Sonntag, 211121

Totensonntag, der offizielle Gedenktag der Vorangegangenen. Wie schon mal geschrieben, braucht es mir keinen solchen Tag, sie sind oft mitten im Alltag in meinem Bewusstsein. Aber gut, dass es ihn gibt, bei dem hierzulande eher verhaltenen Umgang mit Sterben und Tod nur von Vorteil.

Und – ein verspieltes Datum, wieder einmal, was wissen Kalender und Numerik denn vom Tod. Ich darf lernen, in dieser Zeit, in den letzten Monaten und Jahren. Bekomme unsere Endlichkeit dicht präsentiert und vertraue auf die Unendlichkeit. Sehe die stetig zunehmenden Gebrechen meiner Eltern, ihre dito zunehmende soziale Isolation. Ein Stück weit unausweichlich, wenn Mensch sehr alt wird, Freunde wegsterben und der eigene Bewegungsradius immer kleiner wird. Für mich wünsche ich es mir anders, wohl wissend, dass es sehr wahrscheinlich ähnlich sein wird. Was bleibt, ist Annahme, Hingabe an dem, was mir meine höhere Macht zugedenken wird. Alle Vorstellungen, Bilder, Religionen, Philosophien und Theosophien sind und bleiben im Grunde menschliche Konstrukte – ich vertraue meinem Gefühl. Darauf, geborgen zu sein, hier und dort.

Gemeinschaft kann dabei erfüllend wirken, birgt aber immer auch die Gefahr der Enttäuschungen und Verletzungen in sich. Wunsch frei? Dann den, mich trotzdem immer wieder erneut unter die Menschen begeben zu können. Ich erlebe mich derzeit zunehmend der Welt abgewandt, von meiner Schreiberei hier und dem Umgang mit meiner Blutsverwandtschaft mal abgesehen. Schaue ich hinaus, wird mir mehr und mehr regelrecht übel, ob dem, was ich sehe. Dann ist das jetzt so, für jetzt mag es gut sein. Es wird, so Gott will, nicht so bleiben. Oder vielleicht immer wieder Schwankungen und Prüfungen unterworfen bleiben, mein Dasein als Mensch, als Individuum, als Teil eines Großen und Ganzen.

Die Kinder Charons beim Training …



Die Wupper bei Beyenburg

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Sonntag, 211114

Der Tag beginnt typisch November grau in grau, dazu noch Volkstrauertag. Der Tag der Erinnerung an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft aller Art. So ein Gedenken ist wichtig und richtig, ohne Zweifel. Für mich ist es allerdings genauso wichtig, zu verstehen, wie es in jedem Einzelfall so weit kommen konnte. Jeder Krieg, jedes Pogrom hat seine Geschichte. Geschichten, die immer verbal begannen, über Sanktionen und Ausgrenzung dann letztendlich zur Gewalt führten.

Heute sind die Methoden perfider, ausgefeilter und weitaus gefährlicher, weil nicht mehr klar erkennbar. Was ist schon daran gefährlich, den mündigen Bürger zum selber-denken aufzufordern? Der Kontext macht es, der Ton, die Art der Fragestellungen, im Hintergrund das Dauer-Rauschen des stets und ständig manipulierenden Staates, dem jedes Mittel recht ist, die Interessen bestimmter Gruppen durchzusetzen, korrupt, wie er sein soll. Und so werden Einzelfälle zur Norm stilisiert, Stimmung gemacht, zum zehnten Mal wiederholt, wird es dann gefallen. Was anstelle dessen treten mag, wird im Ungefähren gelassen, man arbeitet im Hintergrund an den Möglichkeiten. So gesehen steht die kommende Regierung unter einem enormen Erfolgsdruck. Scheitert sie, sind die Grünen in der nächsten, stramm konservativen Regierung nicht mehr vertreten. Mir bleibt zu hoffen, dass auch der letzte Dogmatiker dies erfassen kann.

Zurück zum heutigen Tag. Erinnerungen an meine Blutsverwandtschaft kommt auf. Wer mich länger kennt, weiß, dass ich zwischen geistiger und leiblicher Verwandtschaft unterscheide, Gold ist, wenn beide Hand in Hand gehen. Die Familie meiner Kindheit bestand in erster Linie aus Frauen, die den Horror des so genannten dritten Reiches irgendwie überlebt hatten. Männer gab es kaum noch, mein Opa mütterlicherseits hat den Krieg überlebt, vermutlich dank seines Unteroffiziers-Grades. Ich habe mich nie bemüht, herauszufinden, was genau er tat, es ist zu ahnen, das reicht mir schon. Also bestimmten Frauen das Geschehen, Tanten ohne Ende, die größtenteils auch gemeinsam in einem ärmlichen Hinterhofhaus lebten. Winzige Zimmer hinter engen Stiegen, mit Klo für je zwei auf halber Treppe. Jede war auf ihre Weise traumatisiert, sie waren füreinander da, alt wurden die meisten nicht. Familien-Fragmente, geprägt von Siechtum und frühen Toden einerseits und von Verdrängung, von Kompensation andererseits. Jeder, so gut er konnte, meine eigenen Eltern inbegriffen. Da ich nicht in ihren Schuhen gelaufen bin, fällt mir Vergebung immer noch nicht leicht, ist aber möglich. Ein steter, dynamischer Prozess, der immer wieder von Wut unterbrochen wird, aber dennoch in eine ganz bestimmte Richtung geht: Frieden mit mir, mit meiner Geschichte. Die Protagonisten werden in Kürze diese Welt verlassen müssen, ihr emotionales, geistiges Erbe wird mir zur weiteren Verarbeitung erhalten bleiben. Kann also nur von Nutzen sein, dieses kleine, noch verbleibende Zeitfenster bestmöglich zu nutzen, wohl wissend, dass dieser Prozess nicht mit dem Tod endet. Was bleibt, ist, um Führung zu bitten und tun, was ich kann.

Zum Ende ein wenig Farbe aus der Konserve, Bilder aus dem Kiez vor zwei Tagen.

Und – immer fein achtgeben, wir werden beobachtet.

Ölberg, Wuppertal

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Freitag, 211029

Ein freier Freitag, wenn ich mal von dem gleich anstehenden Besuch des GWS-Installateurs absehe, der die jährliche Heizungswartung durchführt. Eine Gas-Therme, klassisch. Betrieben mit Gas aus Russland, aus Speichern, die kurz vor dem Winter nur zu 10% gefüllt sind, weil eine hunderte Milliarden teure Pipeline aus politischen Verhinderungsgründen seitens der designiert mitregierenden Grünen im Verbund mit den Amerikanern, die wiederum ihr eigenes Flüssiggas loswerden möchten, nicht in Betrieb genommen werden soll. Es werden geschäftspolitische Argumente vorgeschoben, von wegen Betreiber- und Liefergesellschaft identisch und so. Stimmt alles, ist aber kein Grund, die Betriebsgenehmigung einer solchen Anlage zu verweigern. Natürlich könnten die fast leeren Speicher auch über die bestehenden Pipelines gefüllt werden, das wiederum ist die politische Antwort der Russen. Geben und nehmen, im Kleinen wie im Großen. Über die Grünen ließe sich noch so viel sagen, ich habe sie selbst lange gewählt. Später vielleicht.

Sonst so? Es ist Herbst vom Feinsten. Auch heute soll es noch einmal Farbenpracht pur geben. Wir haben volles Haus, ein mir lieber Skorpion begeht morgen Geburtstag. Wenn der Brenner sauber ist und die Bäuche gefüllt, gehen wir wieder vor Tür. So wie gestern schon.

Kiez im Bilderbuch-Herbst:

Zwei Halbschattengewächse:

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Mittwoch, 211020

Alltag – Werktag. Alles wie immer, Öl-verschmierter Werkstattboden, gemeinsam mit mir gealterte Maschinen, der Geruch von Kühlwasser und verbrannten Stahl. Zeit-Korsett, das nach Beständigkeit ruft. Fluch und Segen gleichermaßen. Gut, noch ein paar Bilder vom Sonntag zu haben.

Wuppertal, hinterm Funkturm, nördlich Westfalenweg.

Zurück zur Werkstatt – ich muss mal mit den Jungs reden, wie die Muse sie wohl geküsst hat, bei dem Liedchen. Wenn ich mir den verreckten Estrich hier betrache – so muss Poesie entstehen. Schon mal gebloggt, aber gerne nochmal:

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Sonntag, 211017

Es wird nicht richtig hell, aber ein freier Tag, immerhin. Nach einer Arbeit-freien Woche, die in der Hauptsache aus Arztbesuchen bestand. Ebenso hat das Autochen frisch Werkstatt, TÜV & Winterräder, sauber ist er auch mal wieder. Was so liegenbleibt.

Darüber hinaus mache ich mir Gedanken um den Wassertiger. Wird kaum noch beschrieben, von mir, der Blog, so recht weiß ich auch nicht, in welche Richtung es gehen könnte. Persönlich war es ja schon immer, dort. Einfach vom Netz nehmen wäre zu schade, 8 Jahre Autobiographie und Gedanken einfach so in die Tonne geht so auch nicht. Und sei es nur für meinen Sohn, falls der das irgendwann mal lesen will. Andere vererben Häuser und Geschäfte, ich Bücher und Gedanken, irgendwann mal.

Also – wie sichert man einen selbst gehosteten Blog? Die große Suche im Netz beginnt, ich lerne, es gilt eine Datenbank als Ganzes, die quasi die Umgebungsstruktur darstellt, zu sichern, sowie die WordPress-Ordner und Dateien. Das sind viele, über 9000, wie sich herausstellte. Mein Datendealer gestattet keinen Ordner-Download, geschweige denn Unterordner mit was drin. Nur einzelne Dateien gehen ?!? Das ist so, lese ich. Um das komfortabel zu lösen, braucht es ein kleines Programm, das mit den FTP-Zugangsdaten (der Dealer stellt sie übersichtlich bereit) gefüttert wird und danach ähnlich wie der Windows-Explorer ein löschen, kopieren und überschreiben via Copy & Paste gestattet. Zwei Telefonate mit dem Support, der sehr speziell ist, bringen Klarheit über ein gut zu verwendendes Programm und eine saubere Downloadseite. Der Support – schon witzig. Hatte schon einige Male die Erfahrung gemacht, erst beim zweiten Anruf wirklich ernst genommen zu werden, dann aber sehr zuvorkommend und freundlich. Jedenfalls hat alles gut funktioniert und ich habe nun eine brauchbare lokale Datensicherung.

Hmm – vielleicht doch stehen lassen, aber dann mal modernisieren. Anderes Theme, die letztaktuelle WordPress-Version mit allen modernen Feature. Wie das im einzelnen geht, steht hier gut beschrieben. Geht bei vorhandener Funktion automatisch, aber gerne mal mit einigen Problemen. Manuell ist sicherer, wenn man weiß wie. Manche Ordner und Dateien müssen gelöscht/überschrieben werden, andere dürfen das auf keinen Fall. Aha…könnte spannend werden. Die aktuelle Version ist gezogen, was genau ersetzt werden muss, ist geklärt, ein brauchbares Backup vorhanden. Fehlt nur nur der Mut, anzufangen. Vielleicht 😉

Sonst so? Es gab gestern einen schönen Abendspaziergang mit einigen herbstlichen Bildern. Die Größe der Runde (fast 12 Km bei knapp 15000 Schritten) war so nicht geplant, darum war auch kein GPS dabei. Jedenfalls ging es über den Wuppertaler Nordhang hinaus, jenseits der Wasserscheide Wupper/Ruhr über Felder und durch Wälder Richtung Dönberg und von dort wieder Downtown.

*Laufen ist der Versöhnung mit dem schwarzen Vogel förderlich. Es dauert, ist wie alles, was nicht sofort und auf der Stelle wirkt, für einen Menschen mit Suchtstruktur immer wieder eine Herausforderung, aber es funktioniert, das kann ich versichern. Licht, Luft, manchmal sogar Sonne und Bewegung machen den Gefiederten friedlich.*

Sonntag, 210912

Der 11te 9te ist vorüber und Amerika erinnert sich, trauert mit Recht beim Gedenken an die Ereignisse vor 20 Jahren. Wessen nicht derart gedacht wird, sind die Folgen der globalen Raserei, zu der der verwundete Goliath global nach den Anschlägen fähig war, letztendlich mit nur minimalen Erfolg, aber zahllosen Toten und Traumatisierten auf allen Seiten in den von den USA initiierten Kriegen. Sie sagen nun sinngemäß, das passiert uns nicht noch einmal, wir haben verstanden, kein Land via Besatzung umerziehen zu können. Man hätte die Mittel und die Fähigkeit, auch anderweitig auf potentielle Bedrohungen reagieren zu können, ohne das näher auszuführen. Wenn ich dem in meinem Kopf nachgehe, bekomme ich Gänsehaut, da ich mit reichlich Phantasie gesegnet bin.

Es ist, wie es ist.

Sonst so? Neulich, vor 8 Tagen, wir stehen am Straßenrand vor unserer Haustür und warten. Kommt ein Nachbar und belädt seinen Kombi, keine Ahnung, irgend etwas stand wohl an, Kunst, Happening oder eine religiös-kulturelle Veranstaltung, ich wollte nicht noch neugieriger scheinen, als ich eh schon bin. Immerhin habe ich mich getraut, zu fragen, ob ich diese merkwürdige Figur bildlich einfangen dürfe, die da gerade reisefertig verladen werden sollte. Die Antwort wurde mir nur zögerlich positiv beschieden, vermutlich war man sich nicht sicher, ob es ihr recht sei, derart verewigt zu werden, der Wasserfee-Göttin, so wurde sie mir vorgestellt. Ok, dachte ich, die hat ja dann auch einiges zu tun, derzeit, und wenn sie ärgerlich wird, dann schüttet es oder es kommt gar nichts, kennt man ja. Darum bemühe ich mich um gebührenden Respekt, der im übrigen nie schaden kann, Glaube hin oder her, Ärger mit Wasser haben und hatten wir bereits genug.

Und noch ein paar Bilder von nebenan …

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Sonntag, 210822

Bilder vom Spaziergang am gestrigen späten Nachmittag, den Wuppertaler Südhang hinauf. Eine Runde von gut 10 Kilometern, der Track ist kürzer, weil ich ein Stück herausgeschnitten habe (Sackgasse auf Privatgrund mit Gemecker). Der Weg ging durch mehrere Gartensiedlungen, über Straßen, durch Wälder hoch auf den Kiesberg und wieder herunter in die Stadt. Hier zu gehen ist eine andere Liga als im entspannt flachen Berlin, beides hat seinen Reiz.

Gartensiedlung, die Erste…
Ausblick auf die Stadt am Ende der Sackgasse – von unten wurde gemault.

Und …

An den konnte ich nicht vorbei, ohne ein Bild zu machen.

Wieder Richtung heimatlichen Kiez…

Zuhause dann drüber und drunter bei der Raubtierfütterung.

Hauptsache, man kommt dran…

Sonst so? Wir schauen gerade bei Gelegenheit Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt, eine ausführliche Doku-Reihe über die jüngste wechselvolle Geschichte der Stadt. Im Zuge einiger Recherchen lande ich bei der Kongresshalle, keine Ahnung wie. Jedenfalls hat der Dachschaden eben jener so genannten schwangeren Auster Anno 1980 der sich im selben Jahr gründenden Band Einstürzende Neubauten zum Namen verholfen. Was wiederum neue Recherche nach ein wenig Liedgut der schwer verdaulichen Kapelle rund um Blixa Bargeld zur Folge hatte.

Alles in allem – ein Stück, das jede Menge Raum zum nachdenken lässt. Oder sich einfach nur im Hirn einnistet, dort seine Runden dreht und möglicherweise an den einen oder anderen Traum erinnert. Kein Klartext und keine leichte Kost, aber hörenswert. Kryptische Lyrik pur …

Nachtrag: Was inspiriert den Künstler zu solchen Texten? Des Rätsels Lösung kam zu mir beim nachdenklichen betrachten des demolierten Werkstattbodens an der Stätte meines Jagens und Sammelns. Abgeplatzter Estrich – der Rest ist Phantasie, ganz altmodisch mit „Ph“.

Ein Schwätzer versucht
Dem Felsen etwas einzureden
Der es versucht aber doch
Nicht flüchten kann

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Sonntag, 210815

Drei Wochen Urlaub sind Vergangenheit, ab Morgen darf ich wieder werktätig sein. Irgendwie störend, aber unumgänglich, für ein paar Jahre noch. Und vergleichsweise angenehm, mit Blick auf andere Zeiten. Glückskind, das ich bin, darf ich heute doch allein arbeiten, mit einem Minimum an Arbeitskollegen, und diese sind sowohl vertraut als auch vertrauenswürdig, alles in allem. So Gott und die großen Zampanos in fremden Ländern wollen, bleibt das vorläufig auch noch so.

Ich mag Hunde lieber als Menschen. Und Katzen lieber als Hunde. Und mich, besoffen in meiner Unterwäsche aus dem Fenster schauend, am liebsten von allen.

Charles Bukowski – ich kann versichern, das haut auch ohne Alk gut hin, wenn auch immer noch tägliche Übung.

Musik – ich habe in den Ferien meine Liebe zur Neoklassik entdeckt, wie so oft durch glückliche Fügung. An einem Ort, an dem man so etwas eher nicht vermutet, einem orientalischen Bistro mitten im strubbeligen Kiez von Wedding, der geneigte Leser erinnert sich. Geht öfter so, das manche Diamanten gut getarnt sind.

V.wg. Katzen & aus dem Fenster schauen …

Sonst so? Bilder von unserer gestrigen Abendrunde über`n Arrenberg, zur Kriegsgräber-Anlage Könighöhe und wieder talwärts, mit Einkehr, lecker Essen und netter Gesellschaft. Ein runder Tag, alles in allem.

Erste Anzeichen des späten Sommers.

Auch andere sind unterwegs …

Die alte Anlage ...

Blick über die Stadt …

Moritzstraße, Wuppertal-Elberfeld, auf dem Heimweg.

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Sonntag, 210801

Zuhause. Neulich stehe ich auf der zur Straße gewandten Loggia und schaue in den Tag. Stehen da unten zwei Typen mit Smartphon, Schwaben oder Japaner, keine Ahnung. Jedenfalls nicht von hier, der Begeisterung nach zu schließen. Ergehen sich in einem der angeblich größten zusammenhängenden Gründerzeit-Viertel. Na dann. Na, das ist doch mal eine ganz klare Ansage… ruft einer der beiden ausgelassen fröhlich (die können definitiv nicht von hier sein…) in meine Richtung und zeigt auf den Pippimann hoch oben am Haus. Heitere Gelassenheit lobe ich mir, Rückschlüsse waren vermutlich beim Erbauer gewollt und erwünscht, des Lebens heitere Seiten betreffend, sexuelle Orientierung möglicherweise mit eingeschlossen. Die zwei jedenfalls haben Spaß.

Darüber hinaus sind diese Tage erfreulich ereignislos, was mich vor langer Zeit noch ziemlich gelangweilt hätte. Genieße ich heute, weil, wenn was los ist, ist es meistens eher weniger erbaulich.

Mal sehen, was der Tag noch bringt.

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Donnerstag, 210715

Land unter im Tal der Wupper, das ist seit dem Bau der Wuppersperre 1987 noch nicht vorgekommen. Die Nacht lief die Sperre wohl kurzzeitig über, jedenfalls mussten die Betreiber in kurzer Zeit eine große Menge Wasser ablassen, um schlimmeres zu verhindern. Wir wohnen am Berg, diesmal blieb sogar der Keller trocken. Weiter unten sieht das teilweise nicht so gut aus.

Sonst so?

Dienstag war ein freier Tag. Ich hätte sonst was erledigen können, tat ich aber nicht. Traf mich mit einem Jugendfreund, nebenan, in Remscheid. Das wird übrigens mit einem kurzen „e“ ausgesprochen, Nicht-Eingeborene machen da gerne „Rehmscheid“ draus. Wie auch immer. Habe lange in der Stadt gewohnt und komme so nach Jahren mal wieder dort hin.

Zwei nette ältere Herren mit Tagesfreizeit treffen sich. Es gab einen nichtöffentlichen Teil, sozusagen, und einen öffentlichen, beim Spaziergang in der Stadt und umme Ecke, in der Eisdiele. Da saß schon wer, einer der üblichen Verdächtigen. Man kennt sich, großes Hallo. Stühle-rücken, setzt euch, töttern (das ist Solinger Slang und meint Smalltalk machen) Der geneigte Leser erinnert sich, ich übe mich gerade in Sachen flach, das kann durchaus erheiternd sein, zeitweise. Und lustig hat es nicht so oft, also üben.

Der Verdächtige hat dito Tagesfreizeit und ist neugierig. Kennt er doch den Kumpel nur ohne Begleitung oder wenn, dann in Begleitung seiner Konkubine, die aber heute verhindert ist. Woher kennt ihr euch, wird gefragt. Wuppertal, Remscheid?

Nein, sage ich. Das war göttliche Fügung. Es begab sich einst im Jahre des Herrn 1969, mein Vater parkte seinen ersten Wohnwagen in den finsteren Wupperbergen nahe einer Hofschaft. Da gab es nur ein paar Hunde und halt Freund A., genau zwei Monate jünger als ich. Die Hunde wollten nicht mit mir spielen, trotz Kotelett um den Hals. Da blieb nur A. übrig und seitdem kennen wir uns.

Gelächter, der Verdächtige hat keine weiteren persönlichen Fragen mehr und das Gespräch verliert sich im Ungefähren, was uns allen recht ist. Fazit: Ich könnte mich daran gewöhnen, zumindest zeitweise mal so richtig nichts zu tun außer dem Herrn die Zeit stehlen, in einer Remscheider Eisdiele. Töttern, Leute angucken. Mich in der deutschen Sprache üben: Lass mich arbeiten oder lass mir arbeiten? Lass andere arbeiten, so heißt das!

Der winkende Grüßonkel in Miniatur bin übrigen ich…

Remscheid, Theodor-Heuss-Platz, städtische Webcam…

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