Donnerstag, 250904

Nackt und roh – heil werden

Nach Beendigung meiner Morgenroutinen setze ich mich einen Augenblick. Trinke Tee und lese etwas über Schuldgefühle in der neuen Trokkenpresse. Passt gerade, denke ich. Es gibt schon lange keine Ausflüchte mehr, Ursache und Wechselwirkungen, vor allem aber Verantwortung. Für das, was war, aber vor allen dafür, manches nicht zu wiederholen. Sauber bleiben, innen und außen.

Kurz darauf stelle ich das Denken ein, davon gibt es am Tag noch genug. Musik in den Ohren und fließende, kraftvolle Bewegungen, der Tee verlässt mich wieder, über die Haut. Da ist weiter nichts außer Gefühl und Rhythmus, Impulse aus der Tiefe, Bewegung, Kraft. Es gibt im Tai Chi Bewegungsabfolgen, die solch eine starke Symbolik haben, dass es kaum zu beschreiben ist. Mal Abwehr, mal eins werden, mit allem, was ist.

Dem gebe ich mich hin und nehme etwas mit, wenn ich jetzt da raus gehe. Dort gibt es keine Musik mehr, alle Aufmerksamkeit gilt dem Außen. Allein das Gefühlte wirkt nach, kreist im Blut und spielt unter der Haut weiter, in Muskeln und Sehnen.

Durch die Schwärze zur Ruhe im Herzen.

*

Freitag, 241004

Tagträume

Wenn alles erledigt ist, der Tagesplan weitestgehend erfüllt, dann lasse ich Ruhe einkehren. Schaue hinter den Dingen und freue mich über den weiter werdenden Raum.

Leiser werdende Gedanken, herrlich unproduktiv in die Wolken schauen. Gleich ob live oder in Erinnerung.

Donnerstag, 240711

Betreten Sie die Leere

Was ist, wenn nichts mehr ist? Keine Musik, keine Arbeit, keine Menschen, keine Ablenkung durch den Verstand mit seinen gefühlt 1000 Aufgaben im Gepäck. Wie fühlt sich Leere an? Ein Zustand, den ich selten erreiche, aber er ist mir immerhin temporär kurz möglich.

In solchen Momenten fühle ich wirklich nichts, keiner mehr zuhause, ich registriere nur noch die unvermeidliche Zeitmessung, um den Punkt nicht zu verpassen, an dem ich mich wieder um das Tagesgeschäft zu kümmern habe. Oft genug, meistens sogar dominieren nach einer kurzen Weile wieder Gedanken und vor allem Gefühle, die gerade in die Zeit passen. Und doch hat sich etwas verändert, ich spüre etwas mehr Ruhe als zuvor. So kleine Auszeiten, auch wenn sie nicht lange andauern, sind Balsam für das vegetative Nervensystem.

Sonntag, 220612

Gestern war Ölbergfest, wir waren nur mal kurz schnuppern, uns war es zu voll. Bilder gibt es beim Wassertiger, dort habe ich das 30fache Datenvolumen und kann es mir leisten, die Bilder in voller Größe zu veröffentlichen. War jedenfalls eine schöne rund, derweil hier der Bär tobte.

Sonst so? Bei ARTE gibt es eine gute Doku zum Thema gehen, sehr umfassend. Was die Wirkung auf die Psyche angeht, das kann ich nur bestätigen. Ist mir in den vergangenen zwei Jahren sehr bewusst geworden, wie gut es mir damit geht, wenn ich mich genügend bewege.

Werde ich heute fortsetzen 🙂

Gestresst? — Panta rhei

Eigentlich nicht, also ich. Darf gleich sehr schmutzige Maschinen putzen, bin bis an den Rand gefüllt mit Vorfreude darauf. Jährlicher Highscore in Sachen Splitter inne Finger. Dafür ist heute auch der letzte Werktag dieses merkwürdigen 2020. Und überhaupt: Kein Stress mit irgendwelchen dämlichen Einkaufsrummel. Kühlschränke und Vorratskammern werden gefüllt, fertig. Vielleicht Bücher, als Nahrung für Geist und Seele.

Das Bild? Die Liebste sieht zwei Kühe, aha. Da ist Handlungsbedarf. Ich sehe das Meer, unendliche Weiten, feiner blauer Himmel, die scheinbare Unendlichkeit. Mit was drin, was springt. Genaueres ist unwichtig.

Danke, Marion, für das geniale Bild 🙂

Gestresst? — Panta rhei

Sonntag, 200719

Stille. Die werkfreien Tage laden um innehalten ein. Keine große Reise, nur wenige äußere Reize, Familie, Besinnung auf das wesentliche oder besser das, was ich dafür in dieser Zeit halte.

Gedanken über Gruppen-Zugehörigkeit, Sehnsucht nach Gemeinschaft. Derzeit fühle ich mich von den gewohnten Strukturen  – ja, wie genau – entfremdet, das passt am ehesten. Was bleibt, ist meine Zugehörigkeit zu der Schöpfung, zu meiner höheren Macht, zu meinem Gott. Kosmopolit passt vielleicht auch. Was trägt, ist das Gefühl, im Moment genau richtig zu sein. Viel mit mir allein und dennoch verbunden.

Sonst so? Interessante Botschaft am schwarzen Cafe zu Berlin … Schweigen = Verrat? Kommt auf den Kontext an, lohnt sich auf jeden Fall, drüber nachzudenken.

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Und ja, Sonntag ist auch…

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Samstag 200627

Keine besonderen Vorkommnisse. Früher wurde mir in solchen Lagen langweilig und so habe ich mein bestes gegeben, wieder ein ordentliches Mass Unruhe in mein Leben zu bringen. Was man so macht, wenn man jung ist. Neue Freundin, neue Wohnung, neue Arbeit, Alkohol- und Drogen-induzierte „Nebenkosten“ des Lebens, meist in Form von gewissen Beziehungskrisen, gesundheitlichen Herausforderungen oder außerplanmäßigen Rechnungen.

Boah. Toll, etwas älter geworden zu sein…

Sonst so? Manche Tagesmeditationen berühren mich mehr als andere. Diese hier zum Beispiel, für Zeiten abseits von keinen besonderen Vorkommnissen.

2020-06-27 08_27_17-https___aa-welt.de – Opera

Quelle: 24 Stunden am Tag – ein vergriffenes Buch der Gemeinschaft der anonymen Alkoholiker. Online hier und anderswo noch zu lesen.

Nichts besonderes

Die Fell-lose Mitbewohnerin schläft noch und meine morgendlichen Rituale sind durch. Ich hätte Lust auf Brötchen, aber keine Lust auf die Schlange vor`m Bäcker. Mal sehen, wie das Pendel ausschlägt. Ansonsten braucht es noch Grünfutter, Gemüse eben, das bekomme ich auf dem Markt. Die unerledigten Dinge sind abgearbeitet, so allmählich kehrt Ruhe ein, neben dem Alltäglichen, Trivialen, Vermeidlichen, Unvermeidlichen.

Qualität der Stunde? Ein leerer Kopf, selbst der gewohnte Druck ist weniger spürbar, was eher selten vorkommt. Für eine Weile treten manche Sorgen in den Hintergrund, sei es durch meine gerade beendeten Übungen oder sei es der Anblick unseres tiefenentspannten Fellbabys, das ich gerade vom selbst benötigtem Bürostuhl auf`s Sofa in die Sonne gelegt habe, wo sie nahtlos weiter döst. So dann, von ein paar Kleinigkeiten, die noch zu besorgen wären abgesehen, kann Ostern kommen.

PS: Gestern gesehen, nach einem Tipp von nebenan:
Die rechte und die linke Hand des Teufels, 1969, auf Kabel 1. Fazit:

  • Alle paar Jahre ein flacher Italo-Western kommt gut.
  • Alle paar Jahre werbeverseuchtes Privatfernsehen ist immer noch grenzwertig zu ertragen.
  • Erschreckend, mit wie viel dümmlichen Pathos (schön platziert mitten im Werbeblock) das Volk auf die bescheidene Gesamtlage eingeschworen wird, # wirbleibenzuhause …
  • Reicht erstmal, für die nächsten Jahre.

Stille Stunde

Diese Zeit am frühen Morgen, ich liebe sie, besonders an arbeitsfreien Tagen, zumindest, was die Werktätigkeit angeht. Lilit übrigens auch, sie freut sich, wenn ich die Zeit habe, mit ihr ausgiebig zu kuscheln. Für mich gibt es nichts Entspannenderes, als einfach nur da zu sitzen, dieses Fellknäuel zu streicheln und die Gedanken schweifen zu lassen, zur Ruhe kommen zu lassen. Träume noch einmal anschauen, das eine oder andere hier gelesene noch einmal Revue passieren lassen.

„Kokon“ habe ich gerade gelesen.  Früher hatte ich auch einen, so einen Drogen-induzierten Kokon. Da war ich für mich, im meinem selbst gebautem Ei aus psycho-aktiven Substanzen. Wer oder was schützt und behütet mich heute? Der Mensch-Gewordene ist bei mir, und das war ein verdammt guter Tausch.

„Politische Korrektheit“ habe ich gerade gelesen und war versucht, einen langen Kommentar zu schreiben. Wieder einmal war die Return-Taste mein bester Freund, dafür ist mir meine Energie schlicht zu wertvoll. Politischen Diskussionen ergebe ich mich nicht mehr, schon gar nicht um diese heilige Tageszeit.

Sonst so? Die Schränke sind leer, gleich geht es heraus. Samstag eben.

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