Sonntag, 210530

78

Heute vor 78 Jahren – der Tag, an dem meine Eltern für den Rest ihres Lebens paralysiert und traumatisiert werden sollten. Die Welt ist zwar nicht gleich untergegangen, wie später behauptet, aber es hat schon gereicht, für ein paar Tausend Tote mehr sowie für weitere unzählige schwerst traumatisierte Seelen, denen an diesen Tag noch mehr ihrer eh schon spärlichen Möglichkeiten der eigenen Entwicklung genommen wurden. Es lohnt sich also, dem zu gedenken, nicht nur aufgrund meiner eigenen Entwicklung als Kriegsenkel, dem es zwar physisch an nichts mangelte, der dafür jedoch Nacht für Nacht mit den entsprechenden Bildern und Träumen versorgt wurde. Der, obgleich so gut wie nicht über den Krieg gesprochen wurde, mit einem riesigen schwarzen Schatten aufwuchs. Es gibt Welten jenseits der Worte…

*

Sonst so – Bratwurst.

Nein, kein geschreddertes Tier im Naturdarm, sondern eine Ortslage in Wuppertal. Da war ich gestern, auf einer für meine Verhältnisse etwas größeren Runde von 12500 Schritten und knapp 9 Km. Wird langsam besser, meine Kondition. Wer will, kann mir auf der Karte via GPX folgen, falls..

In der Bildmitte unsere Friedhofskirche, nebenan…

Nach dem Vogelsang – ich liebe diese uralte Deutsch 🙂 , ja danach kommt das Sonnenbad, für Mensch und Tier…

So gesehen an der Böschungsbefestigung unserer Nordbahntrasse.

Und – Glaskugel, wir so – Anno 204X.

Eine gute Alternative wäre, früher loszulaufen. Allein die Füße sind so schwer…. Einen guten Sonntag allseits.

14 Gedanken zu “Sonntag, 210530

  1. Lieber Reiner,
    eine schreckliche Zeit! Ich schrieb darüber in meinem Buch über Henriette Brey, die in der Zeit von 1921 bis 1943 im St.-Josef-Hospital in Wuppertal-Elberfeld gelegen hat. Die Bombenangriffe sind mir besonders in Erinnerung geblieben. In nur 80 Minuten waren die Stadtteile Barmen und Ronsdorf in Schutt und Asche gelegt.
    Niemand kann nachvollziehen, wie grausam das war, es sei denn, man hat das miterleben müssen.
    Die Geräusche haben sich sicher im Kopf eingebrannt. Das tut mir sehr leid für jeden, der in diesem Geschehen gefangen war.

    12.500 Schritte – großartig und Deine Fotos ebenfalls! Danke dafür. Dir auch einen schönen Sonntag!

    Herzliche Grüße, Gisela

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  2. Hab Dank für diesen wichtigen Beitrag, lieber Reiner. Ich glaube, dies ist ein Thema welches uns alle mehr oder weniger bewusst betrifft. Vieles von dem was sich heute gesellschaftlich in Schräglage befindet ist sicherlich auf dem Hintergrund der traumatisierenden Ereignisse des Krieges zu sehen, die kollektiv verdrängt werden (müssen) um ein ( fragwürdiges) seelisches Gleichgewicht am leben zu erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass der Schmerz dieser Ereignisse Stück für Stück erlebt werden kann..auch Dir einen wunderschönen Sonntag, aller Widrigkeiten des Lebens zum Trotz. Liebe Grüße, Daniela

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  3. Mein Vater sprach viel über den Krieg. Immer dasselbe: „Wir hatten ja nichts.“ Heute wird das in manchen Comedys lustig gefunden. Er erlebte als Teenager nicht nur die Kriegszeit, sondern als 18jähriger auch die Verschleppung nach Russland, vier Jahre Gefangenschaft. Er erzählte immer wieder die gleichen Geschichten, und wir rollten die Augen nach oben. Als Kind kann man nichts damit anfangen, wir hörten nicht mehr zu. Sonst wohl auch niemand. Wo fängt das Trauma an und wo hört es auf?
    Jedenfalls hast du gut daran getan, dir eine ausgedehnte Sonntagswanderung vorzunehmen, denn auch das Schöne darf und muss – trotz allem – sein. Hab einen schönen Tag! 🙂

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  4. Ich habe gestern bei den Familienaufstellungen noch einmal hautnah erlebt, dass die Traumata durch viele Generationen weitergegeben werden. In einem Fall war es die Urenkelin, die noch alles in sich trug und ganz viel aufarbeiten konnte. Ich dachte an meine Eltern im brennenden Hamburg.

    Ich war übrigens schnell fertig mit meiner Aufstellung. Und das Ergebnis? Mir geht es gut.😁

    Spaziergänge bei Euch sind scheinbar wunderschön, aber ich würde wahrscheinlich mit den Steigungen ziemlich zu kämpfen haben. Bin ja nur das platte Land gewohnt. Aber Du hast eine wunderbare Trainingsmöglichkeit vor der Haustür! Liebe Grüße! 🌞 Regine

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    1. Ja, Training ist das hier. Wir wohnen bei 190m ü.NN, die Höhenzüge im Norden, an der Wasserscheide zur Ruhr bei 290 Metern. Im Süden bei ca. 350 m. Die Wupper hat hier gut 100m über dem großen Wasser.

      Es geht mir gut, ja. Mit Unterbrechungen von schlechten Tagen. Das ist nicht so tragisch, gab es früher doch schlechte Jahre. Der Schatten bleibt, aber er ist nicht Scheff 😉

      Guten Morgen, liebe Regine 🙂

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      1. Ich denke, der Schatten bleibt, verliert aber seine Macht, wenn man weiß, woher er kommt. Mir geht es so. Das Mitgefühl kann wachsen und das Verständnis für das eigene Verhalten und Fühlen auch. Ich wünsche Dir eine schöne Woche🌸! Regine

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