Donnerstag, 230119

Ein Gefühl der Leichtigkeit trägt heute früh ganz gut, das ist ungewohnt. Liegt vielleicht auch daran, dass mein Indrustrieschauspielerzeiterfassungskonto (Gage, kein Lohn!) endlich stimmig ist, dank beharrlichen Nölens sowie wiederholter sachlicher Richtigstellungen.

Vielleicht isses auch der nahende Frühling, ich ignoriere den heftigen Schneefall jetzt gerade und machs wie der Vogel gestern, flöte gegen die Unbill der Zeit und tue so, als sei das Leben schön. Keine schlechte Strategie, finde ich. Habe das gerade schon in einem Kommentar geschrieben, Katzen haben uns in Sachen Glückseligkeit einiges voraus. DAS ist ihr Normalzustand, wenn alles Störende beseitigt ist, im Gegensatz zu uns Menschen. Das Abhandensein von Unglück bedeutet ja noch lange nicht Glück, man hat ja noch das Grübeln, sich-Sorgen-machen oder sonstwie schwarz sehen. Kann man also von den Fellnasen viel lernen.

Und – bei Tage sehe alle Wege freundlicher aus.
Nordbahntrasse zu Wuppertal.

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Freitag, 230113

Freitag, der 13te, na dann.

Wie beginnt man am besten seinen Tag? In perfekter Harmonie ist machbar, zumindest, solange man auf keinen anderen Menschen trifft. Was nicht so ganz realitätsnah ist. Also kommt früher oder später der Lackmustest der eigenen Friedfertigkeit.

Gestern war so ein Tag. Der begann mit Lektüre über wu wei, der daoistischen Lehre vom intuitiven handeln oder vom natürlichen Lauf der Dinge, den man besser nicht stören sollte. Das geschieht eh meist von allein, also von außen zunächst, trifft aufs angepisste Ego und schon war es das, mit der Harmonie. So geschehen gestern (Milieustudie!) mit meinem Lieblingskollegen (auch das relativiert sich beim durchzählen, derweil wir nur zu zweit sind), der mich Gott sei Dank lange genug kennt, um mich nicht gleich umzuhauen. Nee, ernsthaft, er ist ein Guter, der Kollege. Wir kennen uns fast 28 Jahre ohne größere Gemetzel.

Also besser den Tag krawallig beginnen, mit spiritueller Luft nach oben, frei nach dem Motto Das-Beste-zum-Schluss? Kann auch nach hinten losgehen, oder besser nach unten, da ist bekanntlich immer Luft. Also frisch auf, allen Aberglauben zum Trotz.

Mittwoch, 221214

Leicht chaotischer Tagesbeginn – vor 6 Uhr schon Müll runtergebracht, Geschirr abgewaschen, Altpapier rausgebracht und Auto getankt. Am Abend kriege ich den Arsch nur für das Nötigste hoch, morgens dagegen sprühe ich vor Energie, also beinahe.

Katzensteine , die liegen als loses Schüttgut in der ganzen Wohnung verteilt, man kennt das. Bleiben zu gerne in den Schneeschuhen unserer Jungkatze stecken. Die Dinger fegen ist Kult – kaum hört sie den Besen, kommt sie angerannt, sichtet den ersten Haufen Steine, springt locker über den Besen und wälzt sich mit Hingabe im Dreck. Bis ich sie nehme, erst mal lose abklopfe und auf dem mit einer kleinen Wolldecke verzierten, für eine 6.5-Kg-Katze Klappdeckel-verstärkten Altwäschebehältnis platziere. Da bleibt sie dann tatsächlich sitzen und lässt mich zu Ende werkeln. Weiterer Teil der morgendlichen Routine: Gold schürfen (Katzenscheiße sieben). Klondike im Badezimmer.

Der hier dagegen hat mit alledem nix zu tun. Der kackt auch schon mal in irgendwelche Leergutbehälter (zum Zeichen, dass ich euch gedacht…), so er denn vergessen wird, außenbords geschafft zu werden. Unpassend angezogen isser auch, der Schmutzfuß. Inne Werkstatt mit weißen Socken ist mehr als unpassend. Aber süß isser dennoch, der Werkstattkater.

Montag, 221212

Das Datum hat einen Eintrag verdient, auch wenn es an so einem Montag Morgen nichts Bedeutendes zu berichten gibt. Nur Einsen und Zweien, keine Null, geht, geht doppelt und kein geht nicht. Wie schön, kann losgehen.

WordPress stellt ausgegraute Animationsfragen oder so, für diejenigen, die überhaupt mal gar nicht wissen, was sie schreiben sollen. Die Fragen hauen ab, sobald der neue Block beschrieben wird. Gerade eben stand da „Wen beneidest du?“ Neid ist bei mir ein sehr seltenenes Gefühl, Gott sei Dank.Meine Lebensentscheidungen der letzten Jahre habe ich bewusst und in vollem Umfang aller Konsequenzen getroffen, wohl wissend, es hätte auch anders gehen können. Jene, die anders entschieden haben, beneide ich nicht, sondern schaue mit Neugier zu, was sich bei denen findet. Neid auf Besitz kenne ich dagegen überhaupt nicht. Sehr selten beneide ich Menschen, die die Möglichkeit haben, diese Gegend hier zu verlassen und ans Wasser zu ziehen. Aber auch sie zahlten ihren Preis, den ich nicht entrichten musste. Dann ist dieser Anflug von Neid verschwunden. Jeder auf seine Weise.

Und? Bin wach. 58 Minuten Fußweg, 4.5 Km mit 10Kg Rucksack in 6400 Schritten. Einmal die Woche tue ich jetzt so, habe ich entschieden. Macht dankbar für gutes Schuhwerk und gesunde Füße.

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Donnerstag, 221201

Weil es sich so hübsch liest, das heutige Datum, Einsen, Zweien und eine verlorene Null. Das ist wahrscheinlich auch schon das spetakulärste an dem heutigen Tag, den man bekanntlich ja besser nicht vor dem Abend loben soll. Heute Abend jedenfalls ist Weihnachtsgefresse, erster Teil, mit meinem unmittelbaren beruflichen sozialen Umfeld. Teil 2 ist in zwei Wochen, da wird der Kreis der Erlauchten größer gezogen.

Die Teilnehmer heute gehen vor dem Essen Kart-fahren, als Appetit-steigerndes Vorspiel. Da mache ich nicht mit, sowas war schon früher mitm Autoscooter grenzwertig. Pure Adrenalin- und Testosteron-Show. Mit meinem Befund kann das Maßnahmen nach sich ziehen, so habe ich mich da rausgeredet. Das ist immer witzig, wenn ich von meinen potentiellen Befunden spreche, sie wissen nie, meint der das jetzt ernst, hat er sie wirklich nicht alle oder will er uns verarschen … würde ich natürlich nie tun 😇

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Sonst so? Putzlappen erzählen manchmal ganze Geschichten. So wie der hier, der mal ein Shirt eines sportbegeisterten Jung-Osmanen gewesen sein muss.Mag ich, so Spuren. Was wohl aus dem ehemaligen Träger geworden ist?

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Und so geht dieser Eintrag unspektakulär zu Ende. Vielleicht noch etwas Lokales zum Schluss, ein verlorenes Schaufenster abseits vom vorweihnachtilichen Glanz, hier im Kiez:

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Montag, 221128

Neues Wort gelernt:
Low Performer.

Klingt eigentlich qualifiziert, Low Carb ist doch auch in aller Munde. Leider ist nicht jede Reduktion positiv assoziiert, schon gar nicht, wenn es um die so genannten Low-Performer geht. Für die gab es früher andere, weniger wohlklingende Bezeichungen. Faule Sau zum Beispiel. Womit den Schweinen Unrecht getan wurde, nur weil ein Geschöpf sich auf das unbedingt Notwendige beschränkt, ist es nicht gleich faul.

Der Low-Performer ist ja keineswegs untätig, nur werden seine Tätigkeiten landläufig eben nicht als produktiv angesehen. Wer so wie ich mal dieser Spezies über die Schulter geschaut hat, bekommt ein etwas anderes Bild vermittelt. Sie arbeiten schon hart, wer einmal eine Menge Gesetzestexte über Anforderungsprofile für diese oder jene Entgeldgruppe lesen musste oder gar im regen Austausch mit einem Rechtsanwalt stand, weiß, wieviel Mühe so etwas machen kann. Kommt dann noch eine potentielle Behinderung dazu, steht einem tagesfüllenden Programm nichts mehr im Wege. Achtung: Meiner Erfahrung nach gibt es auch unter zu Recht als behindert bezeichneten Menschen solche und solche. Wer trotz Behinderung sein Tagewerk ausfüllt, hat meine uneingeschränkte Hochachtuung!

Selbst hatte ich einige Male Gelegenheit, den Werdegang mehrerer so genannter Low-Performer sportlich interessiert zu verfolgen. Die werden ja auch nicht als solche geboren, jedenfalls nicht alle. Irgendwann fällt ein innerer Vorhang und dann ist Dienst nach Vorschrift. Tja. Das ersehnte Ziel ist (natürlich abhängig vom Lebensalter respektive weitere Zukunftspläne) eine möglichst ertragreiche Kündigungsschutzklage, die den weiteren Lebensweg zumindest unterstützend mit absichert. Die Leidtragenden in dem Spiel sind in der Regel die Kollegen, die ihren Job noch ernst nehmen und für den Low Performer mitarbeiten müssen.

In kleinen Betrieben findet man den Low Performer darum so gut wie nicht. Nicht nur, weil Nichtsnützigkeit hier gleich auffällt, sondern wegen dem eingeschränkten Kündigungsschutz in solchen Gewerken. In größeren Betrieben, vorzugsweise Konzernen sieht das ganz anders aus. Kann doch nicht gutgehen, dachte ich schon öfter. Doch, ging gut, und manchen Ex-Kollegen sehe ich vor meinem geistigen Auge seinen gerichtlich ausgehandelten Vergleich oder Aufhebungsvertrag als sexuelle Stimulanz unterm Badezimmerspiegel hängen, eine hervoragende allmorgendliche Tageseinstimmung für eine hoffentlich gesegnete Zukunft.

Kann einem schon einen gewissen Respekt abzollen. Allerdings zahlt Mensch für alles einen Preis, soviel ist sicher. Und manch Geister, der ich mich bedienen könnte, werde ich möglicherweise nicht mehr los. Ein verschissenes Karma ist so angenehm auch nicht, zumal das Universum immer antwortet.

Darum:

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Donnerstag, 221013

Der Plan heute beinhaltet, am Nachmittag Vater zu besuchen, erstmalig seit 2 Wochen. Mir wird flau im Magen, wenn ich daran denke.

Um so wichtiger sind die Banalitäten des Alltags. So haben Arbeit und Zuhause, von meiner temporären Anwesenheit mal abgesehen, noch mehr gemein: Katzen, die Opportunisten vor dem Herrn. Warm und kuschelig – erster, alles ich.

Die hier sägt schön tief vor sich hin, während sie da ruht. Und wie farblich abgestimmt das alles ist – Harmonie pur. Dazu trägt Madam sowieso ganzjährig schicke Herbstfarben.

Paar Türen weiter geht es ähnlich zu, wenn auch nicht so hübsch farblich abgestimmt. Bruder Schmutzfuß liebt die Wärme von dem Öfken hier in der Bude. Und meinen Bürostuhl. So komme ich vom pinkeln wieder, zack, besetzt. Sieh zu, Zweibeiner. Wohl dem, der mehrere Stühle hat.

Sonntag, 220918

Inspiriert vom Wetter: Milieu-Studie – Exkurs in ein untergegangenes Reich, glaubwürdig überliefert von einem damaligen Meeting-Teilnehmer.

Das Juni-Ohr hatte einen Hund. So ein großes, braunes Ding, unglaublich gutmütig und mutmaßlich das einzige Wesen, dass das Juni-Ohr bedingungslos liebte, weil oder trotzdem, das weiß nur Feli, so war sein Name. Das Juni-Ohr hatte auch eine Personal-Chefin, die Frau D., die durfte sich damals noch Chefin des Personals nennen und noch nicht Human-Resources-Manager, wie heute üblich. Darüber hinaus oblag es ihr, mit Feli in gewissen Stoffwechsel-bedingten zeitlichen Abständen „vor Tür“ zu gehen.

An einem Tag wie heute spricht das Juni-Ohr: Frau D., der Hund muss raus! Woraufhin Frau D. leicht pikiert aus dem Fenster schaut. Woraufhin die dunkle Stimme des Juni-Ohres laut dröhnend und für alle anderen mehr als gut vernehmlich durch den Raum schallte: Frau D., ich weiß, es regnet, gehen Sie trotzdem! Von Recht und einer harten Hand, gegen jedermann, jederfrau und jederhund verstand das Juni-Ohr etwas.

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Sonst so? Zwei Geräusche, die mich umgehend total tiefenentspannt und träge werden lassen: Regen-Gerausche und Katzen-Geschnurre, gerne in Kombination.

Und ein lustig Liedchen 🙂
#dergelbesack

Freitag, der 13te – 220513

Sehr müde, aber guter Dinge, wenn auch nicht weil, sondern eher trotzdem. Guter Dinge ist gute Laune light, also die altersgemäß gesetzte Form der guten Laune. Soweit die Definition – gesetzt beinhaltet aber durchaus Augenfalten-gekränzte Lachanfälle, irgendwo müssen die gewaltigen Krähenfüße ja herkommen, als stilistische Ergänzung zu den Tränensäcken.

Wohlan, Millieu-Studie.

Wir müssen aufräumen, irgend ein wichtiges Audit steht an. Wir – das sind mein arabischer Lieblings-Kollege und ich – Last Man standing sozusagen. Und so werden Schränke abgerückt, Fensterbänke, die seit langen Jahren keines Blickes mehr gewürdigt wurden, von komischen Sachen befreit und via Druckluft entstaubt (ich weiß, das geht auch feiner, aber nicht unbedingt schneller). Ecken werden sichtbar, von denen wir nicht mehr wussten, dass es sie gibt und Dinge tauchen auf, die mindesten, wenn nicht noch länger keiner mehr vermisst hat

So etwas hier zum Beispiel.

Wir stehen staunend umher ob der gesegneten Qualität des Objektes, im Vergleich mit dem Alu – und Plastikgelumpe der Gegenwart. Das Ding taugt sogar zum Eis hacken, meine ich. Der Kollege ergänzt, Scheitel ziehen ginge auch gut, wenn nur erst einmal ein Besenstil in dem passenden Format gefunden sei. Ein MUFU-Werkzeug gewissermaßen, Multi-funktionell eben.

Dann stehen weitere Veränderungen an, wir sollen geheim werden, falls mal die Russen kommen. Oder sonst wer. Zugangsberechtigungen sollen verteilt werden, damit Kleti und Pleti sich gefälligst demnächst anmeldet und nicht mehr einfach so herein schneit. Wir wären zwar nicht machtlos, siehe frisch entdecktes MUFU-Werkzeug, aber es soll ja alles seine Ordnung haben. Und so überlegen wir passende Beschilderung der Türen (es hat historisch gewachsen mehrere) Vor meiner Tür soll „Hier kein Zutritt„. Aha, sage ich, dann kommt bei dir „Hier auch nicht“ hin und Ruhe ist. Ideal wären gechipte Türen, jede Freigänger-Katze hat so etwas, aber was das wieder kostet. Wir werden sehen, vorerst ist Wochenende und die Scheiß-Pause ist auch wieder vorbei. Letze Runde mit beiden Händen …

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Donnerstag, 220407

Das Leben ist ernst genug und das allermeiste, was derzeit so geschieht, unterliegt eh nicht meinem Einfluss. Also mal kurz zurücklehnen …

Milieu-Studie

Unsere Werkstatt hat eine Gemeinschaftstoilette. Eher spartanisch ausgestattet und immer noch Erstinstallation, bis auf Sitze und Schüsseln. Proleten brauchen kein ansprechendes Ambiente, und auch sonst – es ist eng zwischen den oben wie unten offenen Stahlwänden, verziert mit zahllosen größeren und kleineren Kunstwerken. Müßig zu erwähnen, dass ich diesen Ort nicht sonderlich schätze und meine Verweildauer auf das erforderliche Minimum beschränke, was ja auch in der tiefen Absicht des Arbeitgebers liegt.

Ich erledige also unvermeidlich meine großen und kleinen Geschäfte, als ein Kollege oder wer auch immer die Lokalität betritt. Hektisch werden Türen geknallt, ebenso gnadenlos wird an einem Reiß(!)verschluss gerissen – rikk-rikk-rakk – Stoffgeraschel, mutmaßlich zwischen Hemd und Hose, all dies spricht von großer Nervösität, verbunden mit extremsten Wasserstand, wer kennt das nicht. Neu allerdings ist mir die leise, gepresste Stimme, begleitend zur Geräuschkulisse: Komm-raus-du-musst-bloß-pissen – bevor endlich der erlösende Wasserstrahl zu hören ist.

Das sind die wahren Menschheitsnöte, denkt es in mir. Und dass mein Schöpfer sich etwas dabei gedacht haben muss, mich tagtäglich hierher zu schicken. Sinn für Humor hat er offensichtlich, soviel ist sicher.

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