Sonntag 200614

Es ist ein wenig so, als ob die Zeit still stünde. Wenn ich nachdenke, was den Unterschied macht, zu längst vergangenen Zeiten – ich bin allein, ja. Derzeit ohne eine feste Bindung zu einer Gemeinschaft der Wahl, wenn ich von meiner Zugehörigkeit zur hiesigen Gemeinde mal absehe. Anders als in jungen Jahren fühle ich mich nicht einsam. Da ist Familie – sowohl als Blutsverwandtschaft mit auf dem Weg bekommen als auch selbst gewählt. Seelisch-geistige Verwandtschaft? Gibt es immer noch und immer wieder, leider derzeit gerne maskiert, was die Sache der Erkennung nicht immer leicht macht. Dinge, die ich nicht ändern kann.

Etwas hält mich von Aktion aller Art derzeit ab. Ich kenne solche Zeiten aus der Vergangenheit. Da geht irgendwie nichts, zu allem fehlen die rechte Überzeugung und die rechte Gelegenheit. Stillstand, den ich gut hinnehmen kann, heute. In solchen Zeiten bitte ich um Führung und lasse es gut sein, an guten Tagen. Weniger gute Tage sind auch schon mal mit Zweifel und Ungeduld gefüllt, das gehört dazu.

Es findet sich.

Sonst so? Der neue Editor hier geht mir auf die Nerven. Noch etwas, was ich nicht ändern kann. Verfluchte Daseinsberechtigungsaktionen der Softwareschmieden – kenne ich auch beruflich. Alles neu, alles anders und nichts wirklich besser. Wir arbeiten daran, lautet die Botschaft. Sind unser Geld wert. Glauben sie… derzeit schreibe ich meinen Kram teils offline vor, macht es leichter.

Und – für alle, die es noch hören mögen/können…

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Samstag, 200523

Der Plan für heute: Eltern, Alltag eines Privatsekretärs. Mit Handwerksgeschick. Verkaufstalent in Sachen Kleinanzeigen. Einkaufstalent in Sachen so ziemlich alles. Rhetorisch frisch gestärktMental gefestigt.

Sonst so? Tagesbeginn mit Katze…

Als Zuschauerin…

Und als Baby, mit Papa in beige und Onkel …

Samstag

Um 8 schon Katzensteine gekauft, mit einem Sack alten, ausgeleierten Schlauchschal vor `m Gesicht, der noch genug Luft zum atmen lässt. Anschließend heldenhaft noch einige Kleinigkeiten im Supermarkt besorgt, Outfit siehe oben. Die Eltern mit Erdbeeren, Blaubeeren, Tageszeitung und meiner ca. zehnminütigen Anwesenheit beglückt, anschließende sehr kurze Stippvisite bei Freunden im selben Dorf.

Brunch mit der Liebsten und – Nicht mein Tag auf dem Schirm. Ein auch vom zeitlichen Rahmen feiner Film zum Brunch, kein Klischee bleibt unbedient, tolle Szenen, rührender Klamauk. Gekonnt an Brötchen und Ei vorbei gelacht, Erinnerungen an meine Zeit mit dem Maurerporsche in den 80ern Revue passieren lassen. Bestimmt nicht meine beste, aber die verrückteste Zeit.

In meinem Kopf brummt es noch von dem Film gerade eben. So eine Ohrwurm-Melodie, im Film zwar nur kurz angespielt, aber sofort bei mir festgesetzt. Musik zum staubsaugen gleich…

Aber erst mal:

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Der erste Zweite

Noch liege ich und höre auf der Straße den Regen rauschen, während sich mein Geist allmählich damit anfreundet, gleich aufzustehen. Zugleich sortieren sich die Gedanken, was die Belange des Tages angeht.

86 Lebensjahre vollendet mein Vater heute, wir werden hinfahren, zu ihm in die Klinik. Die Gewissheit des Unausweichlichen liegt wie eine dunkle Wolke auf meiner Seele, nicht plötzlich und nicht unerwartet. Zu tun, was ich kann, ist wie so oft für mich das Gebot der Zeit.

Sonst so? Unsere Lilit hatte Anfang der Woche einen schweren Tag – weil wir hier nicht die Möglichkeit haben, eine große Katzenfamilie unterzubringen (so gerne wir das auch tun würden), war es für die Kleine Zeit, den leider unerfüllbaren und somit leidvollen Wunsch nach Mutterschaft zu unterbinden. Was uns Tränen gekostet hat, obgleich sie schon längst wieder fit ist und gefühlt lebendiger als zuvor.

Gerade war sie noch kuscheln … die Bilder entstanden kurz vor’m schlafen gehen. Die Aktivitäten über meinem Kopf verhinderten im Übrigen, auf dem Sofa einzupennen. Dann regnet es schon mal Sachen, von oben…

💯

DAS oder das …

  • Von Wahrnehmungen, Äußerlichkeiten, stiller Post, persönlichen Filtern und komischen Erinnerungen …

Die Mutter liegt auf Station, die OP ist schon einige Tage her. Eigentlich liegt sie nicht, sondern ist beharrlich mit dem Rollator auf den Gängen unterwegs, was auch gut so ist.

Wir sind zu Besuch, weil so ein Krankenhausaufenthalt schon sehr öde sein kann. Das zweite Mal, weil es zum weiteren Verständnis wichtig ist, zu wissen. Wir betreiben leichte Konversation und natürlich Nachhilfe im Umgang mit dem Smartphon, das seit ein paar Wochen die Neugier meiner Mutter geweckt hat.

Es ist heiß und ich laufe dementsprechend umher, also mit einer abgeschnittenen Kargo-Hose, die schon leicht Fäden wirft, weil das Umnähen der Schnittkanten irgendwie vergessen wurde. Oder besser, bewusst unterlassen wurde, weil wurscht.

Mir wird berichtet, dass die Krankenschwester nach unserem ersten Besuch, bei dem ich ebenso gekleidet war, gefragt haben soll:

Ist „DAS“ (oder eben) „das“ ihr Sohn?

Kann man drüber weg hören, wenn man meine Mutter nicht kennt. Allein ihr Ton fällt nicht nur mir auf, ihr rezitiertes „DAS“ klingt phonetisch nämlich groß geschrieben und passt auch zu dem leicht geringschätzenden Blick auf meine Klamotten.

So. Keiner weiß jetzt sich, wie besagte Schwester das betont haben mag. Sehr wahrscheinlich eher stimmneutral, also vermutlich klein geschrieben. Und nun kommt meine persönliche Wahrnehmung in`s Spiel. Der eigene Filter also.

Bist halt immer noch das Unkind. Gutes Herz (?), aber sieht scheiße aus 🙂 Hätt`ich mal gleich das Achselshirt angezogen, dann wäre das Bild noch abgerundeter gelungen, weil man dann auch gleich die Tattoos hätte sehen können. Besser im Sakko und weißem Hemd, dann darf man auch mal ein Arschloch sein.

Schönes bleibt, heißt es, wie nicht nur der Rentnersender WDR4 weiß. Weniger schönes erfreut sich auch erstaunlicher Beständigkeit, wie eben der Hang zu Äußerlichkeiten, zu Be- und Entwertung, zu schnellem Urteil. Konnte sie immer schon gut.

Gut auch, dass mir diese Zwischentöne nicht allein aufgefallen sind, was daheim für interessanten Austausch sorgte. Ebenso gut, dass solche kleinen Episoden heute nur zu einem kleinen Frösteln gereichen, was schnell überstanden ist. Vorbei sind Gott sei Dank die Zeiten, in denen ich mich mit solchen Charakteren bis hin zur Partnerwahl (Sparring?) wie oben beschrieben aus purer Gewohnheit umgab, weil es eben so schön vertraut war, weil Scheiße so toll wärmt, wenn man es nicht besser weiß und den üblen Geruch ignorieren kann.

Was Erinnerung mit einschließt, ebenso die Kapitulation vor mancherlei Neigung der Erzeuger, die nie wirklich aus ihrer Haut konnten.