Sonntag, 210801

Zuhause. Neulich stehe ich auf der zur Straße gewandten Loggia und schaue in den Tag. Stehen da unten zwei Typen mit Smartphon, Schwaben oder Japaner, keine Ahnung. Jedenfalls nicht von hier, der Begeisterung nach zu schließen. Ergehen sich in einem der angeblich größten zusammenhängenden Gründerzeit-Viertel. Na dann. Na, das ist doch mal eine ganz klare Ansage… ruft einer der beiden ausgelassen fröhlich (die können definitiv nicht von hier sein…) in meine Richtung und zeigt auf den Pippimann hoch oben am Haus. Heitere Gelassenheit lobe ich mir, Rückschlüsse waren vermutlich beim Erbauer gewollt und erwünscht, des Lebens heitere Seiten betreffend, sexuelle Orientierung möglicherweise mit eingeschlossen. Die zwei jedenfalls haben Spaß.

Darüber hinaus sind diese Tage erfreulich ereignislos, was mich vor langer Zeit noch ziemlich gelangweilt hätte. Genieße ich heute, weil, wenn was los ist, ist es meistens eher weniger erbaulich.

Mal sehen, was der Tag noch bringt.

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Montag, 210712

Die Arbeit ist kein Frosch, sie hüpft mir nicht davon. Kann ich auch noch ein wenig hier schreiben, die Möglichkeit in Kauf nehmend, von wordpress wieder einen „Lauf“ angedichtet zu bekommen, mit einem dritten Eintrag in Folge. Aber besser einen Lauf zu haben als einen Einl… zu bekommen – ok, Themenwechsel.

DLF gehört, beim rasieren. Blöd, wenn man mit dem Messer auf der Haut grinsen muss, aber der Spruch war die Schramme wert:

Es ist in Ordnung, dumm zu sein, aber es verpflichtet zur Zurückhaltung.

Sabine Friederich, Schriftstellerin

Sonst so? Es hat noch Bilder, von gestern. Eine kleine Abendrunde über den für mich schönsten Teil der ausgedehnten Friedhofsanlagen hier nebenan. Der katholische Friedhof Hochstraße, wirkt wie aus der Zeit gefallen, die stark befahrene Hauptstraße unweit nehme ich nicht mehr wahr. Ich mag die Atmosphäre dort sehr.

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Sonntag, 210627

Die zweite Impfung ist seit gestern dito drin, nach einer bescheidenen Nacht geht es mir nun recht gut. Der Arm schmerzt ein wenig, wie Muskelkater, nicht der Rede wert. Und in zwei Wochen geht dank digitalen Impfausweis auch wieder Öffentlichkeit etwas einfacher. Falls von mir gewünscht, woran ja begründete Zweifel bestehen. Aber zu können, wenn man möchte, hat auch seinen Wert. Hauptsache erst mal Impfschutz.

Die Nacht – es war ungewohnt laut, bis 4 Uhr in der Frühe. Besoffene Kiddies, teils die alten Lieder plärrend, super, denke ich dann, während ich mir meine Hohlraumversiegelung wieder in die Ohren schiebe. Wenn ich den Kiez nicht so lieben täte.

Sonst so? Wir haben gern gesehenen Besuch, das zweite Wochenende in Folge. Interessant, wie das Gekatze damit umgeht. Während Jungkatze ausnahmslos jeden freudig begrüßt und immer mit dabei ist, gibt Altkater den angepissten Vollasi ab, mault, jammert und randaliert in der Nacht. Alter Mann eben. Wobei leichte Gewöhnungstendenzen erkennbar waren, dieses Wochenende. Auch da ist also Hoffnung.

Kinder dagegen – aus gegebenen Anlass:

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Sonntag, 201129

Gestern Morgen, ich komme gerade von meinen Eltern zurück. Diverse Diskussionen mit meinem Vater sowie der Verkehr in dieser Stadt haben meine Laune recht tief sinken lassen. Und so biege ich in die schmale, zugeparkte Kiez-Straße ein, in der wir zuhause sind, hinten drin eine randvolle Klappkiste mit Zeug aus dem Laden. Da ich keine Lust habe, das Teil weiter als nötig zu tragen, meinem kaputten Arm sei Dank, halte ich vor der Haustür zum entladen. Warnblinke an und los. Hinter mir steht eine Frau und gestikuliert wird. Dafür schenke ich ihr einen passenden Blick und lade erst mal aus, in Ruhe, um im Anschluss weiter zu fahren, in der Hoffnung auf irgend eine Nische für den Bobbycar. Das Weib folgt mir dicht auf. Vor der nächsten Lücke halte ich und blinke. Sie steht gleich hinter mit und fährt keinen Millimeter zurück, worauf ich sofort aussteige und sie nicht bitte, sondern auffordere, doch ein paar Meter zurück zu rollen, damit ich einparken könne. Lautstark beschwert sie sich über meinen Ton, was wäre, wenn sie nicht – ob ich ihr dann „auf die Fresse hauen“ würde – Originalton – man hätte ja schließlich schon so lange auf mich gewartet … Ich steige wieder ein und tue nichts, bis sie endlich zurück rollt. Sie parkt anschließend ebenfalls ihre Karre auf einem privaten Stellplatz, keift mich an, dass die Welt solche Menschen wie mich nicht braucht und haut ab, bevor ich in Versuchung komme, ihr gepflegt zu antworten.

Recht hat sie ja, so etwas wie mich braucht die Welt nicht wirklich, umgekehrt wird aber auch ein Schuh draus. Natürlich wäre die Lage nicht so eskaliert, wäre mein Vormittag etwas harmonischer verlaufen. Gereizte Stimmung ist weit verbreitet, offensichtlich nicht nur bei mir. Der weise Mönch in mir stellt mal wieder die eine Frage, ob das denn nun nötig gewesen sei. Natürlich nicht, und richtig lustig war`s auch nicht. Vielleicht gefiel ihr auch mein Äußeres nicht, die Armee-Jacke, die DTH-Wollmütze mit dem skelettierten Adler und natürlich die Sonnenbrille dabei. Können diese Augen lügen? Ja, mittlerweile geht es, mit nur wenig schlechtem Gewissen. So what.

Sonst so? Eine gute Freundin ist an C. erkrankt. Somit wird meine samstägliche Runde noch ein wenig weiter, Zeug vorbei bringen und so. Das Gefühl weitergeben, nicht allein auf diesem Planeten zu sein. Gutes Karma schaffen und die Gewalt-Phantasien verscheuchen, in Sachen blondierter Kiez-Punzen. So ist das, irgendwo zwischen dem goldenen Herzen und der schwarzen Seite der Seele.

So, schön passend zum ersten Advent.

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Sonntag, 200906

Wie nahe Licht und Schatten beieinander liegen können, war gestern Abend fein zu sehen. Wie so oft halt. Die Augen wollen auch noch nicht so, wie ich, heute Morgen.

 

Besondere Erkenntnisse abseits von Routine:

  • Mit zunehmenden Alter wird es schwieriger, sich zu verabreden, von Spontanität, die ja sowieso gut überlegt sein möchte, mal ganz zu schweigen. Zuviel kann dazwischen kommen, in Sachen Familie und Corona. Absagen meinerseits derentwegen kenne ich auch nur zu gut.
  • Gelenke und Sehnen unterliegen altersbedingten Verschleiß und Sanitätshäuser werden von Wucherern geführt. Früher hat man sie aufgehangen und nun wollen sie des bösen Karmas willen der Menschheit Gutes tun, mit altem Geschäftsgebaren. Gelernt ist gelernt.
  • Der schwarze Vogel schlägt sachte mit den Flügeln und erinnert mich an seine latente Anwesenheit. Zeit für Licht, Luft und Sonne, Meditation, Gebet und vielleicht das eine oder andere liebe Wort.
  • Musik kann ebenso helfen, die Befindlichkeit zu manipulieren.

Und zum Schluss: Überkommene Rituale kann man auch unterlassen. Oder vermisst die hier jemand?

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Sonntag 200621

Besondere Erkenntnisse:

  • Ein Kleinstwagen von 3.4 Meter Länge kann relativ komfortabel (wenn man als Vergleichsgröße das zu-Fuß-gehen heranzieht) 4 Personen, davon 2 Mitte 80, transportieren.
  • Es dauert höchstens 5 Minuten, bis alle drin sind. Und nochmal 5 für`s aussteigen.
  • Eine Vorhangleiste hält keine 4 Kilo halbwüchsige Katze aus, die sich an den Vorhängen im klettern übt. Meine Norm-verdeutlichende Ansprache diesbezüglich hat sie aufmerksam, aber stumm zur Kenntnis genommen.
  • Wenn das Tier noch wächst, wovon auszugehen ist, baue ich Schlagläden, innen liegend. Überall.
  • Nein, sie wird vermutlich eher nicht ruhiger, die nächsten 5 Jahre.
  • Sommersonnenwende, letzte Nacht. Eher beiläufig bemerkt.
  • Krawall in Stuttgart. Überraschend ist nur der Ort, mal nicht Kreuzberg oder Schanzenviertel.
  • 17.00 Uhr ist eindeutig zu spät für „Sunday Morning
  • Alternde Kater schrumpfen, siehe Beweisfoto.
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Ölberg, Wuppertal, in der kürzesten Nacht 2020…

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Sonntag 200524

Während meinen morgendlichen Übungen halte ich teils die Augen geschlossen, um ein besseres Gefühl für die Dehnungen in meinem Körper zu bekommen. Hören und fühlen also. Das Fenster ist auf und so dringen die Straßengeräusche des Kiezes an meine Ohren. Kinder lachen, Hunde bellen, hier und da ein Auto, das vorüber fährt. Jemand lacht wiederholt unglaublich dreckig und schadenfroh. Ich lasse die Geräusche vorüber ziehen, ebenso den kurzen Anflug einer Wertung (…möge der Lacher seine Medikation doch ändern). Sonntag auf dem Ölberg.

Sonst so? Zustände, die wir als „normal“ werten, also vor Corona, wird es m.E. frühestens Anfang übernächsten Jahres wieder geben. Und ja, es ist nur ein Virus und sonst nichts. Ja, es wird Versuche geben, unsere bürgerlichen Freiheiten dauerhaft zu beschneiden. Das ist machtpolitisch verständlich, aber nicht gut zu heißen. Ja, ich vertraue auf die Macht unseres obersten Gerichtes, genau dies zu verhindern. Ja, ich vertraue darauf, das die politischen Verhältnisse nicht wie in Amerika ausufern.

So, fünf nach Zwölf …

Montag, früher Morgen

4.30 Uhr, in der Küche. Milchkrug in die Mikrowelle, Timer an – BOFF – das war`s mit dem guten Stück. Das darf sein, denke ich, nach 20 Jahren. Natürlich an einem Montag-Morgen, wann auch sonst. Wohin jetzt damit, frage ich mich. Laut Website haben die Wertstoffhöfe geschlossen, aha. Mikrowellen dürfen auch in die Altgerätecontainer, na gut. Also das verreckte Teil für den Transport ein wenig entfettet und ab in den Wagen, kann fein vor der Arbeit erledigt werden, 150 Meter weiter auf der Straße steht so ein Ding.

Soweit der Plan. Ich stehe vor dem Blechkasten und peile diese Schublade an, so ein Ding zum aufklappen, bestücken und beim schließen wird der Schrott dann versenkt. Könnte knapp werden, denkt es in mir. Versuch macht klug, also raus mit dem Teil aus dem Wagen und hinein in die Kipplade. Nach ein paar Versuchen (ist in der Tat sehr eng) landet der Brocken lautstark an dem dafür vorgesehenen Platz, aber – die verdammte Lade lässt sich nicht schließen. Mittlerweile steht schon eine alte Dame im Hauseingang gegenüber, grinst freundlich und wünscht mir einen guten Morgen, den ich so nett als geht erwidere. Was tun – einfach abhauen – ist der erste Gedanke. Sollen sich die Kollegen von der AWG mit dem Scheißding herumärgern, was schreiben die auch „gehört in den Wertstoffcontainer“. Was natürlich nicht geht, weil erstens ziemlich asozial und zweitens notiert garantiert in dem Fall einer mein Autokennzeichen, die freundliche alte Dame lässt grüßen und man ist hier auf dem rot-grünen Ölberg außerdem umweltbewusst, was ich im Allgemeinen auch gut finde, jetzt im Speziellen allerdings weniger.

Und so – wütend und immer lauter fluchend zerre und reiße ich an dem verkeilen Ding umher, das weder vor und zurück will, in der elend zu kleinen Schrottlade. Toll, toll, denke ich, währenddessen ich mich geistig ein wenig vom Geschehen entferne – ein tobendes Rumpelstilzchen mit Kampfjacke., Schiebermütze und knallroter Birne unterhält gerade wild fluchend und lärmend den Berg, kommt her, ihr Spacken und zahlt gefälligst Gage!

Tatsächlich (!) kommt ein junger Mann von der anderen Straßenseite herüber, knapp zwei Köpfe größer als ich, und fragt ein wenig mitleidig, ob er wohl helfen könne. Na gut, mit vereinten Kräften – er überbiegt die Lade ein wenig – kann ich das Drecksteil endlich wieder befreien, Halleluja! Ab in den Keller damit, wird sich finden, wohin, vorzugsweise legal. Erst mal zur Ruhe kommen und arbeiten gehen …