und alles geht bedeutend langsamer.

Heute Nachmittag dann folgt eine weitere Runde, herunter vom Berg in die Stadt. Eine Weile sitze ich still in St. Laurentius, die Welt ist zumindest akustisch komplett ausgesperrt.

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Beim verlassen der Kirche fällt mir eine Doku aus der Mediathek ein, Thema die steigenden Meeresspiegel. Und da sonst gerade in meinem Kopf nichts weiter los ist, stelle ich mir vor, wie das wohl hier ausschaut, wenn das Tal der Wupper einst zum Fjord wird, Venedig light irgendwie. An den Türmen von St. Laurenz können dann Schiffe festgemacht werden, der Ölberg wird zur Landzunge mit Seeblick, anstelle der Tauben scheißen dann Heerscharen von Möwen alles voll. Überall werden geführte Tauchgänge in das versunkene Beinahe-Atlantis angeboten, Kinder sammeln Seesterne am Ufer, weiße Segelboote werden von Frachtkähnen angetutet, ich könnte Sonntags fein Kahn fahren gehen und unsere alte Burg wäre vermutlich auch wieder voll vermietet, angesichts der abgesoffenen Niederungen. Wie schon gesagt, sonst gerade keiner zuhause, in meinem Kopf. Vorerst jedenfalls lassen zumindest hier die Fluten noch auf sich warten, was sich da anderenorts tut, ist schon schlimm genug

Die nächste Station ist die Hardt – erste Frühlingsboten sind zu sehen, es sind lauschige 15 Grad, bei kräftigen Windböen, die mich auf andere Gedanken bringen. Verkehrte Welt im Februar …

 

 

Was ist Weisheit?

Der unten stehende Text stammt aus unserem Gemeindeblättchen und ist irgendwann von dem Wuppertaler  Pfarrer Eberlein  verfasst worden. Mir gefällt der Text – auch, wenn ich mich mitunter meilenweit vom Inhalt entfernt sehe. Oder vielleicht gerade deswegen, jedenfalls taugt er für mich als geistige „Möhre vor der Nase“ – nicht nur zu Weihnachten.

Habt eine gute Zeit.


Was ist Weisheit?

Ein jegliches hat seine Zeit … Da merkte ich, dass es nichts besseres gibt als fröhlich zu sein und sich gütlich tun in seinem Leben …Nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3)

Weisheit ist:
Anerkennen, dass alles seine Zeit hat, vergänglich ist.
Auch unser Leben. Auch wir.
Wir haben nicht die Ewigkeit. Das ist gut so.
So ist der Maßstab für alles was wir tun:
Sich beschränken auf unsere begrenzte Zeit;
Nicht wesentlich darüber hinaus planen und entscheiden.
Demütig sein.

Weisheit ist:
Die begrenzte Zeit nutzen:
Für uns; Für das, was uns Freude macht. Für das, was uns gut tut.
Für die, die uns anvertraut sind: Kinder, Eltern, Nachbarn, Freunde.
Für einen kleinen Teil unserer Welt, den wir lieben.
Vielleicht sogar für die, die wir nicht lieben.
In Heiterkeit.

Weisheit ist:
Die letzten Fragen getrost offen lassen können:
Die Frage nach dem Anfang: Warum ist etwas und nicht nichts?
Die Frage nach dem Ende: Worauf läuft es hinaus?
Die Frage nach dem Sinn: Wie gehört alles zusammen?
Wir können es sowieso nicht ergründen.
Wir müssen es auch nicht ergründen.
Weisheit ist: Demütige Heiterkeit – heitere Demut.


Anmerkung: Im Text kommt mehrfach das Wort „Demut“ vor. Ein nicht gerade modernes Wort in Zeiten der totalen und absoluten Selbstverwirklichung. Für mich bedeutet Demut das anerkennen der Grenzen meines eigenen so genannten freien Willens, sowie dem was größer ist als mein eigenes Ego. Klingt banal? Ich kann versichern, es gab in meinem Leben durchaus andere Zeiten .:)