Donnerstag, 210708

Gendern.

Es wird sich gestritten und empört, auf Seiten derer, die auf den verbalen Unterscheidungen bestehen und jene, die alles so lassen wollen, wie es ist. So einer bin ich übrigens auch, nicht, weil ich etwas gegen Gleichberechtigung habe, sondern weil mich der verhunzte Lesefluss stört.

Nun bin ich ein eher Lösungs-orientierter Mensch und habe nachgedacht. Im Tal der Wupper gibt es eine wunderbare Regelung, was den alljährlichen Karnevalszug angeht. Ja genau, der Rosensonntagszug, der, bei dem, wenn man vorne das erste Funkenmariechen bestaunt, hinten schon die Jungs von der Müllabfuhr sehen kann. Unser sehr überschaubarer Karnevalszug also, der alljährlich, sofern gerade kein Krieg oder Corona, zu sehen ist.

Bevor ich jetzt komplett vom Thema abkomme – was hat der Wuppertaler Karnevalszug mit dem Gendern der 20er Jahre unseres Jahrhunderts zu tun? Er bietet einen famosen Lösungsansatz. Dazu muss man sich die Entstehungsgeschichte der Stadt Wuppertal etwas genauer anschauen. Einst bestand das heutige Stadtgebiet aus den beiden ehemals selbstständigen Städten Elberfeld und Barmen sowie das Drumherum auf den Höhenzügen und so, Details würden Auswärtige nur langweilen. Nach der Gründung der Stadt Wuppertal anno 1929 gab es Streit. So ziemlich über alles, selbst der Name der Stadt war umstritten. Und natürlich der Karnevalszug der nun vereinten Stadt. Sollte er von Barmen nach Elberfeld ziehen oder andersherum und wie wäre die jeweilige Botschaft dann zu deuten? Irgendwer ist immer angepisst, also fand man die salomonische Regelung, in dem einen Jahr den Zug von Barmen nach Elberfeld ziehen zu lassen und im nächsten Jahr dann genau andersherum. Das funktioniert seit fast einhundert Jahren tadellos, zu allgemeiner Zufriedenheit, und das heißt etwas, im Tal der Wupper, das sonst eher dem bekannten kleinen gallischen Dorf ähnelt.

Also? Ein Jahr wird gemännert, dann dürfen sich in alter Frische die Frauen mit gemeint fühlen und im Jahr darauf wird gefraut, dann dürfen sich auch die Männer mitgenommen fühlen. So kommt keiner zu kurz und unsere Sprache hört sowie liest sich etwas weniger Scheiße, alles in allem.

Un nu – Unterschriftenliste, Petition, wer macht mit?

20 Gedanken zu “Donnerstag, 210708

  1. 😂 Ich bin dafür, das es jede*r so machen darf, wie sie/er/es es will und ich habe mich dafür entschieden, den Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans und intergeschlechtlichen Menschen zu glauben, dass sie sich sprachlich ohne das Gendern immer übergangen fühlen. Insofern freunde ich mich vielleicht damit doch noch an.
    Aber Deine Lösung ist auch gut machbar, wenn wir binär denken ( Binär steht hier für „zweiteilig“ und reduziert auf nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich.) Wir müssen nur festlegen, ob gerade Jahre männlich und ungerade weiblich sind. Oder umgekehrt.
    Ich stelle mir ja schon lange die Frage, warum niemand etwas dagegen hat, dass es immer noch „das Mädchen“ heißt und „der Junge“. Daran müssen wir noch arbeiten, denn ein Mädchen ist doch keine Sache! Obwohl: Sache ist ja auch schon wieder die🤦‍♀️.
    🤣 Man/frau/divers sollte das einfach alles nicht so furchtbar ernst nehmen! Helau! Oder was rufen die Wuppertaler so im Karneval?💝🙋‍♀️

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  2. Von mir aus kannst du mich Er nennen … Hauptsache ich weiß, wer ich bin 😜
    Das Patriarchat hat ausgedient, man sieht ja, wohin das den Planeten und die Menschheit gebracht hat .
    Deutsche Sprache schwere Sprache …
    Wer kommt auf die Idee, DER Mond und DIE Sonne zu sagen 🤔
    Die Herren der Schöpfung, die auch geschafft haben, einen Kalender mit 12 Monaten zu etablieren, obwohl das Jahr 13 Monde hat 🤣🤣🤣
    Könnte ich Romane zu schreiben, aber viel wichtiger ist, die Mädchen dieser Welt zu stärken, damit dieser ganze Schwachsinn in der Zukunft ein reales Ende findet, nicht nur in der Sprache

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      1. Upps … zu schnell auf den Knopf gedrückt 😉
        13 × 28 = 364
        Ein Monat ein Tag mehr – Fertig 🙂
        Stattdessen haben wir abwechselnd 30 und 31 Tage, einmal auch zwei mal 31 und einmal 28, aber manchmal auch 29 🙄🤯🤣

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  3. Fehlt da nicht das Tertium Datur? Wenn ein Jahr lang gefräuelt wird und ein Jahr lang gemännelt, müßte dann nicht auch ein Jahr lang diverselt werden?

    Und wenn dann noch der Unterschied zwischen seiend (genetisch) und wollend (mental) berücksichtigt wird, gäb’s Jahreszyklen fast schon wie bei den Maya:
    seiend gefräuelt
    fräueln wollend
    seiend gemännelt
    männeln wollend
    seiend diverselt
    diverseln wollend
    • …

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