Donnerstag, 250403

Das Glück ist ein Kind des Schattens, ohne ihn gäbe es kein Licht und im übertragenen Sinne auch kein Glück. Wäre alles gleichförmig bekömmlich und erhaben, Mensch würde sich schnell langweilen und, der Erfahrung nach, einen mindestens kleinen Streit anfangen, um ein wenig mehr Glück zu bekommen, als ihm zusteht. Natürlich auf Kosten des oder der Nachbarn (so kommt man vom unschuldigen Blumentopf zur Weltpolitik).

Jedenfalls ein feines Bild, am frühen Morgen, im Schein der Küchenfunzel.

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Söhnlein Brillant

Wir waren verabredet, der junge Mann und ich – Wohnung angucken. Die Frau Mama wohnt gleich gegenüber auf der Etage und ist prompt mit dabei, aus Gründen. Der Sproß trägt eine Baseballkappe mit einem weithin sichtbaren Christen-Kreuz vorneweg. „Oh“, sage ich, „Sie sind christlichen Glaubens, da haben wir etwas Gemeinsames.“ Daraufhin höre ich „Wird ja auch mal Zeit, etwas dagegen zu setzen, bei dem, was da alles so durch die Stadt läuft“.

WTF? Ich glaube an das Gute, derweil vor mir ein Exemplar des Ku-Klux-Klans 2.0 zu stehen scheint. Im Laufe unserer letztendlich fruchtlosen Begegnungen in Sachen Nachmieter stellt sich heraus, dass Mutter wie Sohn eher vom Stamme Nimm denn Abraham sind. Alles soll für lau und dreist ist man auch dabei. Ab einem gewissen Punkt mache ich zu und überlege kurz, dem Kerl seine Seele zu retten, indem ich ihm irgendwas von der zweiten Todsünde schreibe – Avaritia, Gier, Habsucht und so weiter. Mache ich natürlich nicht, vom klugscheißen wurde noch keiner ein besserer Mensch. Wäre nur mir ein innerer Durchmarsch gewesen.

Fazit:

  • Ich lerne immer noch dazu.
  • Es dauert manchmal, bis ich wahre Absichten erkenne.
  • Aber wenn, dann konsequent.

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Drabble Dienstag, 250128, 2te Runde

100 Worte mit: Konservendose + beginnen + verschachtelt
Danke fürs ausrichten, Puzzleblume.

Zum Schluss war der Alte arg wirr und erzählte eine Menge kruder Sachen. Fred, der Gärtner, hatte Humor und konnte gut zuhören, nicht uneigennützig, wohlgemerkt. Am besten war die Story mit der Konservendose, die irgendwo in den verschachtelten Kellerkatakomben versteckt sein sollte, für schlechte Zeiten. Fred stieg dem Ding, als der Alte endlich die Augen schloss, hinterher. Schlechte Zeiten = Bargeld, dachte Fred. Nach langem Suchen fand er das beschriebene Ding, unauffällig und genauso schwer wie die harmlosen Linsensuppentöpfe, aber gekennzeichnet.

Schnell den Öffner her, oben tatsächlich Geld, Zwischenboden, darunter ein Amulet. Kaum auf der nackten Brust, begann die Wirkung.

Die Balance — miasraum

Menschen, die alles haben, zumindest materiell gesegnet zu sein scheinen, neigen dazu, nicht genug zu bekommen. Ein mir vertrauter Zustand, auch aus meiner eigenen Geschichte. Ein Zustand, den ich auch aktuell immer wieder erleben muss, bei anderen.

Genug ist der Schlüssel …

Danke für das zeitlose Dostojewski-Zitat, liebe Mia.

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Zwischen Tag und Abend nachgedacht: Das Leben würde ja wirklich weniger Spaß machen, wenn alles immer einfach wäre und alles immer reibungslos verlaufen würde. Wir würden das Gute gar nicht zu schätzen wissen, es irgendwann auch gar nicht mehr wirklich registrieren und wir wären weniger achtsam mit uns und unserem Leben.Es ist immer die Mischung,…

über Die Balance — miasraum