Mittwoch, 210609

Frohe Kunde: ER ist wieder da, der Werkstatt-Kater. Zwei Wochen ward er nicht gesehen, wir haben uns um den Streuner schon Sorgen gemacht. Und dann stand er neulich am frühen Morgen wieder vor der Tür und forderte Futter, in alter Frische. Also beinahe in alter Frische, sein Schwanz hatte Länge und Haare gelassen. Prompt wurde der arme Chinese wieder verdächtigt, er hätte mal genascht. Allerdings wurde der Gedanke allgemein für absurd befunden, hätte der den bedauernswerten Kater, hungerleidend, wie er ausschaut, nach einhelliger Meinung doch eher am Stück zubereitet.

Wie auch immer, der Kater ist wieder da, wenn auch leicht lädiert und der Chinese verdient mehr Respekt, nicht nur mit Blick auf seine Ernährungsgewohnheiten. So sagen wir SIE zu ihm, weil das ist er net gwohnt.

Unsere Diva dagegen kommt so schnell nicht in Verlegenheit, größeres Unglück zu erleiden, so sie denn beim umherfläzen auf dem Boden gesehen wird. Allenfalls ist die Verlegenheit an mir, beizeiten nicht aufstehen zu können, wenn gnädige Frau anderer Meinung ist…

Aufstehen – ein gutes Stichwort und Übergang zum nächsten Thema. Haben doch einige mir mehr oder weniger gut bekannte Menschen derzeit gesundheitliche Herausforderungen zu meistern. Neben allen erdenklich guten Wünschen fällt mir dazu ein Liedchen ein, das mich neulich gefunden hat.

Speziell für S. —

*

Mittwoch. 210526

Beim sichten einer internen Stellenausschreibung (ein Werksstudent wird gesucht) habe ich wieder mal einen schönen neuen Begriff gelernt:

Hands-on Mentalität

Klingt gut, konnte ich nur nichts mit anfangen, also – Suchmaschine:

„Im Management-Bereich bedeutet der Ausdruck, dass Personen gefordert sind, die nicht nur delegieren, sondern selbst mit anpacken. Im Grunde handelt es sich bei der Hands-on-Mentalität um eine leere Worthülse, denn der Begriff ist so gut wie bedeutungslos.

Aha. Etwas ganz Altes also, neu verpackt. Das muss derart exotisch sein, selbst mit anzupacken, dass es einen schönen neuen Begriff dafür braucht. Finde ich ja richtig gut, hat es sich doch tatsächlich herumgesprochen, dass selbst in einem kleinen Häuptling ein Rest von Indianer steckt.

Bedeutungslos – Moment mal – Die Karrierebibel (auch geil, oder – die kriegen keine Tantiemen dort, die leben von der Kirchensteuer) beschreibt das etwas näher. Das ist auch erforderlich, könnte man als Unbedarfter ja Hand-anlegen durchaus auch anders deuten. Damit das unterbleibt, wird genauer erläutert, wie das so gemeint ist: Da ist von Zielstrebigkeit, Sachkenntnis (!), Selbstständigkeit, Hilfsbereitschaft sowie Umsetzungsstärke die Rede. Also alles so Sachen, die man offensichtlich nicht unbedingt an der Uni lernt, Neigungen, die so weit her geholt scheinen, dass sie nicht nur betont, sondern auch als alter Wein in neuen Schläuchen verpackt werden.

Grandios, ich bin begeistert. Das gibt Schub nach ganz vorne für den heutigen Tag! Wieder ein Tag mehr, an dem ich meinem Schöpfer danke, dass dieser Irrsinn nur noch ein paar Jahre dauert, auch, wenn tragischerweise die Zahl der mir zur Verfügung stehenden Tage damit auch weniger wird.

Freitag, 210514

Vorfreude im Tal.

Die Online-Variante der örtlichen Tageszeitung frohlockt mit der Headline: Gastronomie in Wuppertal: „Wir machen wieder auf, wenn wir dürfen“ Und – Auf welches Café freut ihr euch am meisten? In meinem Kopf – ich weiß nicht genau warum, vielleicht mit Blick auf diverse körperliche Gebrechen irgend eine Freud´sche Fehlleistung – denkt es „Cafe Kaputt“ Das gab es hier wirklich mal, hat vor, ich glaube gerade mal 40 Jahren leider dauerhaft schließen müssen, nach diversen Razzien, die aufgrund komischer Kräuterfunde immer wieder temporäre Schließungen nach sich zogen, bis der Geduldsfaden der Ordnungskräfte endgültig riss. Der Laden stach aus der damaligen Kneipenlandschaft optisch ein wenig hervor, ein ehemaliges Ladenlokal mit großer, schwarz gefärbter Fensterfront, darauf ein in Pink mit vielleicht 2m Durchmesser etwas überdimensionierter nackter Arsch. Das Interieur schlicht, rohes, Bier-getränktes Holz, jede Menge Dreck und das Publikum trug langes Haar, zerrissene Jeans sowie Armee-Parker aus dem US-Shop. Kein Wunder, dass die Bullen hier in den verruchten 70ern ihren Spaß hatten.

Wer heute so wie ich gerade die Suchmaschine der Wahl nach Cafe Kaputt suchen lässt, stößt auf jede Menge Reparatur-Cafes. Zeiten ändern sich eben, mit ihnen die Begrifflichkeiten. Früher waren wir die Kaputten, rein äußerlich zumindest, heute geht es eher um Toaster oder Waschmaschinen, die nicht mehr so wollen, wie gewünscht. Gute Einrichtungen, wie ich finde, bieten sie doch Hilfe zur Selbsthilfe, stemmen sich gegen den Konsumterror, helfen Geld sparen und dümmer wird davon auch niemand.

Sonst so? Eigentlich habe ich heute frei. Uneigentlich nicht, mit Blick auf eine Menge Arbeit und dem ersten Impftermin nächste Woche, (Achtung, kein Drängler, sondern enge Kontaktperson pflegebedürftiger Menschen), der möglicherweise kurzzeitige Unpässlichkeit nach sich ziehen könnte. Und damit ich nicht allein hier werkele, was auch nicht so ganz legal ist, hat mein lieber Kollege versprochen, auf mich aufzupassen und ebenfalls seinen freien Tag geopfert. Kommt locker gegen Acht, ich bin schon zwei Stunden hier, erstes Hemd satt durch. Mahlzeit, sage ich und grinse. Hätt drei mal tot sein können … untermalt mit vorwurfsvollem Blick. Och, sagt der, ich hätte dich schon wiederbelebt und deutet ein paar gezielte Fußtritte an. Steh auf, du Simulant… getz übertreibse abber…

Müßig, zu erwähnen – wir lieben uns sehr.

*

Donnerstag, 210506

Ambivalenz

Mein letzter Eintrag (geteilt) macht mir wieder einmal mehr deutlich, wie widersprüchlich mein Dasein doch ist. Seit nunmehr 43 Jahren habe ich mein Auskommen „mit Metall“ – davon seit fast 28 Jahren „mit Autos“, und das sind eben nicht die preiswerten und zumindest bislang auch nicht die umweltbewussten oder Ressourcen-schonenen Fahrzeuge. Eher die Statussymbole derer, denen genau dies gleichgültig ist, oder, falls Skrupel erkennbar sind, auf einen 3 Tonnen schweren Stromer ausweichen, mit mehreren Hundert KW. Seit vielen Jahren schon besuche ich keine Auto-Messen mehr, aus Überzeugung und mit Hingabe mache ich meine Arbeit nicht. Eine Haltung, die Verantwortung, Präzision, Verlässlichkeit und Kostenbewusstsein nicht ausschließt. Wenn mich die Zweifel zu laut plagen, sage ich mir – immerhin können die Teile, an deren Herstellungsprozess ich beteiligt bin, auch in nicht fossilen Antrieben verbaut werden. Oder – noch besser – wenigstens arbeite ich nicht in einer Waffenschmiede. Und nein, auch hier möchte ich nicht genauer hinschauen, bei einem börsennotiertem Arbeitgeber.

Privat – auch so ein Begriff, wie privat sind eigentlich unsere Lebensformen vor dem Hintergrund der Verwobenheit unseres Lebens mit allen anderen Menschen dieses Planeten – also „privat“ verzichte ich seit vielen Jahren schon auf Fleisch, zunächst aus gesundheitlichen Gründen, mittlerweile auch, weil ich die Verbrechen an unserer Schöpfung, welche mit der „Produktion“ von Fleisch zusammenhängt, nicht mehr mittragen möchte. Ich saß zur Belustigung meiner Lieben noch nie in meinem Leben in einem Flugzeug und es fehlt mir nicht. Hat einen Grund, keine Flügel bekommen zu haben … ja, und Schiss habe ich auch.

Ich fahre einen Miniatur-Verbrenner, weil ich in einem Altbau-Kiez lebe, in dem parken Glücksache ist, von irgendwelchen Stromquellen mal ganz zu schweigen (einen Hybrid fände ich praktikabel, mal sehen, später vielleicht). Fahre meine Autos in der Regel bis zum geht-nicht-mehr, damit sie sich rechnen, aber auch, um Ressourcen zu schonen. Bin früher sehr viel Rad gefahren, heute aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten. Brauche mein Zeug „auf“, kaufe nichts „billiges“. Lebe in einem sehr alten Haus, nicht modernisiert, für kleines Geld – eine energetisch zeitgemäße Wohnung würde locker 200€ mehr Kaltmiete kosten. So viel kann ich nicht heizen …

Widersprüche also, soweit das Auge reicht. Die Art, wie unsereins haushaltet, hat sich überholt, soviel ist klar. Was besseres ist (noch) nicht wirklich praktikabel, ich verfolge sehr interessiert verschiedene Ansätze und Diskussionen dazu. Wir leben in eine Art Übergang, das Nächstliegende ist, diesen so zu gestalten, dass alle ihr Auskommen haben. Soziale Verwerfungen im Namen des Klimaschutzes nutzen niemanden etwas, außer denen, die eine andere Republik wollen.

Märchenstunde

Eigentlich wollte ich raus, den Frühling angucken, aber just als ich mich mental dazu in der Lage sah, fing es zu regnen an. Und so tausche ich die Wanderschuhe mit den Pantoffeln und erinnere mich an längst vergangene Zeiten.

Es war einmal – HIER beim Wassertiger.

Samstag, 210417

Endlich Wochenende, die Arbeit ist getan. Was bewegt? Der Kampf der Titanen in der Union vielleicht. Eiermann gegen Möchtegern-Landesvater. Alpha-Tier gegen kleinen listigen Zwerg – solche Menschen werden eh gerne unterschätzt. Selbst mag ich weder den einen noch den anderen sonderlich. Das letzte Mal, als ein so genanntes Alpha-Tier gewählt wurde (ich will hier rein), hat es uns die ALG2-Gesetzgebung gebracht. Spätestens damals entwickelte ich eine gesunde Abneigung vor allzu charismatischen Eiermännern.

Sonst so? Die Arbeit war die Tage schon Thema, Dualität der Ereignisse ebenso. Das lässt sich durchaus noch ergänzen. Wenn zum Beispiel dem Kollegen, der seinen Renteneintritt in der Tasche hat, von zwei völlig verschiedenen Seiten inhaltlich völlig verschiedene Ansagen gemacht werden, kann das durchaus anregend und kreativ wirken. So sagt der Noch-Vorgesetzte: Beschäftigt euch! Und die Frau sagt, mit Blick auf die frei werdende Zeit: Schaff dir mal n Hund an.

Voila, das Ergebnis:

*

Donnerstag, 210415

Neues aus der losen Folge „35 Jahre Halle 1″

Früher war nicht nur mehr Lametta, früher war auch vieles lustiger. Gefühlt zumindest, das mag mit manch jugendlicher Unbeschwertheit zu tun gehabt haben. Oder mit der dem Lebensalter eigenen Respektlosigkeit. So hatte es hier früher einen richtigen Meister, wie das früher halt so war. Nur ohne grauen Kittel, aber sonst ganz und gar in Ordnung. Wir Youngsters staunten allerdings nicht schlecht über seinen exorbitanten Kaffee- und Kippenkonsum. Quell der braunen Brühe, die auf seinem Schreibtisch regelmäßig in den Automaten-Plastikbechern kalt wurde, war die Firma KLUX, ich glaube, die gibt es immer noch. Wir mutmaßten damals über die potentiellen Folgen des Meisters späteren Ablebens. So würde einst in 100 Jahren, nach Freigabe der Grabstätte, wenn alte Knochen gewissen Bauvorhaben weichen sollten, ein KLUX-Becher ausgegraben, Teil der damaligen Grabbeigabe. Gleich daneben würde sich finden ein kleiner verschrumpelter brauner Lederbeutel – der unverrottbare Magen des Meisters. Übertrieben? In gut 100 Jahren sind wir möglicherweise klüger.

Gegenwart: Draußen an der Presse arbeitet seit ein paar Tagen ein kleiner Chinese. Eigentlich nichts besonderes, aber wie das oft so ist, wenn zwei Ereignisse zusammen fallen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, macht man sich hier Gedanken über den Verbleib unseres geliebten Werkstattkaters, der zeitgleich seitdem nicht mehr gesehen wurde. Dualität der Ereignisse? Vorsichtsmaßnahme des Katers? Oder … ?! Wer weiß…

*

Sonntag, 210411

Der vorläufig letzte werkfreie Tag, total verregnet hier im Westen. Dann ist das so. Nicht zu ändern, wie so vieles andere auch in diesen Tagen. Überhaupt hat diese Zeit eine sehr merkwürdige Qualität, ich weiß nicht, ob das mein persönliches Empfinden ist oder ob es anderen ähnlich geht. Mir scheint, dass etwas Offenbarendes in der Luft liegt, was nicht passt, zerfällt, was zusammen gehört, rückt enger beieinander. So erfahre ich es seit längeren schon privat, aber auch gerade massiv in unserem beruflichen Umfeld.

Neben der Gewissheit, bis dahin zumindest in diesem Lebensbereich doch so einiges richtig gemacht zu haben, im Sinne vom wirtschaftlichen Überleben (bis dato), macht sich in mir neben Dankbarkeit auch Genugtuung breit. Intrigantentum lohnt sich nicht, Beständigkeit in der Sache und eine klare, konsequente Haltung den Menschen gegenüber zahlt sich am Ende immer aus.

Sonst so? Der DLF meldete gerade den ersten größeren Auftritt Bob Dylans vor unvorstellbaren 60 Jahren. In Kürze wird der Kerl mit der nölenden Stimme 80, so Gott will. Andere hatten nicht so ein Glück, lebten zu schnell, zu heftig, gingen früh. Rick Parfitt zum Beispiel, Gitarrero, Keyboarder und Leadsänger der nicht weniger urzeitlichen Status Quo.

In memoriam…ein toller Auftritt, wie ich finde.

*

Sonntag, 210328

Eine Woche zum abhaken. Durcheinander im Beruf, Eltern, Sommerzeit, Vollmond, Corona, wegfahren – ja/nein, eher nein derzeit. Und jetzt ist Sonntag, da soll ich ruhen, das muss ich nur noch meinem unruhigen Geist erklären.

Sonst so? Keine klugen Gedanken heute, schuld sind oben genannte Zu- und Umstände. Oder Merkel. Wobei die schon meinen Respekt hat – vor dem versammelten Berliner Haifischbecken um Verzeihung für eine gemeinschaftlich fabrizierte Eselei zu bitten, hat in meinen Augen schon Größe. Also geht es hier heute trivial zu, das darf auch sein. Katzenbilder passen gut dazu, die gehen immer und bergen wenigstens keinen politischen Konfliktstoff. Bitteschön, Madam Lilit in bunt und träge. Sie hat jeden Tag Sonntag, im übrigen.

Wenn schon, denn schon…

Suchbild …

Und – es geht flach weiter. Ein zeitgeistiges Fundstück vom Kaufmannsladen, letzte Woche. Es wird Mensch offensichtlich einiges zugetraut, einschließlich einer missratenen oder zumindest unvollständigen Überwindung der oralen Phase. Neben den allseits bekannten lustvollen Varianten gibt es da noch etwas – wie sagte meine Mutter immer: Dat hab ich dir schon tausend Mal gesagt, du sollst dat sein lassen!

!

Und…

Nette Aufmerksamkeit aus den Kommentaren letzte Woche. Passt immer noch gut.

Einen guten Sonntag allseits!

Samstag, 210220

Amerika ist zurück.

So sagen sie und es klingt gut, wenn man den Umgangston des neuen Präsidenten hört. Er mag ein vergleichsweise netter Mensch sein. Solange es nicht um Exportüberschüsse, Militärausgaben Energieversorgung und Handelsvorteile geht. Da hat die neue amerikanische Freundlichkeit Grenzen, was nicht überrascht. Aber das ist es nicht, was mich derzeit beschäftigt, wenn ich mir Gedanken über Politik mache. Joe Biden ist ein alter Mann und seine Berechenbarkeit (wichtig, nach den Erfahrungen der letzten vier Jahre) dürfte die Welt schon aus biologischen Gründen nicht mehr all zulange erfreuen. Dazu kommt, und das wiegt in meinen Augen viel schwerer, Demokratien werden eher selten durch Putsche oder dergleichen gestürzt, sondern schaffen sich selbst ab. Auf der einen Seite verunsicherte, verängstige Menschen, Menschen, die um jeden Preis Überkommenes bewahren wollen (ich schließe mich da nicht von aus), Menschen, bei denen gesäte Zwietracht und Zweifel auf fruchtbaren Boden fallen. Auf der anderen Seite die Demagogen, die groben Vereinfacher, Polarisierer, die Bodenbereiter des kommenden Heilsbringers. Diejenigen, welche besagtes Geschäft mit der Angst und der Unsicherheit meisterlich bedienen, unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit aus dem Kontext gerissenen Teilwahrheiten und auch freche Lügen verbreiten. Die viele Fragen und Zweifel liefern, aber so gut wie keine Antworten. Und – auch das gehört zur Wahrheit, zur Misere zählen auch manche weichgespülte Politiker der so genannten etablierten Parteien, die vor lauter schielen auf die Wählerstimmen vergessen haben, Klartext zu sprechen. Die Dinge mit einfachen Worten beim Namen zu nennen, ohne ihren Inhalt zu vereinfachen, zu verdrehen.

Selbst übe ich mich neben Gottvertrauen in Vertrauen auf die staatstragenden Institutionen. Diese Republik hatte einen derart beschissenen Start, mit den zahllosen Verwaltungskräften, Richtern, Staatsanwälten, die schon im Nationalsozialismus Dienst taten. Selbst davon hat sie sich erholt und gilt vielleicht nicht zuletzt darum international als ein Hort der Beständigkeit, trotz aller Zweifel, von innen heraus betrachtet. Was mich mehr erschreckt, ist die Berechenbarkeit und Kontinuität von Autokratien, waschechten Diktaturen, Ein-Parteien-Herrschaften, die genau damit bei ihrem Volk punkten können. Auf ihre Weise haben sie schon recht – wer weiß, wer in knapp vier Jahren in Amerika regiert. Oder hierzulande. Auch werden Entscheidungen sehr viel schneller umgesetzt – was sehr gut ist, wenn es die richtigen waren. Wer nun aber zu laut jubelt, sollte den Preis bedenken, den solche Staatsformen fordern. Da kommt man sehr schnell bei den Märchen von den guten und bösen Königen an. Mir zu gefährlich, mit Blick auf letztere und unseren Erfahrungen damit. Ein Knüppel schmeckt nicht gut, und auch die Art, wie Menschen in solchen Staaten einfach so verschwinden können, hinter dicken Mauern oder in anonymen Grabstellen, gefällt mir nicht. Dann lieber so, wie es ist, mit Potential auf Verbesserungen und einer guten Portion Unsicherheit.

So, das reicht für`s Erste, mit Politik … Obwohl, da wäre noch etwas. Impfen geht los, die Liebste als Angehörige einer Risikogruppe heute sehr kurzfristig mit dem Saft von Astra-Zeneca, die Eltern ab nächster Woche mit mRNA-Impfstoff. Eines der wichtigsten Dokumente der kommenden Zeit dürfte der Impfpass werden. Wetten?

Ok, wieder auf Start, ich komme heute nicht von dem Thema los. Amerika. Mal abgesehen davon, dass ich einer ursprünglich amerikanischen Gemeinschaft mein Leben verdanke und mit einem guten amerikanischen Programm einen großen Teil meines Jobs erledige – da war doch noch etwas. So`n Lebensgefühl. Südstaaten … vielleicht komme ich doch noch irgendwann dort hin. Mit Impfpass …

*