Schlaflos

Am frühen Samstag werde ich bereits um kurz vor Fünf wach. Kreisende Gedanken und eine verkuschelte Katze lassen mich das Licht anmachen und kurz darauf aufstehen. Was da so kreist? Immer das Gleiche, Familie & Arbeit. Reihenfolge austauschbar. Jetzt im Moment kann ich nichts lösen, also lasse ich es gut sein. Sein lassen kann ich gut, im Sinne von nichts tun, wenn mir nichts anderes übrig bleibt. GUT sein lassen ist die Königsklasse in dieser Disziplin.

Schlaflosigkeit, engl. Insomniac, Moment mal, da war doch noch was …richtig, einer zum wach werden, ein kleines Highlight der ansonsten eher trüben 90er, mein Jahrzehnt der Irrtümer, der Illusionen, meines ganz persönlichen Armageddons.

Na dann, Weckruf an 🙂

Fundstücke am Rande – Schattenwürfe…

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Schon am frühen Morgen

Eigentlich sollte ich längst auf Arbeit sein. Mal gibt es wichtigeres und außerdem ist gleitende Zeit, was gelegentlich ein echter Vorteil ist. Zum schreiben zum Beispiel, wie gerade eben.

HIER beim Wassertiger.

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Auf einem anderen Planeten

So fühle ich mich manchmal, auf gewissen Pflicht-Veranstaltungen. Sie verwenden noch nicht einmal mehr Anglizismen, sondern schreiben ihre hochwichtigen Unterlagen gleich komplett auf Englisch. Der Kollege vorne hat neben seiner zweifelsfrei vorhandenen Qualifikation eine schöne Stimme, das macht es etwas erträglicher. Er könnte auch eine Morgenandacht oder eine Predigt halten, schade eigentlich, so eine Talent-Vergeudung.

Aufmerksam schaue ich den Laserpointer an der Leinwand, die gefüllt ist mit den Themen des Vortrags. Wieder einmal setze ich mich auf, diese verdammten Stühle verleiten dazu, nach vorne zu rutschen – eine bremsende Gummimatte unter dem Arsch wäre hilfreich. Der rote Punkt da vorne – ich stelle mir vor, was unsere Lilit mit ihren scharfen Krallen der Leinwand antun würde, wäre sie jetzt hier. Die Vorstellung gefällt mir und ich mache ein freundliches Gesicht, was als heitere Anteilnahme interpretiert werden könnte. Die so gewonnene Heiterkeit hilft mir, mit diesem Gefühl umzugehen, unglaublich dumm zu sein. Es gibt sie nämlich wirklich, die Kollegen, die das alles nicht nur verstehen, sondern auch damit arbeiten müssen, einer stellt sogar fortlaufend Fragen. Der will nicht nur noch etwas werden, aus dem wird mit Sicherheit auch noch sonst was. So sehr ich mich für ihn freue, er nervt, weil er die Veranstaltung in`s Aschgraue verlängert.

So könnte ich eigentlich glücklich sein. Solche Termine sind irgendwie wie in der Fahrschule an der roten Ampel zu stehen. Die Zeit läuft, man kann prinzipiell nicht viel falsch machen (Achtung, Gesicht & Körperhaltung!) und es wird sogar noch bezahlt. Wäre da nicht dieses Gefühl der ausgeprägten Dummheit …

Zwischen Zwetschgen und neuen Äpfeln

Dort, genau dort finden sich die weltlichen Themen dieser (meiner) Zeit. Auf`m Markt, am Obst- und Gemüsestand. Während ich die Auslagen sichte, empört sich das dralle Marktweib lautstark: „Uns lassen`se bis 67 malochen … “ Die Gute ist offensichtlich in meinem Alter, schön mit rosigen Bäckchen von der vielen frischen Luft täglich hier draußen. Was man nicht sieht, sind die Hüft-, Rücken- und/oder Leistenschäden, vom schleppen der vielen Kisten, die tagtäglich zu bewegen sind.

Der Kontext besagter Empörung ist mir als Hinzu-Gekommener nicht bekannt, aber nicht schwierig zu erraten.  Ziel der zornigen Anrede ist offensichtlich ein sympathisches und sehr altes Pärchen neben mir, er gebückt und mit Rollator, sie aufrecht, volles weißes Lockenhaar und offensichtlich rüstig, wie man sagt. „Unverschämtheit“, sagt sie, macht eine kleine Kunstpause, bevor sie fortfährt. „Ich hab`mit 48 dat arbeiten aufgehört …“ und schnell noch hinzugefügt: „Wegen Krankheit.“  Dann wird ihr Antlitz heiter, sie grinst bis an den Ohren. „Un`gez bin ich 92, mir geht et richtig gut …“

Sei Ihnen gegönnt, denke ich mir grinsend und kopfschüttelnd. Schon klar, der Alte krumm und lahm, sie das blühende Leben. Mir geht durch den Kopf, wie leicht es den heute sehr Alten früher gemacht wurde, am Ende ihres Berufslebens. Wenn man an göttliche Gerechtigkeit glaubt, könnte man sagen, als Ausgleich für eine gestohlene, entbehrungsreiche, zerstörte Kindheit und Jugend.

Und ich … blitzt es wieder in mir auf, während ich mein frisch erstandenes Zeug verstaue – wieder einmal darf ich mich mit dieser Frage auseinandersetzen, mit Blick auf kommenden Montag, an dem ich nach längerer, krankheitsbedingter Pause wieder „schaffen“ darf. Wieder hinein in diesen Mikro-Kosmos, den ich im Grunde seit langem schon nicht mehr sehen kann, hinein in ein betriebliches Umfeld, welches das seine zu meiner Erkrankung beigetragen hat.

Mir fällt dazu schon länger nichts Konstruktives mehr ein. Allerdings setzt sich mehr und mehr das Gefühl durch, geleitet und geführt zu werden. Von unserem Vater, seinem Sohn, dem ich zunehmend mehr vertrauen darf, sowie dem, was uns tagtäglich nicht sichtbar umschwirrt, der so genannte heilige Geist in Gestalt zahlloser Menschen, Gegebenheiten, Eingebungen, Intuitionen.

 

 

Vor dem Fest

Das Arbeitsjahr ist für mich vorbei, heute ist der erste, „freie“ Tag. Mal davon abgesehen, was ich alles für Pläne habe, was noch alles besorgt oder erledigt werden möchte. Druck auf dem Kopf, während ich still sitze und nachspüre. Kein gutes Zeichen am Morgen.

Was hilft, ist Musik. Radio – Swiss Classic zum Beispiel. Ein staatlicher, nicht kommerzieller Sender ohne Werbung, ohne viel Gequatsche, dafür mit echt guter Musik für den Hintergrund. Oder für den Vordergrund 🙂 Für mich jedenfalls immer wieder überraschend, wie Musik auf mich wirken kann. Auch eben Klassik – hätte ich mir vor 10 Jahren noch nicht vorstellen können.

http://www.radioswissclassic.ch/en

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