Sonntag, 201018 – am Abend

Ungewissheit.

Letztens las ich irgendwo, Menschen, die sich mit dem Unplanbaren, dem Ungewissen leichter tun, kämen nun besser auch durch diese Zeit. Da mag etwas dran sein.

Mit 19 zog ich von meinen Eltern fort und hatte nicht den geringsten Plan. Außer vielleicht den festen Haushaltsposten für Alkohol und Drogen. Viel später ließ ich mich auf familiäre Zustände ein und wusste nicht, was ich tat. Dazwischen lagen die 80er, wo ich, zusammen mit so vielen anderen, nicht wusste, ob der heutige Tag vielleicht nicht doch der letzte sein sollte, dem „kalten Krieg“ sei Dank.

Mit 36 lebte ich wieder allein, wollte an die alten Zustände anknüpfen und scheiterte erneut grandios. Eineinhalb Jahre später sagte ich laut „Ja“ zum Leben und hatte wieder keine Ahnung, wie ein Leben ohne Rausch aussehen könnte. Ich ließ mich darauf ein, weil ich nicht elendig auf allen Ebenen zugrunde gehen wollte. Es folgten viele Jahre großer Ungewissheit. Anwaltliche Auseinandersetzungen mit der Mutter meines Sohnes mit völlig ungewissen Ausgang. Bauchschmerzen vor dem Briefkasten. ES hat sich gefunden.

Beziehungs-Chaos. Versuch und Irrtum. Wieder keine Gewissheiten, nicht die geringsten, weil meine jeweiligen Gegenüber mir so ähnlich sahen (daher kommt der von mir so oft zitierte Spruch „Gleiches sucht und findet Gleiches“). Und wieder fand ES sich.

Es folgten berufliche Ungewissheit und zwischenmenschliche Herausforderungen unterschiedlichster Art. ES hat sich gefunden und – ich sollte lernen, die Unwägbarkeiten besser anzunehmen, Vertrauen zu lernen, weil Leben nun einmal keinem festen Plan folgt. Ein Weg, den ich bis heute beschreite. ES findet sich, wenn ich meiner Intuition, meinem Glauben folge.

Und nun herrscht eine große, gesellschaftliche Krise. Neu daran ist, das dieses Mal so viele um mich herum mit den Flügeln schlagen. Mich lässt es nicht kalt, sicher nicht. Aber innerlich weiß ich, ES wird sich finden. Wie auch immer.

16 Gedanken zu “Sonntag, 201018 – am Abend

  1. Auch wenn mein Lebensweg bisher anders verlief, gibt es viele Parallelen, was das meistern des Lebens betriff. Genau heute hatte ich dieses Gespräch über Corona und mein Umgang damit. Da merkte ich, dass es „nur“ eine weitere Hürde, ein weiteres Hindernis in meinem Leben ist, was es zu überwinden gibt. Nicht bedeutend mehr, aber auch nicht weniger.

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  2. Da fällt mir zu Beginn ein Spruch ein: Das Leben ist schön, von einfach hat Niemand geredet.Auch wenn mir schon seit längerer Zeit klar ist das erwas passieren muss, wenn wirkliche Veränderung eintreten soll. Die Menschheit ist am Ende mit ihrem Anspruch, immer mehr, immer schneller. Es sieht nicht so aus, das Viele freiwillig aus ihrer Komfortzone rauskommen und freiwillig loslassen. Aus Erfahrung weiß ich, das etwas sterben muss, bevor Neues entstehen kann. Ich fürchte nicht den Tod, aber vor dem Sterben habe ich Respekt, da es nicht geübt werden kann.Mittlerweile glaube ich, das Corona mit dem gesammten Chaos zu dem Sterbeprozess dazugehört.Bin gespannt welches Ausmaß dieser Prozess fordert und wann dieser „menschliche Tiefpunkt“ eintritt, und in welchem Umfang. Mit unserem menschlichen Verstand werden wir das nicht regeln können, weil genau uns dieser Verstand in diese Situation gebracht hat. Ich hoffe , uns gelingt dieser Bewußtseinssprung.

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