Drei Tage

Drei Meetings, hintereinander, was für mich ein ungewöhnliche Dichte darstellt. Angefangen am Feiertag mit dem diesjährigen Herbsttreffen der anonymen Alkoholiker, über unser reguläres Meeting am Freitag Abend hin zu unserem so genannten spirituellem Meeting, was eigentlich eine unpassende Bezeichnung ist, wie ich finde, derweil die meisten Meetings ausgesprochen spirituell verlaufen. Der Unterschied besteht im ersten Teil des Meetings, in dem ein etwas längerer Text gemeinsam gelesen wird, die darauf folgenden Wortmeldungen lehnen sich am Gelesenen an.

Was macht das mit mir? Ich fühle mich zum einen gekräftigt, geerdet, mir selbst und meinem Schöpfer etwas näher. Und – als Mitglied so einer immer noch großen, hilfreichen und weltweiten Gemeinschaft bin ich nicht allein mit meinen Lebensschwierigkeiten, mit meiner unheilbaren Suchterkrankung die sich daraus entwickelt hat. Zuzüglich der Lebensschwierigkeiten, die sich aus der Suchterkrankung entwickelt haben. Und – es wird bei aller Ernsthaftigkeit auch gelacht.

Wärme, Nähe, Geborgenheit, Gemeinschaft.

Es geht mir gut, heute. Jetzt. Ich halte den Zeitraum kurz, was mein Befinden angeht, dafür ändert sich das zu schnell. Überhaupt, die Zeit. Heute gibt es schmerzhafte Stunden und manchmal auch Tage. Früher waren es Jahre.

Sonst so? Heute ist Erntedankfest. Zeit, das zu tun, was gerne zu kurz kommt, bei mir. Dankbar sein, für das, was ich habe. Nicht nur auf dem Teller, sondern überhaupt in meinem Leben. Was Feldpflege bedingt, pflügen, sähen, ernten eben. Manchmal auch harte Arbeit.

Und – Sonntag ist auch noch, und früh genug für das alte Lied…

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Kein Zustand …

…ohne einen passenden Titel.

Eskapismus – ein interessanter Begriff.

Realitätsflucht also. Das passt. Passte. Selbst heute würde ich mir manchmal gerne ein Loch graben und zumindest für eine Weile darin verschwinden. Mache ich auch manchmal – dass ich nicht zu lange darin verweile, dafür sorgen neben Familie und Beruf auch das Blogland schon 🙂 Früher habe ich nachgeholfen, chemisch. Da strengt das Löcher-graben nicht so an … nur mit dem raus kommen wird es schwierig, wenn man dann noch vergesslich dabei ist, was das aufhören mit der chemischen Nachhilfe betrifft.

Wie komme ich also zum Eskapismus? Über die Musik, beim suchen. Eloy zum Beispiel, die werden damit in Verbindung gebracht. Erinnert sich noch jemand?

Und heute? Lässt sich auch mit der Musik der 70er beschreiben, wenn ich schon gerade mal dort bin…

There’s no way out of here, when you come in you’re in for good ….

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Nachtrag: Gerade ist mir eingefallen, dass ich tatsächlich ein Album von Eloy hatte, so mit 17 … hier ein Auszug. Ist das lange her…

 

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Erklärungen

Meist ist es gut, wenn ich sage, nein Danke, dieses oder jenes bitte nicht. Mir sympathische Menschen nicken nur, machen vielleicht Alternativ-Vorschläge und nehmen`s hin. Gut so. Halte ich auch so, meistens eben. Fragen beantworten sich mit ein wenig Geduld sowieso oft mit der Zeit von selbst.

Manche Menschen allerdings brauchen es dann doch ein wenig ausführlicher …

*

Wird Alkohol offeriert, lehne ich dankend ab. Das reicht in 99 von 100 Fällen und ich bekomme irgend etwas anderes, kommentarlos. Bleibt noch der eine Fall von Hundert.

So erlebt vor, ich glaube, zwei Jahren. Ein gemeinsames Essen, draußen auf dem Lande. Man trinkt Wein, ich ordere, wie immer, mein Wasser. Ein Mensch am Tisch findet das bedenklich.

Trinkst Du denn niemals Alkohol, ich meine, gar nicht …!?

Nee, sage ich, ahnend, was da kommen mag. Niemals, oder besser, heute nicht. Was zumindest für mich kein Widerspruch ist, derweil morgen ein neues Heute ist.

Ähh … darf ich fragen … hat das vielleicht gesundheitliche Gründe ?
Sprach`s und das Gesicht legt sich in Erwartung mindestens einer schweren Tumor-Geschichte in mitleidvolle Falten.

Nein, nein, sage ich, das hat religiöse Gründe.

Oh … und Ruhe ist.

Die anderen mit-am-Tisch-Sitzer unterdrücken ein Grinsen und zwingen sich zur ernsthaften Zurückhaltung. Wissen sie doch um meine wahren Beweggründe, das Stöffchen zu meiden. Es ist meine Vergesslichkeit. Nein, und damit meine ich keine eventuell beginnende Demenz, sondern meine Vergesslichkeit, das Aufhören betreffend.

Das für mich geilste Feedback bekam ich übrigens einst von einem stockbesoffenen Russen, den ich vor vielen Jahren via Mitfahrgelegenheit mit nach Berlin nahm.

Trrrinkst du keinen Alkoholl ?
Nein, nie.
Dann bist Du Alkohollikerrrr …

Punkt.

*