Heimfahrt mit der Regio.
Köln Hauptbahnhof. Der Zug kommt und fährt pünktlich, was ich erwähnenswert finde. Eine Gruppe Bier-seliger Fußball-Fans steigt mit ein, lautstark, aber friedlich. Der Geräuschpegel ist enorm. Mittlerweile habe ich mich an die vielen Menschen gewöhnt, was bei mir immer eine Weile dauert.
Fast jeder schaut in sein Phon, ich nicht, bin gut damit beschäftigt, die vielfältigen Eindrücke rund um uns herum wahrzunehmen und währenddessen in Frieden bei mir zu bleiben. Es ist voll, zwei schwarze Mädchen setzen sich zu uns, die neben mir macht sich sofort dicht an meiner Seite weiter unten zu schaffen. Eine Steckdose für ihr Ladegerät, ok. Sorry, sagt sie und grinst.
Opladen steigt ein Junge aus, Typ Shit steht in riesigen Buchstaben hinten auf seinem Shirt. Was für ein Statement, denke ich und grinse angesichts meines eigenen Outfits. Schwarzes Shirt mit großem Kinski-Konterfei – Fun? There is no Fun. Typ böser alter weißer Mann, der manchmal Sachen sagt, die heute unsagbar sind und über Scherze lachen kann, die heute nicht mehr lustig sind. Aber in Frieden mit mir und Kinski kennen viele Kinder eh nicht mehr.
Die lauten rot-weißen Zeitgenossen steigen aus, umgehend kehrt Ruhe ein. Die letzten sind noch im Zug, da sehe ich die ersten beiden pissend am Bahnhofszaun stehen. Voll die Blase und groß die Not, kenne ich aus längst vergangenen Tagen, ohne Fußball, aber in vergleichbaren Zuständen.
Zwei Reihen vor mir sitzt ein Kerl, schaut wie alle anderen in sein Phon. Ich sehe nur sein Spiegelbild im Zugfenster, er schaut aus, als würde er nur mühsam seine Tränen zurückhalten. Schlechte Nachrichten, denke ich, oder irgendwas sonstig anrührendes. Ich mag Menschen, denen man ansieht, wie es ihnen geht, auch wenn es offensichtlich nicht gut geht.
Und wieder daheim, Kiez, Katzen, Kissen im Rücken. Ein guter Tag.

☆
Unvergessen.

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