Freitag, 220812

Angebrütet. So fühle ich mich gerade, unmittelbar nach meiner freitäglichen Lieblingsbeschäftigung – Wohnung saugen. Ist eh schon warm hier, jetzt noch ein wenig wärmer. Sachen stehen noch umher, auch der Tisch wartet darauf, wieder an seinen Platz gestellt zu werden und ich warte darauf, dass das Gekatze die ungewohnt freie Fläche räumt, damit das Tischchen wieder Normalgewicht bekommt. Sonst nehme ich es, wie es ist, mit der Schönen obendrauf, die währenddessen stur sitzen bleibt. Jetzt nicht, ist warm.

Vollmond ist auch. Supermond, heißt es. Mir reicht der normale Vollmond schon, fängt der auch noch an, mit Superlativen. Aufgeblasener Trabant, mir reicht deine Normalgröße völlig, Wasser- und Träumeschieber.

Ich könnte jetzt Lokalzeit gucken, bergisches Klein-Klein. Das lasse ich, weil ich gerade eine sinnarmen Eintrag schreibe und weil mir diese Stadt wegen dem ausgefallenen Urlaub gerade ein wenig zum Halse heraus hängt. Die gegenwärtige Wurschtigkeit und das latente mich-angepisst-fühlen muss wohl auch mit dem dicken Ding da oben zusammenhängen. Die Liebste trifft eine Freundin. Meine Freunde haben alle keine Zeit, haben Arbeit und Familie, so wie ich auch. Oder wohnen sonst wo, jedenfalls zu weit weg. Außerdem ist morgen Samstag, da kann ich ausschlafen, stehe erst um 5 statt um 3.20 Uhr auf (grinst da wer?). Morgenroutine, dann einkaufen. Anschließend Mutter besuchen, dann Mutter mitnehmen zum Vater ins Heim. Wochenende fängt bei mir so gegen Zwei an, dann bin ich meist wieder hier.

Vater hat Humor, so zwischendurch jedenfalls. Ich solle doch nicht auf irgendwas verzichten, nur um ihn zu besuchen, meinte er neulich. Is klar, Vatter, als du so alt warst wie ich jetzt, ging die große Reise los. Neidisch? Nein. Möchte nur mal aus der Stadt raus, fürn paar Stunden, bin ansonsten gern zuhause. Und ich erzähle auch niemanden, wie ich mich fühle, wenn ich um 3.20 aufstehe, um 6 anfange, zu werkeln um 2 schnell dusche, um danach zum testen zu fahren und anschließend schön mit 30 Km/h (höchstens) über die A46 zu dir, weil du mir verdammt noch mal leid tust. Weil ich mich dito über Besuch freuen würde, wenn ich so am Arsch wäre wie du. An Tagen wie diesen bin ich um halb Acht im Bett. Mach ich auch nur einmal die Woche, zu mehr reicht es bei mir nicht.

Selbstmitleid? Auch was, ist nur der Scheißmond. Und außerdem bin ich es jetzt los, Blogland ist geduldig und Freitag Abend ruht hier eh still der See. Wer dennoch mitliest, darf sich seinen Teil denken und es besser machen. Wobei ich das alles schon gut mache, für mich. Ich bin ja auch nicht meine Leser 🙂

Bevor ich mich jetzt noch weiter emotional und verbal versteige, höre ich mal lieber auf. Die Schöne ist auch wieder vom Tisch, der Rest vom Budenzauber kann Ballast-frei beseitigt werden.

Schlusslied: Einer singt, ein anderer schreibt.

Ok, einer geht noch. Wenn schon dem inneren Kind via Ablenkung der nackte Arsch gezeigt wird – mein letzter „Therapeut“ sprach in dem Zusammenhang von der „kalten Schulter“, aber die hat gerade schön warm – also wenn schon, dann denn schon …

15 Gedanken zu “Freitag, 220812

  1. „Angebrütet“ – eine gute Beschreibung für einen (un)menschlichen Zustand, diese letzten Wochen in schweißtreibenden Temperaturen aushalten zu müssen – und dann noch „wärmende“ Haushaltserledigungen!
    Der Mondschein hält mich auch wach, aber es geht aufwärts …
    Da ich selbst keine ausgewiesene Frühaufsteherin bin, liest es für mich fast gruselig, wie sich Deine Aufstehzeiten wohl anfühlen müssen, lieber Reiner!
    Dass Du am Wochenende auch Momente der Ruhe erleben kannst, das wünsch‘ ich Dir von Herzen …
    Ganz liebe Grüße!

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  2. Klingt nach viel Stress, lieber Reiner, was die Hitze nicht gerade angenehmer macht. Heute morgen war ich bereits um 2.30 Uhr wach und konnte nicht mehr schlafen. Der Vollmond hat mir wieder mal wirre Träume geschickt, die ich gar nicht zuordnen kann: Ich bekam einen Anruf aus dem 18. Jahrhundert. 🤔
    Hier laufen den ganzen Tag die Ventilatoren. Die Türe im WZ steht immer auf, damit die Katzen auf den Balkon können. Ich rubbel sie abends mit einem kühlen Waschlappen ab, obwohl sie das nicht gut finden. 🙀😸
    Hab begonnen, mein Badezimmer frei zu räumen. Bis auf die Waschmaschine schaffe ich das. In einer Woche ist hier Krach und Dreck. Leider kann ich das den Katzen nicht erklären. Ihr Klo wandert ins Wohnzimmer.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit. Liebe Grüße, Gisela 🌻🌞🍨

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    1. Danke, liebe Gisela. Und ja, Katzen mögen keine großen Veränderungen in ihrem Habitat. Obwohl unsere Kleine Chaos spannend findet. Der alte Mann nicht, der ist dann weg.

      18 Jahrhundert 🙂
      Vollmond und Mond in Krebs …
      Liebe Grüße auch dir 👋

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    1. Ich laufe nicht in deinen Schuhen.
      Und du nicht in den meinen.

      Weder werde ich wieder etwas nehmen, noch werde ich meine Aggressionen frei drehen lassen. Mit Gottes Beistand. Sollte mich währenddessen der Schlag treffen – angesichts dessen, was ich gerade so sehe, wäre das nicht die schlechteste Lösung. Ich kenne seine Pläne nicht, was mein Restleben angeht. Selbst habe ich keine, bewege mich, auch wenn es gelegentlich anders klingt, in der Gegenwart, so gut ich kann, mit (noch unvermeindlichen) Exkursen in die Vergangenheit.

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