Montag, 220613

Wegen ausstehender Rechnungen setze ich mich an den Rechner, diese dann erfolgreich verdrängt und lieber bloggen. Es ist beinahe Vollmond, und der ist bekanntlich alles schuld. Darüber hinaus erinnert mich der 13te 6te an nunmehr schon zwei Menschen, die an diesem Tag Geburtstag haben und nicht mehr unter uns sind. Beide hatten und haben ihren Platz in meinem Leben, der eine über viele Jahre als mein treuer Saufkumpan und Berufskollege, die andere virtuell hier auf dieser Plattform. Macht es gut, gleich, wo ihr jetzt seid.

Sonst so?

Vollmond macht regelmäßig komische Sachen mit mir, vor allem in Sachen Nachtruhe. Außerdem fördert diese intensiv gefühlte Zeit allerlei Emotionen und das gerne unmäßig. Fressattacken sind noch die eher harmloseren Auswüchse dieser Zeitqualität. Seis drum, geht auch wieder vorbei.

Kleines Highlight am späten Nachmittag: Ich liege auf dem Sofa und versuche, den mangelhaften Nachtschlaf auszugleichen. Es klingelt, wie so oft, wenn ich ruhen möchte. Barfuß, in einem viel zu großen T-Shirt mit regionalen Bezug und mit einer unfrisierten, an ein geplatztes Sofakissen erinnernde fluchtwilligen Jungkatze unterm Arm öffne ich dem Paketboten die Tür. Sein Gesicht bei dem sich ihm bietenden Anblick – unbezahlbar. Gelacht haben wir beide – Originalgetreues fotografisches nachstellen des Auftritts wegen unwilligen Getier nicht möglich.

So ähnlich jedenfalls …

Sonntag, 220612

Gestern war Ölbergfest, wir waren nur mal kurz schnuppern, uns war es zu voll. Bilder gibt es beim Wassertiger, dort habe ich das 30fache Datenvolumen und kann es mir leisten, die Bilder in voller Größe zu veröffentlichen. War jedenfalls eine schöne rund, derweil hier der Bär tobte.

Sonst so? Bei ARTE gibt es eine gute Doku zum Thema gehen, sehr umfassend. Was die Wirkung auf die Psyche angeht, das kann ich nur bestätigen. Ist mir in den vergangenen zwei Jahren sehr bewusst geworden, wie gut es mir damit geht, wenn ich mich genügend bewege.

Werde ich heute fortsetzen 🙂

Montag, 220509

Nachtrag zum gestrigen Sonntag. Ich traue dem Frieden nicht mehr und neige dazu, mich in düstere Visionen hereinzusteigern, angesichts der Nachrichtenlage und der Tatsache, dass die Liebste gerade in Berlin weilt. Dann wird es Zeit, mich zu bewegen, das fällt vergleichsweise leicht, wenn draußen ein so schönes Wetter ist wie dieser Tage.

Erste Station war das Gräfrather Marktfest. Gräfrath gehört zu Solingen, was aber nicht heißt, dass die Gräfrather auch Solinger wären. Sie sind natürlich Gräfrather, so wie die Lenneper eben Lenneper, die Lüttringhauser eben Lüttringhauser und keine Remscheider sind. In Wuppertal isses ähnlich, nur vielfältiger, da mache ich jetzt mal nen Schnitt, führt zu weit, das bergische Klein-Klein.

Das große Kind wohnt seit kurzem da in der Nähe, sonst wäre ich nie dahin gefahren. Zuviele Menschen machen mir derbes Unwohlsein, zumal, wenn sie feucht-fröhlich sind. Und so verweilte ich auch nur kurz.

Wieder zurück im heimatlichen Kiez stieg der Wunsch, den Bierdunst aus der Nase zu bekommen, und so suchte ich das kleine Cafe umme Ecke auf. Die meisten Kunden holen hier Kuchen für daheim, das ist mir genau recht, wenig los, gut so. Balsam für die Seele, nach dem Dorffest zuvor.

Und – zum Ende noch eine kleine Runde über den Friedhof nebenan.

Macht Mut, die Inschrift.

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Donnerstag, 220310

Heute ist Sperrmüll im Kiez. Und am gestrigen Abend das übliche Bild, ausmistende Bergbewohner, Fußwege zu mit Müll, plündernde und streitende Lieferwagenbesatzungen, Volksfeststimmung allerorten. Ich muss öfter mal auf die Straße wechseln und schaue nur selten genauer hin, was da alles aus Kellern, Ecken, Abstellräumen den Weg ans Licht findet. Hier allerdings lege ich einen Stopp ein und gehe sogar ein paar Schritte zurück. Mitnehmen will ich sie nicht, so weit geht die Liebe nicht, mal davon abgesehen, dass nicht alle im Haushalt damit einverstanden wären. Aber ein Bild – das muss sein.

Sperrmüll-Prinzessin, du hast wahrlich bessere Zeiten gesehen. Aber selbst in deinem morbiden Charme jetzt strahlst du noch Anmut und Würde aus, passt auf deine Weise in dieses ebenso ramponierte Quartier mit seinem bröckelnden Fassaden. Gerne hätte ich dich an deinem angestammten Platz gesehen, in irgendeinem Hinterhof-Beet hier in der Straße. Was du alles gesehen und gehört haben muss, in den vielen Jahren, in denen deine schönen Füße Moos ansetzten. Zum Zeichen deiner Würde hat man dich obenauf gestellt, auf dem Haufen, auf dass ich dich sehe und wenigstens für eine kleine Weile dein Andenken hier bewahren kann. Machs gut, Prinzessin, auf der anderen Seite, vielleicht sieht man sich mal.

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Sonntag, 220213

Heute gibt es mangels kluger Gedanken vorwiegend Bilder, hier erstmal zwei von einer Abendrunde neulich:

Und – ganz frisch, Bilder von der Brötchen-hol-Runde gerade eben. Feine Gegenlichtdinger, die Tristesse der City, Schwebse, Johannisberg, Schwimmoper, Stadthalle, Deweehrt` scher Garten und – na klar, Ölberg. Kiez muss, geht nicht ohne. Und falls mal wer nicht weiß, mit seinen Schuhen wohin, nur zu, ist noch Platz auf der Leine. Kein schlechter Fund für einen wie mich, der sonst meist nur versunken nach unten schaut.

Sonst so?

Worte haben Kraft. Informierend, Emotions-geladen, heilend, zerstörend, und so vieles mehr. Die zerstörende Wirkung von Worten darf ich gerade im vertrauten Kreis der Herkunftsfamilie erleben. Wenn einer kurz vor Seitenwechsel aus seiner Hilflosigkeit Gift sprüht. Es macht etwas mit mir, sehr viel sogar. Sprengt den Rahmen hier.

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Samstag, 220115, am Abend

Es ist nebelig und nass-kalt, aber mir fällt die Decke auf dem Kopf, ich muss raus. Eine der üblichen Runden, nebenan, raus aus meinem leicht verkommenen, aber gemütlichen Kiez.

Fast zuhause…ohne Kehrwoche, aber bunt.

Auf den Höhen geht es anders zu. Bungalows, Eigenheime mit Car-Ports, Wall-Boxen und E-Autos, Kameras an den Toren. Wohnt das Glück eigentlich gleichmäßig verteilt hinten den Mauern? Ich denke an die zahllosen Studien und Statistiken, die belegen sollen, dass Menschen mit potentiell gesegnetem Einkommen nicht nur länger, weil gesünder leben, auch „Bildungs-näher“ sein sollen. Unmittelbar darauf denke ich an den verängstigten Mittelstand, der den „sozialen Abstieg“ fürchtet und sich in hauen-stechen-schlagen übt. Und das Glück? Keine Ahnung, mich machen schicke Häuser immer irgendwie misstrauisch, wegen dem Verdacht auf mehr Schein als Sein. Was natürlich ein Vorurteil sein mag. Oder ein Produkt meiner lebhaften Phantasie, gepaart mit einiger Lebenserfahrung, diverse Kollegen, Mitmenschen betreffend. Schließ die Fensterläden, bring mir das MG und so, siehe das Liedchen weiter unten. Vielleicht isses nur so, dass man sie in ihren gutsituierten Behausungen einfach weniger wahrnimmt, das macht verdächtig. Verdächtiger als Osman nebenan, wenn der sein Kinder verbal faltet, kriegt das die halbe Straße mit. Der jedenfalls ist eine ehrliche Haut, der seine Kinder liebt. Wenn er sie nicht gerade lautstark abbürstet. Wahrscheinlich geht es um wenig bis nichts, ich kenne das. Normale Gesprächslautstärke bei manchen.

Damals wie heute…

Zeitlose Klänge – R.I.P., Franz- Josef.

Reizarme, nasse Bilder und eine Menge Vögel.
Mitlaufen geht auch, hier.

Sonntag, 211114

Der Tag beginnt typisch November grau in grau, dazu noch Volkstrauertag. Der Tag der Erinnerung an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft aller Art. So ein Gedenken ist wichtig und richtig, ohne Zweifel. Für mich ist es allerdings genauso wichtig, zu verstehen, wie es in jedem Einzelfall so weit kommen konnte. Jeder Krieg, jedes Pogrom hat seine Geschichte. Geschichten, die immer verbal begannen, über Sanktionen und Ausgrenzung dann letztendlich zur Gewalt führten.

Heute sind die Methoden perfider, ausgefeilter und weitaus gefährlicher, weil nicht mehr klar erkennbar. Was ist schon daran gefährlich, den mündigen Bürger zum selber-denken aufzufordern? Der Kontext macht es, der Ton, die Art der Fragestellungen, im Hintergrund das Dauer-Rauschen des stets und ständig manipulierenden Staates, dem jedes Mittel recht ist, die Interessen bestimmter Gruppen durchzusetzen, korrupt, wie er sein soll. Und so werden Einzelfälle zur Norm stilisiert, Stimmung gemacht, zum zehnten Mal wiederholt, wird es dann gefallen. Was anstelle dessen treten mag, wird im Ungefähren gelassen, man arbeitet im Hintergrund an den Möglichkeiten. So gesehen steht die kommende Regierung unter einem enormen Erfolgsdruck. Scheitert sie, sind die Grünen in der nächsten, stramm konservativen Regierung nicht mehr vertreten. Mir bleibt zu hoffen, dass auch der letzte Dogmatiker dies erfassen kann.

Zurück zum heutigen Tag. Erinnerungen an meine Blutsverwandtschaft kommt auf. Wer mich länger kennt, weiß, dass ich zwischen geistiger und leiblicher Verwandtschaft unterscheide, Gold ist, wenn beide Hand in Hand gehen. Die Familie meiner Kindheit bestand in erster Linie aus Frauen, die den Horror des so genannten dritten Reiches irgendwie überlebt hatten. Männer gab es kaum noch, mein Opa mütterlicherseits hat den Krieg überlebt, vermutlich dank seines Unteroffiziers-Grades. Ich habe mich nie bemüht, herauszufinden, was genau er tat, es ist zu ahnen, das reicht mir schon. Also bestimmten Frauen das Geschehen, Tanten ohne Ende, die größtenteils auch gemeinsam in einem ärmlichen Hinterhofhaus lebten. Winzige Zimmer hinter engen Stiegen, mit Klo für je zwei auf halber Treppe. Jede war auf ihre Weise traumatisiert, sie waren füreinander da, alt wurden die meisten nicht. Familien-Fragmente, geprägt von Siechtum und frühen Toden einerseits und von Verdrängung, von Kompensation andererseits. Jeder, so gut er konnte, meine eigenen Eltern inbegriffen. Da ich nicht in ihren Schuhen gelaufen bin, fällt mir Vergebung immer noch nicht leicht, ist aber möglich. Ein steter, dynamischer Prozess, der immer wieder von Wut unterbrochen wird, aber dennoch in eine ganz bestimmte Richtung geht: Frieden mit mir, mit meiner Geschichte. Die Protagonisten werden in Kürze diese Welt verlassen müssen, ihr emotionales, geistiges Erbe wird mir zur weiteren Verarbeitung erhalten bleiben. Kann also nur von Nutzen sein, dieses kleine, noch verbleibende Zeitfenster bestmöglich zu nutzen, wohl wissend, dass dieser Prozess nicht mit dem Tod endet. Was bleibt, ist, um Führung zu bitten und tun, was ich kann.

Zum Ende ein wenig Farbe aus der Konserve, Bilder aus dem Kiez vor zwei Tagen.

Und – immer fein achtgeben, wir werden beobachtet.

Ölberg, Wuppertal

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Sonntag, 210801

Zuhause. Neulich stehe ich auf der zur Straße gewandten Loggia und schaue in den Tag. Stehen da unten zwei Typen mit Smartphon, Schwaben oder Japaner, keine Ahnung. Jedenfalls nicht von hier, der Begeisterung nach zu schließen. Ergehen sich in einem der angeblich größten zusammenhängenden Gründerzeit-Viertel. Na dann. Na, das ist doch mal eine ganz klare Ansage… ruft einer der beiden ausgelassen fröhlich (die können definitiv nicht von hier sein…) in meine Richtung und zeigt auf den Pippimann hoch oben am Haus. Heitere Gelassenheit lobe ich mir, Rückschlüsse waren vermutlich beim Erbauer gewollt und erwünscht, des Lebens heitere Seiten betreffend, sexuelle Orientierung möglicherweise mit eingeschlossen. Die zwei jedenfalls haben Spaß.

Darüber hinaus sind diese Tage erfreulich ereignislos, was mich vor langer Zeit noch ziemlich gelangweilt hätte. Genieße ich heute, weil, wenn was los ist, ist es meistens eher weniger erbaulich.

Mal sehen, was der Tag noch bringt.

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Montag, 210712

Die Arbeit ist kein Frosch, sie hüpft mir nicht davon. Kann ich auch noch ein wenig hier schreiben, die Möglichkeit in Kauf nehmend, von wordpress wieder einen „Lauf“ angedichtet zu bekommen, mit einem dritten Eintrag in Folge. Aber besser einen Lauf zu haben als einen Einl… zu bekommen – ok, Themenwechsel.

DLF gehört, beim rasieren. Blöd, wenn man mit dem Messer auf der Haut grinsen muss, aber der Spruch war die Schramme wert:

Es ist in Ordnung, dumm zu sein, aber es verpflichtet zur Zurückhaltung.

Sabine Friederich, Schriftstellerin

Sonst so? Es hat noch Bilder, von gestern. Eine kleine Abendrunde über den für mich schönsten Teil der ausgedehnten Friedhofsanlagen hier nebenan. Der katholische Friedhof Hochstraße, wirkt wie aus der Zeit gefallen, die stark befahrene Hauptstraße unweit nehme ich nicht mehr wahr. Ich mag die Atmosphäre dort sehr.

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